2. Juni 2006

[ Knowledgework und PIM , Singularität , Trends ]

Präsenz, Collaboration, Kollektive Intelligenz.

Ich greife das hier nochmal auf.

Wir werden unseren Kindern irgendwann mal erzählen, wie das war: Ohne Instant Messaging. Ohne virtuelle Präsenz. Mit Telefonen. Mit nur-E-Mail. (Ganz zu schweigen von: als wir Hotels noch angerufen haben, um sie zu buchen. Als wir zum Bahnhof gingen, um Fahrplanauskünfte zu erhalten. Als Auslandstelefonate teuer waren. Passkontrolle an der Grenze Luxemburg-Deutschland.)

Wir werden Statistiken auflegen über "Personenkilometer": wieviele Kilometer ein Mensch, der im Jahr 19/20xx geboren ist, im Schnitt in seinem Leben zurücklegt.

Wie wir arbeiten wird ganz anders als früher. Ich arbeite mit Leuten zusammen, die da draußen sind. Ich kann sie sehen - in Plazes, in Skype, im Instant Messaging. Ich weiß, wer sie sind, ich weiß, was sie machen. Ich weiß, worüber sie nachdenken und wie sie worüber was nachdenken. Ich weiß, in welchen Dingen sie sich besser auskennen, als ich und ich habe gewisse Ahnungen von den Dingen, über die sie Bescheid wissen, von denen ich gar nichts weiß.

Wenn ich sie brauche, kann ich schauen: Ich sehe sie im Instant Messaging. Haben sie Zeit? Ich kann nachfragen. Mit ihnen kann ich Dinge erarbeiten, die ich alleine nie erarbeiten könnte. Dabei müssen sie gar nicht unbedingt viel tun: Sie müssen nur da sein. Ich brauche sie - vielleicht für eine Frage, einen Tip, einen Link. Ich nutze ihre Weblogs und Bookmarksammlungen. Ich frage sie um Rat.

Wenn größere Dinge anstehen, können wir zusammen arbeiten. Ein paar von ihnen sind in meinem Intranet. Ein Wiki aufzusetzen dauert 5 Minuten. Wir tauschen Dokumente in E-Mail. Abstimmungen dauern nur noch Sekunden im Instant Messaging.

Wenn wir uns treffen, können wir unmittelbar zusammenarbeiten. Wir haben uns vielleicht nur zweimal vorher gesehen, aber wir kennen uns. Wir haben schon zusammen gearbeitet. Wir können einander einschätzen. Wir kennen dieselben Geschichten. Wir missverstehen uns wenig. Nur Körpersprache ist manchmal merkwürdig.

Fast egal wo ich bin, ich kann mich erreichbar machen. Ich bin oft erreichbar. Ich kann mitten in einer Konferenz sitzen und Reisen buchen, Verabredungen treffen, mit Kunden kommunizieren und ein Projekt starten.

Unsere Kinder werden sagen: "Ja, klar: Telepräsenz." Und auch: "Klar: Kollektive Intelligenz". Heute begreifen wir das gerade mal bei Ameisen. Menschen sind uns zu kompliziert - oder das Phänomen bei ihnen zu esoterisch?

Es gibt das heute schon. Unsere Kinder werden damit groß werden. Sie werden sich die großen Sinnfragen nicht stellen: Es wird einfach da sein. Es wird normal sein, dass es das gibt. Immer zu wissen, wo die Freunde sind. Jeden immer fragen zu können. Auf gesammelte Erfahrungen anderer zugreifen zu können (Pagerank? Wer braucht Pagerank?).

Der Einstieg ist ganz einfach: Simple Präsenz, einfache Collaboration. Plazes installieren. Skype installieren. Lernen, Dokuwiki zu installieren. Rudimentäres Zeug. Aber schon heute hilft uns das, besser zu arbeiten. Mehr in weniger Zeit zu erreichen.

"Wettbewerbsvorteile" nennen das die, die gerne in "Wettbewerb" denken. "Effektivität" nennen es andere. Manche haben einfach nur mehr Spaß.

Ein paar haben quasi-religiöse Erfahrungen, wenn sie in einem Kollektiv etwas erreichen, das größer ist, als alle zusammen. Das gab es auch schon vor dem Internet. Aber solche Kollektive waren selten. Heute kommen sie öfter vor. Jedem sein eigenes Mini-Kollektiv.

Intelligenz, Fähigkeit wird sich am einzelnen gar nicht mehr messen lassen. Einstellungstests, bei denen man nicht aufs Internet zugreifen darf, werden bedeutungslos. "Was DU weißt" ist ohne Bedeutung. Wichtig ist, wozu man fähig ist - und ohne das Kollektiv werden wir manche, wahrscheinlich die wichtigsten, Sachen nicht und die meisten nur schlechter machen können, als mit.

Für die Kinder wird das normal sein. "Weißt Du? Früher haben die wirklich noch ganz alleine gearbeitet!" Es ist schon heute nicht logisch, dass wir Kindern "Problemlösekompetenz" beibringen wollen und Handys in den Schulen verbieten.

Das ist schon da. Die, die es zuerst verstehen und nutzen, werden die ersten sein, die davon profitieren - ob Einzelpersonen oder Unternehmen. Ein paar große Organisationen sind schon dabei (IBM. Microsoft (?). Google.). Aufregende Zeiten.

Trackbacks sind Links von anderen Weblogs auf diesen Eintrag.

Während derzeit mit der Verbreitung von Personal Publishing und Social Software viele Leute immer mehr Informationen über sich öffentlich preisgeben, fürchten sich andere eher davor. Sie fürchten einen Verlust an...

