16. Dezember 2005

[ Business Weblogs ]

"Was ist eine Weblog-Policy?"

Da das beim letzten Mal so wunderbar geklappt hat, habe ich hier wieder einen Text für Euch. Diesmal geht es um einen kleinen Grundlagenartikel, der erklären soll, was eine "Weblog-Policy" ist und wozu sie gut ist. Nehmt Ihr den mal auseinander?


"Was ist eine Weblog-Policy?"

Eine "Weblog-Policy" ist eine Sammlung von Richtlinien, an denen sich Mitarbeiter, die eigene Weblogs schreiben, orientieren sollen.

Viele Unternehmen haben erkannt, dass ihre Mitarbeiter bereits eigene Weblogs schreiben. Viele davon sind nur private Tagebücher und haben mit dem Unternehmen nichts zu tun. Andere aber sind persönliche Journale, in denen die Mitarbeiter auch über ihre Arbeit sprechen und sich mit anderen zu fachlichen Themen austauschen. Darin identifizieren sie sich auch oft als Mitarbeiter des Unternehmens. In gewisser Weise sprechen sie also, wenn sie bloggen, auch für das Unternehmen.

Die Weblog-Richtlinien sollen nun auf der einen Seite


  1. das Unternehmen absichern, dass durch die Weblogs der Mitarbeiter kein Schaden entsteht, zum Beispiel dadurch, dass Geschäftsgeheimnisse verraten werden.

  2. Auf der andere Seite sollen sie
  3. den Mitarbeitern helfen, sich korrekt zu verhalten und durch ihr privates oder halb-privates, während der Arbeitszeit durchgeführtes Bloggen, keinen unabsichtlichen Schaden zu verursachen.

Viele amerikanische Unternehmen haben bereits Weblog-Policies aufgestellt. Vieles daraus lässt sich für deutsche Unternehmen übertragen. Übliche Regeln sind zum Beispiel:

  • Persönliche Verantwortung: Der Blogger ist für sein Weblog selbst verantwortlich.
  • An bestehende Regeln halten: Andere Regeln, die im Unternehmen bereits existieren, haben auch für das Bloggen Gültigkeit.
  • Geheimnisse wahren: Es dürfen keine Unternehmensgeheimnisse veröffentlicht werden.
  • "Gesunder Menschenverstand" und Höflichkeit: Mit Bedacht schreiben, keine Beleidigungen und Obszönitäten aussprechen.

Einen Vergleich verschiedener Weblog-Policies von Unternehmen finden Sie (auf Englisch) bei Fredrik Wackå: Policies compared: Today's corporate blogging rules.

Beim Aufstellen einer eigenen Weblog-Richtlinie und beim Kontakte-Knüpfen zu den Bloggern Ihres Unternehmens kann ich Sie unterstützen.


Und wo wir dabei sind: Gibt es ein besseres / im deutschen gebräuchlicheres oder griffigeres Wort als "Weblog-Policy"? Wie nennt Ihr das? "Weblog-Richtlinien (-Regeln?)"? "Blogging-Richtlinien"?

Trackbacks sind Links von anderen Weblogs auf diesen Eintrag.

Das wäre ja noch schöner, wenn mein Brötchengeber eine Weblog-Policy (etwa nur für mich?) aufstellen würde. Der einzige Punkt, der mich bei Martins Sammlung überzeugt, ist das Verbot des Geheimnisverrats, aber dafür gibt es schon gesetzliche Regeln, ...

Der Schockwellenreiter: Regulierungswut (19.12.05 08:23)

via Google Blogscoped Mario Sixtus schreibt an Philipp Lenssen, der es veröffentlicht:

Der Blogger Code (Dies sind die...

ThoBlog: Blogger Kodex [13.01.2006] (18.02.06 15:20)

 

Ich nenne in meinem Buch die blogging policies "organisatorische Richtlinien für den Umgang mit Weblogs", und das ist für mich ein Sonderfall von "prozeduralen Regeln, die den Umgang mit Weblogs rahmen".

Aber ich bin ja auch Soziologe... ;-)

Den Text finde ich knapp und gut; im zweiten Absatz wiederholt sich "auch"; im letzten Satz sprichst Du von Blogging-Richtlinie im Singular - ich würde da intuitiv von RichtlinieN sprechen, weil für mich der einzelne Punkt eine Richtlinie, alles zusammen dann halt die Richtlinien sind.


