28. Februar 2005

[ Blogosphere , Roell.Net ]

"Wie Weblogs die Welt verändern" - Mein Vortrag in Stuttgart

Letzten Freitag habe ich in Stuttgart einen Vortrag mit dem Titel "Wenn einer schreibt und alle lesen können - Wie Weblogs die Welt verändern" gehalten. Eingeladen hatte mich die Stiftung für Bildung und Behindertenförderung, die mit dem Kepler Seminar, in dessen Rahmen mein Vortrag stattfand, naturwissenschaftlich besonders interessierte Jugendliche fördert.

Ein kurzer Überblick über meinen Vortrag:

  • Weblogs bedeuten, dass jetzt jeder im Internet schreiben kann. Nur: Wer will das eigentlich? Ich erzählte eine Anekdote aus einem Workshop an der Berufsakademie Dresden, wo ich Weblogs vorgestellt hatte, die Teilnehmer sie toll fanden, aber dann, als es ans Schreiben ging, nicht wussten, was sie schreiben sollten. Erstes Zwischenergebnis: In Dresden verändern Weblogs die Welt nicht. ;-)
  • Wo dann? Zum Beispiel im Irak (auf den verlinkten Wikipedia-Seiten liegen auch immer die Bilder, die ich auf meinen Folien verwendet habe). Während des Golfkriegs schrieben manche Iraker aus Gegenden, in die sonst kein Journalist kam. (Das berühmteste Irak-Blog dürfte "Where is Raed ?" von Salam Pax sein, der jetzt zu einer Art Popstar geworden ist.)

    Oder: Im Gebiet des Tsunamis vom Dezember 2004. Viele Weblogs berichteten aus der Region. (Jede Menge Links: Blogs! Buch Blog » Blogs und die Tsunami-Katastrophe).

    Nächstes Zwischenergebnis: Mit Weblogs kann jeder zum Reporter werden. So er denn was zu berichten hat. Was manchmal schneller kommt als man denkt.

  • Noch ein Beispiel: Der 11. September 2001. Auch hier gab es Berichterstattung in Blogs, aber vor allem: Nach den Anschlägen schrieben die Blogger weiter über die politischen Veränderungen im Land. Ich referierte ein wenig über diese Art von "journalistischen" Weblogs. Sind Blogger Journalisten?
  • 2003: Die Chefin des "Time"-Magazines (und nicht der NY Times, wie ich behauptet habe) hat Angst vor Weblogs, der "Spiegel" nicht. Wie kommt's? Wir redeten über völlig unterschiedliche Arten von Weblogs.
  • Auftritt des Tagebuch-Blogs. Ich schaute live über blogg.de in ein paar aktuelle Postings aus der Blogosphere. Irgendwie sind die auch "Reporter" - nur ist das mit dem Hund und dem "ich bin so müde" nicht so wahnsinnig interessant. Diese Art von Blogs sind die Mehrheit! Werden die die Welt sehr verändern? Vielleicht nicht. Aber:
  • Auftritt des Linkblogs (am Beispiel meines Newsfeeds). Sind die sehr viel spannender als die Tagebücher? Nicht wirklich. Aber durch sie pflanzen sich Geschichten durch's Netz fort und gemeinsam wirken sie auf Googles Pagerank. (Einer der Schüler erklärte, viel kürzer und präziser als ich das gekonnt hätte, was Pagerank ist.)
  • Auftritt Spreeblick. Der Artikel über Jamba taucht auf, wird verlinkt (so auch von mir) und beginnt seine Wanderung durchs Netz. Das Unternehmen reagiert zweimal unglücklich und aus der Sache wird eine größere PR-Geschichte. Wir diskutierten darüber, ob die Jamba-Story dem Unternehmen wohl geschadet hat. (Die Diskussion wiederzugeben sprengt hier den Rahmen. Vielleicht später.)
  • Zum Abschluss: Es gibt Reportage/Katastrophenblogs. Es gibt "journalistische" Blogs. Es gibt Tagebücher und Linksblogs. Und sonst? Muss man jetzt auf eine Katastrophe warten oder zum Journalisten werden, wenn man nicht als Teil des "Schwarms" der Tagebuch- und Linkblogger untergehen will? Nein. Das Netz bringt Leute mit gleichen Interessen zusammen. Wer über etwas - irgendetwas - schreibt, wird gefunden werden (allerdings nicht bei "Südpolpinguinen", wie ich sagte: Es gibt keine Pinguine am Südpol.). Er wird Leute finden, mit denen er sich austauschen kann und die ihm weiterhelfen können.