Das E-Business Weblog: Die meisten Privacy-Ängste sind unbegründet (03.06.06 11:43)

Ich räume den Schreibtisch auf. Martin Röll ist schon einen oder fünf Schritte weiter und macht sich Gedanken über kollektive Intelligenz: Wie wir arbeiten wird ganz anders als früher. Ich arbeite mit Leuten zusammen, die da draußen sind. Ich kan...

bluelectric.de: Entwicklungsstufen (03.06.06 15:36)

Martin freut sich mal wieder darüber, dass alles plötzlich "funktioniert". Andere sagen einfach AlwaysOn dazu und fragen sich, warum nicht AlwaysOn. Data I create belongs to me. Schön - vielleicht treffen wir uns, wenn Du in München durchrauscht.

RSS BLOGGER: AlwaysOn (05.06.06 23:06)

Bei Martin Röll diskutieren die Leser gerade darüber, warum die meisten Professoren die Wikipedia nicht als Quelle für wissenschaftliche Arbeiten zulassen. Dafür gibt es sicher gute Gründe. Einen liefert Martin Oetting in seinem reboot-Bericht: Se...

Arno Klein: Wikipedia und Wissenschaft (07.06.06 22:35)

 

Ich werde mir über Deine Ausführungen nochmal intensiv Gedanken machen, weil Sie sich auf den ersten Blick so überhaupt nicht erstrebenswert anhören, aber vielleicht kommt ja auf den zweiten Blick rüber was Du meinst.

Aber schonmal vorab, was mir direkt durch den Kopf schoss:

1. Um im Team erfolgreich, zielgerichtet arbeiten zu können, muss man erstmal in der Lage sein, für sich selbst zu arbeiten, strukturiert zu denken, etwas zu analysieren. Das sind Dinge, die man nicht im Team lernt, weil man sie dann nicht braucht. Ich kann mich in eine große Gruppe einklinken und muss nichts tun, werde trotzdem immer von dem "Kollektiv" profitieren, ohne dass es auffällt, also habe ich keine Motivation, selbst etwas zu leisten und zu lernen. (siehe: Sozialismus :)

2. Ich will gar nicht immer erreichbar sein. Ans Handy hab ich mich mittlerweile gewöhnt. Aber da sieht man auch nicht, ob ich da bin. Das kann ich auch mal wegdrücken. IM und Skype habe ich zwar immer offen, aber ich antworte nicht immer. Plazes habe ich wieder runtergeschmissen. Das ging mir dann doch zu weit.

3. Gerade in Deinem Job muss man sich doch auch mal ein paar Tage zurückziehen und in Ruhe nachdenken. Ist es nicht nervig, immer "on" zu sein, immer da zu sein, immer erreichbar zu sein? Ich freue mich ja schon, wenn ich mal vier Tage Ruhe habe und einfach keine Arbeitsmittel (und nichts anderes sind Computer, Handy, IM, etc. doch, wenn man nicht gerade ein Techie ist) in der Nähe sind. Man muss doch auch mal Zeit für sich haben, Ruhe haben, über Gott und die Welt nachdenken, das Leben genießen, die Natur genießen, die Ruhe und Einsamkeit genießen oder auch mit netten Freunden die Ruhe genießen (muss ja nicht immer einsam sein), am See grillen und ein paar Bierchen trinken.

Probier's mal aus. Nur eins davon. Du wirst nicht glauben, wie motiviert und entspannt Du danach weiterarbeiten kannst. Von mir aus auch immer "on". :)

Jan Almer am 02.06.06 08:15 #
 

Merci für diese Worte - die ziemlich gut auf den Punkt bringen, was ich ständig versuche, den Menschen (ob Kunden oder nicht) um mich herum zu erklären: warum ich blogge, warum ich Skype habe, warum meine Bookmarks bei del.icio.us und meine Bilder bei flickr liegen, warum ich immer und überall online sein will.
"Kannst Du nicht mal einen Tag ohne??"
Nein. Nicht gut. :-)

Und warum ich das Internet so liebe.

Christian Fischer am 02.06.06 08:23 #
 

Jan: Präsenz ist nicht gleich Erreichbarkeit. Es geht nicht darum, dauernd erreichbar zu sein, sondern präsent zu sein und dann erreichbar zu sein, wenn man es will.

Martin Röll am 02.06.06 08:53 #
 

Hast Du Dich eigentlich schon einmal mit Matthias Horx getroffen? Ist bestimmt eine Erfahrung wert. :-)

Ich darf einen Absatz von Dir zitieren: "Unsere Kinder werden damit groß werden. Sie werden sich die großen Sinnfragen nicht stellen: Es wird einfach da sein. Es wird normal sein, dass es das gibt. Immer zu wissen, wo die Freunde sind. Jeden immer fragen zu können. Auf gesammelte Erfahrungen anderer zugreifen zu können (Pagerank? Wer braucht Pagerank?)."

Die große Sinnfrage: Das ist die Fähigkeit zur kritischen Reflexion. Und die ist unglaublich wichtig. Diese Eigenschaft ist für mich ein erklärtes Ziel der Erziehung unserer Tochter. Ohne sie ist die Aus- und Verwertung der Informationen, die dann überall zu beziehen sind, gar nicht möglich.

Thilo Specht am 02.06.06 11:22 #
 

Aye. Was ich meinte ist: Die Kinder werden sich nicht fragen, "ob man das haben sollte" oder nicht. Es wird da sein. Man kann es nutzen. Ob man das tut, ob es gut ist oder nicht, das bleibt eine eigene Frage. Jemand sagte hier gestern auf der Konferenz: "Vielleicht kommt es anders: Vielleicht werden unsere Kindern finden, dass es eine furchbare Idee ist, seine Fotos ins Internet zu stellen!"

