21. Februar 2005

[ Blogosphere ]

Weblogs, Qualität und Eisberge.

Auf dem Blogforum in Berlin vorletzte Woche hat mich eine Diskussion befremdet: Die über die "Qualität" der Diskussion in Blogs oder die Qualität der deutschen Blogosphere überhaupt.

In vielen dieser Diskussionen hört man, dass es "zu wenig gute Blogs" geben würde und "zu viel Müll". Man fragt sich "warum denn keiner ein gutes Politikblog startet" und wundert sich.

Ich glaube, dahinter steckt ein vollkommen falsches Paradigma der Blogosphere. 1

(Das hier wird länger. Nehmt Euch etwas Zeit.)

Weblogs sind kommunikative Infrastruktur #

Blogs sind kein "alternatives Medium". Blogs sind keine "Publikationsplattform". Blogs sind kommunikative Infrastruktur. 2

Infrastruktur: Wenn jemand reden will, kann er reden. Er kann eine Technik einsetzen, um sich mitzuteilen. Einen Brief, ein Telefon oder ein Weblog. Grundvoraussetzung ist aber: Er muss sich mitteilen wollen! Steigt das Mitteilungsbedürfnis der Leute, nur weil jetzt Weblogs verfügbar sind?

Auf der Suche nach dem politischen Diskurs. #

Wer eine Politikdiskussion im Netz haben wollte, konnte sie schon an anderen Orten führen: Es gibt Mailinglisten, Foren, Usenet... Die Frage ist, ob es dort schon solche "Diskussionen auf hohem Niveau" gibt, wie manche sie sich für die Blogosphere wünschen.

Gibt es die? Dann müssen wir uns fragen, warum sie nicht auch in der Blogosphere auftauchen und ob etwas in dem Medium Weblog liegt, dass einer Verlagerung oder mindestens einem Herüberwachsen in die Blogosphere verhindert. Oder gibt es sie nicht? Dann ist es sehr unwahrscheinlich, dass sie in der Blogosphere erscheinen wird!

Wie viele gute politische Mailinglisten gibt es? (Wissen wir das? Sind die vielleicht aus gutem Grund versteckt?) Wie viele gute politische Zeitschriften? Wie viele Fernsehdiskussionen? Uh.

"Nicht ich." #

Ja: Theoretisch wäre es möglich, jetzt gute politische Diskussionen im Web zu führen, so wie es vielleicht in Foren nicht geht. Aber gibt es da einen Markt? Wo sind die, die diskutieren wollen? Und wenn Du jetzt gerade "hier, ich!" gesagt hast: Warum hast Du noch nicht angefangen? Wo ist Dein politisches Weblog? Eben. Wir haben noch ein anderes Leben. Wir wünschen uns einen tollen politischen Diskurs, aber wir wollen ihn nicht unbedingt selbst führen. Es wäre nur schön, wenn er da wäre. So wird das nie was. Und jetzt wollen wir ernsthaft noch über Weblogs reden? Um die geht es gar nicht.

Anders fragen. #

Die Frage ist nicht: "Wo sind die guten politischen Weblogs", sondern "wie können Weblogs den politischen Diskurs verändern?". Es ist falsch, vom Weblog auszugehen und sich zu fragen, warum es darin keine gute politische Diskussion gibt. Man muss vielmehr von der politischen Diskussion ausgehen und sich fragen, was das Weblog da nutzen oder verändern kann.

"Das Volk ist zu dumm!" #

Geht man jetzt wieder auf die abstraktere Ebene, stellt man fest: Die Frage nach der "Qualität in Weblogs" ist überhaupt keine Weblog-Frage, sondern eine ganz allgemeine Gesellschaftsfrage. Die ist auch nett, aber leider gar nicht neu: Schon die alten Griechen haben über den Stand des öffentlichen Diskurses gejammert. Liest man manche Schriften, so wundert man sich, dass heute überhaupt noch ein Staatswesen existiert, als so erbärmlich und dumm wird "das Volk" (das sind immer die anderen) beschrieben.

