16. Dezember 2005

[ Business Weblogs ]

5 Schritte, wie sich ein Unternehmen der Blogosphere nähern kann

Ich werde von Hörern meiner Vorträge und vor allem von Journalisten immer wieder gefragt, ob es nicht die "3 Schritte zum erfolgreichen Weblog" oder den "Wie ein Unternehmen in 5 Schritten in die Blogosphere kommt"-Artikel gebe. Es gibt sie nicht - zumindest nicht bei mir, denn ich glaube ja nicht an "erfolgreiche Weblogs" oder daran, dass Unternehmen unbedingt "in die Blogosphere" müssen.

Es geht mir darum, Unternehmen zu helfen, zu verstehen, was Weblogs für sie als Werkzeug, aber vor allem als Kommunikationsphänomen, bedeuten können. Dann, wenn sie Bescheid wissen, können sie gerne einen Plan machen, ob sie Weblog-Projekte starten oder das Thema auf andere Weise vertiefen wollen - oder nicht.

Für diesem Zweck habe ich allerdings auch meine "Drei Dinge, die Sie tun können"-Bulletpoints und die allseits beliebten "praktischen Ratschläge". ;-)

Heute morgen hat mich ein Journalist gebeten, ihm meine Liste einmal aufzuschreiben. Da das bisher bei mir immer in Vortragsfolien oder anderen Materialien versteckt war, hier also: "5 Schritte, wie sich ein Unternehmen der Blogosphere nähern kann" (tadah!), z.B. für einen Kommunikationsverantwortlichen im Unternehmen:

"5 Schritte, wie sich ein Unternehmen der Blogosphere nähern kann"

  1. Suchen und finden Sie Weblogs, die für Ihr Unternehmen relevant sind. (Wie das geht - Weblogs finden - erkläre ich im Vortrag.)

  2. Stellen Sie Inhalte aus Weblogs im Unternehmen zur Verfügung, z.B. über die Einbindung in Portale. Prüfen Sie die Einführung von RSS-Readern. (Das ist entscheidend. Mit Weblogs irgendwie erfolgreich zu sein, geht nicht, ohne Weblogs zu lesen. Um das effizient zu tun, braucht man Newsaggregation / RSS. Auch das zeige ich - insofern man mir mehr als 20 Minuten gibt ;-) - in meinen Vorträgen.)

  3. Nehmen Sie Weblogs in ihre Medienbeobachtung mit auf. (Hier kommt immer die Frage, ob man das Weblog-Monitoring selbst machen soll oder es einer Agentur übertragen. Kommt drauf an. Ein andermal dazu mehr.)

  4. Knüpfen Sie den Kontakt zu Mitarbeitern, die bereits bloggen. Prüfen Sie die Einführung einer "Weblog-Policy" (Regeln für das Schreiben von Weblogs für Mitarbeiter).

  5. Identifizieren Sie Marketing-(oft: Sponsoring-) Potenziale in Weblogs.

Was haltet Ihr davon? Habt Ihr andere Ideen, Vorschläge oder Kritik an meinen?

Trackbacks sind Links von anderen Weblogs auf diesen Eintrag.  

"Vielleicht solltest du den UnterschiedSuchen und finden Sie Weblogs, die für Ihr Unternehmen relevant sind.": Hier solltest du darauf hinweisen, dass potentiell jedes Weblog relevant sein könnte. Es gilt also einmal zu unterscheiden, welche Blogs setzen sich mit 'meiner' Branche, 'meinem' Thema auseinander und in welchen Blogs wird mein Unternehmen/Produkt bereits diskutiert.

Sebastian Keil am 16.12.05 14:51 #
 

Worin unterscheiden sich denn 2. und 3.?

Weblogbeobachtung kann man ja gerade über Aggregation machen. Dann kann man evtl. noch entscheiden, wo die aggregierten Feeds jeweils erscheinen sollen (intranet oder öffentlich oder so) - jedenfalls kann ich da keine Notwendigkeit einer Agenturbetreuung erkennen (wenn überhaupt, dann für die Erhebung "passender" Weblogs, aber sooo aufwändig scheint mir das auch nicht)

roland am 16.12.05 17:59 #
 

Vor der Frage, ob man Weblog-Beobachtung selbst machen will oder nicht ist wohl erst mal zu klären, was denn Weblog-Beobachtung überhaupt ist. Die als relevant identifizierten dreieinhalb Weblogs zu lesen, das kann und sollte man in der Kommunikationsabteilung gerade noch so selbst schaffen.
Will man aber sicherheitshalber über alles informiert sein, was das eigene Unternehmen betreffen könnte, sollte man schon technische Hilfsmittel setzen. Ich finde Technorati ist da nach wie vor das Mittel der Wahl. Auch wenn es wohl daran schwächelt, dass es sich nur anpingen lässt und nicht selbst crawlt (oder tun sie es etwa doch?).
Wenn man dann feststellt, dass eine verdammte Menge an Informationen zusammenkommt, sollte man vielleicht doch auf externe Unterstützung setzen.
In den USA setzt man dazu stark auf automatisierte Prozesse. Da die zugrunde liegende Software aber leider (zum Glück ;-)) an der deutschen Sprache scheitert, bleibt uns derzeit nur der Einsatz qualifizierter Lektoren.

