23. März 2005

[ Social Software ]

"Weblogs und Wikis als Wissensmanagement-Werkzeuge: Gemeinsamkeiten, Unterschiede, Einsatzmöglichkeiten". Mein Vortrag an der TU München.

Gestern habe ich an der TU München einen Vortrag "Weblogs und Wikis als Wissensmanagement-Werkzeuge: Gemeinsamkeiten, Unterschiede, Einsatzmöglichkeiten" gehalten. Ich publiziere hier meine erweiterte Mindmap dazu.

mindmap-muenchen-0503.jpg

Im Vortrag habe ich in Weblogs und Wikis eingeführt und ihre Gemeinsamkeiten und Unterschiede erläutert. Dabei habe ich nach technischen Unterschieden und Unterschieden in der Nutzung differenziert: Das war mir wichtig, weil in der aktuellen Diskussion oft "über Wikis" oder "über Weblogs" geredet wird, aber in Wirklichkeit dann oft nicht über Wikis und Weblogs an sich gesprochen wird, sondern über Wikis und Weblogs so wie sie derzeit genutzt werden.

Ein Beispiel ist dieser Artikel von Michael Pietroforte: "Sind Wikis das Gegenteil von Weblogs?". Bei vielen seiner Punkte kann man sagen: "Für die meisten Weblogs/Wikis stimmt das so, aber nicht für alle." Oder eben "für Weblogs/Wikis wie sie derzeit verbreitet sind, stimmt das, aber..."

Will man Weblogs und Wikis genau verstehen und sich damit auseinandersetzen, welche Anwendungsmöglichkeiten sie haben - und das war mein Auftrag hier - , muss man sich darüber klar werden, was in den Tools noch, abgesehen von den gängigen Nutzungsmöglichkeiten steckt bzw. was "in ihrer Natur" liegt und was ein Effekt der Nutzung ist. (Neil Postman schreibt dazu im hier kürzlich erwähnten Buch "Amusing Ourselves to Death". Er war die Inspiration, das im Vortrag so zu machen.)

(Nicht missverstehen: Ich will Pietrofortes Artikel nicht angreifen - ich finde ihn wertvoll!)

Als interessante Anwendungen (noch) abseits des Mainstream habe ich auf persönliche Wikis und auf Wikiblogs (Blokis, Blikis) hingewiesen. Zum Schluss gab es einige Thesen zu Entwicklungen im Bereich Weblogs und Wikis als Wissensmanagement-Werkzeuge, über die ich in den nächsten Tagen noch ausführlicher schreiben werde.

Bestimmt habe ich noch eine Reihe von "Bonus Links" zu Fragen aus dem Publikum vergessen - Fragen Sie einfach in den Kommentaren nach, ich reiche die dann nach.

Die Mindmap habe ich unter einer Creative Commons Lizenz lizensiert. Creative Commons-Lizenzvertrag

Herzlichen Dank für die Einladung!

Trackbacks sind Links von anderen Weblogs auf diesen Eintrag.

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Business_Model_Innovation Business¯Model¯Design: Streit um Weblogs und Wikis (25.03.05 19:18)

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Mascha's nutsBlog: Weblogs, Wikis und andere Modeerscheinungen (26.03.05 19:02)

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selbr.de: Nachlese Les Blogs (04.05.05 14:58)

 

>Nicht missverstehen: Ich will Pietrofortes Artikel nicht angreifen - ich finde ihn wertvoll!

Wenn man mit guten Argumenten darlegen kann, dass jemand eine verkehrte Position vertritt, dann soll man das ruhig tun. Und wenn jemand an prominenter Stelle unreflextierte Ansichten publiziert, dann darf es auch einmal ein Verriss sein. Eine Streitkultur mit Niveau kann der deutschen Blogosphere nur gut tun. Das Harmoniebedürfnis ist dort sehr stark ausgeprägt und Kritik wird schnell als persönlicher Angriff gewertet. Und zurückgeschossen wird dann schnell ad personam, anstatt sich der Argumentation zu stellen.

