4. März 2006

[ Marketing , Politisches , Sprache ]

Sprachlich herausgefordert: SPD-Wahlplakate in Gießen

Date: Sat, 04 Mar 2006 13:39:22 +0100
Subject: SPD-Wahlkampfplakate in Gießen
From: Martin Roell <martin@roell.net>
To: info@spd-giessen.de
CC: Oliver Baer, Moe

Sehr geehrte Damen und Herren,

mit großem Interesse und einiger Faszination habe ich im Internet Aufnahmen Ihrer Wahlplakate, die derzeit in Gießen aufgestellt sind, gefunden.

Ich habe dazu einige Rückfragen:

  1. Wahlplakat von Dietlind Grabe-Bolz, SPD Gießen. Foto: Stephan 'Moe' MoselDas Plakat von Frau Dietlind Grabe-Bolz ziert der Spruch: "Bewegung ist gut, wenn sie überzeugend ist".
    1. Ich kenne runde Bewegungen, eckige Bewegungen, schnelle und langsame Bewegungen, doch was ist eine "überzeugende" Bewegung?
    2. Warum ist Bewegung gut, wenn sie überzeugend ist?
    3. Was hat überzeugende Bewegung mit der SPD oder Frau Grabe-Bolz zu tun?

    http://www.flickr.com/photos/moe/102986079/

  2. Wahlplakat der SPD Gießen. Foto: Stephan 'Moe' MoselAuf einem neutralen Plakat heißt es: "Bewegung ist gut, wenn der Weg für alle offen ist". Dazu wird eine Tür gezeigt. Hierzu drei Fragen:
    1. Was ist ein "offener Weg"? Gibt es auch geschlossene? Wie sehen die aus?
    2. Was hat die Tür damit zu tun? Stehen in Gießen Zimmertüren auf Wegen?
    3. Warum ist Bewegung gut, wenn der Weg für alle offen ist?

    http://www.flickr.com/photos/moe/106729769

  3. Wahlplakat von Thorsten Schäfer-Gümbel, SPD Gießen. Foto: Stephan 'Moe' MoselHerr Thorsten Schäfer-Gümbel präsentiert sich mit dem Spruch: "Bewegung ist gut, wenn das Ziel für alle stimmt". Auch hierzu einige Fragen:
    1. Bezieht sich "das Ziel" auf die angesprochene "Bewegung"? Oder geht es um eine anderes Ziel? Welches?
    2. Wenn "das Ziel" nicht für alle stimmt: Ist Bewegung dann nicht gut?
    3. Wenn nicht: Soll man dann nicht die SPD wählen? Oder doch? Wenn ja: Warum?

    http://www.flickr.com/photos/moe/102986085

Ich freue mich sehr, von Ihnen zu hören.

Ich werde meine Anfragen auch auf http://www.roell.net/weblog/ veröffentlichen. Bitte teilen Sie mir mit, ob ich Ihre Antwort auch dort veröffentlichen darf.

Mit freundlichen Grüßen,
Martin Röll

Trackbacks sind Links von anderen Weblogs auf diesen Eintrag.

Martin Röll hat der SPD Gießen eine E-Mail mit einigen Fragen zu deren derzeitiger Wahlkampagne geschickt. Dabei hinterfragt er die extrem sinnentleerten Phrasen, die heutzutage scheinbar als Ersatz...

Webmaster Blog: Blogger contra Phrasendrescher (05.03.06 15:13)

 

Du mußt aufhören mit deinem Kopf zu denken, und mehr mit deinem Bauch fühlen. Und die Sprüche fühlen sich einfach richtig an. Das ist das was zählt.

bim am 04.03.06 15:21 #
 

Für mich fühlt sich das richtig, richtig falsch an. Ich bekomme sowohl Kopf- wie Bauchweh davon.

Martin Röll am 04.03.06 15:34 #
 
Für mich fühlt sich das richtig, richtig falsch an. Ich bekomme sowohl Kopf- wie Bauchweh davon.

Bei Schmerzen sollst du FDP wählen, denn die vertretn die Apotheker- & Pharmalobby ;-)

Perun am 04.03.06 15:38 #
 

Bewegung ist gut, wenn der Kopf und Bauch nicht mehr zu gebrauchen sind...

Wird schon wieder. Gute Besserung! :)

Jens am 04.03.06 18:16 #
 

Vom Deutsch her also durchaus mit unseren aktuellen FPÖ-Plakaten zu vergleichen. "Neutralität statt EU-Diktat" - "Österreich bleib frei" - "Wir schützen Österreich - FPÖ" Österreich hat, dank seiner Neutralität, schon eine Sonderrolle bei der EU. An der Neutralität selbst kann nur die Regierung selbst rütteln, die ja lange aus ÖVP/FPÖ bestand. Österreich wird auch in Zukunft frei bleiben und für den Schutz eines Landes ist noch immer das jeweilige Heer zuständig. Also hier im kleinen Partnerland sind die Plakate definitiv nicht besser.

Philipp am 04.03.06 19:45 #
 

Die Gestalter solcher Sprüche werden am Erfolg gemessen; kommt die Botschaft beim Konsumenten/Wähler an und kauft/wählt er dann im Sinne des Auftraggebers. Sind vermutlich keine Anfänger.
An einem Preis " sinnige Aussagen in deutscher Sprache" ist dabei vermutlich kaum Interesse. Der Spaß an den Wortspielen wird zögerlich wenn der Spiegel erkannt wird, Es ist ähnlich wie bei der Bild-Zeitung. Das Niveau und der Wahrheitsgehalt informiert über die Leser und kaum über die Schreiber.


