12. Oktober 2005

[ Management , Wissensarbeit ]

Davenport über Management von Wissensarbeitern

Ich bin heute in dieses Interview mit Tom Davenport (vom August) gefallen (ich weiß leider nicht mehr, wie), das einige wichtige Dinge zur Verbesserung der Produktivität von Wissensarbeitern gut auf den Punkt bringt:

  1. Wir messen die Arbeit von Wissensarbeitern nicht. Prozessverbesserungen in der Wissensarbeit sind vernachlässigt worden.
    We let knowledge workers get away with saying there's no process to their work, that every day is different. We don't measure much of anything about knowledge work.
  2. Eine der Schwierigkeiten ist, dass wir Wissensarbeiter alle gleich behandeln, vor allem, aber nicht nur in der IT. Es geht dabei sowohl um die Werkzeug-Ausstattung - unterschiedliche Leute arbeiten unterschiedlich - als auch um die unterschiedliche Behandlung von unterschiedlich leistungsfähigen Leuten. (Zu beidem kann man viel bei Gunter Dueck nachlesen, z.B. hier.)
  3. Leute können die vorhandenen Werkzeuge nicht effektiv einsetzen. Die Schulung bezieht sich auf das Werkzeug, nicht auf die Arbeit. (Hallo Andreas, liest Du mit? Da steckt irgendeine Idee drin, die wir noch nicht genug verfolgt haben.)
  4. "Wissensmanagement" ist gescheitert, weil es sich nicht genau genug damit beschäftigt hat, wie die Leute arbeiten. (Genau.)
Im unteren Teil des Interviews geht es um Projekte, die Davenport durchgeführt hat, die ich als Beispiele für "Wissensmanagement" / Verbesserung der Produktivität von Wissensarbeitern - wie schon bei seinem Telekonferenz-Vortrag auf der KM Europe in London 2002 - etwas skeptisch sehe, weil ich dort vor allem Informations- aber nicht Wissensarbeit sehe. Aber das soll für heute mal nicht wichtig sein. (Ist es auch nicht. Es ist ein Anfang. Wir brauchen solche Fallstudien, um zeigen zu können, wo eine Entwicklung hingeht. Und dieses Projekt verbessert medizinische Diagnosen - wollen wir da wirklich rummäkeln, dass das "nur" Information und nicht "Wissen" ist? Wen kümmert's?)

Davenport finde ich faszinierend, weil er schon so früh eine so große Klarheit in seinen Gedanken zur Wissensarbeit hatte und so konstant an dieser Arbeit dran ist. Ich weiß relativ wenig über seine konkrete Arbeit, aber was ich von ihm lese - 1998, 2003, 2004 und jetzt 2005 hat eine klare Linie. Hätte ich seine Texte früher entdeckt, hätte ich mir viel Mühe ersparen können. sicher nicht.

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Endlich geht es "Knowledge Workern" an den Kragen! Man hat erkannt (jetzt kürze ich etwas ab), dass ohne sie heute wenig und morgen womöglich gar nichts mehr läuft. Und es werden, egal wie man "Knowledge Work" definiert oder abgrenzt, immer...

www.weiterbildungsblog.de: Knowledge Workers Need Better Management (12.10.05 22:45)

 

ist ja ne interessante nummer. habe frueher mal mathevorlesungen bei guenter d. in bielefeld gehoert, aber nie verfolgt was er spaeter so gemacht hat. spannend. haette nie gedacht, dass er mal so ne philosophische ader entwickelt.

Gerald Steffens am 12.10.05 03:23 #
 

Sehr große Leseempfehlung. In der Trilogie bin ich noch nicht durch, aber alles vorher Erschienene kann ich uneingeschränkt empfehlen.

Martin Röll am 12.10.05 03:39 #
 

Genau diese Diskussion hatte ich bislang auch immer wieder. Was ist Wissen, wie soll man es managen und warum wird Informationsmanagement immer als Wissensmanagement bezeichnet. Interessant finde ich die Referenzen auf Dueck- die Bücher stehen zwar signiert *g* im Regal,müssen aber noch gelesen werden. Ein Kollege von mir schrieb letztens einen ähnlich provokanten Artikel wie sie, leider wollten mehrere KM Konferenzen und Reviewer die Diskussion nicht aufkommen lassen :) Mittlerweile bin ich der Meinung, Nutzer von Social Software haben eine bessere Wissensmanagement Umgebung als Groupware Nutzer. Im Moment sitzen wir an einem CC Artikel zum Thema Environments for Knowledge Workers, in dem wir die Leser auffordern möchten, ihre persönlichen Umgebungen zu beschreiben- mal sehen, obs dort interessante Ergebnisse geben wird. Gruss nach Dresden.

Mathias Uslar am 15.10.05 20:12 #
 

Her mit dem Artikel! :-)

Ich sehe diese Differenzierung zwischen "Nutzern von Social Software" und "Groupwarenutzern", die Sie machen, so nicht. Man braucht beides. Je nach Ausprägung ist Social Software eh Groupware (ein Wiki, mit dem sich eine Gruppe koordiniert zum Beispiel).

Martin Röll am 17.10.05 09:10 #