Wolfgang Sommergut am 23.03.05 19:54 #
 

Sehr geehrter Herr Roell,

überfliege ich die Mehrzahl Ihrer Beiträge in Ihrem E-Business Weblog, so bin ich doch sehr erstaunt, dass man um ein paar schlichte Publikations- und Darstellungswerkzeuge für Netzcontent so einen "Aufriss" machen kann. Natürlich läßt sich jede beliebige Entwicklung in ihrer Empire unter verschiedenen Gesichtspunkten - u.a. natürlich auch soziologisch - bewerten. Die Erfahrung mit solchen "Untersuchungen" zeigt letztlich jedoch auch, dass die jeweils Untersuchenden dazu neigen, aus einer kleinen Mücke einen tonnenschweren Elefanten zu generieren. Eine ähnliche Assoziation befällt mich regelmäßig bei der Diskussion um Weblogs und Wikis. Als ich vor etwa 7 Jahre meine bis dahin primär händisch "zusammengeflickten" Webseiten durch ein zu diesem Zeitpunkt wohl als primitiv zu bezeichnendes CMS ablöste, hat sich (für mich) ein qualitativer Schritt vollzogen, der sich wohl am besten mit der materiellen Dialektik wie folgt umschreiben läßt: Anhäufung von Quantität und Umschlagen in eine neue Qualität. Obwohl die Ära der Content Management Systeme nunmehr schon einge Zeit andauert, kann ich mich nicht daran erinnern, eine vergleichbare Hype um diese Publikationswerkzeuge erlebt zu haben. Sie erleichtern einem Contentanbeiter das Leben - nicht mehr und nicht weniger. Blogs und Wikis führen diese Tradition in einem verstärkten Maße fort und setzen dem "einsteigewilligen" Nutzer weniger technische Hürden i.F. von zu erlernenden Scriptsprachen, mystischen php.ini-Konfiguationsorgien etc. in den steinigen Weg zur virtuellen Selbstdarstellung.

Alles in allem: Die Diskussion um die Werkzeuge der Kreativität verdeckt die viel dringendere Frage nach der Qualität des eigentlichen Ouputs - eine in der heutigen Zeit gemeinhin häufiger anzutreffende Etnwicklung, die dazu führt, dass millionfach "wertloser" (weil nur dupliziert, weil nicht erkenntnisfördernd, weil trivial, weil ...) Informationen (insbesondere in Weblogs) entstehen, für deren Filterung - sei sie nur technischer oder menschlich-kognitiver Art - ein so großer Aufwand getrieben werden muss, dass das Zeitmoment für das Auffinden "werthaltiger" Informationen immer größer (und damit unökonomischer) wird.

Michael Bunzel am 23.03.05 21:10 #
 

Eine These ist, dass Quantität zwangsläufig auch mehr Qualität mit sich bringt. Werden Informationen reproduziert, kann man Schlüsse daraus ziehen (Google tut genau das). Triviales wird nicht reproduziert, stört also auch nicht weiter. Der ausschlaggebende Faktor ist nicht die Anzahl der Weblogs und Wikis, sondern die Anzahl der Links zwischen Weblogs und Wikis.

Auch habe ich den Eindruck, dass das Problem oftmals noch gar nicht darin besteht, zu viele Informationen filtern zu müssen. Das scheint nur so. Das Problem ist nach wie vor, dass viele Informationen nicht verfügbar sind. Nach werthaltigen Informationen zu fragen funktioniert nicht, wenn es noch gar keine Informationen gibt.

Thiemo Mättig am 24.03.05 01:16 #
 

@Michael Bunzel: Ich glaube, dass es von der gewählten Perspektive abhängt, ob man neue Qualitäten in Wikis und Weblogs, vielleicht auch in einigen anderen neuen online-Anwendungen (del.icio.us, flickr, ...) entdeckt oder nicht. Sieht man Wikis und Weblogs (bleiben wir mal dabei) als tools zur Veröffentlichung von Inhalten, dann ist in der Tat kein großer Unterschied zu einem html-Editor oder einem CMS von, sagen wir, 2001 zu erkennen. Wie Sie schon sagten: Vielleicht ist es jetzt noch einen Tick einfacher, etwas im Netz zu veröffentlichen, aber mehr auch nicht.
Sieht man W & W aber als tools zur Vernetzung, zur Interaktion, zur Kollaboration, dann kommt man meiner Meinung nach zu einer anderen Einschätzung: Da wachsen gerade Werkzeuge (und die an ihre Nutzung gekoppelten Praktiken, Normen, Erwartungen) heran, die neue Möglichkeiten eröffnen, mit anderen (Freunden und Bekannten wie Unbekannten) zu kommunizieren und so Konversationen (Weblogs) oder Dokumente (Wikis) gemeinsam zu produzieren.
Das Qualitätsargument ("wertloser" content) trifft in meinen Augen den Kern des Phänomens auch nicht wirklich: Natürlich sind 95% der Inhalte in Weblogs für Sie und mich und Martin Roell wertlos - aber für die 5 Leser/innen eines Blogs wie dies hier [achtung: einfach als Beispiel zufällig von der twoday-Startseite ausgewählt] besitzt es Relevanz, und das ist auch gut so. Es gibt Weblogs, die sich "an die Welt" richten, aber die allermeisten nutzen sie doch, um für ihre engeren Bezugsgruppen zu schreiben - dass vielleicht auch mal jemand völlig anderes darüber stolpert, was man so schreibt, ist dann einfach ein positiver Nebeneffekt.
Wenn ich so darüber nachdenke: Vielleicht ist das entscheidende Problem ja die Verschiebung der Grenzen zwischen Privat vs. Öffentlich. Wir sind es gewohnt, dass öffentlich gemachte Kommunikation gleichzeitig auch "relevante Kommunikation" ist (überspitzt: Was in der Zeitung steht oder in der Tagesschau kommt, hat man zur Kenntnis zu nehmen). Durch das Web taucht auf einmal Privates, Persönliches, Banales in der Öffentlichkeit auf, was aber nur eingeschränkte Relevanz für die Allgemeinheit besitzt - und plötzlich funktionieren unsere eingespielten Routinen nicht mehr.
Ok, genug in Martins Kommentar-Ecke philosophiert.. :)

