9. Juni 2006

[ Blogging ]

Kommentarmoderation

Hier drüben wird Nicole Simon im Blog einer Konferenz, auf der sie gesprochen hat, von anonymen Kommentatoren angegriffen. Hier drüben sorgt sich Thomas Wanhoff darüber und schreibt:

Das Problem der Blogosphere [...] sind Leute wie diese [...], die Blogs und deren Kommentare nutzen, feige und aus dem Hinterhalt Leute zu verunglimpfen. DAS sind diejenigen, warum wir uns Sorgen machen müssen, ob Blogs ernst genommen werden.

Ich bin anderer Auffassung.

Man lösche die Kommentare. Gleich.

Ruhe.

Idioten gibt es immer. Wenn man denen eine Plattform für anonyme Beleidigungen bietet, wird sie genutzt werden. Böte man sie nicht, müssten sich die Trolle eigene Plattformen suchen oder bauen. Das tun sie normalerweise nicht - es ist zu aufwändig. Und selbst wenn sie es tun: Sie müssen dann erst gefunden werden. Nach Beleidigungen suchen aber nur wenige.

Es wird dann viel ruhiger. Mir gefällt das - deshalb moderiere ich meine Kommentare.

Man muss das nicht machen: die Idee von "Free Speech" im eigenen Blog hat durchaus Charme und manchmal entsteht selbst aus den anonymen Beleidigungen noch was Wertvolles. Aber ich kann so besser schlafen. Und mir macht die Diskussion mehr Spaß, wenn nicht immer Trolle reinschreien.

"Ob Blogs ernst genommen werden", wie Thomas Wanhoff schreibt, entscheidet sich nicht anhand von einigen Idioten sondern daran, wie wir mit Blogs umgehen.

Diese Konferenzseite kann ich wirklich nur schwer ernstnehmen: Würde sich jemand auf einer Konferenz so benehmen, würde man ihn rauswerfen. Dort im Blog lässt man ihn gewähren. Ich glaube nicht, dass der mögliche Wert, den man in der Kritik sehen kann, den entstehenden Frust und Ärger aus der anonymen Attacke und Beleidigung bei Nicole und Thomas aufwiegt. Ganz zu schweigen davon, dass das Gestreite jede niveauvolle Diskussion auf der Seite verhindert.

Es sind nicht "diese Leute", wegen derer wir uns sorgen müssen. Wir müssen uns selbst kümmern. Tun wir das.

Trackbacks sind Links von anderen Weblogs auf diesen Eintrag.

Bei Martin gibt es eine interessante Diskussion über Trolle und wie man mit ihnen umgeht. Ich halte es da ganz einfach: Das hier ist mein Blog. Und wer sich hier nicht benimmt, wird gnaden- und kommentarlos gelöscht. Sollen die sich doch bei heise au...

Der Schockwellenreiter: Kommentare, Trolle und Experten (12.06.06 07:34)

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Haltungsturnen - Klopfzeichen aus der Wirklichkeit: Kritik? Schimpfen? Trolle? (12.06.06 18:04)

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hirnrinde.de: Kommentare, Hausrecht und Zensur (01.09.06 08:35)

 

Ist es unter Niveau? Absolut. Entblöden sich die Herren? Ebenso. Ist davon auszugehen, daß diese Menschen im realen Leben Schwierigkeiten hätten, mir auch nur gerade in die Augen zu sehen? Sehr sicher.

Troll eins ist nachvollziehbar für mich aus welcher Ecke er kommt, Troll 2 Tim versucht ja wohl wenigstens ab und an mal was intelligentes von sich zu geben, schafft es aber auch nicht, sich davon zu lösen (oder bei seinen 'Recherchen' auf meinem Lesen zu lernen.


Ich hadere damit, diese Kommentare zu löschen - nicht aus diesem einen speziellen Fall heraus, sondern als generelle Frage. Denn: wo ziehst Du die Grenze?

