21. September 2005

[ E-Commerce ]

Google AdWords-Anzeigen kaufen um Google AdSense-Anzeigen zu verkaufen

Ein eigenwilliges Geschäftsmodell mit Online-Werbung auf Google ist mir in den letzten Wochen häufiger aufgefallen: Leute kaufen Google AdWords Werbeanzeigen um damit für Webseiten zu werben, die praktisch nur aus Google AdSense Werbeanzeigen bestehen!

Ein Beispiel: Bei der Suche nach "gewerbeamt berlin" bekommt man diese Anzeige:

050921-gewerbeamtberlin-google-anzeige.jpg

Sie leitet einen auf http://www.gewerbe-anmeldung.info/gewerbeanmeldung.htm, einer Seite mit ein paar trivialen Absätzen zur Gewerbeanmeldung und jeder Menge Werbung. Wer hier auf der Suche nach nützlichen Informationen zur Gewerbeanmeldung landet, ist in einer Sackgasse - wenn er nicht eine Werbung anklickt.

Das Geschäftsmodell rechnet sich dann, wenn man mit den Klicks auf Werbung auf der eigenen Seite mehr verdient, als man für die Klicks auf die eigenen Google-Anzeigen ausgeben muss.

Aus dem Alter, wo ich solchen Modelle noch interessant fand, bin ich inzwischen raus, aber vielleicht möchte ja jemand mal eine Beispielrechnung aufmachen.

Bemerkenswert finde ich, dass das zu funktionieren scheint - sonst würden solche Angebote nicht immer öfter auftauchen. In den Werbepreisen bei AdWords und AdSense stecken also immer noch signifikante Margen drin, die Google sich zusätzlich herausschneiden kann.

Trackbacks sind Links von anderen Weblogs auf diesen Eintrag.

Baue ein paar Banner in das Forum ein. Poste alle Deine Partnerprogramm-Links zusammen mit aktuellen Angeboten Deiner Partner. Verschicke das ganze auch per Mail an alle Benutzer, damit niemand diese unglaublichen Angebote verpasst. Erzeuge einen RSS-...

WWWorker - Sascha Carlin: Foren zu Geld machen (10.10.05 12:44)

 

Ist ja interessant :) Selbst klicke ich ja selten auf die AdWords, ist ja nur Werbung (und ich find's schön dass sich die bei Google so schön unterbewusst filtern lässt) - aber dass da Google nichts dagegen unternimmt finde ich ja doch seltsam...

Guido am 21.09.05 15:39 #
 

Wieso sollten sie? Machen doch doppelt Geld dabei...

Jan am 21.09.05 15:56 #
 

Mal durchdenken.

a) Es kommen ja nicht nur die auf die "zweite" Seite, die Geld gekostet haben, sondern auch andere. D.h. ggf. macht das allein schon was aus.

b) Wenn man 90% von dem, was man einnimmt als Ausgabe verbrät (G-Ads + Hosting etc.) und auf MASSE geht, dann könnten die 10% reichen, um davon einen Menschen zu ernähren, der nix anderes macht, als solches Zeug zusammenzubasteln.

c) Wie man heute in meinem Blog sehen kann, benutzen Newbies Google. Und die klicken im Zeifelsfall alles, was aussieht, als ob sie da ne Info herkriegen. Hauptsache es sieht aus wie n Link. Und die, die das Medium nicht 'beherrschen' sind nach meiner Einschätzung in der Überzahl...

Oliver Gassner am 21.09.05 16:38 #
 

Volle Zustimmung, Oliver. Das funktioniert von vorne bis hinten. Hätte ich diesen doofen Weltverbesserungsanspruch nicht, würde ich nur noch "Automatisch Geldverdienen mit Google, Content, Bots und Spamming"-Seminare geben.

Martin Röll am 21.09.05 16:57 #
 

Hm, wieder ein Mist-Verständnis?

Ich hab mir eher überlegt WARUM es (offenbar) funktioniert.

Vielleicht ist das mein Fehler:
* Du willst verändern,
* Ich will [erst mal] verstehen. (Das ist sozusagen ne berufliceh Deformation als "Philologe" ;) )

(Was nicht heisst, dass ich unterstellete, dass Du nicht verstehen willst ;) Vielleicht hast du schon verstanden und nur ich noch nicht.)