JanSchmidt am 24.03.05 01:34 #
 

Ich kann es eigentlich nicht mehr hören und lesen. Mir geht das Maulen über Qualitätsdefizite auf den Senkel. Wessen Qualität nach welchen Kriterien bemessen?

Jeder Abonnent des "Goldenen Blattes" (mein Inbegriff von nutzlosem Print) hat seine Gründe das Blatt wert zu schätzen und dafür Geld auszugeben. Für diese Menschen ist die Qualität gegeben.

Es mag lästig sein, in einer Minderheit zu sein und unter all den goldenen Blättern noch ein Brandeins zu finden. Das ist aber nicht das Problem der Weblogs und Wikis. Das Problem hat jeder persönlich, der in der Situation steckt, für sich nichts brauchbares zu finden ... bzw. nur unter mühen.

Silke Schümann am 24.03.05 11:27 #
 

@Michael Bunzel: Dass mit der Zeit die Informationen nicht mehr mit einfachen Filtern und traditionellen Methoden durchsucht und gefunden werden können, war eigentlich schon immer bekannt. Die Frage nach der Qualität des Outputs darf man auch nur dann stellen, wenn eine gewisse Relevanz gegeben ist, wie es Jan Schmidt schon geschrieben hat. Und an der Verknüpfung von beiden Punkten scheitern die derzeitigen Suchtechniken einfach. Ein gutes Beispiel: Ich schreibe in meinem Blog über eine Golfrunde in Amstetten und wie die Grüns bzw. Fairways beschaffen sind. Bei Google/Yahoo/MSN sucht jetzt ein Tourist nach "Golfclub Amstetten" und findet meine Seite vor der für ihn viel wichtigeren offiziellen Webseite. Er wird jetzt meine Informationen für völlig schwachsinnig und sinnlos halten, für Mitglieder ist es aber vielleicht wichtig zu wissen, ob derzeit der Platz sehr lang oder kurz zu spielen ist. Wie würden sie jetzt den Wert von meinem Eintrag bemessen und warum ist die offizielle Webseite wichtiger? Das Problem kann man derzeit noch nicht lösen, zumindest kenne ich keinen wirkungsvollen Ansatz, der auch bei mehreren Terrabyte noch flüssig und schnell funktioniert. So, sehr weit abgeschweift darum wieder zurück: Die Frage nach der Qualität des Outputs darf man derzeit einfach noch nicht so stellen, wie sie das in ihrem Kommentar tun. Derzeit ist wichtiger wie man Output produzieren kann und die Suche nach relevanten Informationen. Und am Suchproblem arbeitet man mit Sicherheit derzeit heftig an Universitäten und in den Google Labs.

Philipp am 24.03.05 17:15 #
 

@Jan Schmidt
Ich stimme mit Ihnen überein, dass Wikis und Weblogs eine Art von Kollaboration und Konzertierung ermöglichen, die für eine Vielzahl von Menschen in der nunmehr vorliegenden Art und Weise sicher nie realisierbar erschien. Bedauerlicherweise nutzt die Mehrheit eben jener Weblog- und Wikibetreiber resp. -nutzer die eigentliche Potenz der ihnen an die Hand gegebenen Werkzeuge gar nicht - vielmehr wird eigentliche Kraft des Mediums zur plumpen Selbstdarstellung oder in sonstiger (u.U. sogar destruktiver) Weise genutzt. Schaut man sich heute bspw. die Art der Verbreitung von "Informationen" via Weblog/Wiki an, so scheint sich manch' ein Betreiber gar nicht der persönlichen Verantwortung bewußt zu sein, die ihm mit der Nutzung eben jener Medien auch obliegt. Hoaxes oder auch bewußte Falschmeldungen werden bedenkenlos weiterverbreitet - man tut alles, um im Gespräch und im Ranking zu bleiben. Eine Folgenabschätzung für die verbreiteten Informationen wird (zumindest von Privatnutzern) nur in den seltensten Fällen vorgenommen. (In diesem Zusammenhang: Schon heute rate ich den Studierenden der hiesigen Jur. Fakultät, während Ihres Studiums ihr besonderes Augenmerk auf die Ausprägung von Fähig- und Fertigkeiten auf dem Gebiet der sog. Persönlichkeitsrechtsverletzungen zu richten. Neben Rechtsverletzungen im Bereich der Geistigen Schutzrechte scheinen eben jene zukünftig eine nicht unerhebliche Einnahmequelle für unterbeschäftige Vertreter des Anwaltsstandes zu werden.)