Starren auf die Spitze des Eisbergs #

eisberg.jpg

Die Frage nach den "guten Weblogs" (was das sein soll, darüber sind sich alle scheinbar einig) geht auch am Kern der Weblogverbreitung vorbei: Wenn wir über die Auswirkungen von Weblogs auf die Welt reden wollen, warum betrachten wir ausgerechnet die gut geschriebenen, niveauvollen, vernetzten Publikationen von Amateuren, die offenbar eigentlich besser Profis wären - und das dann folgerichtig manchmal auch werden? (Siehe Rafat Ali, Gawker u.a., Beispiele, die von Thorsten Wichmann in seiner Präsentation in Berlin angeführt wurden.)

Warum betrachten wir die Spitze des Eisbergs und verallgemeinern ihre Prinzipien auf den gesamten Eisberg?

Viel interessanter und viel relevanter für das Thema Weblog an sich, ist die Massenbewegung. Warum jammern wir über schlechte Blogs? Warum spotten sogar Chefs mancher deutscher Weblogdienstbetreiber über diese "belanglosen Teenager-Tagebücher"? Warum regen sich Blogger und Journalisten darüber auf, dass die "Qualität" nicht stimmt? E-Mail hat auch keine Qualität.

"E-Mail hat auch keine Qualität."#

Als E-Mail erfunden wurde, lief das so: Am Anfang hatte es keiner, dann nur ein paar Experten, dann verbreitete es sich mit exponentiellem Wachstum. Irgendwann kannte es jeder, das Wort kam in den Duden und E-Mail wurde ein Teil der normalen Welt. Wenn man heute "E-Mail" sagt, weiß jeder, was gemeint ist. Mit Weblogs könnte etwas Ähnliches passieren.

99% aller von Menschen verschickten E-Mail ist belanglos. Kläuschen schreibt seiner Mutter, wann sein Zug am Bahnhof ankommt. Frau Müller schickt ihrem Mann einen Einkaufszettel ins Büro, "bring das doch auf dem Weg nach Hause mit". Herr Schulze setzt drei seiner Kollegen ins CC um sich abzusichern. Interessiert das irgendjemand? Regt sich irgendwer darüber auf? Selbstverständlich nicht! Bei E-Mail ist es normal, dass sie nur für Schreiber und Leser interessant ist und niemanden sonst angeht. Kein Mensch fordert "mehr Qualität in E-Mails!" - es wäre absurd! Aber bei Blogs tun wir genau das.

Wir gucken in die Teenager-Diaries und lachen: "Wie belanglos! Warum stellt jemand so etwas ins Netz?" Dabei wird vollkommen verkannt, dass dieses Weblog wichtig ist: mindestens für den Schreiber und seine dreieinhalb Leser. Das ist der Massenmarkt: Leute, die Weblogs verwenden, um sich mitzuteilen. Wem? Erstmal denen, die sie kennen. Und dann dem Netz.

Das Weblog im Netz #

Zunächst schreibt ein Weblogautor nur für sich und möglicherweise ein paar Bekannte. Sonst kennt ihn ja auch niemand. Über Suchmaschinen wird sein Blog auffindbar. Kommen ein paar Leser vorbei, schreibt der Autor auch für sie. (Das passiert selten. Man muss etwas schreiben, dass auch andere interessiert, die einen noch gar nicht kennen.) Kommen ganz, ganz viele, schreibt er für die alle. (Das passiert ganz, ganz selten. Zu den Themen, die ganz, ganz viele interessieren, schreiben nämlich schon tausende andere. Und meistens besser.)

Die allermeisten Blogs haben eine Zielgruppe von ziemlich genau 5 Personen. Hier "Qualität" nach irgendeinem vermeintlich objektiven Standard zu fordern, ist absurd und diese Weblogs zu diskreditieren auch.

Ich wünsche mir... bessere Weblogs. #

Natürlich können wir uns "bessere Weblogs" oder "bessere Diskussionskultur in der deutschen Blogosphere" wünschen, allein hilft der Wunsch wenig. Weblogs sind nur eine Infrastruktur: Damit "gute Blogs" entstehen, braucht es Leute, die "gute Blogs" schreiben können und wollen. Ein Problem könnte nur sein, dass die meisten Leute, die gut schreiben können, längst Autoren und Journalisten sind. Ein Weblog bietet ihnen, aus ihrer Sicht, wenig Mehrwert.