50hz am 16.12.05 20:03 #
 

Ich finde die Schritte sehr gut. Ich denke das ist was die Leute brauchen. Klare Schritte und Anleitungen. Ich habe eigentlich nur inhaltlich Anregungen, z.B. haben Blogs in meinen Augen Potential für das Projektmanagement. So können sehr Projektorientierte Abteilungen/ Teams z.B. ihren Fortschritt transparent festhalten ohne diese "Massen-CC-Mails" zu verschicken. Man kann ja eMail-Programme um Newsreader-Komponenten erweitern (z.B. in Outlook dann für jedes Blog einen ganz normalen Ordner) und hat so weniger eMail-Flut. Ich erwähne das hier, weil ich deine Bemerkung mit den Newsreadern gut finde und denke dort haben die Unternehmen noch Ängste und Probleme ihren Mitarbeitern beizubringen warum sie ein neues Tool brauchen. Und das alle Unternehmen eMail-Problem haben ist denke ich klar. Gerade dieses Argument dürfte, meiner Meinung nach, ziehen. Grüsse

nico am 16.12.05 20:05 #
 

roland: Bei Punkt 2 geht es darum, Weblogs für mehr Mitarbeiter des Unternehmens sichtbar zu machen, als Teil des Informationspools, mit dem sie arbeiten, so wie ihnen auch sonst z.B. Nachrichten zur Verfügung gestellt werden. Punkt 3 ist spezifisch für PR/Presse/Öffentlichkeitsarbeit: Systematisch Weblogs beobachten, auswerten und auf sie (bzw. auf daraus Gelerntes) reagieren.

Wenn das nur eine Handvoll Feeds sind, kann die Kommunikationsabteilung das natürlich selbst machen. Aber um z.B. zu verfolgen, was überall in der Blogosphere über Dich oder Deinen Markt geredet wird, wird das womöglich zu viel. Aus gutem Grund gibt es für den Print-Markt, andere "alte" Medien und auch für das Web Medienbeobachtungsdienstleister, die den Kunden die Information filtern. Das kann sehr sinnvoll sein.

Martin Röll am 17.12.05 09:58 #
 

1) Get an RSS aggregator.
2) Read 50 blogs for at least two weeks that interest you.
3) Interview at least five of those bloggers.
Quelle:
http://scobleizer.wordpress.com/2005/12/18/love-bloggers-who-do-interviews/
Gruß Stefen

Stefen am 19.12.05 04:46 #
 

@roland
Zwar kann ich auch Suchanfragen über diverse Suchmaschinen per RSS abonnieren, aber generell ist das abonnieren einzelner Weblogs für ein Monitoring nur bedingt geeignet. Die Gefahr der blinden Flecke ist doch sehr hoch. Man begibt sich vor allen Dingen eben auch in sein Echo Chamber.

Silke Schümann am 19.12.05 15:03 #
 

Hallo Alle,
50hz:
Technorati finde ich inzwischen Mist, weil die jetzt ein eingebundenes Javascript verlangen. Das kann nur, wer eigene Software "laufen hat". Alle Free-Blog-Anbieter fallen da raus. Da kocht die Elite wieder unter sich.
Gruß, Thomas

Thomas Hofmann am 20.12.05 10:01 #
 

Hallo Martin,

mein Kommentar: dein Vorgehen ist technisch ok, es löste aber nicht das Problem der kulturellen Unvereinbarkeit beider Welten (Blog / Corporate Comm.) Die wirst du weder mit Monitoring noch RSS-Feeds überwinden. Da braucht es echte Überzeugungstäter im Unternehmen. Ohne die schaffen es nicht mal gutwillige Companies, das Thema länger als einen Nachmittag zu beatmen. Das macht aber auch nichts. Nur sollte man sich darüber auch keine Illusionen machen.

Mark Pohlmann am 20.12.05 16:39 #
 

Mark: Ich will überhaupt nichts "überwinden". Ich will, dass Unternehmen lernen, um sich dann selber zu "überwinden", wenn das dann noch nötig ist, oder (besser) herauszufinden, wo sie was machen können, ohne gleich großen kulturellen Wandel anstrengen zu müssen.

Martin Röll am 20.12.05 17:15 #
 

"Bloggende Unternehmen sind in der Regel von Unternehmensberatern fehlgeleitete, arme Seelen."
http://www.die-google-gesellschaft.de/blog/2005/12/interview-%c2%bbbloggende-unternehmen-sind-arme-seelen%c2%ab/

Aha..

Russianger am 20.12.05 23:32 #
 

Ich habe noch nie ein bloggendes Unternehmen gesehen. Ich habe immer nur bloggende Menschen gesehen. (Heiko Hebig hat das mal schöner gesagt, als ich. Ich finde gerade den Link nicht mehr.)

Martin Röll am 20.12.05 23:37 #
 

Ohne Punkt 2 kann man wohl kaum einen erfolgreichen Unternehmensblog schreiben. Es ist natürlich für das Unternehmen von Vorteil, wenn sich bereits bloggende Mitarbeiter finden, welche zumindest eine Grundahnung von der Blogosphäre haben. Das erpart langfristige Einarbeitszeiten.

Mastblau am 22.12.05 11:01 #
 

google mal : Heiko Hebig blog unternehmen

:_)

Russianger am 22.12.05 12:37 #
 

Oh, das war einfacher, als ich gedacht hatte. :) 1, 2. Danke.

Martin Röll am 22.12.05 12:45 #
 

Und über Heiko Hebigs Eintrag kommt man dann auch zurück zu diesem Eintrag bei mir, in dem es auch schon um "Corporate Weblogs" ging.

Martin Röll am 22.12.05 12:47 #