9. Dezember 2005

[ Business Weblogs ]

"Was kann ein Unternehmen eigentlich mit Weblogs machen? Und was tut ein Weblog-Berater?"

Ich schreibe gerade an ein paar Texten für eine neue Website von mir, die meine Beratung rund um Weblogs in der Unternehmenskommunikation zusammenfassen soll. Dieser hier heißt "Was kann ein Unternehmen eigentlich mit Weblogs machen? Und was tut ein Weblog-Berater?" Schaut Ihr mal drüber und sagt mir, was Ihr davon haltet?


Was kann ein Unternehmen eigentlich mit Weblogs machen? Und was tut ein Weblog-Berater?

Dave Taylor greift im "Business Blog Consulting"-Weblog eine Frage von Debbie Weil, einer weiteren amerikanischen Blog-Beraterin auf und schreibt darüber, was man mit Weblogs machen kann.

Man kann diese Frage immer auf zwei Weisen beantworten: Man kann sie vom Weblog aus angehen und die naheliegenden Anwendungsfälle beschreiben - genau zu dieser Frage suchte Debbie Weil Eingaben, weil es ihr zu blöd war, einfach nur

"blogs can be used for marketing and PR and thought leadership, as well as internally for project and knowledge management."
zu sagen.

Von ihren Kollegen bekam sie dann interessante Hinweise auf die andere Art, Weblogs zu sehen:

But blogs are just content management tools, Debbie, so I believe it's the case that they can be used for an infinite number of different corporate tasks, as many as there are tasks requiring online communication, archiving, or discussion.

Hier wird es dann blöd, wenn man ein Buch über "Business Weblogs" schreiben will - oder Unternehmen bei Weblogs beraten! Denn wenn Weblogs "für alles" benutzt werden können, was ist dann das Spezielle an einer "Weblog-Beratung"?

Im Grunde gibt es keine "Weblog-Beratung" im eigentlichen Sinn: Unternehmen dabei zu beraten "wie sie Weblogs einsetzen können" ist Quatsch - oder sagen wir: Es wäre eine Gelddruckmaschine für den Berater, denn es wäre eine fast unendliche Aufgabe. Überall, wo kommuniziert wird, kann es eine Anwendung für ein Weblog geben.

Sich Weblogs mit der Frage "wo können wir Weblogs einsetzen" zu nähern, ist also fast immer falsch. Besser ist es, sich spezifische Kommunikationsfelder im Unternehmen anzusehen und zu fragen, ob ein Weblog hier die Kommunikation verbessern kann.

Die spezifische Weblog-Beratung bezieht sich also zum einen auf den Umgang mit Weblogs im World Wide Web: Sie schafft die Kompetenz, die Kommunikation in Netzen, die Verbreitung von Nachrichten, die Diskussionen in der Blogosphere zu verstehen. Zum anderen kennt sie die Möglichkeiten von Weblogs als Kommunikationswerkzeug von Unternehmen und kann dabei helfen, sie wirksam einzusetzen.

Um dabei erfolgreich zu sein, reicht es aber nicht, das Weblog als Werkzeug zu kennen: Die spezifische Weblog-Expertise ist nur ein Randfaktor. Es braucht vor allem das Verständnis für Unternehmenskommunikation an sich und für Wege, sie zu verbessern. Der "Weblog-Berater" ist hier eigentlich ein Kommunikationsberater: Er soll die Kommunikation im Unternehmen verbessern. Vielleicht mit einem Weblog. Oder anders. Wenn er auf das Werkzeug festgelegt ist, kann er nur als Fachexperte dienen, aber nicht als strategischer Berater.


Einen knalligen Schlussabsatz brauche ich auch noch. ;-)

[März 2006]: Zu diesem Thema gibt es hier ein Audio-Interview zum Anhören: Das E-Business Weblog: Weblogs und Unternehmen: Interview mit Sebastian Keil

Trackbacks sind Links von anderen Weblogs auf diesen Eintrag.

Last week I had a lot on my plate with three interviews, one presentation and a lot of travel. Ultimately too much it seems as I screwed up on a great interview with Martin Roell on the question, what can

planet sab: Content delayed (16.01.06 22:28)

Endlich fertig, wie versprochen, das Interview mit Martin Röll zum Thema Was können Unternehmen eigentlich mit Weblogs machen und was macht ein Weblog-Berater? Der Grund war ein Eintrag in seinem Weblog mit demselben Titel.Wie bereits an anderer Stel...

