14. Juli 2005

[ Smart Mobs ]

ICE: Notfallnummer im Handy

ICE - In Case of Emergency ist eine gute Idee: Man speichert eine Telefonnummer einer persönlichen Kontaktperson in sein Mobiltelefon, die dann von Hilfspersonen angerufen werden kann, wenn man z.B. verunglückt ist. Der Adressbucheintrag wird durch ein dem Namen vorangestelltes "ICE" gekennzeichnet, damit er auffindbar wird.

Auf Deutsch soll das IN werden, was Blödsinn ist: Internationale Standards, bitte! Schon ein Franzose hätte ein ECU oder gar ECDU ("en cas d'urgence") im Telefon. Und was bei Türken oder Indern passiert, will ich mir gar nicht ausmalen. Ich habe gewisse Schwierigkeiten, bei einem bewusstlosen Menschen anhand wasauchimmer zu erraten, in welcher Sprache er wohl seinen Notfall-Kontakt im Telefon gespeichert hat. Und mir sieht man meine bevorzugte Handy-Adressbuch-Speicher-Sprache auch nicht an.

Der Tip kam von Irakli West vom Feuerwehr-Weblog (siehe Eintrag dort) per Mail. Merci.

Trackbacks sind Links von anderen Weblogs auf diesen Eintrag.

Aus gegebenem Anlass: Warum IN ("Im Notfall") und nicht "ICE" ("In Case of Emergency") als internationaler Standard? Martin Röll stellt diese Frage, ebenso ein Kommentierer bei uns und bei Minga. Die Antwort: Es ist nicht so, dass das innerhalb...

Feuerwehr Weblog: IN und nicht ICE (14.07.05 13:49)

Aus England kommt eine, wie ich finde, gute Idee: Die wenigsten Menschen führen immer einen Kalender oder Notfallausweis mit Angaben zu nahen Angehörigen mit sich, aber sehr viele ein eingeschaltetes Handy. Um im Notfall den Rettungsdiensten einen Kontakt

Das Blog am Datentrampelpfad: ICE / IN: Notfallkontakt für das Handy-Adressbuch (14.07.05 15:27)

IN oder ICE?Im Taschenkalendern findet man auf den ersten Seiten, dort wo man seine persönlichen Daten einträgt, häufig auch den Punkt "Im Notfall zu benachrichtigende Person". Ansich eine prima Sache. Doch die meisten Menschen tragen keinen Taschenkalend

BiboBlog: Hilfe! ICE oder IN? (15.07.05 12:17)

In Case of Emergency. Die Rufnummer einer Kontaktperson wird im Handy gespeichert, ICE wird vorangestellt. Das ermöglicht es Rettungskräften in Not- oder Katatrophenfällen, schnell mit einer Vertrauensperson des Handyinhabers Kontakt aufzunehmen. ...

law blog: ICE (ICH BIN NICHT BAHN GEFAHREN) (16.07.05 13:44)

 

Es ist blödsinn das auf Englisch in deutschland zu machen. große teile der bevölkerung sprechen kein english oder denken bei ICE eher an einen zug. in den freiwilligen feuerwehren gibt es auch sehr viele ältere kameraden, die keine english kenntnisse haben und für die sich das schwer merken läßt.
Ein internationalisierung ist ja toll, aber wir die rettungskräfte müssen es erkennen können. aber sei beruhigt, du kannst ja noch einen zweiten kontakt mit ICE, ECU oder ABC machen...

Stefan am 14.07.05 14:31 #
 

Nette Polemik. Woran denken Leute bei "IN"? Tja, da kommen wir nicht weiter, nicht? Die Bedeutung des Akronyms muss gelernt werden - so oder so, ebenso wie die Bedeutung von "112" gelernt werden musste. Das schaffe auch die Alten, da habe ich überhaupt keine Sorge.

Man hätte sicher auch was besseres als ICE finden können, keine Frage. Wenn sich was anderes international durchsetzt, ist mir das genauso recht. Ich glaube aber nicht, dass sich die Idee jetzt noch umbenennt.

Eine nationale Lösung mag ja in Grenzen sinnvoll sein, aber willst Du Dich dann vor jeder Auslandsreise kundig machen, was der Notfallnummern-Standard in dem Land ist, in das Du reist und Deinen Eintrag im Handy anpassen? Der internationale Standard hätte gerade den Charme, dass er auch dort funktioniert, wo Leute Deine Sprache nicht können und deshalb z.B. Deinen Ausweis und Deinen Organspendeausweis nicht lesen können, wo ja ähnliche Informationen hinterlegt sein könnten.