Nico Lumma kann dazu ein paar schöne Geschichten erzählen, wie er versucht hat, Journalisten das Bloggen nahezubringen. (Nico Lumma leitet blogg.de, die die Weblogs des Handelsblatt, der Wirtschaftswoche und der Zeit betreiben.) Auch aus eigener Erfahrung weiß ich: Die meisten verstehen es nicht. Journalisten können schon schreiben, sie können schon publizieren, sie kriegen schon Feedback (und wollen das oftmals gar nicht). Das Weblog gibt ihnen aus ihrer Sicht keinen besonderen Nutzen.

Wer soll denn die "guten" Blogs schreiben? Irgendwelche Supertalente, die plötzlich auftauchen? Die gibt es, auch in Deutschland. Nur werden die, wenn die Entwicklung hier ähnlich läuft wie in der US-Blogosphere, dann ziemlich schnell Profis werden - und sind sie damit dann noch "richtige" Blogger?

Wo sind sie nun, die guten Blogs? #

Der Wunsch nach den "guten Weblogs" hat noch einen anderen Fehler: Er kommt zu früh. Wir stecken in der Frühzeit einer Bewegung. Es gibt in Deutschland a) viel weniger Menschen (absolut) und b) viel weniger Blogger (auch: anteilig) als in den USA. Rechnet man die Zahlen durch, ist es nicht verwunderlich, dass es erst wenige "Stars" und noch keinen deutschen Instapundit gibt. Keine Sorge: Die kommen noch.

Zusammenfassung. Ausblick. #

Es ist legitim, über "gute Blogs" und über "Qualität" zu diskutieren und sich "bessere Blogs" zu wünschen. Wir müssen uns nur darüber im Klaren sein, dass das eine sehr spezielle Diskussion ist: Die über die "Spitze des Blog-Eisbergs", wenn so will. Die wirkliche, große Veränderung findet woanders statt: Da, wo ganz normale Leute ganz normale Weblogs schreiben, die - ganz normal - für sehr viele Leute völlig uninteressant sind.

Diese Leute bekommen mit Weblogs ein neues Kommunikationswerkzeug an die Hand, mit dem sie das Potenzial haben, sehr viele Leute zu erreichen. Sie können über Suchmaschinen gefunden werden und Leser bekommen. Es bilden sich Beziehungen und Netzwerke, die es vorher nicht gab.

Was die Menschen daraus machen, liegt wieder in ihren Händen und hat mit Weblogs nichts mehr zu tun. Aber Weblogs in Kombination mit Suchmaschinen schaffen die Grundlage für diese Vernetzung, die neu ist.

Diese Neuartigkeit der Vernetzung ist es, was die Innovation in Weblogs ausmacht. Sie ist das Interessante. Sie hat eine ganz besondere Qualität.


Fußnoten

1. Damit möchte ich niemand beleidigen und auch nicht den Teilnehmern der Diskussion in Berlin unterstellen, dass sie ein "vollkommen falsches Paradigma der Blogosphere" hätten. Ich beziehe mich nicht nur auf die Diskussion in Berlin. Ich denke nur, dass viele Leute, die die Diskussion so führen, wie beschrieben, eine falsche, mindestens unvollständige Sicht auf die Blogosphere haben.

2. Weblogs sind auch ein alternatives Medium. Weblog sind auch eine Publikationsplattform. Aber nicht nur. Sie nur so zu betrachten vernachlässigt Wesentliches. Sie nur damit beschreiben zu wollen führt zu Unvollständigkeit.


Merci

Ich danke Rainer Wasserfuhr, der gestern mit mir im Café Neustadt sitzend meinte, dass "E-Mail auch keine Qualität" habe und damit den Anstoß zu diesem Eintrag gab.

Mitschuldig sind in gewisser Weise auch Felix Petersen, der in Berlin mit seinem Ausruf "das, worüber Ihr gerade redet, ist nicht der Massenmarkt!" meine Gedanken schon während der Diskussion auf den Punkt brachte, Florian Wilken und Vasco Sommer, deren unverklärter Blick auf alles Bloggische eine Bereicherung ist, Hugo E. Martin, dessen Ruhe und Erfahrung ich viel mehr schätze, als er wahrscheinlich ahnt und Markus Breuer, dessen Klarheit der Gedanken immer wieder eine Freude ist. Alle waren Teilnehmer am Abend in Berlin.

Vorträge und Texte, die in irgendeiner Weise auch an dieser Ausarbeitung schuld sind, sind Mena Trotts Vortrag auf der BlogTalk 2004 und Ross Mayfields Network Ecosystem Model, das auf Shirky: Power Laws, Weblogs, and Inequality aufbaut und von Flemming Funch weiterentwickelt wurde, wie ich gestern in George Dafermos' "Blogging the market" las.