Nicole Simon am 09.06.06 12:42 #
 

Ach so. Nicht gesprochen. Sondern organisiert und moderiert. Deswegen bin ich auch sehr optimistisch, daß ich nächstes Jahr wieder dabei bin. ;)

Nicole Simon am 09.06.06 12:44 #
 

Ich weiß nicht, wo "die Grenze" ist. Wüsste ich eine, würde ich vielleicht mal eine Kommentar-Policy schreiben. Das ist Bauchgefühl. Manchmal werfe ich was direkt raus. Manchmal frage ich per Mail nach, um zu verstehen, was der andere meint und um herauszufinden, ob er an einem Gespräch interessiert ist oder sich nur ausk*** will. Das ist nicht ganz einfach. Aber nur, weil ich das nicht generell klären kann, auf das Löschen verzichten?

Martin Röll am 09.06.06 12:58 #
 

'tschuldigung, aber mal ein einwurf, nachdem ich mich ein wenig durch die ganze thematik quergelesen habe:

die "trolle" haben vielleicht so unrecht nicht. selbst destruktive kritik hat eine ursache, einen grund. und wird nicht aus reiner lust zum stänkern heraus praktiziert. klar spielen jede menge persönliche ressentiments und subjektivität mit, aber nun ja, wie gesagt, irgendwoher muss das ja kommen.

und um ehrlich zu sein, ich muss jedesmal grinsen, wenn jemand sich als blogging/podcasting-experte, bewusst selbst differenzierend vom professionellen schreiberling, bezeichnet.

blogger sind alle narzissten. und diejenigen, die sich "experten" nennen, dürften da wohl zu den schlimmsten gehören. seriously, was qualifiziert einen zum "experten" im bloggen?

und zuletzt noch eine vermutung von mir: die blogger-elite und sogenannte experten würde man als solche gar nicht wahrnehmen, gäbe es die "trolle" nicht. kritik und das gegenseitige aufs-maul-schauen-und-hauen ist doch die triebfeder hinter dieser besorgniserregenden elitenbildung. dasselbe muss passiert sein, als die religion erfunden wurde. allen hats getaugt, jeder fands cool, und plötzlich kamen ein paar gewiefte typen und erzählten, sie wüssten was gott will. damals war man allerdings noch dämlich genug, dogmen zu akzeptieren.

blundstone am 09.06.06 13:47 #
 

Sicher steckt auch in jeder anonymen Beleidigung ein kleines Stück "Wahrheit" - das kann ein guter Grund sein, so etwas auch einmal stehen zu lassen. Die Frage ist eben, wo und wann das Negative das Positive überwiegt. Es will ja auch niemand, dass die Kritik _nicht_ geäußert wird! Wer sich äußern will, möge sich äußern! Ich halte es nur nicht für sinnvoll, die eigene Plattform anonymen Schmähern bereitzustellen und dann 1) selbst darunter zu leiden 2) den konstruktiven Lesern das Gespräch schwer zu machen.

Deine "Experten"-Punkte verstehe ich nicht und bei dem, dass man die Trolle braucht, damit es Experten geben kann (?) bin ich auch nicht Deiner Meinung. Worüber redest Du?

Martin Röll am 09.06.06 14:04 #
 

@martin

natürlich gebe ich dir/euch recht, wenn du/ihr sagt, dass man sich das löschen vorbehalten sollte und vor allem ANONYME schmäher als eher feige bezeichnen darf; wahrscheinlich sind sie das auch, aber sie tun dennoch eine meinung kund.

was ich sagen wollte war, auch trolle sind bestandteil von diskussionen im netz, immer schon gewesen. man sollte sie als teil akzeptieren, ohne sich wirklich zwingend auf sie einzulassen. sie sind halt einfach da. totschweigen und -löschen kann man sie nicht.

ad experten:

ich rede ganz explizit von dem hier, ein auszug aus der selbstbeschreibung für "bloxpert":

If you look at the title of this blog, it is called bloxpert - for being something like an expert in blogging and all this other stuff - but the important thing is the addition: "we should be challenging".

