20. März 2005

[ Telekommunikation , Trends ]

Skype vs. Festznetztelefonie

Skype ist eins der besten Voice-over-IP-Systeme für Computer (vulgo: "Telefonieren mit dem Computer", "Sprachkonferenz"), die zur Zeit auf dem Markt sind.

Normalerweise "telefoniert" man von Skype zu Skype: Beide Teilnehmer sitzen am Computer und verwenden Skype, um miteinander zu kommunizieren. Es gibt Sprachübertragung - die Hauptanwendungen - dazu Chat und Dateiübertragung. Seit einer Weile sind auch Konferenzen mit mehr als zwei Personen möglich.

Schön länger gibt es dazu SkypeOut. Mit SkypeOut kann man Skype dazu verwenden, normale Telefonnummern anzurufen. Der Anrufende sitzt also an seinem Computer und ruft über Skype "nach draußen" ein normales Telefon an - zu ziemlich günstigem Preis.

Neu sind jetzt zwei Features mit denen Skype wirklich zum Telefonersatz aufsteigt: Voicemail und SkypeIn.

Voicemail ist schnell erklärt: Es ist ein Skype-Anrufbeantworter. Man kann Leuten Sprachnachrichten hinterlassen. Nett, nützlich, praktisch.

SkypeIn ist das spektakulärere Element: Man erhält eine richtige Telefonnummer, über die man angerufen werden kann. Wer jetzt sagt: "Hm, wozu brauche ich denn noch eine Telefonnummer, ich habe doch schon eine?", hat nicht verstanden, was passiert: Mit einer SkypeIn-Nummer, SkypeOut-Funktionalität und einer Voicemailbox wird ein normales Telefon überflüssig. Sämtliche Sprachkommunikation, die vorher über das Festnetz-Telefon lief, kann über Skype abgewickelt werden. (Dazu auch noch ein guter Teil der Mobilkommunikation, weil Skype und damit der eigene Anschluss ja immer da ist, wo man gerade selbst ist, wenn man mit einem mobilen Computer unterwegs ist.)

In Deutschland ist das für die meisten noch nicht besonders interessant, weil Tarife, bei denen der DSL-Anschluss mit dem Festnetz-Telefonaschluss gekoppelt sind, verbreitet sind. Dort, wo dies zwei getrennte Produkte sind, kann der Wechsel jetzt losgehen. Nicht nur, weil es praktisch und weil es billig ist (eine SkypeIn Nummer mit Voicemail kostet 30 Dollar pro Jahr), sondern auch weil die Sprchqualität oft höher ist, als im Telefonnetz.

Stuart Henshall hat ein paar Geschichten, wie das aussehen kann.

Welche Konsequenzen hat das für die Telefongesellschaften, sowohl die mit eigenem Netz als auch für die ohne eigenes Netz? (Ich verstehe ganz wenig davon, auf welcher Art Technik und welcher Art von Verträgen Angebote wie SkypeIn und SkypeOut basieren und wie die Kostenstrukturen solcher Produkte aussehen. Mag's jemand erklären? Gerne per Gastbeitrag, wenn's ausführlich sein soll.)

(Skype hat seinen Sitz in Luxemburg.)

Trackbacks sind Links von anderen Weblogs auf diesen Eintrag.

Ich teste hier im Weblog zwei neue Dinge: In der Seitenleiste ganz oben gibt es eine neue Box, die so aussieht: . Das ist eine "Jyve-Card": Sie ist ein Zugang...

Das E-Business Weblog: Test: Jyve-Card, BlogAds (29.03.05 16:27)

Wie lange kann man an einem neuen Dienst vorbeigehen, bevor man so über ihn stolpert, daß man ihn sich wieder ansieht? Bei mir was das mit Skype so. Die früheste Meldung finde ich be ...

