21. März 2005

[ Management , Software , Wissensmanagement ]

Einfachheit ist kein Motivationsfaktor.

testticker.de veröffentlicht einen "IT Week"-Artikel (den ich bei der IT-Week allerdings nicht finden konnte): "Wikis lösen klassische Knowledge-Management-Systeme ab".

Offenbar von der Begeisterung über Wikis übermotiviert, schreibt der namenlose Autor wild drauflos und baut sich eine Argumentationslinie voller Fehleinschätzungen.

[Update 23.03.05] Der Artikel ist jetzt ein "Artikel aus IT im Unternehmen Ausgabe 14/03/2005" (und nicht mehr als "IT Week"-Artikel gekennzeichnet) und hat eine Autorenangabe bekommen. Er ist von Michael Pietroforte.

Er schreibt:

Das Erstaunliche am Erfolg der Online-Enzyklopädie Wikipedia ist für mich, wie viele Menschen bereit sind, ohne jegliche finanzielle Entlohnung ihr Wissen zu teilen. Die Vermutung liegt nahe, dass die Motivation der Hobby-Enzyklopädisten etwas mit dem Wiki-Prinzip als solchem zu tun hat.

Hierauf baut das erste falsche Argument auf: "Wikis sind einfach und das motiviert die Leute, mitzumachen." (In den Worten des Autors: Dieser unkomplizierte Charakter ist sicher ein wesentlicher Motivations-Faktor.)

Richtig wäre gewesen: "Wikis sind einfach und das ermöglicht den Leuten, mitzumachen." (Der unkomplizierte Charakter ist ein Hygienefaktor.)

Munter geht es weiter:

Noch wichtiger dürfte jedoch die Tatsache sein, dass Wikis die Bildung des Teamgeistes fördern. (...) Wichtig in Bezug auf die Motivation ist hierbei, dass jeder noch so kleine Beitrag vom Team wahrgenommen wird.

Welche Vorstellung von "Motivation" der Autor hat, wird deutlich, wenn man weiterliest:

Eine komplette Liste aller geänderten Beiträge, beziehungsweise der Änderungen an einem bestimmten Beitrag, zeigt dem Team, aber auch der Unternehmensleitung, wer die engagiertesten Mitarbeiter sind.

Der Autor behauptet dann, dass durch die Interaktion zwischen den Kollegen so eine Art Wettstreit entsteht, in der jeder versucht, den anderen mit noch detaillierteren Informationen zu übertrumpfen. Das mag in der Wikipedia manchmal zutreffen, aber in Unternehmen? Haben Mitarbeiter nicht andere Probleme, als immer "noch detaillierteren Informationen" zu wikifizieren? Was sagt denn der Chef dazu, wenn alle in einen Wiki-Wettstreit aufbrechen, anstatt die eigentliche Arbeit zu machen?

Der Artikel stellt dann einige Wiki-Engines vor und schließt sehr viel maßvoller, als er sich im Titel anlässt. Einen Beweis für die aufgestellte Behauptung bleibt er schuldig.

"Einfachheit" ist kein Motivationsfaktor!

Kein Mensch benutzt eine Software, weil sie einfach ist! Menschen benutzen Software, weil sie Dinge erledigen wollen, ein Ziel erreichen wollen oder weil es Spaß macht. Sie benutzen eine Software manchmal nicht, wenn sie nicht einfach ist. Aber der Umkehrschluss funktioniert nicht.

Wikipedia ist nicht erfolgreich, weil sie einfach zu bedienen ist, sondern weil sie ein tolles Projekt ist, an dem viele gerne mitarbeiten wollen. Damit das geht, muss sie relativ einfach zu bedienen sein. Das ist aber eben nur ein Hygiene- und kein Erfolgsfaktor.

Nur einen Wiki aufzusetzen und zu hoffen, dass die Mitarbeiter dann wild loswikifizieren und das Wissen aus ihren Köpfen in das Intranet transferieren, wie es sich der Autor des Artikels wünscht (worüber ich mich gleich wieder aufregen könnte), hilft überhaupt nichts. Es braucht mindestens

  • Einen guten Grund, d.h. eine Aufgabe, ein Ziel, ein Problem, das zu lösen ist und
  • eine förderliche Umgebung

damit ein Wiki in einem Unternehmen funktionieren kann. Oder der die Editiervorgänge zählende Chef da wirklich motivierend wirkt, sei mal dahingestellt...