@Silke Schünemann:
Warum immer am Plebs orientieren? Der Mensch wächst mit seinem Anspruch an sich selbst. Aber wie ich schon in meinem Ausgangsstatement versuchte anzudeuten: Das Richtmaß in unserer heutigen Gesellschaft scheint sich immer mehr dem geistlosen Konsum ohne Selbstreflektion und Kreativität anzunähern. Für derart in ihrer geistigen Potenz beschränkten Individuen scheint es tatsächlich unmöglich zu sein, für sich selbst als bindend erklärte Grundnormen, -werte und -qualitätsansprüche zu entwickeln. Alle anderen geistig mündigen Menschen sind hierzu sicher in der Lage und meistern diese Aufgabe jeden Tag auf's Neue.

Darüber hinaus: Warum habe ich immer nur das Gefühl, dass Menschen, die sich kritisch gegenüber der Weblog- und Wikihype äußern, immer aus der "Ecke" der sog. "E-Business Consultants" und "New Media Kenner" "angemacht" werden - eine Sammelsurium von Existenzen, die bei der Sichtung des Google Rankings auf Ihrer Website jeden Tag erneut einen Orgasmus bekommen - gleichgültig, für welche Inhalt eben jener steht.

Erzählen Sie mir also bitte nichts von "... auf den Senkel gehen ..."!

Michael Bunzel am 24.03.05 19:57 #
 

Herr Bunzel: Wenn Sie ein paar konkrete Beispiele hätte, wäre das interessant. Es ist ein bisschen unergiebig, allgemein darüber "ob Weblogs/Wikis jetzt neu sind oder nicht" (oder: "ob ich in unvertretbarer Weise gesagt habe, dass sie etwas Neues sind") zu diskutieren - vor allen, wenn ja genug konkretes Material vorliegt. Was stört Sie denn?

Jan Schmidt hat ja schon ein paar Dinge angerissen: Natürlich bringen Blogs und Wikis viel Neues. (Wenn Sie "die Mehrzahl meiner Beiträge" im Weblog gelesen haben, kennen Sie ja auch sicher meine Publikationen zu dem Thema. Ich glaubte eigentlich, ziemlich reflektiert damit umzugehen. Wenn Sie irgendwo ein "hypen" entdecken, würde mich interessieren, wo.) Das zu negieren oder darüber zu jammern, dass die Leute das "die eigentliche Kraft des Mediums" nicht oder nur "destruktiv" genutzt wird (ich bin völlig anderer Auffassung!) hilft nicht weiter. Aber wie gesagt: Das im luftleeren Raum zu diskutieren, macht keinen Sinn. Setzen Sie mal einen Hyperlink, bloggen Sie mal was, schicken Sie mal einen Trackback (das funktioniert, keine Sorge), dann können wir diskutieren.

Und zu ihrem "Gefühl" aus dem vorletzten Absatz: Ich bitte doch um etwas konkretere Äußerungen. Wer macht wen an? Wo? Für unkonkrete Anschuldigungen und Beleidigungen ist hier kein Platz.

Martin Röll am 25.03.05 11:36 #
 

Herr Bunzel, wir sind glaube ich gar nicht so weit voneinander entfernt, was die Einschätzung des Potenzials von Weblogs (ich lasse Wikis jetzt mal aussen vor) angeht. Allerdings bewerten wir die Folgen der dort stattfindenden Kommunikation anscheinend völlig unterschiedlich. Sie schreiben "... wird eigentliche Kraft des Mediums zur plumpen Selbstdarstellung oder in sonstiger (u.U. sogar destruktiver) Weise genutzt..." (Hervorhebung von mir) - ob ein Weblog "plump" ist oder nicht, wird durch seine Leserschaft entschieden. Ich habe keinerlei Problem mit "Heute in der Schule war nix los und jetzt hör ich Enimem"-Blogs, weil ich sie nicht lesen muss. Ich freue mich über die wachsende Zahl von Blogs, die witzig und flott über Dinge schreiben, die mal persönlich, mal von öffentlichem Interesse sind (Spreeblick) ist da ein sehr schönes Beispiel). Wie gesagt: Davon auszugehen, dass etwas von übergeordneter Relevanz ist, bloss weil es online-öffentlich ist, verkennt die Verschiebungen, die zur Zeit stattfinden.

Zu dem kulturpessimistischen Argument "Das Richtmaß in unserer heutigen Gesellschaft scheint sich immer mehr dem geistlosen Konsum ohne Selbstreflektion und Kreativität anzunähern." würde ich nur anmerken wollen, dass Weblogs ja nun gerade nicht "geistlosen Konsum ohne Selbstreflektion" darstellen, sondern in der überwiegenden Zahl der Fälle (zumindest bei denen, die über einen längeren Zeitraum geführt werden) eine aktive, schöpferisch-kreative Auseinandersetzung mit den Dingen fördern, die den Autor interessieren und über die er/sie bloggt. Da werden dann vielleicht keine sechshebigen Jamben verfasst, aber was soll's?