ThoBlog: Die Zukunft der Telefonie (04.01.06 18:20)

 

Es gibt einen vergleichbaren Dienst mit Namen SIPphone vom MP3.com/Lindows-Gründer. Die Preise sind in etwa mit Skype vergleichbar. Die Minute kostet 2 US-Cent ins amerikanisch Netz. Und die Kosten bei SkypeOut können nicht sonderlich hoch sein. Einfach via Gateway ans Telefonnetz dranhängen und los gehts. Da alle Verteilerzentren sowieso digital arbeiten sollte das kein Problem darstellen. Gespräche verursachen nicht viel Traffic und das Gigabyte kann nicht allzu teuer sein. (Webhoster verlangen mindestens 15 Cent/Gig, leider findet man von Telekoms/ISPs nicht viel dazu, aber die befinden sich mit Sicherheit noch einmal um einige Cents darunter) Mit einem Gigabyte Traffic kann man ca. 900 Minuten lang telefonieren, sagt zumindest die Beispielrechnung meiner VoIP-Mitschrift aus dem Vorjahr. Skype nimmt mit 900 Minuten genau 15,3 Euro ein. Und da sollte man die Kosten fürs Einwählen etc. locker herinnen haben. Übrigens gibts bei Forbes einen guten Artikel über Skype und VoIP.

Philipp am 20.03.05 14:55 #
 

Bei sipgate.de bekommt man die von dir aufgeführten Leistungen sogar kostenlos, ohne Jahresgebühr. Die Gesprächsgebühren lassen sich mit denen von Skype vergleichen. sipgate bietet weiterhin den Vorteil, dass man nicht "irgendeine" Telefonnummer bekommt, sondern eine aus dem Ortsnetz, in dem man zu Hause ist. Bis vor kurzem stand einem die Wahl einer Vorwahl sogar völlig frei. Das hat die Regulierungsbehörde aber dann eingeschränkt. Ich aber bin auf diese Weise noch dazu gekommen, über meinen Kabelinternetanschluss in der Schweiz eine Leipziger Telefonnummer zu besitzen. Mit dem entsprechenden Adapter läuft das Ganze nicht nur über meinen PC, sondern auch über mein ganz normales Analogtelefon. Schöne, neue Technikwelt ;-)

Florian Heidecke am 21.03.05 11:10 #
 

Um dies wirklich von der Theorie in die Praxis übergleiten zu lassen muss aber noch viel im Hintergrund getan werden.
Wie oft sitze ich offline aber mit Telefon zu Hause?

Wenn was ausfällt, dann mein DSL.
Das Telefon geht meist noch.
Außerdem möchte ich nicht wirklich, wenn ich mal einen Notarzt bräuchte, erst den Rechner hochfahren müssen und dann noch hoffen ich sei gerade online....

Aber sicher doch, ich weiß dass es Endgeräte in Telefonform zum anstöpseln an den Router gibt.....aber wer hat die schon?

Cheerio
Bastian

Bastian am 21.03.05 11:38 #
 

Herzlichen Dank für die Hinweise. Ich wusste immer, dass Sipgate existiert, hatte mir das aber nie genauer angesehen. Jetzt kenne ich sogar einen Kunden. :-)

Bastian: "Das hat noch keiner" hat noch nie eine Innovation aufgehalten. ;-)

Martin Röll am 21.03.05 12:01 #
 

Angespornt von den Infos dazu letztes Jahr von vowe.net, habe ich Rechtzeitig zu meinem lezten Auslandsaufenthalt ebenfalls Skype und auch Sipgate installiert zum Testen - und war so zufrieden, dass ich beides dort intensiv nutzte und auch jetzt noch regelmäßig nutze. Der Vorteil von sipgate ist die eingehende (Orts-)Rufnummer und die Voicebox mit E-Mailweiterleitung. Der Vorteil von Skype die wesentlich bessere Audioqualität von Skype-zu-Skype Gesprächen; sowie das völlig problemlose und Dau-sichere Einrichten. Für Anrufe ins Festnetz habe ich ebenfalls Skype genutzt, einfach weil die Software sexier ist und in fremden Netzen problemlos funktioniert - beides würde weg fallen, wenn man mit Extra-Hardware ohne PC telefonieren würde (allerdings lohnt sich das m.E. nicht, da die Anschaffungskosten noch zu hoch sind, gemessen an der Ersparnis).

