10. August 2005

[ Geschichten , Kaufmännisches , Marketing ]

Merci.

Ich möchte mich bei dem Schuhmacher bedanken, der heute die Fahrradpacktasche meines Freundes V. repariert hat.

Heute mittag war ich noch voller Zorn und formulierte auf dem Heimweg, nachdem ich die Tasche abgegeben hatte, in Gedanken den Weblogeintrag, den ich zu verfassen gedachte. Über diesen elenden, unhöflichen Kerl in seinem Laden mit der Geokoordinate sowieso, die ich eintragen würde, zusammen mit der detaillierten Schilderung wie V. und ich behandelt worden waren, von dem Preis, den er genannt hatte, viel zu hoch ("es un pirato!" meinte V.), und überhaupt von seiner ganzen Schlechtheit, die in der Welt eigentlich keinen Platz haben sollte. Der Tag würde kommen, an dem alle Leute, die sich seinem Laden in der Intention eine Reparatur in Auftrag zu geben näherten, vom omnipräsenten, geodatengespeisten Informationssystem gewarnt werden würden: "Pass auf, hier arbeitet ein Halsabschneider! Geh lieber zum anderen Laden um die Ecke!" Ja, dieser Tag würde kommen, ich konnte es schon genau sehen, die Leute mit ihren PDAs und Knöpfen im Ohr, und dann würde sein Geschäft schließlich zu Grunde gehen. Selbst wenn er dann noch einsehen würde, dass Höflichkeit eine Tugend ist, würde es ihm nicht mehr helfen. Die Leute würden seinen Laden passieren und die Tür geschlossen lassen und der Tag, wenn er sie endgültig schließen würde, das würde der Tag meines Triumphs sein.

Ich beschloss, das Ergebnis der Arbeit abzuwarten.

Am Nachmittag nahm ich es im Empfang. Mich begrüßte der lächelnde Handwerker und überreichte mir die Tasche. Er zeigte mir, wie er den Riss repariert hatte. Entgegen seiner ursprünglichen Aussage hatte er die Stelle doch mit einem zusätzlichen Stück verstärktem Stoff zusammengenäht. Er erläuterte mir, wie der Flicken wirken würde und scherzte, dass die Tasche nun an allen anderen Stellen auseinanderfallen würde, nur an der von ihm geflickten nicht. Er berechnete den am Nachmittag für die Reparatur geringerer Qualität vereinbarten Preis und setzte keine Materialkosten an. Er erwiderte meinen Gruß beim Rausgehen.

(Königsbrücker Straße, gegenüber der Schauburg. Die Geokoordinate trage ich wirklich irgendwann mal nach.)

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