Die Idee der Vernetzung von Menschen über Weblogs und deren Auffindbarkeit in Suchmaschinen führe ich detaillierter in einem Buchkapitel aus, das im Frühjahr im Buch Die Google-Gesellschaft, herausgegeben von Kai Lehmann und Michael Schetsche, erscheint, das man auf amazon.de schon vorbestellen kann.

Das Bild des Eisbergs ist eine Fotomontage von Uwe Kils und stammt aus der Wikipedia.



Manuelle Trackbacks: [24.02.05] Blogs! Buch Blog (Don Alphonso) » Ein paar Anmerkungen zur Qualität in Blogs

[07.02.06] Thiemo Mättig mit einer Reflexion.

Trackbacks sind Links von anderen Weblogs auf diesen Eintrag.

Martin Röll opent op zijn E-business Weblog de discussie over weblogs en de kwaliteit van politieke discussies. Hij verbaast zich over de consta

M i n i t r u e . n l - ignorance is strength: Röll: (21.02.05 12:02)

martin roell hat in seinem ebusiness-blog einige interessante thesen aufgestellt...

Jo's Jobwelt: blogger journalismus und eine lange debatte (21.02.05 14:41)

Martin Röll hat sich zu Qualität, Aufmerksamkeit und Nutzen von Weblogs geäußert. In meinen Augen wieder ein gute Zusammenfassung des bisherigen Geschehens. Aber was habe ich in der Blogosphäre erlebt?Nach meinen ersten Recherchen wollte ich schon aufh

Inwisa GmbH: Befindlichkeiten (21.02.05 19:00)

Warum liest überhaupt jemand Weblogs? Es gibt keinerlei Grund, eine Zeitschrift, eine E-Mail, einen Web-Text oder ein Weblog zu lesen, nur weil ich deren mediale Form mag. Das wäre mir jedenfalls als Kriterium etwas dürftig. Letztlich kommt es nicht...

PR Blogger: Qualitätsblogismus: Warum sollen wir Blogs lesen? (21.02.05 20:37)

In Weblogs, Qualit

typo.twoday.net: Weblogs, Qualit (22.02.05 11:51)

Der Ruf nach mehr Qualität in Weblogs wurde schon häufiger laut. Einmal mehr ist das Thema nun wieder präsent und im E-Business-Weblog schreibt Martin ausführlich seine Meinung von Qualität und der Spitze des Eisbergs. Immer wieder fällt mir auf, dass ...

pasta::log - the next edition: Prädikatsurteil "wertvoll"? (22.02.05 14:28)

"Diese Neuartigkeit der Vernetzung ist es, was die Innovation in Weblogs ausmacht. Sie ist das Interessante. Sie hat eine ganz besondere Qualität." fasst Martin Röll in seinem Beitrag über Weblogs und Qualität zusammen. Den Mehrwert, den Weblo...

silberblog: weblogqualität (23.02.05 13:57)

sehpferd hat nicht verstanden, was Martin R

typo.twoday.net: Blogs und Qualit (24.02.05 12:37)

Meerdere keren per week zit ik al vroeg in de trein. Te vroeg om een Metro of Spits te kunnen pakken, die zijn dan nog niet beschikbaar. Tegen de tijd dat de trein in Apeldoorn arriveert duiken de eerste exemplaren...

Interdependent Thoughts: De Metro over weblogs (27.02.05 14:08)

Über die Qualität in Blogs!
Auch in diesem.

„KÖNNEN SIE MIR DIESE FRAGE BEANTWORTEN?“

Bens WG-Zimmer: Ich muss mir mehr Mühe geben (27.02.05 15:33)

Martin Röll hat mit einer langen Replik auf meinen Vortrag in Berlin und die anschließende Diskussion eine große und lesenswerte Debatte unter Bloggern zur Qualität von Blogs losgetreten. Mit (beim letzten Zählen) 22 Kommentaren und Trackbacks hat sich...

Berlecon Analysten-Weblog: Ceterum censeo: In Deutschland fehlen Qualitäts-Blogs (28.02.05 15:15)

 

Hallo Martin,
ich finde Deine Gedanken gut und richtig, aber ein paar Anmerkungen dazu.