Pöbler.de: Podcast-Interview mit Martin Röll (29.01.06 22:05)

 

Schlusssatz:
"Beim beständigen Nachdenken über den richtigen, den perfekten Weg, darf man das Ziel niemals aus den Augen verlieren.

'Der Mensch ist ein zielstrebiges Wesen, aber meistens strebt es zu viel und zielt zu wenig.'
(Günter Radtke)"

bjoernhasse am 09.12.05 14:53 #
 

Herr Hasse, Sie sind als Texter engagiert! ;-) Danke für das Zitat. Sehr schön.

Martin Röll am 09.12.05 16:30 #
 

Nach dem Einrahmen des Kommentars und dem unauffälligen Platzieren des 1,50m x 2,50m kleinen Bildes über meinem Arbeitsplatz, versuche ich jetzt nur noch die Augen meines Cheffes darauf zu lenken...

;-)

bjoernhasse am 09.12.05 16:39 #
 

Wofür können Weblogs in Unternehmen eingesetzt werden? Und wie kann Ihnen ein Weblog-Berater dabei behilflich sein?

In ihrem noch nicht veröffentlichten Buch "The Corporate Blogging Book"[1] gibt sich Debbie Weil nicht mit der banalen Antwort zufrieden, dass Weblogs für Marketing und Öffentlichkeitsarbeit sowie Projekt- und Wissensmanagement eingesetzt werden können. In für das Buch geführten Interviews sagte beispielsweise Dave Taylor[2], dass Weblogs Content-Management-Werkzeuge sind, weshalb sie für viele verschiedene Aufgaben in Unternehmen nützlich seien.

Hier stellt sich die Frage, was eigentlich das Spezielle an Weblogs ist, wenn sie praktisch "für alles" eingesetzt werden können. Eine "Weblog-Beratung" im eigentlichen Sinn kann es deshalb nicht geben. Überall, wo kommuniziert wird, kann es eine Anwendung für ein Weblog geben. Deshalb ist es wichtig, sich spezifische Kommunikationsfelder im Unternehmen anzusehen und zu fragen, wo ein Weblog die Kommunikation verbessern kann.

Die Weblog-Beratung schafft die Kompetenz im Umgang mit Weblogs im World Wide Web und hilft, die Kommunikation in Netzen, die Verbreitung von Nachrichten und die Diskussionen in der Blogosphere zu verstehen. Außerdem benennt sie die Möglichkeiten von Weblogs als Kommunikationswerkzeug von Unternehmen und kann dabei helfen, sie wirksam einzusetzen.

Die spezifische Weblog-Expertise ist aber nur ein Randfaktor. Denn um erfolgreich zu sein reicht es nicht, das Weblog als Werkzeug zu kennen. Es braucht vor allem das Verständnis für Unternehmenskommunikation an sich und für Wege, sie zu verbessern. Der "Weblog-Berater" ist ein Kommunikationsberater, der die Kommunikation im Unternehmen verbessern soll. Dabei ist er keineswegs auf das Weblog als Werkzeug festgelegt, da er nur so nicht nur ein fachlicher Experte, sondern auch ein strategischer Berater ist.

[1] http://www.blogwriteforceos.com/book/
[2] http://www.businessblogconsulting.com/2005/10/debbie_weil_ask.html

RJ am 09.12.05 18:57 #
 

Den Start finde ich ganz schön unruhig. Die "zwei Arten" auf diese Frage zu antworten musst Du dann auch explizit nochmal nennen, wenn Du das so aufziehst.

Ich würde es entweder so machen wie RJ vorschlägt oder mit "Man kann diese Frage immer auf zwei Weisen beantworten: Man kann sie vom Weblog aus angehen und die naheliegenden Anwendungsfälle beschreiben" starten und dann mit Taylor sagen, dass sie eigentlich für alles eingesetzt werden können.

Ab "Im Grunde gibt es keine "Weblog-Beratung"" finde ich den Text super.

christian katzenbach am 09.12.05 19:19 #
 

Du bist also eigentlich ein ganz normaler Kommunikationsberater. Und weil Du Weblogs spannend findest, schlägst Du Deinen Kunden öfter Weblogs vor als andere Kommunikationsberater. Kennen andere Kommunikationsberater das Werkzeug "Weblog" nicht oder schlägst Du es auch vor, wenn es eigentlich nicht die beste Lösung ist?

