25. Mai 2005

[ BlogTalk , Blogosphere , Konferenzen , Weblogs und Journalismus ]

Medientreffpunkt Mitteldeutschland, das Weblog-Panel

Am 11. Mai habe ich an einer Diskussion "Weblogs - Wie mächtig sind die Online-Tagebücher?" auf dem Medientreffpunkt Mitteldeutschland in Leipzig teilgenommen.

Mit mir saßen auf dem Podium:

Moderiert wurde das Ganze von Bettina Schmieding vom Deutschlandfunk ("Markt und Medien").

Eine Zusammenfassung der Diskussion und einige Fotos gibt es auf den Seiten der Tagung.

Wie bei Podiumsdiskussionen üblich, kamen wir nicht sehr tief in der Thema hinein, dennoch war es, so glaube ich und so meinten einige aus dem Publikum danach, eine gute Diskussion, aus der man viel lernen konnte. Ein paar meinten gar, es wäre die beste Diskussion der ganzen Tagung gewesen (was vielleicht mehr über die Tagung als über unsere Diskussion aussagt, aber egal. ;-)).

Mein persönliches Highlight war die Diskussion mit Albrecht Ude, Holger Hank und Ms. Arboretum beim Mittagessen und das anschließende Gespräch mit a.. Darin kam ich, glaube ich, ziemlich nah an den Kern dessen, was mich am Bloggen fasziniert.

Die Erkenntnis ging von einem Diskussion mit Holger Hank über den The BOBs-Award aus. Er bzw. sein Wettbewerb betrachten nur "gute", "journalistische" Weblogs und ignorieren die komplette sonstige Blogosphere. Sie betrachten Weblogs isoliert und nicht vernetzt. Das wäre auch völlig in Ordnung, wenn sie anerkennen würden, dass sie eben nur einen kleinen Teil der Blogosphere betrachten, aber sie sehen ihren Betrachtungsgegenstand als "die Blogosphere" an. [Nachtrag: hier gucken!] Ihre Definition von "Weblog" ist unausgegoren: Würde sich Spiegel Online "Weblog" nennen, wäre es mit drin und würde dann mit den anderen Weblogs konkurrieren. Was ist so ein Wettbewerb wert? Er misst Weblogs an journalistischen Maßstäben und prämiert folglich den besten Journalismus in Weblog-Form. Wie gesagt: Das kann man machen, aber interessant finde ich das nicht. Ich glaube, ich habe mich ziemlich über so ein ganz "flaches" Verständnis von Weblogs aufgeregt.

(Ich tue Herrn Hank höchstwahrscheinlich Unrecht. Meine Reflexion hier bezieht sich nur auf unser Gespräch, bei dem ich ihn ziemlich sicher auch missverstanden habe - das war unser erstes Gespräch, wir kennen uns ansonsten gar nicht und kommen aus zwei ziemlich unterscheidlichen Welten. Es geht mir auch nicht darum, ob er Recht hat oder ich oder wir beide oder wasauchimmer, sondern nur um die Rekonstruktion des Gedankengangs, den ich im Anschluss hatte.)

In der Diskussion kamen wir dann darauf, was an Weblogs "anders" ist. Was es noch gibt. Wir kamen auf die BlogTalk zu sprechen (an der Hank nicht teilgenommen hatte): Weblogs verändern die Sprache (Albrecht Ude meinte: "In keinem anderen Medium wird so viel mit Durchstreichungen gearbeitet."). Weblogs verändern den Diskurs. Weblogs schaffen Netzwerke. Weblogs fördern Wissensaustausch. Und, und, und. Da ist so viel Spannendes. Und das kommt in der Weblog-Welt der Deutschen Welle gar nicht vor. Und von da kam ich glaube ich auf das, was mich interessiert: Neuartige Kommunikationsformen zwischen Menschen.

Wie reden Leute miteinander? Wie tauschen sie Informationen aus? Wie finden sie sich? Wie können sie netzvermittelt Vertrauen zueinander finden? Das ist spannend. Deswegen bin ich in die Blogosphere gekommen, nicht wegen einiger schöner, "Qualitäts"-Weblogs. Schön, dass sie da sind! Aber sie sind nur ein kleiner Teil von etwas ganz Großem.

Herzlichen Dank für die Einladung! (Ich habe selten eine so gut organisierte Konferenz erlebt.) Vielen Dank für die Gespräche! Bis zum nächsten Mal.


Trivia:


[Nachtrag] Holger Hank schreibt mir per E-Mail (veröffentlicht mit seienr Erlaubnis):

Die DW und "theBOBs" erkennen genau das natürlich an. Ich finde es aber auch sinnvoll, dass sich ein Medien-Unternehmen wie die DW bei einem "Award" auf die Aspekte konzentriert, von denen es etwas versteht. Dabei geht es uns nicht nur darum, das "Weblog-Format" zu kopieren. Sondern vielmehr darum, zu schauen, welche Möglichkeiten Blogs für Informationsvermittlung bieten - und wo die Grenzen liegen. "TheBOBs 2004" waren gerade in dieser Hinsicht sehr aufschlussreich.


[Nachtrag] Im Deutschlandfunk lief auch ein Audiobeitrag mit einem O-Ton von mir, den man sich übers Web auch heute noch anhören kann. (Rechts unten "Audio on Demand".)

Trackbacks sind Links von anderen Weblogs auf diesen Eintrag.

PR Blogger: Kuriose Laienjournalisten auf den Blog-Podien? (25.05.05 16:11)

Ihre [d.i. die BOBs-Award-Macher] Definition von "Weblog" ist unausgegoren: W

typo.twoday.net: Blogs und Journalismus, ein Selbstversuch (25.05.05 16:54)

 

Ich fand unser Gespräch sehr anregend und zähle es zu meinen persönlichen Highlights der Tagung (über die öderen Momente schrieb ich seinerzeit dort). Die Podiumsdiskussion war ziemlich gut, was den Gästen zu verdanken war, waren alles Gentlemen. (Frau Schmieding, verklagen Sie mich jetzt? ;-) [Die Moderatorin wollte in der Diskussion wissen, an wen sie sich denn wenden sollte, wenn jemand nach der Veranstaltung etwas über sie bloggt, das ihr nicht gefällt, und sie dagegen klagen möchte.])
Inhaltlich habe ich allerdings noch mehr aus den Podien zu medienrechtlichen und medienpolitischen Themen mitgenommen, aber das mag auch eine Frage der Vorkenntnisse sein, wie gut einem eine Podiumsdiskussion gefällt.

arboretum am 06.06.05 15:05 #