28. März 2006

[ Marketing , Martin lobt Kunden über den grünen Klee ]

Presse vs. TV vs. Brief

Mein Kunde Soli fer, die Volksbank Chemnitz und der Verein Deutsche Sprache veranstalten gerade einen Wettbewerb für Berufseinsteiger mit dem hübschen Namen "Kultur nützt". Es geht darum, gute Bewerbungen zu schreiben: Solche, die einen aus der Masse herausheben und dabei helfen, dass der richtige Bewerber zum richtigen Unternehmen kommt. 1

Beim Marketing für die Veranstaltung gab es eine interessante Erfahrung:

Eine bemerkenswerte Erfahrung machten die Veranstalter (...) : Unternehmen der Region Chemnitz, die das Projekt mit Sympathie begleiten, stellten sich schnell ein. Aber die Berufseinsteiger von den Schulen und Hochschulen, also die erwarteten Teilnehmer des Wettbewerbs, reagierten auf die umfangreiche und kostspielige Pressearbeit gar nicht, auch nicht auf einen Bericht im mdr Job Journal (JoJo) am 21. Februar. Erst als die Volksbank ihren jungen Kunden einen Brief ins Haus schickte, begann sich das Projekt herumzusprechen.

(Solifer ist mein Kunde, an diesem Projekt und dem dazugehörigen Weblog bin ich aber unschuldig.)

1. Eigentlich müsste der Wettbewerb da gleich weiter gehen und auch den Unternehmen zeigen, wie sie sich in der Kommunikation so darstellen, dass sie die richtigen Bewerber bekommen ("so wie Soli fer das macht", hätte ich gesagt, wenn der entsprechende Text nicht inzwischen verschwunden wäre. Schade. Dann bleibt nur der Link zu den Mitarbeitern.). Vielleicht was für die nächste Runde.

 

Meine Vermutung: Die Jugendlichen lesen keine Zeitung und schauen im Fernsehen kein MDR. Schade, traurig aber anscheinend wahr.

Gruß, Thomas

Thomas Hofmann am 29.03.06 10:10 #
 

Inzwischen haben wir zwei der drei Trainingstage für die Stellensucher (Teilnehmer des Projekts) erlebt, mit nennenswertem Erfolg. Als persönliche Rückmeldungen hören wir, die Leute kamen mit ganz neuer Motivlage heraus, in einer Stimmung von "Jetzt aber ran!" So habe ich das auch als Wörgschoppleiter erlebt. So etwas wie hier hatten sie noch nirgends gehört.

Aber nun die Frage: Wie könnte man die Betroffenen besser erreichen? Der Weblog des Projektes (www.kultur-nuetzt-blog.de) entstand erst, als die Trainingstage begannen, beeinflusste die Anmeldungen daher nicht.

Grüße von Oliver

Oliver Baer am 11.04.06 09:49 #
 

"Wie könnte man die Betroffenen besser erreichen?"

Indem man zu ihnen geht und sie möglichst direkt anspricht: An die Schulen, die Kneipen, Diskos und Kinos. Und ihnen was in die Hand drückt, so richtig "für sich" zum mitnehmen und zu Hause nochmal in Ruhe anschauen. Mit etwas Glück erwischt man Cliquen, die sowas dann als Gruppe gut finden und geschlossen kommen - u.U. auch so kommunizieren: "Weitersagen, Freunde mitbringen".

Zeitung lesen und Regionalfernsehn schauen tut man erst wieder ab 30+ - und selbst das dürften dann noch Ausnahmen sein... :-)

Sven am 18.04.06 00:20 #
 

Danke für die unerwartete Antwort. Hat es nicht etwas groteskes an sich, dass wir im Zeitalter des Internets auf die alten Touren zurückkommen: "Hingehen, anquatschen, was Gedrucktes mitgeben"?

Apropos Fernsehen: Bei mir schon nicht mehr (60-, aber knapp), ich ertrage den Mist nicht mehr.

Oliver Baer am 18.04.06 09:49 #
 

mag man meinen, dass das grotesk ist, bei genauerer Überlegung aber ist es das nicht:

im Netz findet man nunmal nur das, wonach man auch schaut, und wenn man jemandem sagen will, dass es da was gibt, wonach man nie schauen würde, würde mans nicht wissen dass es das gibt, dann geht das nicht ohne eine direkte bzw. "persönliche" Ansprache / Kommunikation.

Zusatzinfos etc. gehen dann wieder auch per Netz, aber der Punkt "Du, ich hab da was für dich, könntest du interessant finden" geht eben nur da, wo die Leute ganz real sind, denn es geht ja erstmal darum, überhaupt etwas neues für die Wahrnehmung der "Realität" zu setzen. Wenn das dann "existiert" funktioniert danach auch die Wahrnehmung in der Virtualität...

...und ja, das mit dem Fernsehen kann ich völlig unterschreiben :-)

Sven am 19.04.06 13:15 #