JanSchmidt am 25.03.05 13:15 #
 

Zu meinem ersten Kommentar möchte ich einen kurzen Nachtrag liefern, da ich heute am Vormittag ein Mail von Christian Schlögl zum darin angesprochenen Thema bekommen habe: "Im Sinne der Informationswissenschaft kann letztlich nur das einzelne Individuium entscheiden, was für ihn wirklich relevant und daher auch qualitativ hochwertig ist."

"Plumpe Selbstdarstellung" - Ich gehe einmal davon aus, dass Sie unter plumper Selbstdarstellung auch 2/3 meiner Einträge in meinem Hauptblog verstehen und damit mein Blog ihrer Ansicht nach "Mist" bzw. schlecht für die Entwicklung unserer Gesellschaft ist (um es einmal so auszudrücken). Dabei würden Sie aber auf die Zielgruppe bzw. hauptsächlich auf meine persönliche Motivation und das Ziel meines Blogs vergessen. Mein Blog hat überspitzt gesagt nur das Ziel den Leuten zu sagen: Philipp mag Apple, mag iPods und Musik. Er trinkt immer Red Bull, wenn er kann sogar 8 Dosen am Tag. Java ist seine Lieblingsprogrammiersprache und er ist ein schlecher Snookerspieler.

Mein Blog ernsthaft lesen derzeit, zumindest schätze ich das einmal, täglich vielleicht 70 völlig Fremde. Wollen die jetzt Unterhaltung oder hochqualitativen Content mit Fakten, Fakten und nochmal Fakten? Wenn ich bei Nico Lumma vorbei surfe dann will ich für 30 Sekunden ein Lächeln auf die Lippen bekommen wenn ich die kleine Frederike-Sophie herumhüpfen sehe und vielleicht daneben ein paar interessante Dinge über RSS oder sonst noch ein nicht-entertainment Topic lesen. Und wenn ich jetzt die Kommentare hier lese dann denke ich, Sie wollen diese Seite von Blogs nicht sehen sondern betrachten sie nur aus streng wissenschaftlichen Perspektive mit Content, Qualität, Informationsverbreitung und all den anderen Bereichen, die vielleicht 0,99% aller Blogs auf dieser Welt ernsthaft behandeln. Das ist mein Eindruck wenn ich hier die Kommentare lese. Und das ist meiner Meinung nach schlicht und einfach falsch.

Philipp am 25.03.05 18:31 #
 

@ Michael Bunzel

Wenn ich mir ihren Beitrag, der sich als Antwort an mich richtet, so ansehe, dann entdecke ich einige Ungereimtheiten, die zwar eine heftige Reaktion beinhalten aber für wenig Reflektion sprechen.

Es fängt damit an, dass Sie ein Problem hatten meinen Namen zu lesen. Sie hakten beim auf den "Senkel gehen" ein, das lediglich eine Beschreibung meiner Reaktion auf Ihren Beitrag ist, als eine Reflektion dessen was dort steht.

Meinen Beitrag über den Qualitätsbegriff pauschalisieren Sie mit Orientierung am Plebs. Ich orientiere mich jedoch nicht am Plebs, sondern gestatte mir und anderen eine individuelle Bemessung dessen, was sie als Qualität betrachten.

Die Reflektion dazu können Sie im Beitrag von Phillip nachlesen. Ein Blogg das man aufsucht um sich zu amüsieren und dann hochgeistig philosophische Traktate beinhaltet, für deren Verständnis man eine spezielle Sprache kennen und einen Lektürekanon abrufbereit haben sollte, ist nur für eine sehr kleine Minderheit wirklich amüsant. Damit erreicht ein solcher Beitrag nicht die geforderte Qualität für X Personen.

Und selbst wer mit dieser Form des Amüsments etwas anfangen kann, mag in dem Moment nach Seichtem dürsten. Und auch dann erfüllte ein solcher Beitrag nicht die geforderten Qualitätskriterien.

Pauchales Maulen über mangelnde Qualität, ermangelt in erster Linie eines: Kriterien für Qualität. Und das ist mindere Qualität in sich.

Silke Schümann am 26.03.05 15:51 #
 

@ Silke Schümann: Ich bitte zunächst um Entschuldigung für die offensichtliche Verkennung der Schreibweise Ihres Namens. Es hat sich insoweit wohl ein Freud'scher "Verschreiber" eingeschlichen, der im Wesentlichen darauf basierte, dass sich ein in meiner Berufsgruppe notorisch bekannter Herr Bernd Schünemann in mein Unterbewußtsein schob. Es sei mir dieser Lapsus verziehen!

