25. Mai 2005

[ Meta E-Business Weblog ]

Der Langweiler. Der Angeber.

Mit meinen Sorgen um mein Blog bin ich nicht ganz alleine: Joi Ito's Web: Becoming boring.

Sorgen? Ja. Der Grund, warum ich hier seit Monaten so wenig blogge, ist nicht nur die viele Arbeit (die schön und toll und vor allem offline ist, aber eben vom Bloggen abhält, zum Teil, weil ich über die Sachen, die ich mache, einfach nicht schreiben darf, zum Teil, weil schlicht die Zeit bzw. die Konzentrationsfähigkeit zum Lesen und Schreiben fehlt), sondern auch eine Grundunsicherheit mit diesem Weblog: Ich weiß nicht mehr so richtig, was ich hier schreiben will und was nicht.

Mir geht es wie Joi Ito:

I fear that my jokes will be misinterpreted and the irony lost. I fear that someone will take offense. I fear that a post will sound boastful.

Of course, this is just a rehash of an old discussion of collapsing contexts, but I find myself struggling with this bloggers block more and more these days.

Das mit den Kontexten hatten wir schon oft und da gibt es wohl keine Lösung. Aber dennoch. Ich mag die Missverständnisse nicht mehr. Ich mag die Angriffe nicht mehr. Mehr und mehr kriege ich mit, wie ich missverstanden werde und bekomme Kritik und manchmal wüste Angriffe, weil ich etwas geschrieben habe, was anders aufgefasst wurde, als es gemeint war, und jemanden verletzt hat. (Ich mag auch solchen Stuss nicht, aber damit kann ich noch ganz gut leben.)

Ich mag nicht langweilen. Ich mag nicht angeben. Ich mag niemanden verletzen. Aber immer, wenn ich schreibe, hängt mir das im Kopf: "Ist das interessant genug? Redest Du nicht nur über Dich selbst? Werden Leute sagen, dass Du nur angibst?" Mensch, sogar meine Reiserouten sind damals als nervtötend aufgefasst worden! Damals konnte ich noch spotten, aber da steckt ja etwas Ernstes drin: Manchmal kommt das, was ich schreibe, als Angeberei rüber.

Ich weiß schon: "Das ist Dein Blog, Du kannst machen was Du willst, nur zu", aber so einfach ist das nicht (hübsch auch: Don Park).

Ich habe ein paar Lösungsideen im Kopf, also bloß keine Sorge, dass ich den Laden hier zu mache. Ich würde gerne ein bisschen experimentieren, aber mein Kalender steht mir da in den nächsten Wochen erstmal im Weg. Geduldet Euch. Ertragt mich. ;-) Danke für's Zuhören.

Mehr Links: Hugh McLeod.

Trackbacks sind Links von anderen Weblogs auf diesen Eintrag.

Das Internet ist voll mit perfekt durchformulierten Marketingtexten zu allen Themen die irgendwie im Verdacht stehen verkauft werden zu können. Die Seiten der Softwareanbieter preisen die Stabilität und Produktivität ihrer "Lösunge...

Lapidarium: Das E-Business Weblog: "Der Langweiler. Der Angeber" ? (25.05.05 17:56)

Mir gehts gerade wie Martin: Ich blogge gern ein wenig herum, schmeiße Dies und Jenes der mitlesenden Welt ins Antlitz, entledige mich irgendwelcher obskuren Gedankengänge in dieses Weblog (so es denn eines ist), sülze über Dinge die mir wichtig oder n...

Der Themenmixer: Das Kreuz des Bloggens (02.06.05 14:24)

 

Das du hinundwieder einen Reality-Check machst ist doch vollkommen OK, es zeigt doch das Du den Boden unter den Füssen nicht verloren hast und noch reflektieren kannst. Wäre allerdings Schade wenn Du in Zukunft nur noch Kuschel-Bloggen würdest, denn Blogs leben von Spruch und Widerspruch. Ein 'Die Angst des Bloggers vor den Drücken des Veröffentlichen-Button' sollte jemand anderes schreiben.

PS: Das neue Foto ist fürchterlich. Für eine Hoimar von Ditfurth Kopie bist du noch zu Jung.

Joern am 25.05.05 12:43 #
 

Eine Auszeit oder schöpferische Pause sei Ihnen gegönnt, es muss ja nicht gleich in einer Sinnkrise ausarten. Und vielleicht bescheren die schöpferischen Pausen der Welt auch einen ganz neuen oder ganz anderen Martin Röll - oder eben auch nicht.

Bloggen ist nur eine von vielen Versuchsansätzen zu kommunizieren und die Welt zu verändern (und noch dazu mit unbestimmtem Ausgang!).

Wenn’s Ihnen zwischendurch danach ist, nehmen Sie den Weg zum Fenster und schauen mal raus und/oder halten einen Plausch im virtuellen oder realen Kitz. Sollte das Fenster zu lange zu bleibt, dann gibt es sicher ein paar Menschen, denen Sie wichtig sind und die dann an der Tür oder am Fenster klopft, um zu sehen, wie es Ihnen geht und ob alles in Ordnung ist.

