28. März 2005

[ Innovation und Wandel , Trends ]

Podcasting, Netzradio und MP3-Player versus Radio

Adam Curry im Gespräch mit der BBC:

"I just did a tour of Madison Avenue where all the big brands and advertising agencies of the world are and they are scared to death of the next generation - like my daughter who is 14 - who don't listen to radio."

"They are on MSN, they've got their iPod, their MP3 player, they've got their Xbox - they are not listening to radio. So how are they going to reach these audiences?"

Sieht man von Nachrichten (?) und raren hörenswerten Sendungen ab, wird für Leute mit MP3-Playern und Zugang zu Musikdaten das Radio ziemlich überflüssig. Selbst der Markt für "nicht störende Schallwellen zur Bekämpfung von Stille", den Leute, die in Gemeinschaftsbüros arbeiten müssen, kennen, verliert gegen last.fm und Internetradio.

MP3-Player sind überall: Als USB-Sticks, als festplattenbasierte Geräte, als CD-basierte Geräte, tragbar und in Autoradios, in jedem Computer.

Zugang zu Musikdaten wird immer einfacher: Es gibt iTunes & Co., es gibt CD-Brenner, es gibt Tauschbörsen. Selbst wenn man von illegalem Kopieren absieht: Wer seine CD-Sammlung einmal zu MP3-konvertiert hat, hat so viel Material, dass Dudelfunk völlig unnötig wird, wenn er Shuffle anschaltet.

Man kann das natürlich auch positiv sehen: Wenn dem Radio alle Hörer wegbrechen, die Musik oder Hörbeiträge haben wollen, und nur Lärmkonsumenten übrig bleiben, hat es eine messerscharfe Zielgruppe. ;-) Ob das reicht, um das Werbeprogramm zu tragen? Vielleicht.

Musikliebhaber und Freunde guten Hörprogramms wandern ab zu MP3, zu Internetradio, zu Podcasts und zu den wenigen guten Radiostationen, die noch existieren.

Die Internetangebote brauchen tragfähige Geschäftsmodelle. Das des iTunes Music Store scheint zu funktionieren, hat aber eine Sonderstellung. Das von last.fm scheint zu funktionieren. Das von Smoothjazz.com funktioniert. Im BBC-Artikel stecken eine Reihe von Ideen, wie Podcasts finanziert werden können.

Was kann das Radio tun? Wird Radio noch als Massenmedium funktionieren? Wird es von anderen Medien abgelöst oder werden sie parallel existieren? Und wo werden die Grenzen verlaufen?

Lesenswert auch: Das Dossier der "Zeit" vom Februar 05: "Rettet das Radio!".

Danke an Michael Tomaszewski für den Link zum BBC-Artikel.

[Nachtrag] Zu verwandtem Thema heute auch Oliver Gassner.

[30.03.05] Auch lesenswert: Die aktuelle Ausgabe der "Gegenwart" mit einem Interview mit Tim Renner (MotorFM, Potato).

Trackbacks sind Links von anderen Weblogs auf diesen Eintrag.  

Das Ende des Radios durch Podcasts wird ebenso wenig kommen wie das immer wieder herbeigerufene Ende der Zeitungen durch Weblogs - wenn die etablierten Medien aufpassen. Wer die neuen Techniken einbindet und Ernst nimme, kann sich durchaus erfolgreich halten.
Weder Blogs noch Podcasts haben - denke ich - einen nennenswerten Einfluss auf Abo- (Hörer)-Zahlen. Wenn die Radios verlieren, dann weil sie nur noch Musik spielen und das kann ein MP3-Player besser. Musikpodcasts sind dann nicht anderes als Playlists und noch lange kein Radioprogramm.
Lediglich Blogs und Podcasts, die interessante Inhalte haben (also sich nicht nur mit sich selbst beschäftigen), können in die Domänen der "alten" Medien vorstoßen. Das wird eher eine Ergänzung sein. Vielleicht aber zwingt es Radio und Print, wieder mehr Wert auf Inhalte zu legen. Das wär ja schon mal was.

Thomas Wanhoff am 28.03.05 13:18 #
 

Passend zum Thema: US-Radiosender startet "Podcasting", http://www.pressetext.at/pte.mc?pte=050329007

Nico Zorn am 29.03.05 10:10 #
 

Naja. Ist alles sehr grob vereinfacht. Sowie die Urheberrechtsschützer (GEMA, Austro Mechana, AKM, etc.) die Podcasts entdecken, wirds mal Zores geben: dann wird, wer podcasten will und anderes als eigenes Material verbreitet, Länge mal Breite dafür zahlen müssen (eigentlich müssten sie das ja jetzt schon - die ersten Prozesse lauern sicher schon irgendwo knapp ums Eck). Das können sich Privatpersonen auf Dauer nicht leisten, und wenn dann auch die Podcasts notgedrungen kommerzialisiert werden, dann ist das, was einige Podacsts jetzt so schön frisch macht, auch wieder futsch und der Spass (sowohl beim Machen wie beim Hören der Programme) hört sich auch wieder auf.

Möglicherweise werden einige Radiosender zusätzlich zu ihrem regulären Programm auch Podcasts anbietem, um auf die veränderten Musikkonsumgewohnheiten zu reagieren, aber die große Demokratisierung der tonbasierten Medien seh ich da ehrlich gesagt nicht kommen.

Von Breitenwirkung red ich jetzt mal gar nicht. Bis auch jede letzte Oma einen iPod hat, vergehen noch ein paar Jahre.

Horst Prillinger am 29.03.05 17:54 #