11. September 2005

[ Konferenzen , Roell.Net ]

2005.roell.net: "Und, wie war's?"

Als letzten Sonntag das 2005.roell.net-Wochenende bei einem Grillen an der Elbe zu Ende ging, war die Frage, die mir am häufigsten gestellt wurde: "Und - bist Du zufrieden?" Ich erinnere mich, jede Menge irrsinnig dummer Antworten darauf gegeben zu haben. Die ehrlichste Antwort wäre "Ich bin vor allem müde" gewesen; leider habe ich trotzdem versucht, meinen Eindruck, Minuten nachdem der Hauptteil der Veranstaltung zu Ende war, irgendwie in Worte zu fassen. Es war klar, dass das schiefgehen musste. Ich hoffe, dass die, die fragten, ähnlich müde wie ich waren und von meinem Gebrabbel nicht allzuviel mitbekommen haben. ;-)

War ich "zufrieden", bin ich's noch? Aber ja. War's gut? Ja, und wie.

Von Anfang an:

Nach einem Vor-Treffen für die früh Angekommenen bei mir am Freitag Nachmittag und einem gemeinsamen Abendessen am Freitag Abend, waren wir am Samstag morgen schließlich 27 Leute, die sich im ersten Stock im Café Neustadt in Dresden trafen.

Das Programm steht hier drüben, deshalb werde ich hier nicht lange erklären, dass wir "über Social Software diskutiert haben" (ach), "über Werkzeuge für Wissensarbeiter gesprochen haben" (ach) und es es "interessante Diskussionen gab" (ach was. ich dachte, Du hast 48 Stunden referiert und alle anderen mussten die Klappe halten.).

Ich will lieber zu den Dingen schreiben, die nicht im Programm stehen.

Da war zum Beispiel der Spaziergang nach dem Ende des Programms am Samstag Abend, aus der Neustadt durch die Elbwiesen bis zum Schillergarten am Blauen Wunder, der mit 1:15 länger dauerte, als gedacht (merke: Gruppen bewegen sich viel langsamer als Einzelpersonen) und dennoch (oder auch deswegen?) sehr gut ankam. Meine Entschuldigung an die, die kein geeignetes Schuhwerk dabei hatten - daran hatte ich nicht gedacht.

Da war der Raum im Café Neustadt, ein heller Saal mit einem großen, ellipsoiden Tisch, an den ziemlich genau alle Teilnehmer passten. Ein paar saßen in der zweiten Reihe, was wohl dem Komfort und der Notebookbenutzung geschuldet war, dennoch: Eine so große Runde um einen Tisch habe ich selten gesehen. Oder sagen wir lieber: Eine so große, so zivilisierte, freundliche und konstruktive Runde rund um einen Tisch habe ich selten gesehen. (Auch ich erinnere mich an Studentenratsrunden...)

Da war der Sonntag Abend, mit einem Grillen am Elbufer und meinem ersten gemeinsamen Musizieren mit Michael Schuster. Spricht es für oder gegen die Teilnehmer, dass sie den Britney Spears-Song zunächst nicht als solchen erkannten? ;-)

Und, wie war's jetzt?

Ok, ok...

Ich war schon direkt nach der Einladung von den vielen Anmeldungen und "Ich kann nicht, würde aber gerne"-Rückmeldungen angenehm überrascht worden. Dass die Entwicklung von der Idee zum tatsächlichen Wochenende so reibungslos lief, war eine weitere sehr angenehme Erfahrung. Es war schön, zu sehen, wie sich die Leute selbst organisierten und ich nur Information bereitstellen und dann, wenn spezielle Fragen auftauchten, einspringen musste. Meine Organisation beschränkte sich fast darauf, den Raum zu buchen und einen Sponsor zu finden und den Wiki grundlegend zu befüllen - alles andere lag bei den Teilnehmern. Den einzigen Stress während der gesamten Vorbereitung hatte ich am Donnerstagabend, als ich beim letztem Kontrollbesuch im Café Neustadt festzustellen meinte, dass der Raum zu klein wäre. Zum Glück stellte sich das als Sinnestäuschung heraus - danke, Charlotte.

Am Wochenende selbst war ich angetan von der aufmerksamen, interessierten, konstruktiven Atmosphäre. Ich hätte nicht gedacht, dass wirklich alle die ganzen zwei Tage ständig gemeinsam diskutieren und sich keiner langweilt. Ein Aufteilen wäre mindestens am Sonntag gut möglich gewesen - dass die Gruppe trotzdem zusammenblieb fand ich interessant und bemerkenswert. Und dass eine doppelte Vorstellungsrunde (zweimal rund um den Tisch, einmal alle durch mich vorgestellt, einmal jeder mit eigener Vorstellung) mit 25 Mann funktioniert, ist auch nicht selbstverständlich, steht aber im Grunde symbolisch für das Wochenende: Das ist schon eine erstaunliche Gruppe, die sich so zuhört und es schafft, dass für alle und für jeden Einzelnen etwas Gutes herauskommt.