Im übrigen kann ich allerdings Ihrer Replik weder in der Intention noch im Tenor folgen.

Um es noch einmal zu verdeutlichen - mein Ansatz ist folgender: Die bloße Entwicklung von Blogs ist aus meiner Sicht nicht per se geeignet, einen Qualiätssprung in der interpersonellen Kommunikation zu begründen. Vielmehr sind Blogs - und insoweit plakatieren Sie meine Ansicht durch Ihre Beispiele in besonders geeigneter Weise - wert-, zweck- und nutzneutral. Allein der Umstand, dass eine Vielzahl von privaten Ansichten via Blog in die Welt entlassen werden, vermögen keinerlei Auskunft über die Bedeutsamkeit jener zu geben.

Nun scheint es tatsächlich so, dass Sie mir vorwerfen wollten, ich spräche dem Einzelnen die "Befugnis" zur privatautonomen Qualitätseinschätzung ab. Hier haben sie meine Darstellung im wesentlichen Kern verkannt: Natürlich soll sich jeder in der ihm eigenen Art und Weise ein "Qualitätsmuster" bilden und unter Referenzierung desselbigen eine entsprechende Einschätzung von Blogs vornehmen. Ich wehre mich jedoch dagegen, dass allein aus dem massenhaften Auftreten von Blogs und den in diesem Rahmen nunmehr zur Verfügung stehenden technischen Möglichkeiten zur vernetzten Kommunikation abstrahiert auf die Bedeutsamkeit dieses Kommunikations-/Kollaborationsmittels geschlossen wird. Wir diskutieren an dieser Steller ja nicht, ob Tante Grete einen lustigen Nachmittag beim Lesen eines unter informationstheoretischen Gesichtspunkten zwar belanglosen und dennoch vor Wortwitz strahlenden Blogs hatte. Uns interessiert hier doch vielmehr der Ansatz der Medienwirksamkeit von Blogs in der gesellschaftlichen Breite. Jene zu beurteilen erfordert eine Abstrahierung und Generalisierung der Publikationswirkung von Blogs. Dabei kann man sicher keinen allumfassenden gesellschaftlichen Konsens in Hinsicht auf die Bewertung von Blogs finden. Zumindest sollte es aber möglich sein, einen gemeinsame Nenner zur Bewertung jener zu bestimmen. Dieser kleinste gemeinsame Nenner kann und soll allerdings nicht (allein) auf der Grundlage des gesellschaftlich repräsentativen Schnittes ermittelt werden, sondern sollte vielmehr auch solchen Ansprüchen genügen, die perspektivisch zumindest das Bemühen unserer Gesellschaft erkennen lassen, sich fortentwicklen zu wollen. Jenes Bemühen muss jedoch dann (zwingend) scheitern, wenn Sie das Verständnis "der großen Masse" - gemeinhin also des Plebs (als völlig wertneutral zu verstehender Begriff) - dieser Beurteilung zu Grunde legen. Schaut man sich den gegenwärtigen Zustand unserer Gesellschaft an, so ist jener ein wunderbares Beispiel für die Absenkung von individualistischen Niveauansprüchen aufgrund Massenorientierung. Hat denn das "Netz" und die darüber verfügbare Informationsbasis zu einem Qualitätssprung geführt? Sicher nicht, wenn man sich den Wissensstand unserer heutigen Jugendlichen anschaut. (@Jan: Insoweit kann ich auch Ihrem Argument nicht folgend, dass in der bloßen Beschäftigung mit dem Medium und dem technischem Vorgang der Publikation an sich schon ein kreatives Element zu erblicken ist - mit der gleichen Argumentation könnte man einen Jugendlichen, der das T9-System zur Abfassung von SMS-Nachrichten auf Mobiltelefonen "erlernt" hat, als kreativ bezeichnen, obwohl er ansonsten jeder anderen Gattung innerhalb der Übergattung der Hominiden näher steht als der des homo sapiens.)

Es mag zwar schwer sein, einen ensprechenden Maßstab für Qualität zu finden und noch schwerer, diesen Maßstab zu etablieren. Aber erst mit dessen Hilfe läßt sich die derzeitige Entwicklung der Kommunikationsform "Blog" beurteilen. Das kurzfristige Aufspringen auf den Zug "Bloggen ist toll und kann in seiner Breite qualitativ nicht bewertet werden" zeugt letztlich nur von einem unreflektierten Umgang mit dem Medium an sich und läßt darüber hinaus auch erkennen, dass der/dem Betreffenden jegliches Gefühl von gesellschaftlicher Verantwortlichkeit für die Nutzung jenes Mediums fehlt. Auch Heisenberg und Hahn hatten keine Probleme damit, diejenige Menge von spaltbaren Material auf engem Raum anzuordnen, die eine sog. kritische Masse ergab. Das daraus dann eine Atombombe wurde, lag natürlich nicht in ihrer Intention. (Wobei man Naturwissenschaftlern gemeinhin ja immer den Bonus der Wertneutralität ihres Wirkens zugesteht. Bei Kommunikationswissenschaftlern und Soziologen sieht das allerdings ganz anders aus :-) )

Insoweit scheint mir i.E. das Hinterfragen der Qualität von Bloginhalten mehrfach sinnhafter zu sein als das völlig unreflektierte "Opfern" der Entwicklung "Blog" auf dem Altar des "E-Business" nach dem Motto - "Sch... drauf - Hauptsache es wirft was ab!"