Wikis sind toll und nützlich und werden in Unternehmen breite Verwendung finden, aber nicht aus den Gründen die die Artikel angibt. Sie verbreiten sich, weil sie eine Lösung für ein Problem sind: das Problem, flexibel kollaborativ an Texten zu arbeiten. Dass sie einfach zu bedienen sind, hilft ihnen dabei.

Nur weil sie einfach sind, fängt kein Mitarbeiter an, wild loszuwikifizieren. Zum Glück! Denn das würde niemandem etwas nützen.

[28.03.05] Siehe auch: Knowledge Management war gestern - heute machen Wikis allseelig - FUTURELAB FUTURETALK

Trackbacks sind Links von anderen Weblogs auf diesen Eintrag.

Vor ein paar Tagen ist ein Beitrag von mir über den Einsatz von Wikis im Unternehmen bei vnu.net erschienen. Martin Röll, ein unbekannter Berater aus Dresden, hat den Artikel gelesen, scheinbar aber nicht so recht verstanden und dann in seinem Weblog w...

Michael Pietroforte: Wikis im Unternehmen, Einfachheit und Consultants (22.03.05 20:14)

Während die Web Seiten unseres Intranets langsam auf Basis eines Content Management Systems wachsen (wir setzen inzwischen auf Typo3, aber das Thema Portal und Dokumentenmanagement ist noch offen) haben wir in der F+E schon eine Weile Wikis im Betrieb.

IT Blog: Intranets II - Wikis (23.03.05 01:46)

Bei Belohnung denken wir an die Gratifikation, an das Bonbo'le, die Spielstunde, etc. Belohnung ist auch das gute Gefühl. Egal wie die Belohnung aussieht, das gute Gefühl gehört dazu. Das gute Gefühl stellt sich ein, wenn unsere Bedürfnisse befried...

A2O — Business pur: Belohnungssysteme und ihre Eigendynamik (23.03.05 16:22)

Wenn man schon über Knowledge Management System versus Wiki diskutieren will, dann bitteschön nicht mit diffusen Begrifflichkeiten. Da rufen die Deutschen an allen Ecken nach Innovationen, dennoch tun sie sich schwer, mögliche Innovationen zu erörte...

Zukunft: Immer diese Stellungskriege (27.03.05 23:05)

Wikis sind spätestens mit der Wikipedia als einfach zu bedienendes Werkzeug zur Dokumentation im Web bekannt geworden. Indem sie den bürokratischen Aufwand auf ein Minimum reduzieren, ermöglichen sie es der Autorin, sich voll auf den Inhalt ihres Dokument

Home of Geewiz: "History Flow Visualization" für Wikis (28.03.05 12:44)

Zwei bekannte Rechtsanwälte und Blogger haben kürzlich über die Verwendung von internen Wikis und Blogs in Kanzleien diskutiert. Ron Friedmann sieht vor allem Wikis auf dem Vormarsch (2005 Trends in Knowledge Management) während Bruce MacEwen Vorteile

FUTURELAB FUTURETALK: Wikis in der Rechtsanwaltskanzlei (10.09.05 12:30)

 

Hallo Herr Röll,

dem zweiten Teil der Analyse ("nur ein Wiki in einem Unternehmen aufsetzen, und schon flutschts" ist Unsinn), kann ich aus vollem Herzen beipflichten.

Bezüglich des ersten Teils hat der unbekannte Autor aber in meinen Augen einen Volltreffer gelandet: Für die meisten heutigen Wikipedianer ist die Einfachheit in der Tat Motivationsfaktor, nicht Hygienefaktor, wie Sie glauben: Die meisten Leute editieren meiner Meinung nach heute deswegen in der Wikipedia, *weil* es so schön einfach ist, und weil sie sich dadurch eine Selbstbestätigung holen können, die sie sonst nicht kriegen: Sie können sich einreden, jemand interessiere sich für ihr kurioses Hobby, Heimatkaff, ihre Lieblingspornohelden etc, kurz: für sie. Und zwar deshalb, weil das, was sie über die jeweiligen Themen von sich geben, mit wenig Mühe auf einmal im Internet steht und diesen Inhalten auch noch das Label "Enzyklopädie", sprich: "superwichtig" angeklebt wird. *Nutzen* tun sie die Software nicht, jedenfalls nicht dazu, wozu sie da ist (dem Schreiben einer Enzyklopädie). Sie schreiben keine Inhalte, sie basteln
ihr eigenes, inhaltsleer verrauschtes Web mit bunten Listen, bunten Navigationsleisten und bunten Links. Weil es so schön einfach ist. Ein
klassischer Motivationsfaktor.