Thematisch war es relativ breit, aber so war es bei diesem ersten Mal auch gedacht. An ein paar Stellen hätten wir tiefer gehen können, aber das kann man immer und hätte hier dazu geführt, dass noch mehr Dinge aus dem Programm geflogen wäre. Für das erste Mal war es so richtig, glaube ich. Beim nächsten Mal kann es anders gemacht werden.

Und was war denn nun mit den wichtig/unwichtig-Überlegungen und dem allen?

Ja, das hat auch gut geklappt. Ich glaube, dass wir relativ viel Zeit auf wichtige Dinge verwendet haben und wenig auf unwichtige. Von dem, was mir die Teilnehmer im Anschluss sagten und schrieben, weiß ich auch, dass das, mindestens für einige, ein wichtiges Wochenende war. Das war gut. So war es gedacht.

Es beantwortet vielleicht auch auch ein bisschen die mir in den letzten Tagen online meistgestellte Frage: Bloggt Ihr jetzt noch was dazu?

Einige Einträge gibt es schon. Oliver Gassner hat zum Beispiel versucht ein paar Diskussionen live mitzutippen (1, 2, 3). Brigitte Lüdecke hat ein paar Punkte zur Informationsmanagement-Diskussion nachgetragen. Eine Reihe von Leuten haben persönliche Anmerkungen geschrieben (Christian, Gernot, René...). Ich sammle die Weblogeinträge hier, aber ich würde nicht damit rechnen, dass noch exorbitant viele dazukommen (wobei: vielleicht täusche ich mich). Es ist unheimlich schwer, Erfahrungen von so einem Treffen schriftlich weiterzugeben.

Es ist überhaupt schwer, manche Erfahrungen schriftlich weiterzugeben. Und manchmal ist es auch gar nicht so wichtig:

Eine der Klarheiten dieses Wochenendes war für mich: Es geht um uns und was wir tun, nicht darum, was in den Weblogs steht und was wir quasseln, flickern und trackbacken. Sicher, das ist nicht neu und hier so hingeschrieben auch trivial, aber so klar, mit allen Konsequenzen, die das hat, wie an diesem Wochenende, hatte ich das noch nie.

Weblogs und Social Software und das alles werden kein bisschen unwichtiger. Aber es bestätigte sich bei mir am Wochenende der Eindruck, der auch von erstaunlich vielen Leuten geteilt wurde, dass wir in all der Euphorie um unsere neuen Hypertextspielwerkzeuge all zu oft das richtige Leben vergessen. Wie viel virtuell und wie viel real soll es sein?

Wie gesagt: Nicht neu, hier beschrieben gar nicht revolutionär. Die Konsequenzen, die wir daraus ziehen, sind's, die den Unterschied machen.

Mehr dazu, vielleicht, beim nächsten Treffen. Dann vielleicht auch "Getting Things Done". Oder "Wie Wikis aussehen, wenn es keine Wikis mehr gibt." Oder "wie sehen Weblogs aus, wenn es keine sichtbaren Computer mehr gibt?" Oder was auch immer dann wichtig ist.

Es war schön, so viele Leute da zu haben und so gut zu diskutieren. Ich hätte mich gefreut, wenn mehr mir unbekannte Leser da gewesen wären: Leute, die schon lange mitlesen, aber sich nie getraut haben, sich zu melden. Zwei Möglichkeiten: a) Vielleicht gibt es die gar nicht. b) Die Einladung hat sie nicht encouragéiert (mir fehlt gerade das deutsche Wort) ermutigt, sondern eher abgeschreckt, herzukommen. Ich werde es herausfinden. :)

Sollte spezielles Interesse an bestimmten Punkten aus dem Programm, hier geäußerten Überlegungen oder von mir vergessenen Dingen bestehen, will ich gerne versuchen, trotz der bejammerschriebenen Schwierigkeiten auf sie einzugehen. Fragt einfach nach.

Vielen Dank für die Teilnahme. Vielen Dank für das Interesse. Vielen Dank für die Unterstützung. (Danke, Sponsor!) Bis zum nächsten Mal.

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Super, das klingt wirklich klasse - ich musste ein wenig an meine Eindrücke vom ersten BlogWalk denken, bei dem ich dabei war, und den ich als genauso inspirierend und abwechslungsreich empfunden habe, wie es jetzt bei Dir herausklingt. Beim nächsten Mal bin ich dabei! ;-)

Jan Schmidt am 11.09.05 22:32 #
 

Hallo,

Einladung gelesen, ermutigt gewesen, wirklich darüber nachgedacht, eine andere Reise nach Kroatien schon geplant gehabt. Vielleicht das nächste Mal. Vielleicht bin ich danach auch nicht mehr der Mensch, "den MR nicht kennt". :-)

Thomas

Thomas Hofmann am 12.09.05 09:13 #