8. Mai 2006

[ Blödsinn , Politisches ]

Für die Einführung einer Bürgeruniform

Menschen, so wie wir uns den Außerirdischen vorstellen. Ist natürlich alles Quatsch.
Soziale Unterschiede sind für eine Vielzahl von Problemen verantwortlich: Reiche sind doof zu Armen, Arme doof zu Reichen, Weiße fies zu Schwarzen und Schwarze fies zu Weißen. Leute sagen sich hässliche Sachen oder verhauen sich gegenseitig.

Nun ist es viel zu kompliziert, das Problem zu gravierender Unterschiede zu lösen oder Menschen dazu zu bringen, trotz Unterschieden friedlich zusammenzuleben. Besser ist es, ein wenig an den Symptomen zu operieren.

Schuluniformen nicht ausreichend

Die Justizministerin ist für die Einführung von Schuluniformen, weil durch sie "Probleme, die sich durch soziale Unterschiede ergeben" "beseitigt" werden.

Natürlich geht das nicht weit genug: Kaum verlässt das Kind die Schule, kämpfen C&A wieder gegen Tommy Hilfiger, Esprit und Helly Hansen. Und was ist mit all des Assis, die von der Hauptschule fliegen? Oder außerhalb der Schule, wo reiche Firmenbosse auf der Straße mit ihren 2500-Euro-Anzügen jeden halbwegs normal beinkommten Bürger bis zur Grenze der Gewaltkontrollfähigkeit provozieren? Eben.

Der Vorschlag der Justizministerin ist nicht weitgehend genug. Was wir wirklich wirklich brauchen, um das Problem der sozialen Unterschiede in Deutschland zu lösen, ist die Bürgeruniform.

Die Bürgeruniform

Bürger in Bürgeruniform
Glückliche Bürger in Bürgeruniform (hier: in Hamburg)

Die Bürgeruniform ist ein für jeden Bürger einheitliches Gewand. Es wird ihm vom Staat zur Verfügung gestellt und ist verpflichtend zu tragen, sobald der Bürger seine Wohnung verlässt. Analog zum bewährten und von der Justizministerin für gut befundemem Vorgehen in der Bonner Schule, in der Schülerinnen, die von der Norm abweichende Kleidung trugen, vom Unterrsicht ausgeschlossen wurden, wird Bürgern, die die Bürgeruniform nicht tragen, das Wahlrecht entzogen.

Durch die Bürgeruniform gibt es eine einfache Lösung zur Konfliktvermeidung - alle Bürgerinnen und Bürger sollten einheitliche Bürgerkleidung tragen. Damit beseitigten wir nicht nur die Burkas, sondern auch Probleme, die sich durch soziale Unterschiede ergeben. (vgl. hier.) Niemand wird mehr ausgelacht, weil er sich keine teure Kleidung leisten kann. Niemand wird mehr wegen seines Aussehens ausgeschlossen. Reiche können sich endlich auch wieder in Ghettos frei bewegen, weil sie nun auch vom Gangstern akzeptiert werden.

Bürgerburka

Gewiss gibt es noch einige Probleme: Wenn sich die Bürgeruniform an gewöhnlicher europäischer Kleidung orientiert, sind immer noch Unterschiede in der Hautfarbe erkennbar. Ich schlage deshalb vor, die Ausgestaltung der Bürgeruniform in Form einer Bürger-Burka zu prüfen. Mit der Bürgerburka wird auch das Gesicht verhüllt, sodass Diskriminierung aufgrund von Hauttfarbe oder krummer Nasen schwieriger wird.

Ein komisch aussehender TypEine Bürgerin
Problem: Der Kerl sieht anders aus als die Kirsche. (Foto 1 von Christiaan Briggs, CC-by-SA, Foto 2 ursprünglich von spdfraktion.de)
Pfeil nach rechtsDeutsche Bürgerburka (Entwurf)
Lösung: Bürgerburka. (Erstellt von Andreas Röll auf dieser Grundlage von Jean-no, Free Art License.)

