10. Oktober 2006

[ Konferenzen ]

Open Space ist Open Space

Ton Zijlstra weist auf eine Unart, die im Moment auf vielen Konferenzen und Veranstaltungen umgeht, hin: Man nennt alles, was irgendwie anders, als eine normale "Redner redet, Publikum hält die Klappe"-Sitzung ist "Open Space".

Auf der SHIFT war das besonders gruselig: Dort gab es "Open Space"-e, die nichts anderes waren, als langweilige "Ein Sponsor steht vorne und redet über sein prima Produkt während der Saal (mehr oder weniger) zuhört"-Sitzungen.

Dabei ist OpenSpace was anderes: Es ist eine Methode zur Großgruppenmoderation, mit Struktur und Moderation. Es ist nicht:

  • Chaos
  • "Wenn man miteinander redet"
  • Rumlaufen und Dinge auf Poster schreiben
  • "Wenn das Publikum auch was sagen darf"
  • Ein anderes Wort für "Workshop"

Es ist eine strukturierte (1) Methode (2). Die wichtig, gut und toll ist, aber lange nicht einfach oder für alles geeignet.

So sehr es mich freut, dass sich Veranstalter und Teilnehmer offeneren Konferenz- und Veranstaltungsformaten zuwenden,- ein klein wenig sollten wir auf die Begriffe Acht geben. Einfach alles, was in irgendeiner Weise "offen" ist, "Open Space" zu nennen, tut weder der Entwicklung von Open Space, noch der von anderen Formaten gut.

Im Archiv: Das E-Business Weblog: Knowledge Café auf der Edumedia 2006 (24. Mai 2006)

Trackbacks sind Links von anderen Weblogs auf diesen Eintrag.  

Ich hatte auch gerade was in meinem Blog zu Open Space geschrieben. Open Space ist nicht wirklich moderiert. Das sage ich mal als Mitarbeiter eines Unternehmens, das aus dem Dunstkreis der Erfinder der Moderationsmethode entstanden ist. Gute, professionelle Moderation trifft man leider viel zu selten an.

Tim Schlotfeldt am 10.10.06 22:19 #
 

Dnkeschön- Das musste mal gesagt werden!

Stephan List am 11.10.06 06:22 #
 

Danke für den Link, Tim. Wir denken da gerade über ganz ähnliche Dinge nach. Was meinst Du mit "nicht wirklich" moderiert? Mindestens der Beginn eines OpenSpace, wo die Regeln dargelegt werden, ist doch stark moderiert! (Anschließend kann der Moderator oft fast verschwinden, das stimmt. Meinst Du das? Dass der Moderator im Ablauf nicht präsent ist, der Ablauf an sich nicht (von einem Moderator) moderiert wird?)

Martin Röll am 11.10.06 09:24 #
 

Ich würde sagen das Begleitteam hat drei Rollen:
Facilitation, moderation, und mediation. Am Anfang ist Facilitation angesagt (Regeln erklären usw.) Moderierung kommt beim aufstellen des Agendas ins Spiel, sorgen das jeder teilnehmen kann. Nachher ist es zurück auf Facilitation, und auch Mediation (1 zu 1 Leute begleiten effektiv teilnehmen zu können, d.h. Fragen beantworten, usw)

Ton Zijlstra am 11.10.06 09:49 #
 

Open Space ist nicht Open Space

Irgendwie verstehen verschiedene Menschen auch in Details unterschiedliche Dinge darunter. Patrick Gruban's Buch Business Communities hat das Thema 2001 auch schon mal behandelt. Die Seite zum Buch ist: http://www.bizcommunities.de/ Im Buch findet man sinngemäß:

Communities of Practice funktionieren ähnlich wie Open Space Technologie (Harrison Owen, 1983)
alle treffen sich; wer ein Thema hat, heftet es an die Pinwand
die Menschen ordnen sich selbst den Themen zu
Regel der 2 Füße: jeder entscheidet, ob und wann er die Gruppe verläßt

Ich bekomme keine Prämie, wenn jemand das Buch kauft.

Gruß

Thomas Hofmann am 11.10.06 10:19 #
 

Hm. Er hat da ein eigenwilliges Verständnis einer Community of Practise, definiert aber "Open Space" nicht um, oder?

Martin Röll am 11.10.06 10:23 #
 

Zum Thema Moderationsmethode: Das wird gerne mal mit dem "Fernsehmoderator" verwechselt, der Teilnehmer einer Veranstaltung ansagt.

Die Grundidee bei der Moderationsmethode ist es, einen hierarchielosen Rahmen für Gruppenarbeit zu schaffen, in dem dann sehr strukturiert in Moderationssequenzen an einer Problemlösung gearbeitet wird. Dafür gibt es verschiende Moderationssequenzen und diverse Modertionstechniken.

