7. April 2005

[ Dresdensia , Konferenzen , Oekonomie , Unternehmen ]

Eigenkapitalforum Sachsen 2005

Ein Stück von Schloss Albrechtsberg
Ein Stück von Schloss Albrechtsberg

Gestern war ich zu Gast auf dem Eigenkapitalforum Sachsen auf Schloss Albrechtsberg in Dresden.

Die Podiumsdiskussionen und Elevator-Pitchs der Kapitalgeber ("12 Kapitalgeber stellen sich in jeweils 5 Minuten vor") gaben erwartungsgemäß wenig her: Man redete über das "starke Sachsen", über die zu geringe Eigenkapitalquote ostdeutscher Unternehmen, über vielfältige Finanzierungsmöglichkeiten, spekulierte über die Aussprache von "Mezzanine-Capital" (wobei "Mässanaain" besonders beliebt war; einfach "Mezzaninkapital" zu sagen wäre auch zu einfach gewesen), man verglich diverse Statistiken und ignorierte, dass in den letzten zwei Jahren in Sachsen praktisch gar keine VC-Investments getätigt worden sind (Seite 5 - In 2004 wurden in Sachen gerade mal 30 Millionen € als VC investiert.).

Erfrischend war der Vortrag von Wolfgang Seibold von Earlybird Venture Capital, der sich von "dem was man so auf den Podien hört" (sic!) abgrenzte und mit einer Reihe von Vorurteilen aufräumte. Er wies auf die Besonderheiten von Investments in Europa im Vergleich zu Investments in den USA hin und erläuterte, was diese für Schwierigkeiten, aber auch Möglichkeiten mit sich bringen.

Mein persönliches Highlight: Der Vortrag von Jan Berthold von der Arc Precision Sources, Coatings and Analysis GmbH i. G.. Arc Precision bauen Plasmabögen, die am Ende partikelfreies Plasma ausgeben. Damit kann man Festplatten beschichten und Schutzschichten auf Wafern aufbringen. Faszinierende Sache. Herr Berthold war auch einer der 2% der Teilnehmer, die keinen schwarzen Anzug anhatten.

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Kaffeepause

Quintessenz des Nachmittags: Alle meine Vorurteile stimmen noch. ;-) Sächsische Kapitalgeber reden viel und investieren wenig. Ein großer Teil der Branche ist in staatlicher oder quasi-staatlicher Hand. Die Funktionäre dieser Unternehmen brüsten sich zum Teil sogar mit der Nicht-Profitabilität ihres Geschäfts und glauben, durch unwirtschaftliches Handeln die Wirtschaft fördern zu können.

Dennoch gibt es Hoffnung, denn zum Glück gibt es einige großartige Unternehmer (einen davon, 68 Jahre alt, durfte ich in der Pause kennenlernen) die sich nicht um das Gerede scheren und Dinge unternehmen. Das Kapital folgt dann schon.

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