Neusprech

Es verbleibt das Problem der Diskriminierung aufgrund von Sprache. Der durch Köln-Kalk spazierende Geschäftsreisende fällt schon aufgrund seiner Unfähigkeit, Kanakisch zu sprechen, auf und provoziert so soziale Spannungen. Ich schlage deshalb die Einführung einer neuen, gewaltfreien Sprache vor. Zehn Symbole, die die menschlichen Grundbedürfnisse abdecken ("Ich", "Essen", "Schlafen", "Internet") sollten ausreichen, um das öffentliche Leben aufrecht zu erhalten. Da ein der neuen Sprache Missbrauch für Diskriminierung und Beleidigung nicht ausgeschlossen werden kann, sollen vulgäre und Gewalt ausübende Kombinationsmöglichkeiten und nicht regelkonformer Gebrauch unter Strafe gestellt werden.

Bürgeruniform für die Würde des Menschen

Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt. Durch die sozialen Unterschiede verliert der Bürger seine Würde. Es ist die Pflicht des Staates, einzuschreiten. Führen wir die Bürgeruniform und Neusprech ein und retten wir unser Gemeinwesen vor dem Zerfall!

Trackbacks sind Links von anderen Weblogs auf diesen Eintrag.

Enndlich mal ne revolutionäre Idee in einem Blog.

GadgetMania, das Gadget-Weblog: Bürgeruniform (08.05.06 12:34)

Was gestern noch Glosse (Telepolis) war kann heute schon Wirklichkeit (Spiegel online) sein? In der Debatte über das Kopftuchverbot haben die deutschen Behörden wohl übersehen, daß diejenigen Muslime, die eine Bedeckung der Haare für Frauen glauben, g

Die wunderbare Welt von Isotopp: Lehreruniform jetzt! (08.05.06 16:29)

Martin Röll möchte die Bürgeruniform einführen, aber damit noch nicht genug – damit auch ich in Zukunft nicht mehr bei der Gesichtskontrol...

matouf. das physikstudentenblog: Martin Röll ist für die Bürger-Burka (08.05.06 19:00)

Natürlich darf man Satiren schreiben – auch auf Schulinformen. In der Demokratie darf man schließlich seine Meinung sagen. Es ist nur erstaunlich, wie unverschämt die bloggende Linksfraktion, diesmal angeführt vom Schockwellenreiter, gleich wieder die Naz

sehpferds sinnige seiten: Zwei Blogger bloggen gegen Schuluniformen (09.05.06 20:02)

Martin Röll plädiert für Bürgeruniformen. Hört sich nach ‘nem prima Plan an. Jedenfalls nicht schlechter als manch anderes, das Politiker wirklich Ernst zu meinen vorgeben, wenn sie mal wieder von anderem ablenken wollen… <!--adse...

sagichdoch?: Schuluniformen? Peanuts! (10.05.06 16:18)

Die Forderung nach Schuluniformen liegt im Trend der aktuellen Politik-Sau, die gerade durchs Dorf getrieben wird. Martin Röll geht das aber noch nicht weit genug. Er fordert noch die Bürger-Burka und Knackneusprech, um den Zerfall der Gesellschaft z...

SpeexX Blog: Schuluniformen (10.05.06 16:59)

 

Als Argument für die Anwerbung von Mitgliedern bei Feuerwehren leider ungeeignet :)

Irakli am 08.05.06 12:47 #
 

Schöne Polemik! Und in der Tat ist der Vorschlag im Lichte der Begründung durch Frau Z. nicht ganz wasserdicht. Diesen dämlichen Burka-Einzelfall zum Anlass für den Vorschlag zu nehmen, ist genauso blöd, wie nach dem Ausbruch der Vogelgrippe auf Rügen die Impfstoffeinlagerung zu fordern. Und das man das Problem der sozialen Unterschiede durch Schulkleidung "beseitigen" könne, ist natürlich auch Quark.
Und dennoch: Die Einführung von Schulkleidung - wohlgemerkt nicht Uniform - ist allerhöchste Zeit. Schule muss heute schon soviel aushalten, da sollte man sie wenigsten vom Wettbwerb um den tiefsten Ausschnitt, den knappsten String und die geilste Baggy-Pant befreien.
Normen für Bekleidung fördern den sozialen Fieden. Das gilt für Business-Meetings, Rockkonzerte und FKK-Strände gleichermaßen. Wo Normen verloren gehen, ist sanfter Druck angesagt.

50hz am 08.05.06 12:57 #
 

@50hz - schon mal in England gewesen? Die Uniform ist trotzdem keine 100%ige, es gibt genügend Möglichkeiten sich über die Armut anderer angekotzt zu zeigen.