Das ist die Frage, die sich mir nach der Lektüre Deines Textes stellt.

Arno am 10.12.05 10:17 #
 

Arno: Leute kommen zu mir, weil sie etwas über Weblogs lernen wollen; oft vermuten sie, dass ein Weblog für sie ein nützliches Werkzeug sein kann. Ich finde das dann mit ihnen zusammen raus und bringe ihnen ein paar Dinge bei. Wenn ein Weblog als gute Lösung erscheint, wird's ein Weblog, wenn nicht, dann nicht. Das entscheidet aber der Kunde und nicht ich. Ich helfe ihm, diese Entscheidung zu treffen, indem ich über Möglichkeiten, Risiken, Sinn und Unsinn von Weblogs aufkläre.

Ob andere Berater Blogs kennen oder nicht, weiß ich nicht. Was mir Kunden erzählen, warum sie zu mir kommen und nicht zu ihrer angestammten Agentur gehen, ist oft, dass sie der Agentur nicht die Kompetenz zum Internet bzw. speziell zu Weblogs zutrauen, die sie gerne hätten. Daraus ergibt sich für mich vor allem, dass ich Agenturen schulen muss und nicht selber Projekte mit den Unternehmen mache. Denn die (die Agenturen) sollen ja den Kunden langfristig bei der Kommunikation begleiten, nicht ich!

Weblogs sind nur ein Werkzeug im Kommunikationswerkzeugkasten - im Moment ein ganz wichtiges, deshalb gibt es auch aus gutem Grund "Weblog-Berater". Auf lange Sicht ist das aber ein ganz normales Internet-/Kommunikationsthema, das die Agenturen bearbeiten können/sollen/müssen. Deshalb will ich es ihnen - oder auch den Unternehmen, die das selbst machen wollen - beibringen, und sie dazu befähigen, selbst mit dem Thema umzugehen. Damit sie dann keine "Weblog-Berater" mehr brauchen.

Martin Röll am 10.12.05 12:57 #
 

Was hältst du davon, die eingeschobenen Zitate ins Deutsche zu übertragen? Nicht jeder kann so problemlos zwischen den Sprachen springen wie du.

Thiemo Mättig am 10.12.05 16:28 #
 

weblogberatung, die sich überflüssig machen will, müsste dann auch nach den anderen ("alten") Werkzeugen aus dem Kommunikations-Werkzeugkasten (der Agenturen/ Unternehmen) fragen, mit denen weblogs "zielführend" kombiniert werden können/müssen/sollen.

Jens Bemme am 11.12.05 14:51 #
 

Oh, hallo Jens! Aber ja. Es geht ja eben nicht um das schönste Werkzeug, sondern darum, das Ziel zu erreichen. Und den Berater so schnell es geht loszuwerden. :-)

Martin Röll am 11.12.05 22:09 #
 

Richtig, es kann wohl kaum oft genug penetriert werden, dass es einen Unterschied gibt zwischen dem reinen Verkäufer- bzw. Akquisetyp, der sich "Webblogberater" nennt, im Endeffekt aber nur nach dem Eckchen sucht, in das unbedingt ein Blog muss, und dem Kommunikationsberater, der Blogs als Medium einzusetzen weiß.
Ich tippe aber tatsächlich darauf, dass der "Weblog-Berater" inzwischen arg oft da einspringen muss, wo der Ahnungslose Kommunikationsberater eben etwas von "Neue Medien, Ansätze, Hype und das müssen Sie einfach machen - wirkt voll authentisch!" gefaselt hat, und der Kunde gar nichts mehr weiß.
Vielleicht erkennt man den Top-Berater dann daran, dass er auch mal "Nein" sagen kann...

bjoernhasse am 12.12.05 09:49 #
 

Ein immer wieder interessantes und kontrovers diskutiertes Thema. Interessant für mich auch, Dich einmal in Deinem Interview zu hören, manchmal dauert es eben durchaus ein paar Tage, bis man alle Fäden zusammen hat. Manchmal sind die Aspekte mit etwas Abstand aber auch noch interessanter.
Wäre interessant Dich mal bei Gelegenheit persönlich zu treffen...

Jörg Petermann am 21.03.06 15:58 #
 

Danke, Jörg. Würde mich auch freuen! Sag Bescheid, wenn es Dich nach Dresden führt; ich werde mich melden, wenn ich in Deine Nähe komme.

Martin Röll am 21.03.06 16:41 #