(Nein, ich hab ihn noch nicht getroffen.)

Martin Röll am 02.06.06 11:41 #
 

Ich finde es schon jetzt eine furchtbare Idee, private Fotos ins Internet zu stellen. Da brauche ich nicht auf meine Kinder zu warten.

Und wenn viele das erste Mal kräftig damit auf die Schnauze gefallen sind, zu viel Privates im Internet preiszugeben, wird sowas wie ein kollektiver Lernprozess einsetzen, was man im Internet tun sollte und was nicht.

Warum wünschen sich 99 Prozent der Promis wohl mehr Privatsphäre? Denkt das doch einfach mal weiter. Ich will ja gar nicht den einfachen Blogger, den A-Blogger, den C-Promi und die Königin von England auf eine Stufe stellen, aber jeder Schritt in Richtung Aufgabe der Privatsphäre, bedeutet einen Schritt in Richtung öffentliches Leben.

Jan Almer am 02.06.06 11:46 #
 

Nachtrag:

Ich meine gar nicht, dass das per se schlecht sein muss, sein Privatleben öffentlich zu machen.

Man sollte sich nur vorher über die negativen Konsequenzen klar werden und abwägen, ob es das wert ist.

Jan Almer am 02.06.06 11:47 #
 

Nachtrag II:

Ich weiß ja nicht, wann ihr alle angefangen habt, mit dem bloggen, flickrn, Homepage bauen, Newsgroups nutzen und so.

Ich habe 1993 mit 15 das erste Mal in Fidonet-Echos diskutiert -- damals in kleiner Runde, man kannte sich ja. Irgendwann wurden alle Fido-Echos über das Usenet zugänglich. Und noch heute kann ich meine ersten Fido-Posts von 1993 über Google Groups finden. Damals habe ich nicht im Traum daran gedacht, dass 13 Jahre später die ganze Welt meine Posts aus Teenagerzeiten lesen kann. Manche davon würde ich heute nicht mehr schreiben. Okay, die Leute wissen, dass ich damals 15 war, als ich das geschrieben habe. Aber peinlich ist es trotzdem manchmal, wenn man darauf angesprochen wird.

Denkt doch mal an zukünftige Chefs, etc.

Und jetzt denkt mal an die nächste Stufe: Bilder von irgendwelchen Partys, wo ihr besoffen in der Ecke liegt.

Ich will überhaupt nicht, dass alle Welt weiß, dass ich gerade in Italien bin und bei mir zu Hause niemand da ist.

Ich will überhaupt nicht, dass irgendjemand weiß, dass ich gerade im Park in Hamburg sitze, denn eigentlich sollte ich arbeiten.

Ich will überhaupt nicht, dass irgendjemand, den ich nicht kenne, Fotos von meinen Kinder sieht.

Ich will überhaupt nicht, dass irgendjemand, den ich nicht kenne, meine Handynummer hat. Es muss ja nicht immer gleich irgendeiner asozialer Perverser sein, der mich Tag und Nacht belästigt. Reicht, wenn ständig Headhunter anrufen.

Ich will überhaupt nicht, dass irgendjemand außer meiner Frau mich Tag und Nacht erreichen kann.

Ich will auch mal meine Ruhe haben.

Wenn ich jemandem sage, dass man bei Google außer meiner Business-Homepage nichts über mich findet, weil ich nicht in seltsamen Communitys, in Weblogs oder sonstwo unter meinem Klarnamen publizieren, dann erzählen mir die Leute immer, ich sollte mich doch nicht so anstellen. Was sollte denn groß passieren. In zehn Jahren wäre das alles ganz normal.

Und dann sage ich immer: vor zehn Jahren war das ganz normal. Heute habe ich dazugelernt.

Jan Almer am 02.06.06 11:56 #
 

Nachtrag III:

Mir fällt immer mehr dazu ein. Ich freue mich über Kommentare dazu. Vielleicht gehe ich in manchen Punkten wirklich zu weit. :)

Aber noch eins:

All diese webbasierten Dienste werde irgendwann wieder verschwinden. Zumindest die wo ich persönliches, privates oder auch geschäftsrelevantes Material hochlade, um damit irgendwas zu machen.

All das wird wieder auf meinem eigenen Rechner stattfinden und der Austausch wird direkt mit anderen Leuten, denen ich vertraue stattfinden. Wahrscheinlich sogar verschlüsselt.

Denn selbst wenn flickr, Writely, Basecamp mir erlaubt, Dinge als privat zu deklarieren, kann immer noch der Dienstleister an die Daten ran.

Und wenn da die ersten Missbrauchsfälle an die Öffentlichkeit kommen (man denke nur an Industriespionage), ist es vorbei mit diesem Zeug.

Jan Almer am 02.06.06 12:00 #
 

Für das, was ich hier beschreibe, ist öffentliches Publizieren gar nicht notwendig.

Die Sache ist ganz einfach: Wenn Du nicht willst, dass das jemand liest, dann publiziere es nicht. Tu es nicht. Niemand zwingt Dich.