Martin Röll am 14.07.05 14:51 #
 

Was ist so verkehrt am SOS oder eine Ableitung von 110 respektive 112? Ich denke statt das nationalen Rettungsdiensten anheim zu stellen, sollte man sich mit den Internationalen Handyherstellern verständigen, dass es hier eine Vorbelegung gibt und über eine Standard-Kurzwahl international immer der Ruf zur Heimat abgesetzt wird, ggf, sogar über einen Dienst, der dann auch 24 Stunden erreichbar ist und für den Empfang der Nachricht sorgen kann.

Silke Schümann am 14.07.05 15:03 #
 

Ich hatte auch erst an "112" oder etwas ähnliches gedacht, aber das ist missverständlich: Die 112 ist ein Notruf, der Hilfe herbeiruft. Bei der ICE geht es ja um Benachrichtigung im Unglücksfall, also etwas anderes. Eine Vermischung mit einem anderen Konzept könnte Unklarheit hervorrufen.

Die Idee, eine Funktion standardmäßig in die Handys einzubauen, ist gut, aber mühsam und vielleicht nicht universell genug. Eine ICE könnte man z.B. auch in einem Papieraddressbuch stehen haben - das funktioniert also geräte- und sogar systemübergreifend. (Zudem: Wie wirst Du diese Funktion in einem arabischen Handy finden? Sie braucht dann ja auch wieder einen Namen (oder nicht?), der sprachunabhängig verständlich ist.)

Wir suchen hier im Grunde nach einer Art Piktogramm: Einem universell verständlichem Symbol, das im besten Fall auch ohne Vorkenntnisse verständlich ist. "ICE" ist da wirklich nicht gut, könnte sich aber trotzdem, denke ich, leicht genug verbreiten, um nützlich zu sein. Wenn nicht bald jemandem ein besserer Name einfällt, wird es eh zu spät sein.

Martin Röll am 14.07.05 15:19 #
 

Wenn man schon Lokalisierung möchte, warum dann überhaupt eine Abkürzung? Warum nicht etwas wie "ICE/Notfall"? Dann hat man eine Abkürzung, die gelernt werden muss, aber international einheitlich ist, und ein sprachspezifisches Schlagwort für diejenigen, die kein Englisch können, und das mit Glück sogar von denen verstanden wird, die von "IN" auch nichts mitbekommen haben.

Florian Laws am 14.07.05 15:36 #
 

Das ist eine gute Idee. Der, der das Prinzip kennt, kann nach "ICE" suchen. Die, die die Idee nicht kennen, werden auch mit einer sprachspezifischen Version nichts anfangen können. Die erhalten aber so die Chance, die Notfall-Nummer zu entdecken, wenn sie das Adressbuch des Verunglückten durchsuchen. (Was mir nicht zu weit hergeholt erscheint. Wenn man sonst keine Kontaktinformation hat, warum nicht das Adressbuch nach "Mama" durchsuchen? ;-))

Martin Röll am 14.07.05 15:47 #
 

Man kann auch zwei Einträge machen, einen IN, einen ICE. Soviel Speicher ist sicher noch vorhanden.

Philipp am 14.07.05 15:50 #
 

Der "IN"-Eintrag ist nutzlos für die, die die Idee nicht kennen. Und die, die sie kennen, müssen (sollten) "ICE" eh kennen. Deshalb reicht der ICE-Eintrag aus.

Martin Röll am 14.07.05 15:52 #
 

112 ist jedenfalls ziemlicher Mist, zumindest hier auf der Insel duerfte das ziemlich unbekannt sein.

Hier gilt noch immer 999, auch wenn 112 meines Wissen funktionieren wuerde da es wenn ich mich richtig erinnere irgendein internationaler Standard ist. Eine kurze nichtrepresaentative Umfrage hat jedenfalls ergeben dass keiner hier was mit 112 anfangen kann.

Armin am 14.07.05 16:09 #
 

Euronotruf heißt das. Hier, anders, auf Englisch. Und ja: es funktioniert auch auf der Insel. </off-topic>

Martin Röll am 14.07.05 16:18 #
 

Mir fiel auch erst die 110 ein und nicht die 112. Die kam erst durch das Blog lesen. Der Arme, der nun unter ICE die Bahnauskunft gespeichert hat. ICE und IN sind zumindest im deutschen Sprachraum nicht selbstverständlich und müssen mit einem hohen Werbeetat erst kommuniziert werden.

Die wenigstens leben in dem Blogosphärenbubble in dem man so schön darüber reden kann. Die Vorbelegung könnte den Aufwand ein einheitliches System zu kommunizieren und böte den Handy-Anbietern auch noch eine Verkaufsmessage. Jetzt mit dem Notfall-Homecall ... (Was wäre eigentlich eine ein-Wort-Entsprechung im Deutschen für Homecall?).