Oliver Gassner am 21.09.05 17:40 #
 

Ich sehe schon, ich muss mich erklären: Satz eins ist vollkommen ernst gemeint. Ebenso Satz zwei. Nur Satz drei beinhaltet Ironie.

Weder impliziere ich, dass Oliver Gassner solche Modelle verfolgen will, noch, dass sie schlecht sind, noch, dass irgendetwas zu verändern wäre.

Ich werde mich bei der Netzverwaltung für spezielle HTML-Tags zur Ironiekennzeichnung einsetzen.

(Das zur Erläuterung für die Mitlesenden. Oliver und ich haben das per Mail geklärt. Dieser Kommentar ist also nicht als Angriff auf Oliver Gassner zu verstehen. Alles klar? Prima. Willkommen in Weblogs.)

Martin Röll am 21.09.05 18:03 #
 

Wir haben uns alle lieb ;)

Oliver Gassner am 21.09.05 18:06 #
 

Und wie. :-)

Wenn Du mich da schon missverstehst, werden's andere auch tun: Ich habe überhaupt nichts gegen solche Geschäftsmodelle. Ich finde sie unglaublich langweilig, aber wer sein Leben damit verbringen will, solche belanglosen Seiten zu bauen... bitte. Nachhaltig ist das eh nicht: Google muss seinen Algorithmus nur unwesentlich anpassen und schon liegen die Profite, die dieser Arbitrageur jetzt macht, bei Google. Und dann muss er sich was neues Ödes einfallen lassen.

Martin Röll am 21.09.05 18:12 #
 

hi martin, willkommen in der welt der bösen seos. gerade schreibe ich einen artikel über werbung in blogs und da kommt dann so was :) nun ist dieses hier natürlich das seo spezifischere thema und darum gebe ich hier mal meinen senf dazu.

diese "billige keywörter"-veredelung habe ich schon oft beobachtet, setzen einige in grösserem stil ein. foglich muss sich das rechnen. wie und in welchem mass kann ich auch nur raten, da ich selbiges noch nie praktiziert habe. wenig wird das aber nicht sein, was da rumkommt.

bis zu einem gewissen grad ist das sicher auch legitim, aber der schritt in die grauzone ist sehr nah. Meist konvertieren die Seiten die nicht selber was zu bieten haben am besten, was soll man da auch sonst, ausser werbung klicken oder umkehren. dann werden alle register gezogen was die platzierung der werbung betrifft bis hin zu regelrechten stealth techniken. dann werden die seiten auf teuere keywords getrimmt, das muss man dank section targeting o.ä. nicht mal sehen.

unschwer zu erraten, dass zwar die konversion für den adsense-eigner spitzenwerte annimmt, dass aber die konversion und der ROI für den Werbetreibenden eher am unteren ende der werteskala wiederfindet.

und dann wird es manchmal richtig übel. diese technik ist der ideale begleiter für klick-betrug, denn für echte besucher ist in ausreichender form gesorgt, die konversion ist ja eigentlich schon viel zu hoch, da kann man doch noch sehr gut die gleiche oder doppelte anzahl an falschen klicks reinstreuen. das skaliert wie bloede dieses business modell.

ein kunde bekam mal von einer webseite ploetzlich mehr traffic als von google adwords, nur um mal die grössenordnung klar zu machen. und das obwohl er bei google ganz teuer traffic eingekauft hatte. keywords bei 5+ euro. zur klarstellung -die dubiose website hat ihr geld nicht mit google verdient, sondern mit einem anderen PPC dienst. bei google hat man nur adwords gekauft, halt die billig keys und dann dass mit dem anderen dienst in richtig viel asche umgemünzt.

Gerald am 21.09.05 19:12 #
 
unschwer zu erraten, dass zwar die konversion für den adsense-eigner spitzenwerte annimmt, dass aber die konversion und der ROI für den Werbetreibenden eher am unteren ende der werteskala wiederfindet.