Du malst im letzten Kommentar ein dunkles Bild. Ich wäre nicht so sicher, dass das so kommt. Wir werden sehen. Ich mag die Privatsphären-Diskussion hier nicht fortsetzen - das machen wir mal in einem geeigneteren Thread. Denn das, was ich oben beschreiben, funktioniert unabhängig von Privatsphären-Fragen, ähnlich wie Du es beschreibt, zum Beispiel über ein Vetrauensnetzwerk. (Es hat gewisse Vorteile, sich nicht nur Leuten mitzuteilen, denen man vertraut, sondern auch "das Internet" darauf zugreifen zu lassen - wie lernst Du neue Leute kennen? Wie baust Du Vertrauen auf? - aber darum geht es hier nicht.)

Martin Röll am 02.06.06 12:39 #
 

Meine Kommentare bezogen sich auf den Satz "Vielleicht kommt es anders: Vielleicht werden unsere Kindern finden, dass es eine furchbare Idee ist, seine Fotos ins Internet zu stellen!". Hier war die Privatsphäre der Ausgangspunkt für meine Gedanken.

Ich wollte nicht die Art deiner Kommunikation kritisieren. Mit Sicherheit großartig, in so kurzer Zeit mit diesen Werkzeuge etwas auf die Beine zu stellen. Keine Frage.

Und zu dem "düsteren Bild", das ich zeichne. Bei Fotodiensten etc. ist es sicher nicht wirklich wichtig, ob Yahoo!, Google etc. meine Fotos sehen können, bei E-Mails wird's schon kritischer und bei Dingen wie Basecamp (dessen Idee ich gigantisch gut finde), kann ich nicht verstehen, dass das auch nur ein einziges Unternehmen nutzt. Hier werden geschäftskritische Sachen an einen anonymen externen Dienstleister in den Staaten gegeben.

Die Amis setzen Geheimdienste für Wirtschaftsspionage ein.

Was freuen die sich wohl, wenn europäische Unternehmen ihnen die Daten frei Haus auf amerikanische Webserver liefern.

Nur so ein Gedanke. Was da hinter unserem Rücken noch so abläuft, wage ich mir gar nicht auszumalen.

Jan Almer am 02.06.06 13:58 #
 

Ich sehe das auch nicht so negativ wie du, Jan. Martins Kerngedanke war glaube ich, dass sich die Zusammenarbeit verändert. Das ist ja in der Jugend heute schon so, dass die Kids lieber IM als Email nutzen (nur ein Beispiel). Beim Lesen des Artikels habe ich gar nicht so an Privates gedacht. Ist doch so, wenn ich Martin brauche, sende ich ihm eine Mail oder eine IM. Wenn jemand auf das bellobene blog stößt, und etwas möchte, sendet er mir eine IM, oder skyped oder schickt eine Mail.
Da ist noch nix Privates passiert.

Sebastian am 02.06.06 14:30 #
 

... nachdem ich jetzt wieder am Rechner (und den ganzen Tag offline :-) ) war möchte ich meine Begeisterung vielleicht auch noch ein bisschen erklären:
Ich liebe es, dass es diese Möglichkeiten gibt.
Das wichtige Stichwort ist meiner Meinung nach (wie so oft): Medienkompetenz.
Natürlich gehören die Fotos von der Party nicht zu flickr. Finde ich. Und wer es findet, der muss dann auch mit den Konsequenzen leben (vielleicht im Vortsellungsgespräch erklären zu müssen, ob er ein Alkoholkproblem hat, weil bei flickr nur saufbilder sind?).
Aber es sind eben ungeheure Möglichkeiten, von denen wir vor ein paar Jahren nocht nicht träumen konnten und die unsere Kinder hoffentlich sehr sehr selbstverständlich finden.

Christian Fischer am 02.06.06 20:28 #
 

@Sebastian: Ich bezog mich auch nicht auf Martins Artikel, sondern auf einen seiner Kommentare. Habe ich in meinem Kommentar erwähnt und später nochmal klargestellt. Ich schreib jetzt nicht ein drittes Mal, auf was ich mich beziehe.

@Christian Fischer: Genau. Medienkompetenz. Daran mangelt es vielen Leuten. Und das wird für diese irgendwann zum Problem. Nur darüber sind sie sich heute oft noch gar nicht klar. Und nicht nur Kinder. Die haben meistens von ihren Eltern eingetrichtert bekommen: Auf keinen Fall, irgendwelche persönlichen Dinge ins Internet, nirgendwo Deinen richtigen Namen verwenden und niemandem verraten, wo Du herkommst und nichts hochladen. Das sind klare Richtlinien, die man einfach befolgen kann. Für einen Erwachsenen ist es da schwieriger, denn bestimmte Einschränkungen möchte ich nicht hinnehmen und bei anderen bin ich mir vielleicht gar nicht im Klaren, was für Konsequenzen das haben kann. Ich für mich habe da jetzt viele, viele Jahre Erfahrungen gesammelt und trotzdem mache ich manchmal Dinge, wo ich hinterher denke: scheiße, das ist jetzt Dein Leben lang bei Google zu finden.

Die Möglichkeiten sind toll, keine Frage. Ich nutze vieles davon oft und gerne.

Aber damit richtig umgehen zu lernen, ist noch ein langer Weg.

Jan Almer am 02.06.06 23:13 #
 

@Sebastian: Ich glaube, manche Dinge davon sind keine Generationen- sondern vielmehr eine Altersfrage.

Als Teenager habe ich Mitte der Neunziger mich auch in Chats rumgetrieben und in Communities und ICQ benutzt und eine eigene private Homepage mit peinlichen Saufbildern gehabt. Das sind doch nun wirklich keine neuen Sachen. Dieses ganze Web-2.0-Geblubber ist doch nur alter Wein in neuen Schläuchen. Natürlich entwickelt sich das weiter, das ist doch ganz natürlich, aber wirklich neu ist da nun auch nicht viel.