Für ein Wiki in einem Unternehmen kann aber in der Tat das Gegenteil (die Einfachheit der Software ist ein Hygienefaktor) gelten. Grundsätzlich sollte man nämlich nicht (wie der unbekannte Autor) den Fehler machen, offene Wikis wie die Wikipedia und geschlossene Wikis in Unternehmen gleich zu setzen. Die Wikipedia funktioniert nach Mechanismen, die bei einem Wiki in einem Unternehmen nie wirken können - und bei einem Wiki in einem Unternehmen werden zwangsläufig Mechanismen wirken, die in der Wikipedia absolut nicht greifen: Ein Unternehmen hat beispielsweise einen Chef, den man kaum als Untergebener mit Wiki-Unterschrift darauf hinweist, dass seine Entscheidung Soundso aus diesem oder jenem Grund völlig schwachsinnig ist. Solche Aussagen über die Bundesregierung (oder Opposition), die religöse/atheistische Bewegung etc. (ergänzen Sie sonstige kontroverse Themen) finden sich in der Wikipedia zu Hauf - eine ausgeprägte Diskussionskultur gehört wesentlich zur Wikipedia, in einem Unternehmenswiki wird die ziemlich zurückgedrängt.

mit freundlichen Grüßen
U. Fuchs

UIrich Fuchs am 21.03.05 21:48 #
 

Meiner Ansicht kommt es darauf an, wer in dem Unternehmen ein Wiki aufsetzt. Mittlerweile kenne ich etliche Aussagen von Mitarbeitern in Unternehmen, dass durch das selbstaufsetzte Wiki plötzlich ein Wikipedia fürs Unternehmen möglich geworden ist, weil die IT nur geschlossene Systeme aufsetzen wollte oder konnte.
Wenn versucht wird eine Wiki von ober herab aufzusetzen, dass ist mit ganz anderen Widerständen zu rechnen, als wenn eine Wiki von den Mitarbeitern sozusagen als Notlösung aufgesetzt und vorallem genutzt wird.

Siegfried Hirsch am 21.03.05 23:12 #
 

Absolut! Dort gibt es eben einen Bedarf nach Informationsaustausch, der durch bestehende Tools nicht erfüllt wird. Der Wiki wird dort genutzt, um auf eine Weise zu kommunizieren, die vorher nicht möglich war - dass es einfach ist, ist nur eine Nebenbedingung.

Martin Röll am 21.03.05 23:24 #
 

Trackbacks funktionieren hier scheinbar nicht. Deshalb hier der Link auf meinen Beitrag, in dem ich auf die Kritik an meinem Artikel bei VNU reagiere.

Michael Pietroforte am 22.03.05 20:24 #
 

@Michael Pietroforte:
Trackbacks scheinen hier prima zu funktionieren! Aber manchmal muss man wohl ein wenig Geduld mitbringen. Aber wenn man halt gerade in Rage ist, dann es leicht passieren, dass man einen Trackback ohne weiteres bis zu 4 mal setzt ;-)

In der Erwiderung sprechen Sie davon, dass Wikis ohne Coach funktionieren können. Ja, das mag vielleicht auch technikaffine User zutreffen, wie Sie und mich oder den grossen Unbekannten ;-)

Aber die meisten Menschen in einen Betrieb haben da erst mal grössten Bammel davor in einem Wiki etwas einzutragen, weil es total unstrukturiert ist. Ward Cunningham ist Programmierer und denen kommt ein Wiki wirklich sehr entgegen. Aber versuchen Sie mal einem normalen User ohne eine Einführung auf ein Wiki loszulassen, wenn dort keine Struktur vorgegeben wird.