Allerdings sollte man vor dem Anrufen ins "Ausland" die Preise checken, denn obwohl Nordamerika und Teile Europas sehr günstig sind, ist der Preisvorteil in andere (obskurere?) Länder quasi nicht existent.

Sencer am 21.03.05 18:01 #
 

Noch wird sich VoIP leider nicht durchsetzen.
Das Problem sind die Kosten für die Endgeräte beim Kunden (es soll Leute geben die wirklich noch einen Telefonhörer in der Hand halten wollen ;).

Bei der Berechnung der Portkosten (dort wird alles reingerechnet, Vermittlungstechnik, Übertragungstechnik und Konzentratoren für die Telefonanschlüsse) schneidet wegen der hohen Kosten für DSL Modem + VoIP/POTS-Wandler (Plain old telephony Service) die herkömmliche Variante besser ab.

Wir als Telefonnetzbetreiber (Hamburg, Lübeck, Berlin, Frankfurt, Stuttgart und München) haben VoIP immer auf dem Zettel.

Allerdings fragen wir uns auch wie wir den Kunden an unser Netz binden (Nomaden sind doof für den Businesscase ;) und kommen letztendlich auf den Boden das wir bei Anmeldung im IP Netz den VoIP/POTS-Wandler aus der ferne konfigurieren müssen.

Eben jene Endgeräte bilden also wieder den Knackpunkt wenn wir einen neuen Anlauf versuchen und die Anbieter für herkömmliche Technik mal wieder ihre Preise um 50% senken ...

Olaf Baumert am 22.03.05 00:15 #
 

Die Sprachqualität ist fantastisch, aber die Verzögerungen bei zwei meiner regelmäßigen Skype-Gesprächsteilnehmer sind grausam. Man fällt sich immerfort ins Wort. Noch empfinde ich Skype nicht als vollwertige Alternative.

Silke Schümann am 22.03.05 03:21 #
 

Soweit so gut die Erklärung, ich finde, dass ihr hier das Angebot von 1&1 ausgelassen habt.

1&1 bietet die Möglichkeit, mit dem Haustelefon VoIP zu telefonieren. Dieses funktioniert sowohl bei einem Analogen Anschluss, sowie bei ISDN.DSL sollte dann dementsprechend vorhanden sein.

Als Ergänzung hierzu gibt´s für die Kunden das sogenannte Softphone, das so ähnlich wie Skype funktioniert.

Dem ist es dann auch nicht genug, denn als 1&1 Kunde kann man dann auch an einer X Zahl von HotSpots Bundesweit einwählen. Eine Liste davon befindet sich hier http://dsl.1und1.de/pdf/hotspotliste.pdf

Wadim Braun am 28.03.05 20:24 #
 

Hier noch eine aktuelle Ergänzung. Ab 1.April gibt es bei 1&1 die Möglichkeit für 9,95 alle nationalen Gespräche ins Festnetz ohne weitere Kosten zu führen.

Und die Flat gibts ab 6,90 für eine 3.000nder Leitung.

Wadim Braun am 31.03.05 23:02 #
 

Genug, genug... das hier ist wirklich nicht das "tolle aktuelle TK-Angebote"-Blog! ;-) Botschaft angekommen: 1&1 hat prima Angebote. Es ging in meinem Eintrag um das Grundmodell von Skype bzw. neuen VoIP-Techniken, nicht um einen Marktüberblick oder Kaufberatung.

(Es wäre nett, wenn Du bei *einer* URL bleiben würdest. Dass Du auf Deinen Webseiten auch noch für 1&1 wirbst, macht die Sache nicht viel besser.)

Martin Röll am 01.04.05 07:40 #
 

Da leider nur noch Supportanfragen verirrter AOL-User hier aufschlagen, schließe ich erstmal die Kommentare. Wer noch etwas beitragen möchte, darf mir gerne mailen, dann mache ich die Kommentare wieder auf oder schreibe einen neuen Eintrag zum Thema.

Martin Röll am 19.04.05 13:57 #