Silke Schümann am 14.07.05 16:46 #
 

ICE... 3. Buchstabe auf der 4, dritter Buchstabe auf der 2, so macht suchen im Adressbuch eines Handys echt Spaß.

René M am 14.07.05 21:41 #
 

Das nützt alles leider nichts, wenn man die Handyfirmware nicht um eine Funktion erweitert: dass dieser Eintrag auch ohne Eingabe der PIN (wie ein Notruf eben) angerufen werden kann. Und dann ist es auch völlig egal, wie der Eintrag benannt wird.

Carsten am 14.07.05 21:57 #
 

Häufig genug sollte das Handy ja aber bereits an sein, höchstens mit aktivierter Tastensperre.

Alexander am 14.07.05 22:47 #
 

Das gleiche Argument hat Carsten bereits hier drüben angebracht, ebendort ist es schlüssig beantwortet worden. Dass es dann "völlig egal" ist, wie der Eintrag benannt ist, stimmt nicht. Und dass "das alles leider nichts nützt", wenn man nicht so eine Funktion einbaut, auch nicht: Selbst wenn 90% der Leute ihr Telefon ständig ausgeschaltet hätten und folglich eine PIN die ICE blockieren würde, wäre das System immer noch für 10% nützlich. Bei allem Respekt für die Kritik, Carsten: Eine etwas konstruktivere Sichtweise wäre durchaus angebracht.

Martin Röll am 15.07.05 11:01 #
 

Seht das doch mal anders herum.

Egal welche Nummer eingespeichert ist - wenn ein Anschlag wie in London passiert dann bricht das Handynetz zusammen. Abgesehen davon, dass die Helfer was anderes zu tun haben als Angehörige anzurufen.

[:] Nati am 15.07.05 13:18 #
 

Es reicht jetzt. Weitere unkonstruktive Äußerungen dieser Art fliegen ab sofort raus. Wenn es grundsätzliche, begründete Kritik an der Idee gibt, ist sie herzlich willkommen. Bedenkenträgertum dieser Art nicht.

"Nati": Errechne den Anteil von Katatrophen bei denen das Handynetz zusammenbricht an den gesamten Unfällen mit Personenschaden. Dann argumentiere den Punkt nochmal.

Die Sache ist schon dann sinnvoll, wenn sie einigen wenigen Leuten hilft. Sie muss nicht für jeden Fall (ausgeschaltete Handys, Zusammenbruch der Netze, Helfer mit zu kaputter Feinmotorik zum Handyknopfdrücken, ...) funktionieren.

Martin Röll am 15.07.05 13:28 #
 

Eine kleine Klarstellung:

Das Netz ist in London nicht zusammengebrochen, es ist bewusst fuer die 'normale' Bevoelkerung abgeschaltet worden.

Zum einen um zu verhindern dass weitere Bomben per mobile gezuendet werden (zu dem Zeitpunkt wusste man ja noch nicht dass es sich um Selbstmordattentaeter handelt), zum anderen um die verfuegbare Bandbreite voll den Emergency Services zur Verfuegung zu stellen.

Ich weiss nicht wann es wieder freigeschaltet wurde, kann sein dass es noch am selben Tag war.

Dadurch wird aber die Idee von ICE noch lange nicht nutzlos. Zum einen sind wie von Martin bereits ausgefuehrt solche Ereignisse extrem selten, zum anderen kann ich mir durchaus vorstellen dass eine solche Nummer auch noch nach Stunden sinnvoll sein kann.

Schon um Angehoerige zu informieren, falls die Person bewusstlos oder unfaehig zur Kommunikation sein sollte. Wenn ich schwer verletzt im Krankenhaus liegen sollte waere ich jedenfalls froh wenn jemand vertrautes kommt oder dasitzt wenn ich wieder aufwache.

Armin am 15.07.05 14:38 #
 

Ok, ok, ok,

ich bin auch nicht GEGEN die Idee. Hab ich das gesagt? Ok, ich hab auch nicht gesagt, das ich FÜR die Idee bin.

Meine Kontaktperson steht in meinem Organspendeausweis. Ich hoffe den liest jemand auch dann wenn ich noch nicht so weit bin zu spenden.

Ich - als Nicht-Professioneller-Retter schaue jedenfalls zuerst in die Papiere um Kontaktpersonen ausfindig zu machen. Aber ich bin eben KEIN Profi.

Wenn sich die Idee durchsetzt? Dann wird einfach eine WEITERE Möglichkeit geschaffen.