Ein Moderator gibt zum Einen die Struktur der Kleingruppenarbeit vor, zum Andern visualisiert er die Kommunikation ständig mit. So haben alle Teilnehmer den Verlauf immer vor Augen. Ein Moderator sorgt zudem dafür, dass alle Teilnehmer die Möglichkeit haben, sich in gleicher Weise zu beteiligen.

Der Diskussionsprozess in der Gruppe verläuft nicht unmittelbar, sondern über die vermittelnde Wirkung des gesamten moderatorischen Settings. Dadurch entsteht eine entspannte Arbeitskultur, die sowohl kreative Lösungen als auch Akzeptanz durch Beteiligung ermöglicht. Meist sieht es so aus, dass die Teilnehmer in einem Halbkreis sitzen, wärend der Moderator vor der Gruppe die Beiträge an Moderationswänden mit Hilfe von Karten visualisiert (Schrift- und Collagetechnik).


All das ist bei Open Space nicht gegeben.

Tim Schlotfeldt am 11.10.06 11:31 #
 

Aye, verstanden. Enge Auslegung des "Moderatoren"-Begriffs. Dann sind wir uns einig. Mein "Open Space Moderator" ist dann das, was Ton "Facilitator" nennt. Gibt es dafür einen passenderen deutschen Begriff? (Im Wörterbuch: facilitator, to facilitate)

Martin Röll am 11.10.06 11:39 #
 

Im englischen nennt man sich tatsächlich facilitator, im deutschen haben sich tatsächlich die Begriffe "Open Space-Berater" und "Open Space-Moderator" durchgesetzt.

Tim Schlotfeldt am 11.10.06 13:03 #
 

"Community of Practice":
Ich hab das Buch jetzt nicht hier. Er sagt nur "so ähnlich wie". Ich glaube für das Verständnis kann man die Phrase "Communities of Practice funktionieren ähnlich wie" weglassen. Aber meine Beschreibung ist die kürzeste Fassung des Inhalts, in der noch nicht zuviel verfälscht wird. Ich hab das Buch damals bei uns in der Firma besprochen. (Mit anschließender Diskussion. :-) Open Space gefiel so gut, daß ein paar Wochen später bei uns "sowas" gemacht wurde. :-D )

Thomas Hofmann am 11.10.06 15:53 #
 

Hallo,
meiner Meinung nach wird beim Open Spacew definitiv *nicht* moderiert. Meine Kollegin Gabriela Ender von OpenSpace-Online gebraucht den sympathischen Begriff des "Begleitens". Dem habe ich mich angeschlossen.
Auf der Maillist der IAF gab es mal einen heftigen Streit darüber, wie "Facilitator" eigentlich einzudeutschen wäre. Das war teilweise sehr grenzwertig, was den Ton betrifft. Offensichtlich bewegt sich da viel auf Glaubenssatzebene.
Tim, dass Moderation hierarchiefrei ist, halte ich für nicht haltbar, denn schließlich hat er die Methodenhoheit (ist ja auch nicht weiter schlimm). Bei Open Space erkläre ich als Begleiter zwar das Verfahren, ansonsten ist es aber meine Aufgabe "rechtzeitig den Teilnehmern aus dem Weg zu gehen", wie Harrison Owen sagt und allenfalls als Butler zu dienen. Das ist für mich schon ein erheblicher Unterschied und erklärt, warum so mancher Moderationsmethodenmoderator oder Trainer sich in der Begleitung mit Open Space schwer tut. Die Teilnehmer bestimmen nämlich selbst, was zu tun ist: *K*"ein Moderator gibt zum Einen die Struktur der Kleingruppenarbeit vor, zum Andern visualisiert er die Kommunikation ständig mit", *k*"ein Moderator sorgt zudem dafür, dass alle Teilnehmer die Möglichkeit haben, sich in gleicher Weise zu beteiligen".
"Open Space Berater" oder "Moderator"? Kenne ich nicht, halte ich auch für unzutreffend.

Gruß
Stephan List


BTW: Martin, *klammern* Sie in Barcelona Ihren Rucksack fest, am besten mit Handschellen. Gute Reise und viel Spaß! ;-)

Stephan List am 11.10.06 19:01 #
 

Beim "Begleiter" müsste ich immer an einen "Begleitservice" denken. :-) Aber ein guter Versuch.

Martin Röll am 11.10.06 19:23 #
 

Facilitator = Bahner und Erleichterer. ;-)

Tim am 11.10.06 20:34 #