Ebendeshalb <strike>denke ich</strike> bin ich mir sicher, dass das Ganze wieder sterben wird. Es ist errechenbar, dass das Modell keinen Nutzen bringt; nicht für die Werbenden, nicht für die User. Also ist es möglich, den Algorithmus umzustellen. Also wird Google das, wenn seine Philosophie noch gültig ist, ändern. (Übrigens auch wenn die nicht mehr gilt. Dann ist eine Änderung einfach eine zwingende Reaktion auf weglaufende Werbetreibende.)

Martin Röll am 21.09.05 19:24 #
 

so einfach ist das aber nicht. das ganze geht ja grenzuberschreitend, nach dem klick verliert die ppc maschine den grossteil der kontrolle, und der werbetreibende bekommt nur aktionen auf seiner seite und nicht ausserhalb mit.
zudem, die grosse masse der werbetreibenden merkt nicht mal, was da abläuft. und selbst mit harter analyse von logfiles und gutem ppc-tracking sind solche machenschaften schwer zu packen - wenn gut gemacht.
es gibt tricks, mit denen einige infos verschleiert werden können, so dass der nachweis äusserst schwer zu führen ist. und es kostet ne menge arbeit, oft passen dann aufwand und nutzen nicht mehr zusammen. wer zahlt schon seinem consultant 3 manntage arbeit um damit kosten von den ppc engines in der selben höhe zurückfordern zu können.
ich verkneife mir mal details, möchte hier keine bauanleitung zum betrügen liefern, denn das ist es - klarer betrug! ich behaupte mal ich könnte mit meinem wissen über diese dinge jeden monat 50000 schmutzige euros verdienen und die chance auf entdeckung wäre extrem niedrig. andere überfallen ne bank für 5000 euro und gehen für 5 jahre in den knast, im web machste das zehnfache - jeden monat - und im schlimmsten fall kickt dich der ppc anbieter raus.

Gerald am 21.09.05 22:09 #
 

Gerald, vielen Dank!

Für die mitlesenden Nicht-Web-Werber ;-): "ppc" steht für "pay per click".

Martin Röll am 21.09.05 22:19 #
 

neben der von gerald beschriebenen mechanik gibt es noch ein anderes erklärungsmodell: unter SEOs kursiert das gerücht (das ich persönlich für schwachsinn halte), dass sites, die massiv adwords einkaufen, auch im normalen index präferiert behandelt oder zumindest vom sandbox-effekt (neue seiten werden in den ersten wochen und monaten von google ignoriert) verschont werden. im konkreten fall eher unwahrscheinlich, aber auch ein krankes motiv für adwords.

helge am 21.09.05 23:52 #
 

Wie Gerald schon angedeutet hat fehlen den meisten Werbenden einfach die technischen Möglichkeiten solche Probleme ausfindig zu machen - im großen Pool der Klicks die sie einkaufen, fallen nämlich solche einzelnen Seiten dann nämlich gar nicht mehr wirklich ins Gewicht und fallen somit auch nicht auf.

So lange beim Werbenden das Endergebnis stimmt, also mehr Geld eingenommen als ausgegeben wird, besteht kein Bedarf den Traffic genauer zu analysieren. Und wenn das Ergebnis nicht mehr stimmt, ist es leider immer noch billiger einfach nicht mehr zu werben oder wo anders zu werben als sich kompetente Hilfe zu besorgen bei jemandem der die Möglichkeiten hätte den Traffic zu analysieren.

Auf lange Sicht wird sich das ändern - Anbieter die mit einem passenden Dienstleister zusammenarbeiten werden eine Menge Geld für Mülltraffic sparen, und somit beim richtigen Traffic mehr Geld ausgeben können.

Ein Problem ist hierbei momentan noch die fehlende Seitenausschlussmöglichkeit bei Google Adwords - Google bietet dem Werbenden nur die Möglichkeit das Contentnetzwerk (Seiten mit Adsense) komplett zu deaktivieren.

Aber wenn viele einflussreiche Leute ;) in ihrem Blog darüber schreiben kann sich das ja vielleicht bald ändern...

Jan Piotrowski am 22.09.05 00:15 #
 
[...] unter SEOs kursiert das gerücht [...]