Die Diskussion im Anschluss drehte sich um den Umgang von Unternehmen mit Blogs (als Leser wie als Schreiber wie als Arbeitgeber von bloggenden Mitarbeitern), den Umgang mit Kommentarspam, darum, ob Unternehmen mit "Kommerzblogs" die Blogosphere kaputt machen können und um Angebots/Nachfragesituationen bei erotischem Blogcontent. :-)

Schön war's. Vielen Dank für die Einladung!

Abends gab es dann noch eine Gesprächsrunde von Bloggern und Nicht-Bloggern, deren Themen Oliver Gassner protokolliert und zu deren Qualität sich Thomas Gigold geäußert hat. Danke für Euer & Ihr Kommen.

Aus dem Archiv: Mein Weblogeintrag zu meinem letzten Vortrag in Stuttgart (Weblogs in der Unternehmenskommunikation). Eine aktuelle Diskussion über Weblogs: Das E-Business Weblog: Weblogs, Qualität und Eisberge.

Ein neu gestartetes Weblog habe ich schon entdeckt: exaury.twoday.net. Mal sehen, ob es noch mehr werden...

Trackbacks sind Links von anderen Weblogs auf diesen Eintrag.

Wie vorausgesagt hat Martin Röll seinen Blog-Eintrag über den Vortrag vergangenen Freitag inzwischen geschrieben. Und die ersten beiden neuen Blogger hat er wohl auch schon überzeugt: exaury und Nessa. Um es in den Worten des großen Schockwellenre...

Jan's Technik Blog: Mrtin Rölls Vortrag von Freitag ist online (28.02.05 21:47)

In dem Blogs!-Buch-Blog wird erklärt warum Verisign bzw. Jamba Six Apart und Livejournal kaufen wird. Eine sehr interessante These, nach der die Tagebuchblogger quasi virtuelle Clique bilden. Damit sind sie die geeignete Zielgruppe wie es die realen ...

Jan's Technik Blog: Warum Jamba in Blogs wirbt [Update] (01.03.05 21:30)

Martin Roell, dessen Weblog man sowieso generell lesen sollte, hat hier in einem sehr interessanten Posting mal erklärt, warum Weblogs die Welt verändern werden...

La vida pirata: Wie Weblogs die Welt verändern... (08.03.05 18:38)

Irgendwie kann ich mir das nicht mehr vorstellen. ;-) Und das obwohl ich erst im Oktober letzten Jahres angefangen habe zu bloggen. Dies ist nun mein runder Eintrag mit der Nummer 500. Zeit ein bischen zurück zu blicken: Am...

Jan's Technik Blog: Leben ohne zu Bloggen? (25.03.05 14:12)

... diesem Titel bin ich gefolgt und habe mir den Vortrag von Martin Roell angeh

caraway.twoday.net: Wie Weblogs die Welt ver (06.05.05 22:53)

 

unterhaltsamer und informativer Vortrag :)
Der wievielte Treffer bei Google ist eigentlich die Weltkarte? Hab ich auch schon für ein paar Referate benutzt ;) (was wären Schulreferate heute eigentlich ohne Google?)
Danke für die Werbung, gibt aber noch nicht allzuviel zu sehen

exaury am 28.02.05 18:11 #
 

Ich wusste, dass ich noch eine Quelle vergessen hatte... die Weltkarte steht auf Nummer 2 (hemmungslos geklaut). Die Exemplare aus der Wikipedia hatten leider zu wenig Kontrast für eine Projektion.

Martin Röll am 28.02.05 18:27 #