28. April 2005

[ Usability ]

SinnerSchrader Thementag "User Centric Design"

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Vorgestern habe ich in Hamburg auf dem Thementag "User Centric Design" der SinnerSchrader Neue Informatik verbracht.

Wie ich dorthin gekommen bin, ist eine eigene Geschichte:

Ich hatte von der Veranstaltung über einen Brief des Veranstalters erfahren, hübsch gemacht, mit Anschreiben und Flyer, die beide nach 10-sekündiger-Prüfung ("Veranstaltung. Ein Tag. Softwareentwicklung. In Hamburg. Bald.") auf den "Werbepost"-Stapel flogen und mich nicht mehr weiter beschäftigten. Das sah durchaus interessant aus, aber für nur einen Tag nach Hamburg und zurück zu fahren, ist ja verrückt.

Ein paar Tage später bekam ich dann eine E-Mail von Martin Recke aus der Unternehmenskommunikation von SinnerSchrader, der ganz offensichtlich meine Website gut gelesen hatte, mich persönlich ansprach und mir kurz und prägnant erklärte, warum ich kommen sollte. Damit hatte er mich. Mit sowas kann man mich kaufen. ;-)

Die Zugfahrt von Dresden nach Hamburg dauert viereinhalb Stunden. (Aufstehen um halb fünf ist ja so gesund...) Die Bahn war pünktlich, so war ich's auch.

  • Stefan Kunze, Geschäftsführer der Neuen Informatik führte ein, stellte SinnerSchrader vor und erläuterte die Grundlagen von Usability und User Centric Design. (Die Maps sind alle klickbar und öffnen Popups mit größeren Versionen.)

  • Prof. Dr. Wolfgang Prinz vom Fraunhofer FIT berichtete von der Einführung eines Kooperationssystems in einem Ministerium, bei der mit der nutzerzentrierten Anwendungsentwicklung gearbeitet worden war. Ich musste ein ums andere Mal schmunzeln, als er erläuterte, wie bei der Anforderungsanalyse die User die Anforderungen gar nicht definieren konnten und herausarbeitete, wie ein iterativer Prozess zu hervorragenden Ergebnissen und letztlich auch geringeren Kosten führte.

  • Christian Jung, "Head of Experience Design" bei SinnerSchrader hielt nach dem Mittagessen einen herausragenden Vortrag, in dem er einen Bogen von der Geschichte des PCs zur heutigen Vorgehensweise bei der Entwicklung von Computersystemen schlug und die systemischen Problematiken bei der nicht-nutzerzentrierten Entwicklung beschrieb. Allein schon wegen des geschichtlichen Teils wäre es die Sache Wert gewesen. Dank der Breitbandanbindung konnte ich alles gleich in der Wikipedia vertiefen und einen Berg Notizen festhalten. (Die Links in der Map gehen auf Wikipedia-Einträge. Es lohnt sich, die nachzulesen.)

  • Marco Stein von der Deutschen Bank berichtete aus einem Intranet-Projekt, bei dem nutzerzentriert gearbeitet wurde, was zu einigen Überraschungen bei der Umgestaltung und letztlich zu einer hohen Akzeptanz des Systems führte. (Noch ungelesen: Zu dem Projekt gibt es anscheinend eine Diplomarbeit. [Nachtrag] Die Diplomarbeit bezieht sich auf das Projekt, das von dem hier vorgestellten Projekt abgelöst wurde. Danke, Herr Stein!)
  • Robert Neundlinger von CoreMedia, einem Hersteller von Content Management Systemen, der unter anderem das CMS des t-online Portals stellt, berichtete von der Arbeit an der Neugestaltung ihrer Software. Er betonte, dass nicht alle User die gleichen Anforderungen haben und manchmal multiple Clients für ein System angebracht sind.
  • Matthias Schrader, Gründer und Vorstandsvorsitzender von SinnerSchrader, sprach über die Zukunft von Web-Interfaces. Er erläuterte, wie Content-Aggregatoren das Web auf den Kopf stellen und User direkt zu Microcontent bringen. "Content-Aggregatoren" sind Suchmaschinen, RSS-Feeds, Syndication, Newsletter, Weblogs... Sie sorgen dafür, dass Nutzer direkt zu ganz bestimmten, "atomaren" Inhalten einer Site kommen. Die Homepage wird unsichtbar.

    Die Konsequenz ist, dass Websites sich vom "Closed Shop" zum "Ökosystem" entwickeln müssen: Schrader nannte und zeigte RSS-Feeds, APIs (amazon), Tagging und Suche und als Beispiel einer neuen Anwendung Google Maps.

    (Matthias Schrader bloggt zusammen mit Martin Recke auf fischmarkt.de.)

  • Zum Schluss referierte Jutta Eckstein über Agile Methoden - interessant, aber für mich nicht neu, sodass ich mich ablenken ließ - pardon.

Pausengespräche drehten sich um die Markt für Softwareentwicklungsprojekte (Konsolidierung oder nicht? Machen Agenturen lieber alles selbst oder engagieren sie externe Spezialisten?), um "Wissensmanagement" und das SemanticWeb (kommt's? kommt's nicht? Semantik erkennen durch Textmining. Semantik bauen mit Tags.).

Trotz der hohen Powerpoint-Dichte waren es ausnahmslos gute und sehr gute Vorträge mit hoher Sachkenntnis und einer Menge neuer Ideen. Der Veranstaltungsort, das Gastwerk Hotel ist ein interessanter und für solche Seminare sehr geeigneter Ort (unvollständig: Tageslicht in den Vortragssälen, gutes Essen, akzeptabler Kaffee, frisch gepresste Säfte, Breitband).

Ich habe schon eine Menge solcher Veranstaltungen erlebt, aber noch keine, die so gut war wie diese hier. Herzlichen Dank für die Einladung! Gerne wieder.

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Ein Blick zurück in die Geschichte zeigt die treibende Idee hinter dem Erfolg des Personal Computers. Pioniere wie Douglas Engelbart und Alan Kay haben die Technik der Rechenmaschinen für den Menschen zugänglich gemacht. Ein Vortrag von Christian Ju...

Fischmarkt: Auf der Systems (22.09.05 10:52)

 

Hallo Herr Roell,

was ist denn das Erhellende am Rauskramen von V. Bush und D. Englebart? Fehlen da nicht noch welche? Und was ist das Innovative an einer anwenderorientierten GUI? Oder habe ich das Ganze mißverstanden?

Haben wir diese Referenzen nicht schon damals erlebt, bei den Expertensystemen, bei der Diskussion um JAVA-GUIs, bei den Nielsengetriebenen HTML-Diskussionen, bei Browserbasierte GUIs für bestehende Applikationen, bei DMS, bei Groupware, bei Workbaskets und zuletzt bei Intranetportalen etc. pp.

Where is the beef?

Gruß

Jörg Wittkewitz

J. Wittkewitz am 04.05.05 11:09 #
 

Ich fürchte, ich werde es Ihnen nicht erklären können: Es war eben ein Vortrag und dessen erhellende Elemente lassen sich erfahrungsgemäß in knappen Berichten kaum vermitteln.

Was stört Sie eigentlich gerade? Dass man Veranstaltungen zu "User Centric Design" macht? (Es geht dabei um den gesamten Entwurfsprozess von Anwendungen, nicht nur um die GUI (siehe erste Map) und das ist in der Tat innovativ.) Gehen Sie mal zu einem Vortrag von Christian Jung - ich kann es nur empfehlen.

Martin Röll am 04.05.05 11:35 #