Michael Bunzel am 26.03.05 18:50 #
 

Wir sind uns in der Tat einig, dass das Weblog per se nur ein Werkzeug ist. So wie der Buchdruck per se nur ein Instrument war kostengünstig Druckwerke zu erzeugen.

Grundsätzlich lässt sich mit dem Werkzeug vieles anstellen, das in der Regel erst einmal nur die Gemeinsamkeit, des Textes in Sprachraum und intensionalisierten Ansprache entsprechend verfassten Sprache.

Ich bin allerdings der Meinung, dass der Buchdruck damals, die damit verbundene bezahlbare Schulpflicht, das Telefon viel viel später und heute das Internet gesellschaftliche Veränderungen herbeiführten und führen werden.

Ich bin nicht der Ansicht, dass es dafür eine breite Masse braucht, die über einen individualistischen Anspruch Sprachhochkultur und Kommunikationshochkultur pflegt. Ich wage sogar die These, dass die kryptischen SMS-Kürzel und Chatauswüchse bei späteren Generationen ihren Sprachniederschlag haben wird. So wie meine Generation so manches aus der Comicwelt übernahm.

Diese Sprachveränderungen stehen meines Erachtens nur bedingt mit den größeren gesellschaftlichen Veränderungen in direktem kausalen Zusammenhang. Auch wenn Gesellschaftssystem/-prägung und Sprache nachweislich Wechselwirkungen haben.

Statt auf den Plebs zu starren, erachte ich es als sinnvoller und spannender, die Elite/Highlights zu betrachten und deren Auswirkungen/Wirkkreise.

Das Telefon verband auf dem schnellen Weg. Doch außer der Festigung sozialen Bindungen über weite Entfernung spreche ich dem Telefon weitere Wirkungen ab. Es ist gesprochenes Wort.

Das Weblog bleibt erhalten und dokumentiert/manifestiert im Netz gedanken.
The Importance of Being Permanent geben dem Werkzeug eine besondere Qualität. Neben dem Inhalt archiviert es auch Beziehungen (Links Links Links / Trackbacks ... Kommentare)

Bislang litten nur Prominente darunter, dass einmal vor der Presse geäußerte Ansichten einem noch nach Jahren üm die Ohren fliegen können. Nun trifft dies fast jeden. Den Umgang mit dieser neunen Qualität des Wortes müssen wir noch erlernen.

Lange Zeit galt: "Ach com gezz, alles nur Internetz."

Auch hier hat das Weblog bereits Wirkung gezeigt. Durch die Dauerhaftigkeit und die Abgabe der Referenzen von A zu B zu C entsteht eine Reputation. Die Publikation verliert seine Beliebigkeit.

Um zurück zum Wiki zu kommen, denn ich erachte es als nicht fair es gerade in diesem Beitragsstrang auszuklammern, so beinhaltet das Wiki die Notwendigkeit bei allem Dissenz der unterschiedlichen Autoren sich auf eine Version eingen zu müssen oder aber vor der Meinung des anderen die Waffen zustrecken.

Dieser Zwang zum Konsens — zu einer gemeinschaftlich getragenen Publikation — bei aller Uneinigkeit, die man im Detail oder im Ganze austrägt, schafft das einen neuen und anderen Umgang miteinander.

Ich erkenne darin ein gemeinsames Schleifen und Formen und die Fokusierung auf das Wesentliche. Dies mag nicht immer gelingen. Dies mag von mir aus sogar in seltenen Fällen gelingen. Aber das ringen darum wird jeden Tag von neuem angelegt.

Ich sehe darin ein Training zur generellen Veränderung der Grundhaltung.

Da Wiki nicht die einzige Publikationsform ist, bleibt der egozentrische (-manische) Stil, der meiner einzigen Wahrheit und Wahrhaftigkeit verpflichtet Äußerung erhalten und lebt neben der Publikation, die in sich sich jeden Tag neu schreibt.

Im Internet stehen aktuell vier sehr wesentliche Kommunikationsprinzipien nebeneinander, die das Miteinander prägen. Sie ergeben sich aus den Werkzeugen:
Homepage = 1 Autor ohne erkennbare Auseinandersetzung mit der Umwelt

Weblog mit Kommentar = 1 Autor Auseinandersetzung mit den Gedanken anderer, die sich zum Beitrag äußern

Forum n Autoren erkennbar und stark dem Dialog/Kollog verhaftet

Wiki n Autoren weniger erkennbar und das _das_ eine wahrhaftige Kommuniqué anstrebt und nie erreicht.

