23. Mai 2006

[ Reisen ]

St. Virgil Bildungszentrum Salzburg

Ich befinde mich im St. Virgil Bildungszentrum in Salzburg. Mein Zimmer ist genau so groß, dass das Doppelbett, der Schrank, der Nachttisch, der Schreibtisch, ein Stuhl und ein Papierkorb hineinpassen und noch ein Fleck von 1*1 Meter an der Tür, eine Passage "von-Tür-zu-Bad" 150*50 cm (wenn man den Stuhl vorher beiseite schiebt), ein Fleck vor der Badtür 1*1 Meter und ein Schlitz "an-der-Fensterseite-neben-dem-Bett-entlang" 180*40 cm frei bleiben. Solange man auf dem Bett sitzen bleibt, bekommt man keine Platzangst.

Der Schreibtisch ist genau so groß, dass die auf ihm angerichteten Gegenstände (ein Fernseher, eine Schreibtischlampe, ein den Gast um pünktliches Verlassen des Zimmers am Abreisetag bittendes Schild, ein den Gast um das Unterlassen des Rauchen bittendes Schild, eine Bibel ("Einheitsübersetzung"), diverse Hotelbroschüren, ein Telefon) auf ihm Platz finden. Wer braucht schon Arbeitsfläche?

Eine Internetanbindung gibt es nicht. "Über's Telefon, nicht?" meint die Rezeptionistin. Ja, für eine schmalbandige Anbindung wäre das wohl möglich - wenn ich eine österreichische Einwahlnummer hätte. Die Telefonverbindung ins Ausland ist nämlich gerade defekt. "Der Techniker ist erst morgen wieder da." Nicht, dass der mir sicher helfen könne: Aber er könne sich mit mir darüber unterhalten. "Wir haben auch einen EDV-Raum. Die Computer dort können Sie selbstverständlich nutzen."

Die Hotelbroschüre wirbt mit "Eine Oase in der Stadt." Ich beginne zu ahnen, wie das gemeint ist.

Von unterhalb meines Zimmers dringt das Geräusch einer singenden Kindergruppe zu mir. Der Verdrängungsversuch scheitert, als eine offenbar den Gesang leitende Person den Takt per Händeklatschen mitzuschlagen beginnt.

In 10 Meter Luftlinie von meinem Zimmer, schräg aus dem bis zum Boden reichenden Glasfenster heraus, befindet sich die Freitreppe zum Garten, auf der Menschen handytelefonierend umhergehen oder rauchen. Die vorhandenen Vorhänge decken nur 4/5 der Fensterbreite ab. Ich bemerke den dicken Kerl im Anzug zu spät, als er bereits irritiert auf meinen nur mit Unterwäsche bekleideten Unterkörper glotzt.

"Alle Zimmer haben Balkon" wirbt die Broschüre. Meins nicht. Dafür einen nicht klar zu bestimmenden Fleck auf dem Klodeckel. Und einen auf Massagestrahl eingestellten, in seiner Umschaltfähigkeit auf einen gewöhnlichen Strahl defekten Duschkopf.

Trackbacks sind Links von anderen Weblogs auf diesen Eintrag.

Die Edumedia Fachtagung 2006 "Social Skills durch Social Software" ist rum. Sie hat mir gefallen. Nicht alles war neu, spannend oder überraschend, aber ich habe einige neue Perspektiven gewonnen....

Das E-Business Weblog: Edumedia 2006: So war's (25.05.06 16:44)

Erweitert die Verwendung neuer Internet-Technologien in Lehr-, Lern- und Wissensprozessen auch soziale Kompetenzen? Interdisziplinäre Fachtagung zu Bildungs- und Arbeitstechnologien im Semantic Web für PädagogInnen, eDidaktikerInnen, eTrainerInnen un

www.petersheim.de: Social Skills durch Social Software - Salzburg (26.11.06 18:06)

 

Sehr toll geschrieben und hat Spass gemacht das zu lesen. Viel Spass in Salzburg.

Simon Harrer am 23.05.06 19:51 #
 

Wow. So schlechte Zimmer hatten wir noch nicht mal früher im Schullandheim. Und da sind teilweise die Betten zusammengefallen (sehr unangenehm bei Stockbetten. Gottseidank war ich nicht unten...)

Gernot Poetsch am 23.05.06 19:52 #
 

Das war doch mal erfrischend! Mehr davon! Danke! :)

Nicht dass ich mich an dem Leid anderer Leute laben könnte (genau genommen würde mir selber das auch gar nix ausmachen, solange die Veranstaltung gut ist - also kein Mitleid an dieser Stelle ;) ), aber diese schöne Selbstironie in dem Posting - herrlich! :)

Viel Spaß in Salzburg!!
(Ist ansonsten eine schöne Stadt - nur mal aus der 'Oase' ausbrechen ;) )

amette am 23.05.06 20:02 #
 

creative space?

Maximilian am 23.05.06 21:52 #
 

Du bist halt einfach zu verwöhnt... ;-)

Christian Heindel am 24.05.06 08:43 #
 

Ich hatte ein lauschiges 8 Bett Zimmer in der JuHe. ;) Dafür hats mein Budget geschont. Studi sein hat halt Vor- und Nachteile..

Jürgen Hösch am 24.05.06 09:09 #
 

Schade - das Hotel bzw. -zimmer scheint keine gute Werbung für Österreichs Unterkünfte zu sein ...

Aber Salzburg stellt vom Preis-/Leistungsverhältnis - besonders während der "Hochsaison" (die meines Wissens 11 Monate im Jahr dauert) - sicher eine negative) Ausnahme dar.

jowahl am 24.05.06 14:30 #
 

Hattest wohl Pech, mein Zimmer war ruhig, mit Blick ins Grüne. (Übrigends im Mittelteil gab es noch kleinere Zimmer) Und Salzburg ist immer teuer und zur "Hochsaison" ist es nicht einfach überhaupt ein bezahlbares gutes Zimmer zu finden.
Außerdem was machst du während der Konferenz auf deinem Zimmer, außer zu schlafen?

Renate Millebner am 24.05.06 22:39 #
 

Ich habe sehr gelacht. Das ist wohl eine verkappte Jugendherberge oder heißen die auf Österreichisch "Bildungszentrum"? :-)

Christiane am 25.05.06 00:00 #