Nun mit Mitte zwanzig, zehn Jahre später und um viele Erfahrungen reicher und mit ganz anderen Dingen, die interessant geworden sind, relativiert sich vieles.

Ich beobachte zwar auch mit Interesse manche Entwicklung im Web-Bereich, gerade weil ich in der Branche arbeite und spannende Sachen passieren, aber dieses Geblubber, dass sich unser ganzes Leben und Arbeiten so wahnsinnig verändert und wir in fünfzig Jahren alle mit Gedankenübertragung kommunizieren kann ich nicht mehr hören.

Nochmal: diesen Kram benutze ich ein paar Jahre und dann merke ich, dass das meiste Spielkram und Zeitverschwendung ist und dann lasse ich's bleiben.

Natürlich hat E-Mail unser aller Leben vereinfacht. Trotzdem telefoniere ich lieber, weil sich viele Sachen einfach per E-Mail nicht regeln lassen.

Natürlich ist IM toll, trotzdem will ich nicht den ganzen Tag genervt werden mit irgendeinem Mist, also stell ich's aus und die Leute mailen mir. Da kann ich reinschauen, wenn ich Zeit und Lust habe.

Natürlich sind Weblogs toll, aber private Homepages vor zehn Jahren waren auch nichts anderes. Ein paar Zusatzfeatures sind ganz nett, Trackbacks vor allem. Aber das war's auch schon fast.

Wikis sind wirklich ne tolle Idee. Die Idee ist allerdings älter als der erste Webbrowser. Denn eigentlich wollte Tim Berners-Lee genau das machen und dann wurde's doch ein Nur-Lese-WWW. (Warum weiß ich gar nicht :))

Jan Almer am 02.06.06 23:24 #
 

Jan: Genau dieses "das wird für diese irgendwann zum Problem" nervt mich. Woher willst Du das wissen? Du weißt es nicht. Das ist FUD: Fear, Uncertainty & Doubt (Angst, Unsicherheit und Zweifel), nichts anderes.

Und diese "keine neuen Sachen": Dass nun hunderttausende publizieren? Gemeinsam mehr Medienmacht haben, als die größten Zeitungen? Die Netzwerke, die sie bilden? Dass Leute gemeinsam Unternehmen gründen? Neue Existenzen entstehen, weil sie durch Soziale Software an die richtigen Leute kommen, mit denen sie arbeiten können? (Mensch, worüber schreibe ich hier eigentlich die letzten vier Jahre?) Du willst doch nicht im Ernst behaupten, dass das in Deinem ICQ und Deinen Personal Webpages auch schon so war.

Wenn das für Dich nicht funktioniert und "Spielerei" ist: fein. Dann lass es sein. Aber lass uns bitte unseren Spaß. Für mich funktioniert das. Mein ganzes Geschäft baut darauf. Ich arbeite damit effektiver. Hör' auf mit rumnölen.

Martin Röll am 02.06.06 23:43 #
 

Wer nicht technophil (und normadaptiv?) ist, der nölt und FUD!
Interessant, dass offensichtlich Zweifel, Unsicherheit und Angst, alles Gefühle, die durchaus überlebenswichtige Funktionen haben, "nichts weiter" sind. Wer diese generell missachtet und einfach wegwischt, ist schlecht beraten ;-)

hellmann am 03.06.06 01:26 #
 

Kein Mensch hat diese Gefühle hier missachtet oder "einfach weggewischt".

Martin Röll am 03.06.06 01:56 #
 

@Martin Röll:

Ich habe nicht gesagt, dass es immer zum Problem wird. Man sollte sich aber der Tatsache bewusst sein, dass es zu Problemen führen kann.

Es gibt Firmen, die einen nicht einstellen wegen der Publikationsaktivitäten, wegen Bildern, die nicht in den Rahmen passen. Ich kenne einen Blogger, der wegen einer unbedachten Äußerung über einen Kunden seines Arbeitgebers in seinem Weblog seinen Job verloren hat. Hätte er abends in der Kneipe oder auf dem Sportplatz zu seinen Kumpels gesagt "Mann, bei XXX arbeiten nur Spinner!", dann hätte er seinen Job heute noch.

Was man im Internet publiziert ist weltweit (!) und für immer (!) da. Zumindest in der Regel. Und wenn nicht, dauert es lange, bis man es in keiner Suchmaschine und in keinem Archiv mehr findet.

Man muss halt einfach sehr vorsichtig sein, was man sagt und tut, wenn alle zuhören und zuschauen. Das ist etwas anderes, als wenn man etwas über sich in einer Runde von Freunden preisgibt.

Und zum Thema "neue Sachen" eins vorweg: natürlich gibt es tolle Weiterentwicklungen, aber es gibt keine revolutionär neuen Dinge.

Wo früher zehntausende auf persönlichen Webseiten publizierten, publizieren heute hunderttausenden auf Weblogs. Wirklich relevant ist das meiste trotzdem nicht. Aber das ist ein anderes Thema. Es gibt in Deutschland vielleicht vier, fünf interessante General-Interest-Weblogs. Der Rest sind einige sehr wenige spannende "Fach"-Weblogs, so wie deins. Die meisten aus der IT-Welt. Vielleicht nochmal 10-20. Und die anderen "Hunderttausenden" die da publizieren, die haben nur ein neues Werkzeug. Früher haben sie in irgendwelchen Chats rumgeprahlt, auf ihren hässlichen Websites Fotos von sich hochgeladen und über ihre Katze berichtet. Heute machen sie das in Weblogs und in MySpace. Du solltest zwischen den Weblogs, die relevant sind und den anderen unterscheiden. Das sind grundsätzlich unterschiedliche Dinge. Das eine sind Online-Publikationen, bei denen die Autoren durchaus das Prädikat "Journalist" verdienen. Diese hätten vor zehn Jahren wahrscheinlich Online-Magazine aufgemacht. Und dann gibt es die anderen, die nur bloggen, weil sie was über sich erzählen wollen. Die hätten vor zehn Jahren ihre eigene Homepage aufgemacht.