Irakli am 08.05.06 13:03 #
 

Siehe Chile: Dort tragen die Schüler "besserer" Schulen selbstverständlich kostspieligere Schulkleidung. Und selbsterverständlich erkennt man sich gegenseitig auch daran auf dem Weg zur Schule oder nach Hause.
Eine Burka für alle wäre da eine konsequente Lösung. Nur, wie soll Mensch dann noch lernen mit Unterschieden, Individualität und Freiheit - und Achtung vor derselben umzugehen?

jens am 08.05.06 13:09 #
 

Wie wär's mit Mao-Anzug? Ist seit Jahrzehnten bewährt und gibt's sicher massenhaft (vielleicht sogar second hand) in China. So als Gegengeschäft mit VW ...?

Markus Pirchner am 08.05.06 14:09 #
 

Jopp! Genau das was wir eigentlich schon lange bräuchten damit wir diese äußerst seltsamen Differenzen in Sachen Lebenslauf/-erfolg in den Griff bekommen und um folglich eine absolut gleichwertige und fröhliche Gesellschaft zu werden... ach das wird toll... endlich wieder aus dem Haus trauen...

Peter Engländer am 08.05.06 18:03 #
 

Sehr schön.

Ich denke ja, dass die gute Frau Ministerin von Apple und Samsung beeinflußt wurde, die endlich mehr designige MP3-Player in der Zielgruppe der jüngeren Schulkinder mit zahlungskräftigen Eltern verkaufen möchten. Herrn Stoiber wurden für seine Unterstützung des Vorschlags im Zuge der intensiveren genzüberschreitenden Zusammenarbeit von der Schweizerischen Uhrenindustrie in Zusammenarbeit mit den Schweizer......

Coole Mädels und Jungs in der Politik. Die wissen, wie man Probleme wirklich löst!

Alexander am 08.05.06 19:24 #
 

aber mit Burka könnte es doch immer noch sein, daß die Großen die Kleinen verhauen - oder die Kräftigeren die Dünnen. Nein, Burka geht nicht. Am besten die individuelle Box für jeden. 2,3 Meter hoch (muß man langfristig beim Neubau von Gebäuden berücksichtigen, man will ja nicht andauernd die Zimmerbeleuchtung runterreißen), 1 Meter breit, 1 Meter dick. Und damit an der Position der Augen keine Rückschlüsse gezogen werden kann, befindet sich außen eine Kamera, die das drinnen auf einen Flachbildschirm überträgt. Auf die nächste Generation von Autos bin ich gespannt (die derzeitigen können wir alle verschrotten). Und auf die nächste Olympiade!

Aber Spaß bei Seite: die Leute vom Wahlrecht auszuschließen ist dumm. Gehen doch derzeit viel zu wenig wählen. Am Steuersatz spielen geht auch nicht (dann wäre sie wieder da, die soziale Kluft). Nein, da muß man dann schon eher mit Freiheitsentzug gespielt werden ...

René Pönitz am 08.05.06 20:49 #
 

Ein guter Vorschlag, der nach der anlässlich der WM eingeführten Kriegsrechts auch umgesetzt werden kann.

Barnie am 09.05.06 17:30 #
 

@Rene: Vom Wahlrecht ausschließe ist prima. dann gehen die die (wieder) dürfen um so lieber.

Ich find z.B. auch dass Bücher 100 Eur aufwärts kosten sollten.
Was dann wieder gelesen (und raubgedruckt) würde.

Man könnte auch einfach die Preise für Kleidung, an der die Marken nicht sichtbar sind, um den Faktor 10 erhöhen ;) (Und das Singen der Nationalhymne unter Strafe stellen. Und so.)

OliverG am 09.05.06 21:32 #
 

Ach ja ... die Bürgeruniform - wenn's denn wirklich so einfach wäre, dann gäb's wahrscheinlich bald keine Kriege mehr ... aber da es das eben nicht ist laufen wir - spätestens nach dem ersten weltweiten Atomkrieg - eh alle wieder in der Bürgeruniform Modell "strahlend" rum. Die Menscheit scheint also nicht nicht ganz verloren zu sein ... :-)

T.E. Fuchs am 10.05.06 04:04 #
 

Hier ein guter Überblick in der ZEIT:
http://www.zeit.de/online/2006/19/bildergalerie_schuluniformen

jens am 14.05.06 16:08 #