Martin hat sicherlich schon mehr Wikis aufgesetzt und genutzt und mit vielen Menschen darüber gesprochen und weiss wohl sehr genau auf was es ankommt, wenn man versucht mit einem Wiki in einem Unternehmen eine Lösung aufzusetzen.
Natürlich sind Wiki's toll und ich schwärme auch dafür. Aber dafür ist die Wikipedia nicht das beste Beispiel, weil dort Wiki-Profis am Werk sind, die das Ganze am Leben und am Laufen halten.

Aber probieren Sie es doch selber mal in einer Redaktion und setzen und Wiki auf und erzählen mal nach 4 Wochen, was dort alles passiert ist - aber bitte ohne eine Schulung zu machen und nur mit Hinweisen auf die Wikipedia. Da kann ich nur viel Glück wünschen.

Siegfried Hirsch am 22.03.05 23:12 #
 

Auch wenn ich es leider noch nicht beweisen kann, es heißt "das Wiki", nicht "der" oder gar "die" ;-)

Kurt Jansson am 23.03.05 02:33 #
 

@Siegfried Hirsch
In Rage war ich eigentlich nicht. Allerdings hatte gestern meine körpereigene Betriebstemperatur infektionsbedingt den vorgeschriebenen Richtwert von 37,5 um ein bis zwei Grad überschritten. Vielleicht fehlte deshalb die Geduld. In jedem Fall hat mein Movable Type (Version 3.15) beim Absenden der Trackbacks irgendwas von HTTP-Fehlern gefaselt. Da es das sonst nicht macht, bin ich davon ausgegangen, dass etwas schief gegangen ist.

Was die Wikipedia angeht, muss ich widersprechen. Natürlich gibt es dort eine Menge Freiwilliger, die sich sehr bemühen, das Chaos in Grenzen zu halten. Das ist aber aufgrund der Größe des Projekts notwendig. Dafür braucht es dann aber eigentlich keine „Wiki-Profis“, sondern eher Leute, die sich darum kümmern, dass der Unsinn weggeräumt wird. Ich habe bereits selbst ein Wiki im Intranet aufgesetzt und eine ganze Reihe von Berichten über Wiki-Projekte in Unternehmen gelesen. Dass man dafür einen Berater bräuchte, wurde dort jedenfalls nie erwähnt.

Eine Einführung in das Wiki-Prinzip ist sicher notwendig, bevor man die Anwender loslegen lässt. Allerdings ist auch dafür kein Wiki-Profi notwendig, denn so kompliziert ist das nun wirklich nicht. Die Vorgabe einer Struktur widerspricht dann eher dem Wiki-Prinzip. Das soll sich das Team ja selbst erarbeiten. Sonst kann man auch gleich ein klassisches Knowledge-Management-System einführen.

Michael Pietroforte am 23.03.05 08:11 #
 

Bei den Trackbacks bin ich (bzw. ist mein MT) schuld. MT baut im Moment wohl aus Lastgründen die Seiten zu langsam neu auf, dabei werden Trackbacks dann manchmal nicht direkt angezeigt. Pardon!

@Siegfried: Bitte anderen Autoren und Kommentatoren hier nicht "Rage" oder sonstwas unterstellen. Ich mag die persönlichen Angriffe nicht, auch nicht wenn sie harmlos, nett und mit Smiley geschrieben sind.

Ob man jetzt einen Berater braucht oder nicht, um einen (hm... "ein"? Ich sag immer "der" Wiki. Aber wenn mir einer einen guten Grund nennt, das zu ändern, denk ich gerne nochmal drüber nach...) Wiki einzuführen... Himmel, in manchen Unternehmen wird's zumindest förderlich sein. Aber darum ging's mir gar nicht und dazu steht auch gar nichts in meinem Eintrag.

Martin Röll am 23.03.05 12:21 #
 

Von dem Stil der Auseinandersetzung her bin ich mir nicht sicher ob der Hygienebegriff hier bekannt ist und Martins Kritik verstanden wurde.

Nimmt man das Kontrastpaar

Motivation und Demotivation, dann ist Einfachheit ein Motivator auch wenn er für sich genommen nicht funktioniert. Das ist aber nun ein Problem zwischen Fachsprache und Allgemeinsprache.