Mein Eindruck als Aussenstehender ist, dass die Blogoshphere (und das ist in ihrer Artikulation in erster Linie die Spitze des Eisberges) selbst zwei gegenläufige Diskussionen führt:
- Auf der einen Seite regen sich alle "Profi-Blogger" auf, sobald irgendjemand (vornehmlich Journalisten) nicht die weit reichenden Konsequenzen von Weblogs erkannt hat (Planetopia, Jamba etc.).

Es gibt gibt auch kaum jemanden der "Profi-Blogger" die an den Potentzialen herumkritisieren würde und mal sagen würde "macht mal halblang".

- Auf der anderen Seite wird sich dann aber an den wunden Punkten dieser obigen Diskussion gerne zurückgezogen und gesagt, Weblogs sind erst einmal Weblogs. was auch korrekt ist.

SYNTHESE
Ich glaube, dass wir bei Weblogs an einem kritischen Punkt sind: Jetzt, hier und heute, werden die Pflöcke eingeschlagen, die Visionen benannt, was Weblogs leisten können. Wir sehen das bei der ersten Welle der New Economy: Viele Dinge, die damals benannt wurden und dann scheiterten, komme heute wieder auf. Letztlich ist die gesamte Idee des Cyberspace ein Kind von Autoren wie Lem, Stephenson und Gibson - und damit schon ne Ecke alt.

Und auf der anderen Seite sind Weblogs profan. Du bringst das Beispiel e-Mail. Ich sag immer: Weblogs sind wie HTML-/Webseiten; entsprechend ist die Diskussion manchmal irreführend ("Webseiten sind Journalismus? Webseiten müssen besser sein?"), aber doch zentral.

Hätte es Mitte der 90er Jahre keine Webseiten gegeben, mit denen die Leute etwas hätten anfangen können, dann wären wir heute nicht hier auf dieser Site.

In diesem Sinne sollten wir uns alle kämpferisch-visionär geben.

und entsprechend fragen: WARUM gibt es kaum/keine politischen Weblogs? UND: WIE können wir das befördern? Natürlich sind Weblogs auch Massenware und meine nachbarn sollen sie auch für ihre Freunde nutzen dürfen.

Aber über die Zukunft wird an der Spitze des Eisberges entschieden!

Kai Lehmann am 21.02.05 11:49 #
 

Interessante Gedanken, Martin! Ich stimme Dir im großen und ganzen zu; eine Ergänzung vielleicht noch:
Ich würde bei der Frage nach der Qualität von Weblogs drei Ebenen unterscheiden:
1) Die Qualität von Weblogs als Kommunikationsinfrastruktur: Hier geht es um Weblogs als "Form" der Online-Kommunikation mit all den technischen Merkmalen, die Interaktionen zwischen Personen unterstützen und die sie von Email, statischer Homepage, Forum, Chat,... unterscheiden.
2) Die Qualität von einzelnen Weblogs als jeweils persönlichem Kommunikationskanal: Wie Du richtig schreibst, sind hier objektive Maßstäbe nur sehr schwer anzubringen. Katzenblog, Einradblog, PR-Blog, IT-Blog - gut ist, was seine Leser findet (oder auch "nur" dem Autor bei der persönliche Reflexion hilft).
3) Die Qualität der Blogosphäre als Netzwerk von Blogs, als Ökosystem, als Aufmerksamkeitsverstärker. Da die Blogosphäre als ganze (oder sagen wir besser: der Teil der Blogosphäre, der sich als "öffentliche Kommunikation" versteht) mittlerweile auch in Deutschland Anschluß an andere (massenmediale) Öffentlichkeiten gefunden hat, kann man hier IMHO durchaus "objektive" Qualitätsmaßstäbe anlegen, z.B.: Welche Themen werden sichtbar gemacht (Sudan? Hartz IV? Jamba!) und nach welchen Mechanismen funktioniert die Aufmerksamkeitskanalisierung?

Aus diesem Blickwinkel stellt das Problem, das Du auch geschildert hast, eine Vermischung von Ebenen dar: Man will über die Qualität 3) reden, schaut dazu aber bei Qualität 2) nach und entdeckt viele Blogs, die scheinbar belanglos sind.