Jan Schmidt am 16.12.05 13:23 #
 

Am letzten Dienstag habe ich bei einem firmeninternen Bloggertreffen zum ersten Mal das Bloggervademecum vorgestellt. Im Prinzip bei Wackå abgekupfert. Vielleicht bald auf dem Fischmarkt.

Martin Recke am 16.12.05 14:10 #
 

Als nicht bloggender nicht angestellter Laie, frage ich mich gerade wie viele Unternehmen eigentlich schon detaillierte "Internet-während-der- Dienstzeit"-Nutzungsregeln besitzen? Und, ob diese Frage vielleicht auch für Deine Dienstleistung/ "Weblog-Regeln" (sic!) relevant sein könnte...

Den Text habe ich verstanden. ;-)

Jens Bemme am 16.12.05 22:50 #
 

Ich würde noch ergänzen, dass ggf. auch solche Blogging-Richtlinien für externe Blogger aufgestellt werden müssen, die vom Unternehemen gesponsort werden. Damit beschäftige ich mich nämlich gerade, weil mir für eines meiner Blogs eine Sponsorenschaft angeboten worden ist wo es auch darum geht, was wir dabei beim Bloggen zukünftig beachten sollen bzw. müssen.

Jan Theofel am 17.12.05 20:46 #
 

Jan, interessanter Punkt: Wie weit reichen Blogging-Richtlinien? Aus Sicht der sponsoring-Organisation wäre natürlich eine volle Kontrolle über Deine Inhalte (Bewertungen eines Produkts, Links zur Seite der Organisation, ...) im gesponsorten Blog wünschenswert, aber damit gäbst Du ja vermutlich Deine Authentizität auf. Wo würdest Du denn die Grenzen ziehen? Reicht nicht der Tausch "Sponsoringbetrag" (von der Organisation) gegen "Aufmerksamkeitslenkung" (durch Dein Blog) aus?

Jan Schmidt am 18.12.05 15:07 #
 

@Jan & Jan: Nun ja. wünschwenswert wäre an sich das, was es bei Zeitungen auch gibt: Trennung von Redaktion und Anzeigengeschäft. D.h. man hat jemand, der sich drum kümmert und sagt: Was immer Sie fürn Logo da hinpacken - es hat keinen Einfluss auf unsere Berichterstattung.

Was einfacher ist, wenn man ein Blognetzwerk mit einem Akquisiteur hat als wenn man Blogger und Akquise in Personam ist.

Also: Wird man von SONY gesponsort, darf, soll oder kann man über das root-kit bloggen? Und welche Meinung soll man haben? Oder soll man sagen: Sorry, Leute: wir bloggen nicht über die Aktivitäten unserer Kunden - was ja an sich noch doofer wäre, d.h. durch ne Anzeige würde sich einer aus dem Blog 'rauskaufen'.

Oder, sagen wir SONY sponsoert ein Musikblog, würde man dann einmal pro Woche ne SONY-CD besprechen? Oder nur dann wenn es lobend ist? Oder wie?

Jan T: Erzähl doch mal über welche 'Regeln' ihr nachdenkt...

Oliver Gassner am 18.12.05 21:04 #
 

Hallo,
Weblog-Policy = Blogoquette o. Blogiquette?
Gruß, Thomas

Thomas Hofmann am 20.12.05 09:54 #
 

Zunächst mal sollte ich vielleicht vorausschicken, dass es sich um das Brettspiel-Blog handelt um die Regeln nachvollziehbarer zu machen.

Klar ist, dass wir keine Kontrolle über unsere Inhalte haben wollen. Aber wenn mir jemand Geld für einen Artikel als Sponsor zahlt verstehe ich, dass er dort keine Links zu den Online-Shops der Wettbewerber im Artikel sehen möchte sondern nur eben den zu seinem Shop.

Ein weiteres Thema: Nicht jedes Spiel was wir vorstellen wird ein Sponsor auch verkaufen (können). Dürfen wir dann Links zu anderen Online-Shops setzen, damit unsere Leser auch den Service "Link-direkt-in-den-Shop" bekommen können?