Ich glaube nicht, dass

Herzberg's Motivation-Hygiene Theory
(Two Factor Theory)

Ich glaube nicht, dass dieser populistische Artikel Wikis lösen klassische Knowledge-Management-Systeme ab je behaupten wollte, dass Einfachheit als Motivation zu Installation genommen werden kann. Der Beitrag geht von der Grundannahme aus, dass Information - Wissen - Information-Kreislauf grundsätzlich gewünscht, gefordert und angenommen wird und allgemein von der Belegschaft positiv aufgenommen werden kann.

Ist Aktivität und die schiere Detailbesessenheit "Me-Too"-was-sagen-kann als Erfolgsergebnis belohnt, kommt es in der Tat zu einem Intranet-Wiki-Editier-Wettstreit.

Und betrachtet man sich die Kommentare hier zum Beitrag und die Reaktion auf CyDome, der mich überhaupt erst dazubrachte den Beitrag nicht nur zu überfliegen sondern zu lesen, verstehen und hier mich mit den Kommentare zu befassen, dann kann man die Qualität eines Wikis erahnen, in der jeder jeden editieren darf und Fachjargon auf Populärterminologie kracht.

Nimmt man den zweiten Absatz von Herrn Fuchs, dann steckt er voller Vorurteile und beweist zudem im Beitrag, dass er den Begriff Motivationshygiene nach Herzberg nicht verstanden hat.

Motivation zur Beteiligung, so die Unterstellung ist die Befriedigung eines ausgehungerten Geltungsbedürfnisses und einer übersteigerten Ruhmsucht. Die Gesellschaft die am RTL-Big-Brother/Talkshow-Syndrom erkrankt ist und in der Wiki nur ein weiteres Ventil gefunden hat.

Offensichtlich hat Herr Fuchs eine andere Wahrnehmung als ich.

Dass Wikipedianer dieses Ventil nutzen können, ermöglicht die Einfachheit und erzeugt ergo keinen Frust, es muss nicht geschult werden, nicht gepimpert werden, um den gemeinen Wikipaedianer zum Artikelschreiben zu motivieren.

Ich finde der Beitrag von Michael Pietroforte zeigt sehr schön, warum es unbedingt einen Berater braucht und Schulung. Das Thema ist nicht "Wie bediene ich ein Wiki".

Das Thema heißt wie baue ich das Wiki, dass Fachjargon und Populärsprache nicht immer wieder zu Missverständnissen und Frust führt.

Ich hatte/habe und werde an jedem Arbeitsplatz für meine Vertretungen/Chefs/Auftraggeber Quellen- und Verfahrenshinweise hinterlassen. Je mehr ich motiviert bin, dass das Ziel erreicht wird, desto mehr Mühe gebe ich mir, dass ich mich als Person herausnehme und das Ziel in den Vordergrund stelle.

Im Bereich Softskill ist das eine Führungsaufgabe, die nicht selten im Management defizitär ist. Das Problem ist das Stuhlsägen und der Personenkult in Unternehmen, bei dem Manager Mitarbeiter als Schafe betrachten, die man treiben muss und man sich selbst als Leithammel, Hütehund sowie Wolf im Schafspelz betrachet.

Silke Schümann am 23.03.05 14:42 #
 

Michael Pietroforte schrieb:

Eine Einführung in das Wiki-Prinzip ist sicher notwendig, bevor man die Anwender loslegen lässt. Allerdings ist auch dafür kein Wiki-Profi notwendig, denn so kompliziert ist das nun wirklich nicht.

Meine Erfahrung ist eine andere. Der technische Vorgang, eine Wiki-Seite zu erstellen bzw. zu ändern, ist zwar schnell zu erlernen. Die Art und Weise wie die Inhalte aussehen sollten, damit ein Wiki funktioniert, ist hingegen alles andere als trivial - zumindest für Nicht-Geeks.

