31. März 2005

[ Marketing ]

Werbung in Weblogs

Pressetext Austria veröffentlicht einen Artikel zu Werbung in Weblogs und titelt: "Werber bei Weblogs noch zaghaft" (merci Christoph).

Werber, die sich auf Webblogseiten trauen, müssen eine dicke Haut haben, denn die Kommentare können schlagartig ins Negative gehen.

Das ist eine etwas eigenwillige Sichtweise, denn das hat mit Weblogs gar nichts zu tun: Schlechte Werbung wird immer kommentiert, egal ob sie in Weblogs stattfindet oder nicht. Werber müssen immer eine "dicke Haut haben". Aber das nur am Rande.

Interessanter als der Artikel selbst, ist die Diskussion, die sich rund um ihn entwickelt hat:

Nico Lumma schreibt:

Meine Einschätzung ist folgende: Negative Auswirkungen sind nicht die Befürchtung, sondern leider immer noch Unverständnis bei den Werbetreibenden, was ein Weblog ist und wieso man dort werben sollte. Weblogs bieten sog. User-generierten Content und seit den guten alten Zeiten der Massen-Homepages auf Geocities und Konsorten ist User-generierter Content gleichgesetzt mit Ramsch. Weblogs müssen erst noch bekannter werden, damit realisiert wird, dass man dort Werbung in einem Umfeld schalten kann, das vor allem von Multiplikatoren aufgesucht wird.

Nico argumentiert weiter, dass die "Unberechenheit eines Mediums" von den Inhalten her kein wichtiger Grund sei, der Werber von den Blogs abhalte:

(...)viel entscheidener ist die Clickrate und die dahinterliegende Conversionrate. Wenn die stimmt, dann wird auch gebucht (...).

Nico Zorn zweifelt daran, dass die klassischen Metriken alleine den Ausschlag geben:

Ich bin mir nicht sicher, ob die PIs im Weblog-Marketing langfristig die entscheidende Rolle spielen werden. Weblogs bieten hervorragende Möglichkeiten, um spezielle Nischen zu erreichen. Wenn ich mit Anzeigen in Weblogs "meine" Nische und die für mich relevanten Multiplikatoren erreiche, lohnt sich die Buchung für mich. Unter diesem Gesichtspunkt fallen mir zahlreiche (auch deutschsprachige) Weblogs ein, auf denen sich schon heute eine Buchung lohnen würde.

Die Entwicklung der Blogosphere wird wahrscheinlich dazu führen, dass diese Diskussion nicht mehr so wichtig ist: Die Nischenblogs werden dann groß genug sein, um auch für Marketers, die klassische Metriken ansetzen, interessant zu sein.

Derzeit hat Nico recht, wenn er meint, dass er kein Weblog in Deutschland kenne, dass genügend Pageimpressions hätte, sodass sich eine direkte Werbebuchung lohnen würde. Denkt man aber über andere Möglichkeiten nach, mit der Blogosphere zu kommunizieren und sie zum Marketing zu nutzen (Marqui Paybloggers, Siemens 1, Siemens 2, Audi, Saft-Test gar? ;-)), sehe ich schon genügend Betätigungsfeld für Marketingleute auch im deutschsprachigen Raum.

(Ich stecke gerade in einem Kundenprojekt in dem Bereich, deshalb will ich hier nicht lange darüber rumtheoretisieren. Ich zeig's lieber her, wenn es fertig ist.)

Trackbacks sind Links von anderen Weblogs auf diesen Eintrag.

Nachdem das Thema ja aufgrund eines Artikels im PR Portal auf einigen Blogs kursiert, unter anderem dem PR Blogger, bei Martin R

companice.twoday.net: Werbung in Blogs - wozu? (31.03.05 13:55)

Ein Werbemittel transportiert Werbung zum Verbraucher. Entweder direkt oder mit Hilfe eines Werbeträgers. Wer es noch genauer wissen möchte kann sich die Definition für ein Werbemittel im Wikipedia anschauen. Heutzutage gibt es sehr viele Möglichk...

S-O-S SEO Blog: Werbemittel (21.09.05 20:24)

 

Genau die kritische Masse ist das Problem. Aber auch die werbende Industrie, die Micro-Werbung nicht schätzt und nur in Tausender-Preisen rechnet.
In Deutschland wird zu wenig geworben: gerade Einzelhändler fahren lieber noch mal in den Urlaub als Geld, das im Werbeetat übrig ist, noch für eine Kampagne zu verwenden.
Natürlich wird Nokia nicht in jedem Blog werben, aber warum nicht der Buchhändler um die Ecke, der per KNO-Datenbank auch bundesweitverkaufen kann. Oder der Apotheker, der Salben selbst anrührt und verschickt.

Thomas Wanhoff am 31.03.05 13:19 #
 

Ich glaube nicht, dass in Deutschland "zu wenig geworben" wird. Ich glaube auch nicht, dass es ein "Problem" ist, wenn Marketers so denken, wie Marketers eben denken. Wenn wir glauben, dass sie etwas falsch machen, müssen wir ihnen halt beibringen, dass es noch andere Möglichkeiten gibt.

Martin Röll am 31.03.05 13:25 #
 

Nein, in Deutschland wird definitiv nicht zu wenig geworben. Ich glaube, dass es eher umgekehrt ist: Unternehmen schalten Werbung, weil vom Werbeetat noch Geld "übrig geblieben" ist. Etats und Budgets verleiten dazu, Geld "rauszuhauen" (es könnte ja sonst übrig bleiben) und unüberlegt Anzeigen zu schalten. Wenn der Einzelhändler seine Ziele erreicht hat, hat er allen Grund in den Urlaub zu fahren. Wenn nicht, läuft etwas verkehrt. "Einfach noch eine Kampagne" zu starten ist dann sicherlich verkehrt (Also besser in den Urlaub fahren und in Ruhe über die Marketingmaßnahmen nachdenken ;-) Sorry, ich weiche vom Thema ab...

Nico Zorn am 31.03.05 16:14 #
 

Ich denke schon, dass in Deutschland zu wenig (zumindest im Vergleich zu vielen anderen prosperierenden Ländern) geworben wird.

Das liegt, so vermute ich, einmal daran, dass es an Selbstvertrauen und positiver Grundstimmung bei den Unternehmen fehlt und zum andern, dass die berühmten 50% (die der alte Ford wissend / unwissend zum Fenster hinausgeworfen hat) schon längst überschritten sind. So „handeln“ alle nach dem Motto „Don’t touch“ und wenn Einsparungspotentiale gesucht werden, müssen Mitarbeiter und Marketingkosten eingespart werden – beides sind undurchsichtige Kostenfaktoren, die man nicht richtig einzuschätzen weiss.

Hugo E. Martin am 31.03.05 19:39 #