4. März 2006

[ Business Weblogs , Innovation und Wandel , Internet ]

Weblogs: Abgrenzung und Hype (Jan Schmidt)

Jan Schmidt schreibt in seinem Weblog darüber, wie man Weblogs abgrenzen kann und antwortet einem Leser, der meint, dass "der Hype um Weblogs viel zu gross ist.".

Das ist eine FAQ: "Ist der Hype um Weblogs nicht viel zu groß?" Sie kommt oft zusammen mit "Das ist doch alles nichts Neues: Man kann Weblogs nichtmal richtig abgrenzen. Wenn das keine Kommentare hat: Ist das dann noch ein Weblog oder nicht? Siehst Du: Sowas kann doch einfach keine Bedeutung haben!"

Hören wir mal rein.

Zur Abgrenzung:

Das mit dem "eigenständigen Phänomen" ist so eine Sache.. Als Online-Format sind Weblogs durchaus abgrenzbar: Regelmässig aktualisierte Webseiten, deren Beiträge rückwärts chronologisch angeordnet sind, einzeln über URLs addressierbar sind und von anderen Nutzern kommentiert werden können. (...)

Es geht mir ja letztlich auch nicht um die Begriffsklärung an sich, oder um das Beschreiben von Weblogs als technisches Format, sondern mich interessiert als Kommunikationssoziologe der Umgang der Menschen mit diesem Format (...).

Wir können feststellen, dass es Ähnlichkeiten zwischen bestimmten Weblogs gibt, also Gruppen von Menschen das Format auf ähnliche Art und Weise (und abgrenzbar von anderen Gruppen) nutzen.

Und dann zum Hype:

Zum Hype-Argument: Ja und Nein. Ich glaube auch, dass von Weblogs keine Umwälzung massenmedialer Öffentlichkeiten oder Revolution der PR zu erwarten ist, dafür sind die Beharrungskräfte in diesen Bereichen zu groß. Aber das ist meines Erachtens auch nicht der springende Punkt: Weblogs haben ihre Stärke darin, dass sie interpersonale Kommunikation in sozialen Netzwerken ganz unterschiedlicher Größe ermöglichen. In Bezug auf massenmedial hergestellte Öffentlichkeiten besteht da kein Verdrängungswettbewerb, sondern die beiden Bereiche ergänzen sich. Das Spannende passiert an ganz anderer Stelle: Dort, wo Menschen Weblogs (und andere Kommunikationskanäle) miteinander kombinieren, um soziale Beziehungen zu knüpfen und zu pflegen - ganz unabhängig erst mal vom Inhalt oder thematischen Fokus. (...)

Ihr Entstehen und Gebrauch ist Teil eines schon länger zu beobachtenden Prozesses des sozialen Wandels hin zu einer Organisation der sozialen Beziehungen nach Netzwerkprinzipien. Das ist sicherlich keinen Hype wert (...), aber meiner Meinung nach Grund genug, sich wissenschaftlich damit zu beschäftigen.

Ähnlich erkläre ich es immer meinen Geschäftsleuten: Der Blick auf die großen, revolutionäre Dinge, die in Weblogs angeblich drinstecken (wissen wir das? Wir wissen es nicht.), ist oft nicht der entscheidende. Es ist zwar wichtig, die "großen", möglicherweise revolutionären Dinge im Blick zu haben und vor allem zu sehen, wo Bestehendes (PR, Journalismus, ...) ergänzt und verändert wird, aber selbst wenn man dort nicht an große Veränderungen glaubt, steckt in Weblogs sehr viel Wichtiges drin.

Man kann das betrachten, wenn man direkt am Weblog anfängt: Wer bloggt? Warum? Was machen die Leute da? Wie verändert das Bloggen ihr Leben? Und nicht gleich: "Was bedeuten Weblogs für unser Unternehmen? Wie können wir sie nutzen?" fragt. So direkt ist das nämlich oft nicht.

Die Weblogs verändern das Leben der Leute. Die Leute verhalten sich anders. Das veränderte Verhalten wirkt auf die Unternehmen. Es lohnt sich oft, das genau zu betrachten.

Das, was da gerade passiert, wie es das Web Menschen ermöglicht, besser informiert, besser miteinander verbunden, besser gemeinsam tätig zu sein, das ist groß, das ist bedeutend. Darum geht es; nicht um Weblogs, Wikis oder "Social Software". Und wenn es nach mir geht: Das ist kein Hype, das ist noch seriously underhyped. Aber wir werden sehen.

Trackbacks sind Links von anderen Weblogs auf diesen Eintrag.

Mein Fazit vorab: Weblogs sind weder Internet-Hype noch werden sie zukünftig an Bedeutung verlieren. Im Gegenteil: Weblogs entwickeln sich m.E. zu einem wichtigen und unverzichtbaren Werkzeug der modernen Geschäftswelt; Weblogs haben das Potenzial, d...

Das PM-Blog: Sind Weblogs Hype? (05.03.06 15:53)

 

Weblogs sind einfach nicht jedermanns Geschmack. Die Vorstellung, dass jeder sie aktiv nutzen wird, ist deshalb wohl wirklich overhyped. Aber das Potenzial bei denjenigen, die sie mögen werden, und bei denjenigen, die sie passiv oder indirekt nutzen könnten, ist noch lange nicht ausgeschöpft. Insofern halte ich die Möglichkeiten wie Martin für sogar noch underhyped.

Matthias Melcher am 05.03.06 13:11 #
 

Stimme dem Beitrag von Martin Röll voll zu. Ergänzend: Das Thema macht jetzt die gleiche Diskussion durch, wie das Web Mitte der 90er. Ich weiss noch, wie viele das als vorübergehendes Phänomen abgetan haben. Auf der anderen Seite gab es immer auch die, die erzählt haben, alles wird total basisdemokratisch und wir kaufen nur noch im Web ein.


Das heißt für Berater (egal ob PR-, E-Business-, etc.): Realistisch Möglichkeiten erkennen und Überzeugungsarbeit leisten.

Jörg Hoewner am 12.03.06 23:58 #