Wenn Du einen Haufen Normalos ohne fachlichen Beistand vor ein leeres Wiki setzt, endet das nicht selten in einem Drama:
* zu viele Infos in einem Artikel
* schlechte Artikelnamen
* verwaiste/Sackgassen-Artikel
* Schreibstil, der nicht zum Ergänzen von bestehenden Artikel einlädt
* kaum jemand traut sich, "fremde" Texte zu ändern
Das Ergebnis ist ein Möchtegern-Wiki, das in Wirklichkeit nur eine Sammlung mäßig verlinkter Artikel ist.

Die Frage, ob und wie man das verhindern kann, hängt auch sehr stark von der Art des Wissens ab, das gesammelt werden soll. Insofern kann eine Beratung sicher nicht schaden. Übrigens nicht nur vor Beginn des Projektes: Im Optimalfall begleitet ein Wiki-Profi das System, bis die Teilnehmer das Prinzip *wirklich* verstanden haben.

Arne Klempert am 24.03.05 23:16 #
 

@Arne Klempert
Das mag schon sein, dass viele Leute hierzulande in Bezug auf die genannten Dinge fachlichen Beistand benötigen. Allerdings wäre das kein Wiki-Profi, sondern eher ein Deutschlehrer. Die Dinge, die das Wiki-Prinzip selbst betreffen (die Texte anderer ändern, möglichst viel verlinken etc.), erklärt man den Leuten in 30 Minuten. Wenn sie es dann trotzdem nicht machen, dann nicht, weil sie es nicht verstanden haben, sondern weil sie *wirklich* keine Lust dazu haben.

Michael Pietroforte am 25.03.05 07:51 #
 

Nach 10 Jahren "Dokument"-Kultur (lineare Dokumente, 1 Autor, Kollegen annotieren) Leute in 30 Minuten zu Wiki-Kultur (Hypertext, viele Autoren, Kollegen ändern direkt) zu bringen zu wollen, halte ich für verrückt; ihnen, wenn sie ihre Art zu Schreiben nicht sofort ändern, Unlust zu unterstellen, für feige. Für "uns" mag die Art, in Wikis zu arbeiten, einfach sein. Für andere ist sie das gar nicht.

Martin Röll am 25.03.05 11:20 #
 

Michael Pietroforte,

Die oben geschilderten Erfahrungen resultieren unter anderem aus einem Wiki, in dem gleich zwei Verleger mitgearbeitet haben, die beide über langjährige Erfahrungen als Lektor und Autor verfügen und denen man nun wirklich keine Probleme mit der deutschen Sprache unterstellen kann. Ebensowenig ist Dein Argument "keine Lust" hier gültig. Es mangelte weder an Motiviation noch an Inhalten. Das allein reicht aber nicht, damit ein Wiki funktioniert.

Noch was aus dem Nähkästchen: Auch Wiki-Profis können bei bestimmten Arten von Wissen so ihre Probleme bekommen: Selbst das interne Wiki von Wikimedia Deutschland e.V. (eine höhere Dichte von Wiki-Profis wird man wohl kaum finden) hatte einige Anlaufschwierigkeiten. Es hat viele Wochen gedauert, bis die Teilnehmer das vermeintlich ausreichend vorhandene Know-how auf die anders gelagerten Inhalte transformiert hatten - Mängel gibt es auch nach fast einen Jahr noch. Eine weniger wiki-affine Truppe hätte sicher deutlich länger gebraucht oder es vielleicht sogar ganz aufgegeben.

Arne Klempert am 25.03.05 13:25 #
 

Die Diskussion wird aufgeheizt weil so oft die soziologischen Implikationen des Gebrauchs bestimmter Werkzeuge übergangen und an dessen Stelle die Gebrauchsqualitäten der Werkzeuge selbst gesetzt werden. Es sollte der Ausgangspunkt für alle folgenden Diskussionen werden, die technologische Determinierung nicht so hoch zu bewerten und die Formate und Praktiken nicht zu Zweck der Sache werden zu lassen. Die Schnittmenge von "Motiv" vs. "Motivation" wäre ein guter Startpunkt?

Oliver Wrede am 27.03.05 15:08 #
 

Herzlichen Dank Oliver! Darum ging's mir auch bei meinem Vortrag in München, zu dessen Weblogeintrag auch gerade intensiv diskutiert wird. Ich hätte es hier nicht so schön auf den Punkt bringen können, wie Du es gerade getan hast.

Martin Röll am 27.03.05 15:19 #