13. April 2005

[ Kaufmännisches ]

Widerruf

Martin erklärt die Kaufmannswelt, Kapitel 7928. Heute: Der Widerruf.

Wenn einer etwas kaufen will, das ein anderer ihm verkaufen will, dann schließen sie einen Vertrag. Für einen Vertrag braucht man zwei Willenserklärungen: Der eine sagt: "Ich will's von Dir kaufen!" und der andere sagt: "Ja, ich will's Dir verkaufen" und dann freuen Sie sich, übergeben das Ding und das Geld und freuen sich noch mehr.

Heute ist das oft ein bisschen komplizierter, weil der Käufer und der Verkäufer manchmal "juristische Personen" sind. Juristische Personen sind gar keine Personen, sondern Unternehmen. Mit Unternehmen kann man leider nicht richtig reden, deshalb hat man das Papier erfunden. Mit Papier kann man auch Willenserklärungen machen. Wenn man drauf schreibt.

Man geht also nicht einfach vor eine Konzernzentrale und ruft "Ich will's kaufen!", sondern schreibt einen Auftrag. Die Unternehmen machen einem das normalerweise einfach und schreiben den Auftrag schon selbst in ein Auftragsformular. Man muss es nur noch ausfüllen und wegschicken.

Man muss sich das so vorstellen, als ob Unternehmen ein bisschen schwerhörig sind: Wenn man mit dem Auftragsschreiben "Ich will's kaufen" sagt, dauert das ganz lange, bis das beim Unternehmen ankommt. Weil Unternehmen auch immer ein bisschen doof sind, dauert es dann noch eine Weile, bis es alles verstanden hat. Und weil Unternehmen immer für alles ganz lange brauchen, dauert es dann nochmal eine Weile, bis es ein "Ja, ich will es Dir verkaufen" zurück schickt, eine Auftragsbestätigung, mit der dann der Vertrag geschlossen ist.

Weil es aber sein kann, dass sich der Käufer das ganze anders überlegt, hat er in Deutschland das Recht zum Widerruf. Der Widerruf ist ein bisschen wie ein "Äh-äh, ich will's doch nicht kaufen!" Unter Menschen ist das ziemlich blöd, aber mit Unternehmen kann man das schonmal machen, wenn man merkt, dass die einem Mist verkaufen wollten.

So einen Widerruf schreibt man wieder auf Papier. Man muss ihn normalerweise binnen 14 Tagen nach dem Auftrag wegschicken, sonst gilt er nicht. Wenn er rechtzeitig abgeschickt wird, wird der Vertrag nicht wirksam. Der Käufer muss nichts kaufen und das Unternehmen könnte sich auf den Kopf stellen, wenn es das könnte, aber aus dem Auftrag wird nichts.

Wenn das Unternehmen dann trotzdem weiter macht, ist das eine Geschäftsführung ohne Auftrag und eine ganz riskante Sache, aber was das genau ist, erkläre ich beim nächsten Mal, wenn sich die Arcor AG & Co KG richtig in die Nesseln gesetzt hat.

Bereits erschienen in dieser Reihe: Der Lieferavis.

Trackbacks sind Links von anderen Weblogs auf diesen Eintrag.

Martin Roell erklärt in seiner bekannt populärwissenschaftlichen Art und Weise was es mit dem Widerruf in einer zunächst angestrebten und dann einseitig gecancelten Käufer-Verkäufer-Laison auf sich hat. So schön hats noch keiner auf den Punkt gebra...

Der Themenmixer: Was issn ein Widerruf? (13.04.05 16:04)

Beim lesen von Martins Beschreibung zum Widerrufsrecht habe ich mich doch sehr an meinem köstlichen Salat verschluckt. Absolute Leseempfehlung, herrlich. Auch wenn's nur kurz ist und keine Jamba-Konspirationen erneuert

superBlog: Widerrufsrecht (13.04.05 18:29)

Kapitalismen für Anfänger (passend zu Münteferings Redchen) gibt es heute im E-Business Weblog – heute zum Widerruf: Weil es aber sein kann, dass sich der Käufer das ganze anders überlegt, hat er in Deutschland das ...

irox.de: Ich widerrufe! (13.04.05 20:10)

Die Theorie der 'Kaufmannswelt' war mir bislang einfach unheimlich! So erklärt wie beim 'Das E-Business Weblog' scheint das ja doch eine ganz lustige Welt zu sein ... (gefunden bei Garvin)

Call it YASBLOG: Der Widerruf (14.04.05 00:37)

Das Pingpongspiel zwischen Angebot, Angebotsannahme, Vertrag usw. war im Studium Recht trocken, im Job dann später lästig; aber so wie es Martin Röll beschreibt, kann es auch tatsächlich Spaß machen...