Hugo E. Martin am 25.05.05 13:09 #
 

'Oftmals wird man Missverstanden, mancherorts sogar gehasst, ...'

Das soll jetzt kein Angriff sein, und schon gar nicht persönlich, sondern nur ein bisschen gut gemeinter Kritik.
Was mich bei dir ein wenig stört ist das es so scheint als ob du auf jeden x-beliebigen Trend der blogosphäre aufspringst. Vor ein paar Monaten war blogen noch das größte. Die große Revolution die das Ganze Leben ändert. Jetzt äußern sich ein paar kritische Stimmen die (absolut zurecht!) meinen das man das bloggen vielleicht doch nicht ganz so übertreiben sollte. Und du springst sogleich auf den Zug auf. Vielleicht ist das sogar deine Aufgabe. Vielleicht machst du das auch unbewusst, oder vielleicht wirkt das nur auf mich so, und du (und andere) sehen das ganz anders.
Das ist jedenfalls mein persönlicher Eindruck, und es wär trotz allem Schade deine teilweisen sehr interessanten Posts zu missen.

Johannes Lerch am 25.05.05 15:53 #
 

(Das Zitat scheint ein Verweis auf diesen Songtext zu sein. Ich habe dem Autor per E-Mail geantwortet. Ich lasse den Kommentar stehen, auch oder vielleicht gerade, weil er mich erschreckt und traurig macht. Was ich oben beschrieb, muss noch viel ärger sein, als ich annahm.)

Martin Röll am 25.05.05 17:55 #
 

Selbst ohne Kunden-Zwickmühle ist das so: irgendwann hat man einfach wenig Lust, schon wieder so einen Nabelschau-Eintrag zu posten oder eben einen Eintrag, der genau dem entgegenwirken soll. Wurde alles schon geschrieben, alle Witze schon gerissen, alle Tipps schon gegeben. (So kommt mir das jedenfalls im eigenen Blog vor.)

Matthias am 25.05.05 19:24 #
 

Mein Mitleid hält sich zwar in Grenzen.

Aber:
Zweifel und Einsicht, daß man andere durch die eigene (bzw. von anderen so wahrgenommene) Arroganz vor den Kopf stößt - das ist doch mal ein guter Ansatz.

Mein Tip: Sich in andere hineinversetzen und nicht so selbstgerecht sein, wie so viele in der Blogosphäre.

"Nur wer sich ändert, bleibt sich treu" (Guter Satz von W. Biermann)

In diesem Sinne alles Gute,

Jens

Jens am 25.05.05 20:16 #
 

Genau um das "in andere hineinversetzen geht's": Das kann ich und dann sehe ich all die möglichen Interpretationen, die es da gibt: Ich blogge einen Reiseplan und es wird als "Röll gibt mit seinen Reisen an" interpretiert. Ich schreibe über eine Konferenz oder ein Projekt und sehe eine "Röll prahlt"-Reaktion. Ich schreibe eine Kritik zu einem Sachpunkt und sehe eine "Röll mag X nicht"-Interpretation. Und da ich sehe, dass das tatsächlich manchmal passiert, ist eben das genau das Problem und nicht die Lösung.

Martin Röll am 25.05.05 20:53 #
 

Neagtive Reaktionen und Missinterpretationen von allem, was man macht, gibt es immer.

Aufgrund der niedrigeren hemmschwellen im Netz hört man sie halt auch anstatt dass sie einem verschwiegen werden.

Bei Ji Ito hab ich mal die KOmmentare quergelesen. Dort geht es weniger in dei 'deutsche' Richtung a la 'Wie toll es doch ist über sein eigenen Tun nchzudenknen.' sondern eher in dei 'amerikanische': 'Hey, mach was Dir Spaß macht und wem es nicht passt, der soll es halt nicht lesen.'

Ich zumindest hab die Reisedinger immer so interpretiert: "Da bin ich, wer will mich treffen?" Es _könnte_ sein, dass du das früher öfter dazugeschrieben hast. Dunno. So 'nutze' ich deine Terminliste auch, wie du weißt. Und ich mach es in kleinerem Maßstab nach. (was mich darah erinnert dass ich noch bloggen muss wo ich die nächsten 2 Tage und in einer Woche rumhänge ;) )

Mir scheint relevant: Blogg das, was Dich interessiert, worüber du schreiben willst, was dir auf der Zunge liegt. Wer es nicht lesen will, wird es lassen. wenn Blogs Gespräche sind, gibt es auch Smalltalk. Und auch ne Zeitung voll Text ist zu 70% für den einzelnen uninteressant. Warum genau sollten Blogs ne höhere Quote haben? (Selbst monothematische Blogs dürften einen hohen 'Weissichschon'-Faktor aufweisen.)

OliverG am 26.05.05 13:09 #
 

Wenn schon Songtexte, dann schon Garden Party vom guten alten Ricky Nelson!

Matthias Gutfeldt am 26.05.05 14:49 #
 

Genau daran wächst man. Lernt. Entwickelt sich. Eine riesige Chance oder ein großes Unwohlsein. Also eine Entscheidung.

Michael Domsalla am 26.05.05 22:15 #