Es sind Werkzeuge, die unsere Variabilität der Versammlungsformen erweitern und damit die Art wie wir mit einander kommunizieren langfristig verändern. Dies ist meine feste Überzeugung.

Silke Schümann am 26.03.05 21:08 #
 

Eine interessante Diskussion! Herr Bunzel, drei Anmerkungen noch von meiner Seite.

1) Sie schrieben, wenn ich sie richtig verstehe, neben individuellen Qualitätsmerkmalen sei auch ein Maßstab zur Bewertung der gesellschaftlichen Folgen von Blogs nötig, um sozusagen die "globale Qualität" der Weblogs beurteilen zu können - damit bin ich prinzipiell einverstanden. Allerdings wird mir nicht ganz klar, wie ihrer Meinung nach ein solcher Maßstab aussehen könnte (vielleicht wollen Sie dazu nochmal antworten?). Einen Anhaltspunkt liefern sie, denn der Maßstab oder kleinste gemeinsame Nenner "sollte vielmehr auch solchen Ansprüchen genügen, die perspektivisch zumindest das Bemühen unserer Gesellschaft erkennen lassen, sich fortentwicklen zu wollen".
Die zwingende Anschlußfrage ist: Wohin bzw. in welche Richtung fortentwickeln? Zunächst könnte man natürlich argumentieren: "Wandel an sich ist schon Entwicklung" - damit machte man es sich einfach, denn allein die Tatsache, dass es Weblogs (oder irgendeine andere Kommunikationstechnologie) gibt und diese zu veränderten Kommunikationsstrukturen führen, wäre schon Beleg für Fortentwicklung. Ich vermute, dass sie das nicht unterschreiben würden.
Also brauchen wir Werte, an denen Weblogs und ihr Wirken gemessen werden können - aber was können diese Werte sein? Weblogs geben jedem eine Stimme, sie stellen einem zunehmend monopolisierten und vorrangig von ökonomischem Interesse geprägten (Massen)Mediensystem etwas entgegen, weil sie Vielfalt und alternative Perspektiven bieten - Sind Weblogs bzw. die mit Weblogs verbundenen Praktiken dadurch nicht sehr viel wertvoller als andere Medien?

2) Zu einer Bemerkung zu meinem Kommentar: "Insoweit kann ich auch Ihrem Argument nicht folgend, dass in der bloßen Beschäftigung mit dem Medium und dem technischem Vorgang der Publikation an sich schon ein kreatives Element zu erblicken ist - mit der gleichen Argumentation könnte man einen Jugendlichen, der das T9-System zur Abfassung von SMS-Nachrichten auf Mobiltelefonen "erlernt" hat, als kreativ bezeichnen, obwohl er ansonsten jeder anderen Gattung innerhalb der Übergattung der Hominiden näher steht als der des homo sapiens.
Ihre kulturkritische Spitze lasse ich mal beiseite (aber sie haben keine sonderlich hohe Meinung von der heutigen Jugend, was? :-)): Das T9-System zu beherrschen, ist nicht kreativ. Aber das, was man mit dem T9-System (und den 160 verfügbaren Zeichen und den Bildern des Fotohandies macht) macht, halte ich für kreativ: Dort entwickeln Mediennutzer neue Sprachstile und -konventionen, entwickeln Praktiken, ein neues Medium in den Alltag einzubinden. Das ist in hohem Maße kreativ. Allerdings ist dies ein Kreativitätsverständnis, das den klassischen Kunstbegriff erweitert und das Schöpferische eben auch in der alltäglichen sozialen Praxis sieht.

3) "(Wobei man Naturwissenschaftlern gemeinhin ja immer den Bonus der Wertneutralität ihres Wirkens zugesteht. Bei Kommunikationswissenschaftlern und Soziologen sieht das allerdings ganz anders aus :-)" Oh, auch die Naturwissenschaftler sind ganz und gar nicht wertneutral - mindestens schon, weil natürlich Vorstellungen von "echter bzw. gültiger Wissenschaft" in sich Wertunterscheidungen darstellen. Ich glaube allerdings, dass Sozialwissenschaftler eher bereit sind, das unhintergehbare Moment von Subjektivität in ihrem eigenen Tun anzuerkennen und zu reflektieren.

JanSchmidt am 27.03.05 22:31 #
 

@Jan Schmidt

Sorry - ich wurde ein 'wenig' durch meine berufliche Beschäftigung vereinnahmt und bin aus diesem Grunde bisher noch nicht dazu gekommen, Ihnen zu antworten. Ich melde mich morgen nochmals bzgl. Ihrer Anmerkungen/Fragen.

Michael Bunzel am 29.03.05 14:10 #