Rolf Langhoff: Der Widerruf; auf ins Gefecht (14.04.05 08:40)

 

Martin,

Bei Normalsterblichen sage ich jetzt normalerweise: "Armer Normalsterblicher. Jetzt bekommstes mit den Administrativschimmeln (grosse Telkos sind ja nur fast so schlimm, wie Aemter) vom Dienst zu tun".

In deinem Fall, dreh ich's um: "Gott steh' Arcor bei, wenn Martin Roell ernst macht..."

Bitte halt uns auf dem Laufenden. Looking forward to it...
Rock'n'Roell!

Michael P. Tomaszewski am 13.04.05 15:48 #
 

Oh, so mächtig bin ich auch nicht. Ich mag mich gar nicht streiten. Sie sollten halt nur meinen Kurs lesen ;-) und sich an die Gesetze halten, dann können wir weiter in Frieden leben. Ich schreibe viel lieber Kaufmannskurse als Briefe mit juristischen Drohungen und Schadenersatzforderungen.

Martin Röll am 13.04.05 16:01 #
 

Martins "daily soap"... Bin ja gespannt, wie es weitergeht und ob die reagieren; halt uns auf dem Laufenden!

dein Fanclub.

Geoffrey Viard am 13.04.05 16:38 #
 

Kinners, jetzt ist aber gut. Ich versuche hier, ernsthaften Kaufmannsunterricht zu geben und Ihr interessiert Euch nur für den Streit. Nächstes Mal lasse ich den letzten Halbsatz weg, dann müsst Ihr doch was lernen, anstatt nur Amusement zu bekommen. ;-) Das hier ist doch kein Spaßblog!

Martin Röll am 13.04.05 17:26 #
 

> Nächstes Mal lasse ich den letzten Halbsatz weg

warum so kompliziert, du kannst den satz doch einfach widerrufen. dauert auch keine 14 tage ;-)

ciao, gerald

Gerald am 13.04.05 18:42 #
 

Die Theorie der 'Kaufmannswelt' war mir bislang einfach unheimlich! So erklärt scheint das ja doch eine ganz lustige Welt zu sein ...

Hans-Werner Guth am 14.04.05 00:32 #
 

In einem Trackback wird es zwar bereits angesprochen, aber ich muss es einfach loswerden: bereits nach 2-3 Absätzen viel mir Johnny's Klingelton-Story im Spreeblick ein. Dieser Sendung-mit-der-Maus-Style ist einfach klasse...

Freue mich auf #7929! ;)

BTW: Danke für die Erwähnung im Newsfeed!

Ralf Stoltze am 14.04.05 03:39 #
 

Halt uns auf dem Laufenden -- ich durchlebe gerade genau die gleiche Problematik mit Arcor... :)

Jean Pierre am 14.04.05 10:11 #
 

Herrschaften, wirklich: Redundanz mit Trackbacks und Kommentar braucht kein Mensch. Öffentliche Danksagungen für einzeilige Links auch nicht. Und Stilvergleiche... Himmel, das wird weder Johnny, noch mir, noch der Sendung mit der Maus gerecht. Ich freu mich ja, dass Euch das alles gefällt, aber manchmal ist weniger echt mehr.

(Ich lasse diesmal alles stehen. Ist ein schönes Beispiel für Sinn und Unsinn von Kommentar&Trackbackmoderation.)

Martin Röll am 14.04.05 16:57 #
 

Auch auf die Gefahr nun der Redundanzpflege bezichtigt zu werden; es würd mich schon mal interessieren wie das Match weitergegangen ist

rolf langhoff am 28.04.05 10:31 #
 

Schadenersatzforderung ist eingereicht. Ich werde alles dokumentieren, wenn es rum ist. Bis dahin bitte keine Nachfragen mehr.

Martin Röll am 28.04.05 11:09 #