Mehr Medienmacht als die größten Zeitungen? Fernab der Tatsache, dass ich das mal bezweifle, wie willst Du denn "Medienmacht" messen? Die Reichweite ist kleiner als beim Grevenbroicher Tagblatt. Okay, es lesen mehr "Multiplikatoren" Weblogs, die Zielgruppe ist meist klarer umrissen, aber trotzdem kriegt doch die Welt da draußen nichts von dem mit, was in der Blogosphäre vor sich geht. Und wenn die Bildzeitung einen Minister loswerden will, dann schafft sie das in einem Monat. Die Blogosphäre schafft es höchstens, dass Callboy Thorsten seine Webseite schließt.

Netzwerke haben Leute schon vor hundert Jahren gebildet. Und meist viel effektivere, als Online-Netzwerke. Weil persönliches Vertrauen und persönlicher Kontakt sehr wichtig sind für gegenseitige echte Partnerschaft. Das einzige was Du über das Internet machen kannst, ist solche Netzwerke anbahnen. Das ging halt früher klassisch auf lokaler Ebene über den örtlichen Sportverein, Musikverein oder Rotary Club und auf fachlicher Ebene auf Messen und Kongressen. Und da wirst Du sicher auch heute noch wichtige Kontakte knüpfen. Der einzige Unterschied ist, dass Du schon etwas über die Leute weißt, die Du dort kennenlernst. Heute Internet, früher hättest Du Dich bei jemandem informiert, der den kennt, den Du kennenlernen willst.

"Dass Leute gemeinsam Unternehmen gründen? Neue Existenzen entstehen, weil sie durch Soziale Software an die richtigen Leute kommen, mit denen sie arbeiten können?" Ist das so? In Ordnung, will ich akzeptieren. Die Leute, die ich kenne, die in den letzten Jahren Unternehmen gegründet haben, kannten sich meistens schon viele Jahre, haben zusammengearbeitet und sich irgendwann selbstständig gemacht. Das funktioniert, weil man sich kennt und vertraut. Aber ich will nicht bezweifeln, dass das mit wildfremden Internetbekanntschaften auch geht. Wirklich nicht.

Ich wollte übrigens nie sagen, dass all diese Werkzeuge nicht hilfreich und effektiv sind.

Es wird nur im Moment ein Riesenwirbel und -hype darum gemacht. Und da sollten wir mal auf dem Boden bleiben: Es sind nicht mehr und nicht weniger als Werkzeuge, die manchen Leuten das Leben ein bisschen einfacher machen können. Wenn man mal all die Buzzwords beiseite schiebt und sich anschaut, was diese Technologien und neuen Entwicklungen alle bewirken, dann sind es doch nur (oft marginale) Weiterentwicklungen alter Ansätze.

Evolution statt Revolution eben. Zwischen 1980 und 1990 hat sich durch Computer mehr verändert als zwischen 1990 und 2000. Und da hat sich auch mehr verändert als in den letzten zehn Jahren.

Jan Almer am 03.06.06 09:39 #
 

Das mit der "Relevanz" hatten wir schon hundert Mal. Ich bin es Leid, das immer wieder zu argumentieren. Ebenso diese falsche Unterscheidung zwischen "echten" Bekanntschaften und "Internetbekanntschaften". Und das, dass das alles schon vorher ging. In der Tat: Wir konnten vorher schon kommunizieren - das Telefon hat nichts Neues gebracht. Wir konnten uns schon vorher informieren - Google hat nichts fundamental verändert. Gar nicht. Man konnte schon vorher laufen. Mit einem Auto geht es nur schneller. Die Welt ist eigentlich genau so wie 4000 v. Chr.

Es reicht jetzt.

Martin Röll am 03.06.06 10:40 #
 

Martin: Danke für den Eintrag. Ich denke fast, dass wir uns mitten in einem Paradigmenwechsel (ja, ich weiss - ich benutze dergleichen Begriffe viel zu oft) befinden.
Diese haben es an sich, dass sich zwischen "davor" und "danach" leider keine gemeinsame Begriffswelt, keine gemeinsame Interpretation und keine gemeinsamen Bewertungskriterien finden lassen. Die Umwälzung ist eben viel zu gigantisch - was nicht heisst, daß sie ganz unvorhergesehen und urplötzlich stattfindet.
Das Idee "freier" Information und Kommunikation ist wahrscheinlich tatsächlich 4000 v.Chr. in irgeneinem Hirn schonmal aufgeblitzt. Sie war eben nur der Anfang eines unglaublich langen Prozesses - der wahrscheinlich tatsächlich zu einer kollektiven Intelligenz führen wird.
Metaphern gibt es dafür schon lange, vielelei und verschiedenster Intensitätstufen: Schwarm, Hive Mind, Community, Gemeinschaft, Network Society, Self-regulating Organism, Gesellschaft, Dorf, Familie.

Ich stimme voll und ganz zu: es ist eine Veränderung im Gange, die sich nicht aufhalten lassen wird. Das ist kein Glaubensbekenntnis oder Demagogie meinerseits - es ist einfach nur eine Feststellung, dass jener Prozess des Wandels mittlerweile in eine Phase getreten ist, in der man ihn wahrnimmt. Die meisten von uns übrigens nur als ein "Bauchgefühl".