Rolf am 05.03.06 00:28 #
 

"Das Niveau und der Wahrheitsgehalt informiert über die Leser und kaum über die Schreiber."

Was bedeutet es ist eine Aussage was die SPD in Gießen über Ihre Wähler denkt...

Karoline am 09.03.06 16:28 #
 

So ist dass, wenn man Textstellen außerhalb ihres Context veröffentlicht.
Leute, natürlich muss man die Sprüche auf Wahlplakaten immer im Zusammenhang mit der Kampagne und dem politischen Gegner sehen. Die "Bewegung", die hier gemeint ist, bezieht sich auf die angebliche "Bewegung" in der Stadt, die die CDU-FDP-FWG-Koaltion für sich reklamiert, seit sie bei der letzten Kommunalwahl ran gekommen sind. "Bewegung" im Sinne von "Wir lassen eine neue Mall bauen und dann wird alles besser". Auf den CDU-Plakaten heißt es ungefähr, "Damit sich in Gießen weiter was bewegt." Es geht nicht um Bewegung im Allgemeinen, sondern um diese spezielle CDU-artige "Bewegung". Also bitte nicht so viele Korinthen kacken ...

Tim am 10.03.06 00:46 #
 

Ah, d.h. man reagiert anstatt zu agieren.

Das hatten wir jetzt lange genug, oder?

OliverG am 10.03.06 10:20 #
 

Besten Dank, Tim. Das ist interessant. Eigentlich komisch, dass ich noch keine Antwort der SPD habe, wenn das so einfach ist.

Martin Röll am 10.03.06 20:39 #
 

Hmm da lese ich schon immer wieder mal den Gießener Anzeiger und wohne in Gießen. Aber die Wahlplakate verstehe ich nicht. Vielleicht sind die anderen Giessener WählerInnen einfach schlauer als ich :o)

Moe am 11.03.06 11:38 #
 

@Karoline

"Was bedeutet es ist eine Aussage was die SPD in Gießen über Ihre Wähler denkt..."

ja :-) und so kann man die Spirale aus Ursache und Wirkung immer weiter drehen.

oder klassisch " in einer Demokratie bekommt das Volk genau das was es verdient bzw. wählt"

Mich stört bei solchen Diskussionen die Häme offensichtlicher Zuschauer gegenüber den Aktiven der jeweiligen Parteien. Die Aktiven in den Parteien, egal welche Richtung, sind in der großen Mehrheit ehrenamtlich aktiv.

Rolf am 12.03.06 15:22 #
 

Häme steckt hier keine drin. Ich will wissen, wie diese Plakate gemeint sind.

Martin Röll am 12.03.06 15:26 #
 

Wozu sich über einen solchen misst aufregen?
Viel interessanter wäre es doch Plakate und ähnliche Wahlwerbemittel in den einen deutliche und dazu noch logische Botschaft mitgeteilt wird.
HIer sollten wir vielleicht von einige kleinen Parteien absehen, die man als eine Art NIschenvertreter bezeichnen könnte. Und sich in der NIsche deutlich auszudrücken fällt nicht schwer.

Also um's auf den Punkt zu bringen, fast alle Parteiein bringen mehr oder weniger solchen sinfreien Müll in einen Wahlkampf ein. Wundern wir uns nicht drüber, suchen wir lieber die "Guten" aussagen. Denn solche Aussagen zu hinterfragen macht nicht gerade schlauer und hat auch keinen produktiven Nutzen. Überlassen wir doch die Unfähigen ihrer Unfähigkeit.

Oliver am 12.03.06 20:01 #
 

Freude! Endlich jemand, der sich genauso wie Ich über die Wahlplakate gewundert hat. Alles in allem waren die Wahlplakate sinnentleert, denn man muß sich die Zielgruppen betrachten.
1. Die Gießener/Betrachter, die wußten, worum es bei den Plakaten ging, müssen sich bereits ausführlich politisch informiert haben und dementsprechend hat eine Plakatwerbung auf sie keine Wirkung. Diese Zielgruppe hat Ihre Meinung bereits gebildet oder lässt sie zumindest nicht von irgendwelchen Wahlplakaten beeinflussen, da es ihnen um Inhalte geht.
2. Diejenigen - wie Ich z.B. - die trotz regionaler Zeitungslektüre nichts unter dem Begriff Bewegung interpretieren konnten als Fortschritt & Wandel in jedweder Form, können nicht verstehen, was überhaupt mit der Werbung erreicht werden soll. Dadurch haben sich die plakatierenden Parteien eher als nicht wählenswert empfohlen als alles andere.

Werbung macht man für alle Wähler. Wenn Sie von der Mehrheit nicht verstanden wird, schlägt sie fehl. Das resultiert entweder darin, dass die Wähler eben überhaupt nicht wählen gehen, weil man das Ziel der Partei nicht erkennen kann. ODER er wählt am Ende noch Protest...
Soll und kann das das Ziel der SPD,CDU,FWG sein?

Tibor am 25.10.06 09:15 #