Gerald wird dir bestätigen dass es eher die Möchtegern-SEOs (oder Amerikaner) sind die solchen Mist glauben und weiterverbreiten :) In den entsprechenden Foren werden viele Falschinformationen gestreut, und wer keine Ahnung hat erzählt das eben so weiter und arbeitet auch danach.

Jan Piotrowski am 22.09.05 00:18 #
 

Ein nichtlineares Business Model bei Google??

rainer am 30.09.05 05:42 #
 

Aber ja. Linearität ist was für Weicheier. ;-)

(Hübscher Link übrigens. War mir auch aufgefallen.)

Martin Röll am 30.09.05 06:37 #
 

Zum Gerücht, Adwords würden sich positiv auf die Position einer Webseite auswirken, kann ich mich auch äußern.

Ich bin der gleichen Meinung wie Jan, nämlich dass das völliger Unsinn ist.

Ein Beispiel habe ich vor einer Woche selbst erlebt, ich habe eine halbe Mio Impressions bei den Adwords für eine beinahe werbefreie Seite gebucht (ein 468er Adsense, mehr nicht...), wollte mal sehen, wie lange es dauert, ein Projekt von PR 0 auf anständige Positionen zu bringen (kaufe normalerweise lieber Projekte auf). Kein Spam, keine fiesen Tricks (das müsst ihr mir jetzt einfach glauben, ich weiß die Gründe schon, warum Webseiten normalerweise fliegen sollten ;-)), um den Content hat sich eine Mitarbeiterin auf 400 Euro-Basis gekümmert, mit richtig Mühe also das Ganze.

Würde Google mich wegen der Adwords bevorzugen in den SERPs, wäre mir das wohl nicht passiert.

Nun zum eigentlichen Hauptthema:

Genau diese Webseite habe ich nach diesem Modell in den Adwords beworben, mit einem einzigen 468er Banner.

Wie?

Guter Content drauf, die Impressions pro Besucher damit hochschraumen, ein Thema finden, bei dem wenige aber doch ganz gut bezahlte Klicks vorhanden sind, und fröhlich buchen ;-)

PS: Ein Vergleich Klickrate von Besuchern aus espotting/ov mit adwords Besuchern bringt übrigens ebenfalls erstaunliches zu Tage...

Benjamin Lochmann am 12.10.05 02:04 #
 

Oha, ich habe ganz vergessen zu erzählen, was mit der tollen Content-Seite passierte vor einer Woche...

sie wurde gnadenlos und restlos gekickt ;-)

ich setze seitdem nur noch auf bestehende Projekte. ;-)

Benjamin Lochmann am 12.10.05 02:06 #
 

Wenn sogar ganze Systeme angeboten werden, um Traffic und Klicks zu generieren, muss man sich doch sehr fragen, wo das noch hingeht.
Klickbetrug im großen Stil

Ich denke allerdings auch, dass sich dies alles nicht wirklich hält und man nach 2-3 Monaten bei Adsense gehen darf. Sollte das nämlich wirklich im großen Stil funktionieren und auch auf Dauer, wäre dies nicht gerade das beste für das ansonsten meist recht saubere Google-Image.

Mich würde ja mal interessieren was da für Content drauf war. :-)

Max am 23.10.05 01:33 #
 

G*** hat nichts dagegen,... offensichtlich,... schaut man aber bei Affili in die angebote, wird dieses bereits von den Seitenbetreibern untersagt.

Solange man mit einer 1Cent-Werbung jemand auf einen 10Cent-Link bringen kann,... naja,.... solange wird SmallBizz eben doppelt gross geschrieben.

Nie vergessen: Adsense ist nur ein Abfallprodukt aus unveröfffentlichter Werbung auf den G***-Seiten.

Olaf am 19.03.06 10:31 #
 

Solche Artikel sollten ruhig veröffentlicht werden: Google unternimmt immer erst etwas, wenn der Druck ein wenig stärker wird.

Da Google eigene AdWords-Anzeigen-Prüfer beschäftigt, die sich ja bei jedem kleinen Mist beschweren, könnten diese ja solchen Spielereien schnell Einhalt gebieten.

Robert Goese am 01.05.06 14:40 #