Was ist das nun für ein Wandel - mal in einem weiteren Kontext, als sozio-technologisch oder betriebswirtschaftlich, gesehen?

Um sich daran heranzutasten, was gerade passiert müssen wir uns, meiner Meinung nach, über eines klarwerden: das Individuum als abgekoppelt gegenüber den Menschen, die es umgeben hat es nie gegeben. Das ist ein Gegensatzpaar ("ich alleine mit Bierchen am See" vs. "ich als Teil der Gesellschaft"), dass wir uns irgendwann mal zusammengelogen haben um unsere Schwächen

gegenüber
den Anforderungen einer künstlichen Leistungsgesellschaft zu verstecken. Dass diese Schwächen Teil der Menschseins sind, und dass wir das sehr schnell verstehen würden, wenn wir uns nur als ziemlich selbstständigen Teil eines grösseren - faszinierenden - Ganzen verstehen würden, das haben wir irgendwie übersehen. Leistung wäre dann immernoch "Eigenleistung" des Individuums, aber vielleicht wären wir dann in der Lage viel mehr damit zu bewerkstelligen!


Ich stelle das jetztmal so in den Raum: diejenigen, die "Vernetztsein" und "Sichselbstsein" als Gegensätze begreifen, leben in Angst vor den eigenen Schwächen - und sind somit Vertreter des Zustands vor dem Paradigmenwechsel. Für unsere Kinder nach dem Wechsel werden diese Gegensätze keine mehr sein.

Nochmals vielen Dank für diesen Post, Martin.

Michael P. Tomaszewski am 03.06.06 14:21 #
 

ooops... das da oben war wohl der falsche HTML-tag... hehe :)

Na... typisch menschliche Schwäche, halt. =)

Michael P. Tomaszewski am 03.06.06 14:23 #
 

Das Problem der kollektiven Intelligenz ist, wenn wir alle im Kollektiv intelligent wären, wieso bringen sich z.B. dann die Schüler nicht alles selbst bei? Man braucht aber Lehrer, die lehren.

Wären die Menschen in der Masse intelligent, wieso kaufen sie dann massenweise die BILD? Wären die Menschen intelligent, wieso brauchen wir dann die GEZ zur Durchsetzung des ÖR und wieso findet das private Fernsehprogramm so statt wie es stattfindet?

Ehrlich, wenn wir uns in Zukunft auf Kollaboration zurückziehen, beschränken wir unser Wissen, nämlich auf einen Stand, den viele nachvollziehen können und das kann immer nur weniger sein als jetzt (siehe Auflagen von Zeitungen und TV-Programmen). Wikipedia sehe ich in einer ähnlich problematischen Situation, denn gleichzeitig müssen viele das Wissen nachvollziehen können und zusätzlich wird das auch noch massenweise weiterverbreitet und kopiert. Heisst, es wird irgendwann alle anderen Quellen verdrängen. Bei Kollaboration gewinnt auch oft immer der, der am lautesten auf sich aufmerksam macht. Und, und, und....es ist echt ein heisses Thema.

Reni am 03.06.06 17:13 #
 

Die Wikipedia ist ein interessantes Phänomen. Anfangs dachte ich: "Hmm, ob das wirklich funktioniert, dass da Tausende ohne Kontrolle eine Enzyklopädie schreiben, die in der Qualität an andere professionelle Enzyklopädien heranreicht.", dann kam die Phase wo ich dachte "Das könnte klappen."

Heute weiß ich: es ist etwas ganz anderes entstanden. Nämlich eine Ansammlung aus obskurem, oft irrelevantem aber meist interessantem Wissen -- Anekdoten meist, Dinge, die völlig irrelevant, aber doch irgendwie spannend. Eine Boulevard-Enzyklopädie halt.

Hätte man so vorhersehen können. Und spannend, weil so viele Dinge drin stehen, die man früher nicht gesammelt hat. Was hätten wir auch mit noch einer Enzyklopädie gesollt? Es gibt doch schon Brockhaus. Der hat seine Stärken und die Wikipedia ihre.

Jan Almer am 03.06.06 18:34 #
 

Jan, aber das größte Problem der Wikipedia, dass sie andere Quellen verdrängt, ist offensichtlich. In ein paar Jahren werden wir uns ärgern, wieso nur noch Wikipedia Wissen verbreitet.

Reni am 03.06.06 21:04 #
 

Nein, es wird nicht *nur* Wikipedia-Wissen geben. Aus einem ganz einfachen Grund. Der Wikipedia fehlt eins: Verlässlichkeit.

Ich finde hier Anhaltspunkte, Backgroundinfos, aber keine verlässlichen Informationen. Das Zeug kann jemand fünf Minuten vorher da rein gestellt haben, der mit Halbwissen glänzen will und niemandem fällt es auf, weil sich niemand anders gerade damit auskennt.

Aus diesem Grunde akzeptiert kein Professor die Wikipedia als Quellenangabe. Zumindest niemand, den ich kenne. Und das mit gutem Grunde.

Und deshalb wird es immer verlässliche Quellen geben müssen.

Jan Almer am 03.06.06 21:27 #
 

"Und deshalb wird es immer verlässliche Quellen geben müssen."

Dein Wort in Gottes Ohr! ;-)
Reicht es wirklich, wenn Professoren (und da auch nur einige, ich kenne welche, die lassen Wikipedia zu) eine verlässliche Quelle erwarten? Ich meine, reicht das, um genug alternative Quellen am Leben zu erhalten?