[:] Nati am 15.07.05 16:57 #
 

Ich habe doch auch nicht gesagt, dass ich gegen diese Idee bin. Ich denke nur, dass es richtig ins Handy eingebaut werden muss. Bei mir ist das Handy zwar immer an (außer im Kino/Theater/Flugzeug u.ä.), aber es hat trotzdem einen PIN Schutz. Und wenn es eine Notruffunktion im Handy gibt, die auf einen speziell markierten Eintrag zugreift, ist es im Grunde schon egal, wie dieser benannt wird. Ich stelle mir das eher als eine Art Gruppe oder Option zu einem Adressbucheintrag vor, der besagt, dies ist eine Notfallnummer und darf ohne PIN verwendet werden.

Carsten am 15.07.05 18:35 #
 
Selbst wenn 90% der Leute ihr Telefon ständig ausgeschaltet hätten [..] wäre das System immer noch für 10% nützlich

Was hast du gegen solche Vorschläge, damit so ein System weitaus effektiver wäre? Ich finde die Idee, an diese Nummer auch ohne PIN zu kommen, absolut nicht daneben! Und wenn man diese gleich sofort anrufen kann, wäre das sehr nützlich, wenn ein ehrlicher Mensch ein fremdes Handy irgendwo findet!

Und falls der Akku leer ist, könnte man z.B. zusätzlich noch einen Zettel ins Akkufach (sofern vorhanden) legen, auf der die Nummer drauf steht ...

René Pönitz am 15.07.05 22:01 #
 

Carsten: Es ist vollkommen erlaubt "gegen die Idee" zu sein, wenn es gut argumentiert wird. Das hier ist nicht das Ideologie-Weblog. Wir kommen auf Deiner Linie aber nicht weiter: Es geht eben nicht um eine Notruffunktion.

René: Ich habe ueberhaupt nichts gegen solche Vorschläge. Ich habe lediglich etwas gegen unkonstruktive Fundamentalkritik ("Wenn mann nicht X macht, dann nutzt das alles nichts").

Martin Röll am 15.07.05 23:27 #
 

Also Martin, Du sagst doch selber "ICE: Notfallnummer im Handy". Meine Idee war doch nur, dass mit der schon vorhandenen Notruffunktion zusammenzuführen. Wie schon gesagt, bin ich nicht gegen diese Idee, ich bin nur für eine andere Implementation. Diese erspart einem die Diskussion um die Bezeichnung natürlich nicht. Irgendwie muss man dem Nutzer ja eine Schnittstelle bieten. Wenn es ein Menüeintrag des Handys ist, kann man dann auch sehr wohl eine lokalisierte Bezeichnung verwenden. Meine Eltern z.B. hätten mit einer englischen Bezeichnung möglicherweise schon ein Problem (aber auch andere Bekannte würden das nicht so mögen und eindringlich finden, wie eine deutschprachige Bezeichnung).

Mein erster Eintrag war sehr absolut geschrieben. Nur kann ich auch nicht verstehen, warum fast jeder sein Handy faktisch mit offenem Zugriff rumträgt. Bei jedem anderen elektronischen Geräten mit persönlichen Daten wird immer empfohlen, Schutzmechnismen (Passwort, PIN) zu verwenden. Beim Handy geht man davon aus, dass nur das Einschalten eine Authorisierung benötigt und danach jeder freien Zugriff hat.

Aber wenn viele Nutzer anfangen (hoffentlich), ihre Daten im Handy (also ihr Handy selber) besser gegen unauthorisierten Missbrauch zu schützen, dann muss man sich Gedanken machen, wie man den Zugriff auf eine solche Notfallnummer gestaltet.

Um es jetzt einmal ganz extrem auszudrücken, könntest Du in Deutschland möglicherweise schon Probleme bekommen, wenn Du das Adressbuch eines fremden Handys ohne ausdrückliche Zustimmung des Besitzers nach einer Nummer durchsuchst. Mir ist klar, dass in einem Notfall vielen Betroffenen soetwas egal sein wird, aber leider gibt es da immer Ausnahmen. Hier wäre ein "offizieller" Standard eine bessere Lösung.

Carsten am 16.07.05 00:19 #
 

Also hinten auf meinem Handy ist ein Aufkleber mit meiner Adresse und meiner festnetznummer. Ich schätze den IQ eines Finders oder NOtfallshelfers so hoch ein, dass er diese Adresse für meine hält, und da anruft.

Merke: Intelligente Lösungen sind solche, die über das Problem-System hinausgehen.

EOD? ;)

OliverG am 17.07.05 18:15 #
 

Fünf Pluspunkte für OliverG. :-) Ich mache den Sack hier mal zu. Fahrt vorsichtig! :-)

Martin Röll am 18.07.05 09:46 #