selbst im kontext mit "we should be challenging" empfinde ich es als ein wenig nun ja.. kokett. da ist der spott nicht weit. wer vergessen hat, dass bloggen so populär wurde, weil eben KEINE expertise notwendig war/ist, um zu bloggen, und alle innovatoren in diesem zusammenhang immer versuchen, alles "dead simple" in der handhabung zu machen, um möglichst viele user zu erreichen, wo soll man hier ernsthaft expertise entwickeln? denn ganz offensichtlich ist frau simon eine userin, keine entwicklerin oder erfinderin dieser tools. wann bitte ist man ein "fähiger" oder ein "unfähiger" blogger? vielleicht ist das ja nur ein missverständnis eurer oder ihrer definition eines experten im bloggen.

blundstone am 09.06.06 14:47 #
 

Ich weiß auch nicht wo die Grenze ist. "Besucher" hat sie auf jeden Fall überschritten. Gar nicht nur mit dem was er schreibt, sondern weil er anonym schreibt. Rausschmeißen! Sofort.

50hz am 09.06.06 14:57 #
 

Blundstone: Bei der Existenz der Trolle sind wir und vollkommen einig. Klar sind die immer da. Wir müssen sie aber eben nicht mehr (wie z.B. früher im Usenet) _überall_ dulden. Wenn einer droht, eine Diskussion bei mir zu verhindern, schmeiße ich ihn raus. Das Netz ist groß genug.

Wenn Dir Nicoles Selbstbeschreibung nicht gefällt (ist es das? Ich verstehe den Bezug zum Thread immer noch nicht), klär's bitte mit ihr und nicht hier bei mir.

Martin Röll am 09.06.06 14:58 #
 

lieber martin,

gut dass wir uns da einig sind. aber was den scheinbaren "nichtbezug" zum thema betrifft, folgendes:

abgesehen davon, dass mir die selbstbeschreibung nicht gefällt (aber das ist mein problem, nicht ihres), habe ich sie deswegen thematisiert, weil das ganz offensichtlich der stein des anstoßes ist, weshalb diese "trolle" sich so darüber aufregen. dass sie sich selbst als eine expertin sieht, und sowohl "besucher" als auch "tim" das eben nicht finden.

aber im gegensatz zu diesen beiden begnüge ich mich damit - auch unter der gefahr, als "troll" zu gelten - einfach nur meine sicht der dinge in diesem zusammenhang kundzutun, nicht aber eine meinung zur person abzugeben. das könnte ich nur, wenn ich dabeigewesen wäre.

blundstone am 09.06.06 15:29 #
 

Aye, verstanden. Danke. (Komische Diskussion: "Ist sie eine Expertin oder nicht?". "War Ihr Vortrag gut (oder nicht)?" fände ich viel relevanter. Aber wenn Trolle ab hominem-Fragen diskutieren wollen und nicht gehindert werden...)

Martin Röll am 09.06.06 16:25 #
 

"Besucher" hat eindeutig eine Grenze überschritten. Ich stimme 50hz zu. Wäre diese Beleidigung unter Nennung des vollen Names erfolgt, könnte man sich - vielleicht? - noch damit auseinander setzen, aber anonyme Beschimpfungen dieser Art verdienen keine Beachtung und sollten m.E. umgehend gelöscht werden.

Rainer Helmes am 09.06.06 16:52 #
 

@experten
Könnte man sagen: Wenn jemand, von jemand anders um Rat gefragt wird, weil er offenbar etwas kann oder weiss oder vermitteln kann, was der Frager nicht kann oder weiß, dann würde mans agen: der Befragte ist (besser: gilt als) Experte. Wenn nun jemand dauend gefragt wird, kann er sich ggf. dann selbst als Experten bezeichnen.

Mir passiwer5t es grade täglich, dass Leute bei der 'doch recht einfachen Tätigkeit' des Bloggens unterstützung brauchen. Und die kann eben nicht jeder/r geben.

Ich kanna auch Schwimmen, dir aber Schwimmen schlecht beibringen. Ich kann Schwimmen, bin aber kein Schwimm-Experte. (Mich hat auch noch keiner gebeten, ihm Schwimmen beizubringen ;) )

Naja. (DIe andere Diskussion hab ich nicht verfolgt. Stimem aber Martin zu: Löschen und gut ist. Und lieber etwas zuviel als etwas zu wenig gelöscht.