Ich sehe das kritischer, aber lasse mich gerne positiv überraschen ;-).

Reni am 04.06.06 00:34 #
 

Nicht die Professoren, sondern unser Wunsch nach verlässlichen Quellen, reicht hoffentlich, um alternative Quellen zu erhalten.

Ich hoffe inständig, dass die Wikipedia Brockhaus und die anderen nicht verdrängen können wird.

Denn dort findet man ganz andere Informationen. Relevant, verlässlich, übersichtlich.

Die Wikipedia hat zweifelsohne ihre Stärken, aber bei den klassischen Kriterien einer Enzyklopädie liegt sie unter ferner liefen.

Jan Almer am 04.06.06 09:59 #
 

@Jan: Zweifellos würde diese Diskussion weiterführender sein, würde Sie "live" am selben Ort oder am Telefon geführt;-)

Sebastian am 04.06.06 13:08 #
 

@Reni: dass man die Lehrer braucht um zu lehren wird inzwischen stark angezweifelt. Es ist notwendig die Schüler mit der Möglichkeit auszustatten, dass sie selbst die Informationen finden und ihnen Ziele zu geben.

Siegfried am 05.06.06 23:41 #
 

Reni: Kollektive Intelligenz bedeutet nicht, dass "die Menschen in der Masse intelligent" wären. Kollektive Intelligenz ist was anderes: Wir können uns mit anderen zusammentun und gemeinsam "intelligenter" sein, als einzeln. Deswegen kauft die Welt nicht gleich weniger Bildzeitungen oder produziert besseres Privatfernsehen.

Zu den Schülern/Lehrern: Die Konstruktivisten behaupten ja, dass sich die Schüler alles selbst beibringen! :-) Der Lehrer ist nur dazu da, neue Konstruktionen der Schüler anzuregen. (Mal ganz abgesehen von dem Punkt, dass es einen "Lehrer" ohne einen oder mehrere "Schüler" gar nicht geben kann: Der Lehrer ist eigentlich abhängiger von den Schülern als die von ihm!)

Martin Röll am 06.06.06 14:35 #
 

Hallo, ich komme etwas spät zur Party, habe auch eígentlich nur eine eher allgemeine Anmerkung: nach Martins Eintrag fällt mir auf, dass es insbesondere bei den besonders kritischen Kommentaren so eine merkwürdige "Entweder-Oder"-Haltung gibt: Social Software wird entweder toll gefunden, oder aber komplett abgelehnt. Kollaborative Arbeit über Netze wird entweder als großartige neue Segnung gesehen oder aber als abzulehnend, denn der Mensch müsse doch für sich allein erstmal klarkommen und produktiv tätig sein.

Ich würde gern dafür werben, dass man die Dinge etwas vorsichtiger und vor allem individueller bewertet. Ich glaube, dass Martin Recht damit hat, wenn er neue Arten der Zusammenarbeit begrüßt und sich dafür begeistert. Eben weil ER es ist, der das tut, denn für ihn funktioniert das so und ist spannend und aufregend. Andere sehen das anders, und es gibt gute Gründe dafür, eine andere Sicht darauf zu haben. Natürlich hängen Risiken daran, wenn man anfängt über leicht zugängliche Datennetze zusammen zu arbeiten und auch Informationen über sich selbst auszutauschen. Ebenso, wie mit der Verbreitung der Eisenbahn Risiken zusammenhingen.

Jeder sollte, meiner bescheidenen Ansicht nach, für sich selbst abwägen, was er an den neuen Möglichkeiten positiv und was negativ findet. Aber eben wirklich für sich selbst. Und es nicht den anderen vorschreiben wollen, was abzulehnen ist und was nicht. Denn auch wenn das hier bei den entsprechenden Postings vielleicht nicht die Absicht war, habe ich doch den Eindruck, dass es auch ein Stück weit ums "Rechthaben" geht, oder? ;-)

Martin Oetting am 07.06.06 23:07 #
 

@Martin Röll: Mehr Medienmacht als die größten Zeitungen? Was? Bitte? Jetzt wirst Du aber größenwahnsinnig.

Hast Du schon einmal etwas von der Bild-Zeitung gehört? Oder von der FAZ, Süddeutschen, Zeit, Welt?

Jede überregionale Zeitung hat eine größere Reichweite, Relevanz, Macht als die gesamte deutsche Blogosphäre zusammen.

Ich denke, Du überschätzt das ganz gewaltig!

Die Blogosphäre ist doch keine Konkurrenz für etablierte Medien, sondern eher soetwas wie ein sehr großen Korrespondentennetzwerk. Vollkommen ineffektiv, aber da es umsonst arbeitet, bedient man sich gern. Ein bis zwei Mal im Monat gräbt irgendein Blogger eine Geschichte aus, die es bis zu Spiegel Online schafft. Und alle drei, vier Monate eine die es bis zu Stefan Raab schafft. Der Rest in der Blogosphäre ist doch keine Medienmacht! Was hat denn das mit Medienmacht zu tun? Es geht um Kommunikation der Netz-Community aber doch nicht um Publikation.

Zumindest bei 99 Prozent der deutschen Blogs.

Otto Jalo am 27.06.06 15:00 #
 

Wir können ja mal hochrechnen, wieviel Aufmerksamkeit die FAZ hat und wieviel die kumulierte Blogosphere im Vergleich. "Da fliegen Dir die Ohren ab." ;-)

Von Konkurrenz gar niemand gesprochen. Das hier ist nicht die Weblogs-vs-Journalismus-Debatte.

Martin Röll am 27.06.06 15:09 #