Wir wollen auch einen Mechanismus vorsehen, dass der Sponsor sich Artikel über gewisse Spiele wünschen darf (z.B. weil er die gerade abverkaufen will). Diese sind aber nicht bindend sondern eben nur ein Wunsch, den wir versuchen zu erfüllen, wenn er sinnvoll ist. Dafür stellt uns der Sponsor vielleicht ein Belegexemplar oder so.

Ich werde auch darauf hinwirken, dass wir die Sponsoringbedinungen (außer den finanziellen Zahlen natürlich ;-) offenlegen dürfen, damit es zum einen für andere gesponsorte Blogger Ideen liefern kann und zugleich auch den Lesern zeigt, dass die Inhalte nicht gekauft werden.

Jan Theofel am 20.12.05 12:46 #
 

Lass uns das mal durchspielen:

Nun ja, wenn der Auftraggeber sagt "Schreibt mal was über 'Halma', das muss grad raus."

** und ihr kassiert für den Beitrag den Betrag x und schreibt "Halma ist das langweiligste Spiel, das wir kennen." Dann... ist er entweder bald nicht mehr euer Kunde.

* Wenn er dafür ein 25-Euro-Spiel (zusätzlich zum Artikelbetrag) rausrückt + Porto muss er aber schon ne Reaktion sehen, damit er das ohne Zahnweh macht.

** oder man sagt 'Wir schreiben nur was, wenn es Lob ist', was dann wieder indirekt gekaufter Content ist.

** Oder ihr schreibt nen Verriss und linkt auf nen anderen Webshop... ;) (Was auch nicht das Geschäft des Kunden fördert.)

Was eventuell unproblematisch ist:
* der Kunde sponsort und wünscht sich gar keine expliziten Artikel
* ihr linkt bei jedem Spiel, was bei ihm im Shop ist, bevorzugt auf ihn, bei anderen auf andere. 8Und davon mindestens x / Monat)
* er kriegt ein stehendes verlinktes Textchen: Dieses Weblog wird finanziell unterstützt von "Webshop".

Bei Spielen kann es "wg. ohne Preisbindung" dann natürlich auch sein, ihr 'empfehlt' euren Kunden eine teurere Ausgabe. Ob euch das Freunde macht...

Oliver Gassner am 20.12.05 17:50 #
 

Ich denke man braucht keine extra Weblog Policy, es reicht eigentlich wenn man das allgemeine Netiquette einhält, was auch für Foren etc. gilt.

Eine Policity für Weblogs ist somit relativ witzlos. Es versteht sich von selbst, dass man keine Firmengeheimnisse ausplaudert, egal ob dies jetzt im eigenen Weblog, auf dem Marktplatz oder unter Freunden geschieht.

Mediengestalter am 20.12.05 20:03 #
 

Auch bei Foren gibt es eine Menge Unsicherheit: Darf / soll sich ein Mitarbeiter, wenn er sich im Web äußert, als Mitarbeiter des Unternehmens identifizieren? Vielleicht braucht man keine "Weblog-Policy", sondern eine "Web-Policy" oder etwas ganz anderes - aber Leitlinien zum Verhalten in Medien, insbesondere dem Internet, erscheinen mir angebracht.

Martin Röll am 20.12.05 20:07 #
 

@Martin: Ich darf mich an "Blogging-Richtlinien" halten, die als Anlage Teil des Arbeitsvertrages sind.
Und, richtig, natürlich sind es die 1:1 Regeln, die wir aus den USA übernommen haben.

@Jan und Jan: Reichweite der Reglements
Bei uns ist es klar festgehalten, dass wir nur solche "Freelancer" beschäftigen können, die unseren "Code of Conduct" anerkennen und danach handeln. Sprich: Regeln, die für uns gelten, gelten ebenso für den externen Blogger.
Und zu Punkt 2, "schreibt und kassiert": Wie steht es hier um Richtlinien auf Seiten des Sponsoren? Der Fall ist bei uns klar geregelt: "Under no circumstance we will provide compensation, in monetary or other form, for coverage."

@Mediengestalter: Ich glaube nicht, dass sich das "von selbst versteht". Vielleicht verstehen wir das, vielleicht setzt aber auch jeder die Grenze, wo ein Geheimnis beginnt, vollkommen anders.

bjoernhasse am 21.12.05 09:13 #