OliverG am 09.06.06 17:23 #
 

Die Tatsache, daß ich genügend Programmieren kann um ein solches System selber zu schreiben bedeutet noch lange nicht, daß es auch sinnvoll ist, daß ich die hundertste Bloglösung programmiere - wozu auch, gibt es doch genügend Systeme die den Anforderungen gerecht werden.

Und auch wenn viele bloggen für "ganz einfach" halten ist es das für die normalen Benutzer meist nicht. Die holen sich dann Leute wie mich, damit man zusammen entwickelt was sinnvoll genutzt werden kann und was nicht.

(Solche Tätigkeiten werden übrigens selten direkt von den Entwicklern erledigt, warum wohl.)

Eine eigene Meinung haben und dabei auch Vorlieben entwickeln - sehr gerne. Was für den einen zu kokett ist (übrigens, wie wäre die Bezeichnung gewesen, wenn es ein Mann gewesen wäre, der diese Formulierung verwendet hätte?), ist für den anderen genau richtig. :)

Nicole Simon am 09.06.06 18:53 #
 

Kinder, können wir die "Experte"-Diskussion damit zumachen? Hier gehts um was anderes. Merci.

Martin Röll am 09.06.06 21:11 #
 

Martin, gerade bei dieser Frage kann man das schlecht trennen. Als ich mit Johnny Häusler beim ZKM war, gab es auch ein paar Aufschreie, einen sogar aus dem Publikum, aber auch in den Blogs. Und gerade, wenn es öffentlich wird und man in Persona als "der Blogger da vorne" auftritt, das Ganze also vollkommen aus der unpersönlichen Webszene herausbricht, muss man vielleicht nochmal andere Kriterien ansetzen als im Blog. Zumal, wenn man Experte sein will. Von einem Experten, würde ich jetzt mal sagen, wäre sowas doch die beste Gelegenheit zu zeigen, dass er es kann. Gerade bei einem Medienforum, das versucht, die Dialogmedien auszurufen.

Abgesehen davon ist es mitunter vielleicht gar nicht so schlecht, sich hinzustellen und zuzugeben, dass bei genauer Betrachtung kaum einer was über "Blogs" weiss. Wir alle reden nur über Vermutungen, es gibt ein paar miese deutsche und amerikanische Studien mit übler Fragestellung. Es ist offensichtlich, dass herkömmliche Medien in der Brandung dümpeln, aber nur, weil wir die kommende neue Welle sehen, heisst es noch lang nicht, dass wir sie auch reiten können. Und wie viele Grosskotze haben wir da mit ihren kümmerlichen PR-Marketing-Webturi2.0-Blogs, die alle nur reden, aber ausser dem auch gerade abrauchenden Frostablog und der singulären Erscheunung Knüwer nichts an Geschichten zu bieten haben?

Insofern - ein klein wenig mehr Demut vor der Welle, ein klein wenig mehr Beobachtung, und dann werden auch solche Reaktionen nachlassen.

Don Alphonso am 10.06.06 21:33 #
 

N'abend Don. Nun: oben theoretisiere ich über Kommentarmoderation, unten geht's um die Definition des "Experten" oder ob man sich so nennen sollte/kann/darf. Ich kann da schon ganz gut zwischen trennen. ;-) Klar: Wenn man sich nicht "Experte" nennt, gibt's weniger negative Reaktionen, die sich daran hochziehen. Und vielleicht ist es nicht klug, sich selbst "Experte" für irgendwas und vielleicht erst recht nicht für Blogs zu nennen. Aber darum geht's hier nicht.

Martin Röll am 10.06.06 21:46 #
 

Menschen die einen verunglimpfen wird man weder in der realen Welt, im Blog noch sonstwo aus dem Weg gehen können.
Das aufgrund solcher Kommentare einige sich Sorgen machen ob Blogs ernstgenommen werden können, finde ich schon fast lächerlich.
Kommentare die nicht in den Blog gehören werden normalerweise gelöscht und wir haben wieder ein äußerst effektives und sehr offenes Kommunikationsmittel.

bfm am 11.06.06 11:13 #