JanSchmidt am 21.02.05 12:53 #
 

Hallo,
was mich an der Diskussion stört, ist der Begriff der "Qualität". Erstmal, was ist "Qualität" und zum anderen, vielleicht viel wichtiger, _wer_ hat das Recht, diesen Begriff zu definieren? Muss ich, um die Qualität von Artikeln zu beurteilen, Zeitungswissenschaften studiert haben oder reichen meine Kenntnisse als Zeitungsleser? Hat die "Bild" Qualität oder eher nicht, sie wird doch von Profis gemacht?
Um bei Deiner Metapher zu bleiben: In vielen dieser Diskussionen geht es meiner Meinung nach oberhalb der Wasserlinie um "Qualität", unterhalb dieser jedoch um die Frage, wer darf mitspielen und wer muss draußen bleiben. Eine Beobachtung, die man auch außerhalb der Bloggerszene machen kann, etwa derzeit in der Diskussion um die "Qualität" im Coaching.
Ansonsten: Vielen Dank für diesen Beitrag :-)

Stephan ("Interessante Zeiten")

Stephan List am 21.02.05 12:57 #
 

Wer die Qualität des Weblogs beklagt, hat es in der Hand dies zu ändern. Ich muss mich selbst nicht als alternative Plattform verstehen und kann doch die Macht des Werkzeuges erkennen und einsetzen.

Jamba war/ist eine politische Auseinandersetzung. Meines Erachtens geht es nicht um die Ausbeutung der Kinder. Es geht um die rücksichtlose Kommerzialisierung. Politik wird längst nicht mehr als eine Kraft im Land begriffen. Sie ist Marionette des Kapitals und die Auswirkungen polarisieren immer stärker. Trennen reich und arm. Die Verschriftlichnung von Millionen von Gesprächen macht Zusammenhänge transparenter.

Wer die Qualität beklagt, will meines erachtens nicht zuhören. Ich brache nicht den tiefsinnigen Diskurs. Ich kann auch im Profanen oder gar im Banalen Systemisches entdecken. Wer klagt ist zu faul sich eigene Gedanken zu machen. ;o)

Silke Schümann am 21.02.05 13:49 #
 

Hallo Martin, hallo Jan,

ich will nochmals den Blick von der Detaildiskussion wegführen auf die Diskussion als solches:

Jan sagt:
Aus diesem Blickwinkel stellt das Problem, das Du auch geschildert hast, eine Vermischung von Ebenen dar: Man will über die Qualität 3) reden, schaut dazu aber bei Qualität 2) nach und entdeckt viele Blogs, die scheinbar belanglos sind.

Ich bin mal kritischer: Die "Blogger" reden gerne über die Träume von 3, wollen aber mit 2 im Detail nichts zu tun haben.

"Die Blogger" sollten sich mal nicht nur in dem Trend Weblogs sonnen, sondern sich der ENTWICKLUNG einer Blogkultur annehmen: Wie lassen sich Weblogs verbessern? Woran scheitern Weblogs oft? Wie kann ein Kodex aussehen? Welches Selbstverständnis haben wir?

Stattdessen wird immer nur darüber gesprochen, dass ja die schlechten Beispiele kein Beleg dafür sind, dass das Ganze nicht toll ist. Korrekt, aber bringt die Sache nicht voran.

Ein Nicht-Blogger ;-)

Kai Lehmann am 21.02.05 15:41 #
 

Auch wenn im folgenden einige kritische Bemerkungen von mir zur Begriffswahl von Röll kommen, gebe ich ihm grundsätzlich über die Entwicklung von Weblogs Recht. Siehe dazu http://www.fischer-netze.de/blog/index.html

Tim Fischer am 21.02.05 16:14 #
 

Als Journalist erstmal eine Anmerkung zur Berufsgruppe. Ich denke, viele Kollegen sagen genau das: "Ich werde doch sowieso schon gedruckt/gesendet." - und liegen damit falsch. Nicht, dass sie nicht gedruckt/gesendet werden, aber Blogs eröffnen eben neue Kommunikationsmöglichkeiten: Man kann persönlicher schreiben, schneller reagieren und bekommt ungleich mehr direktes Feedback.

Aber irgendwie sollte es doch nicht das Ziel sein, dass Journalisten zum Bloggen ermuntert werden, oder?
Ob es in Deutschland eine solche ernstzunehmende politische Blogospehre geben wird wie in den USA - da bin ich skeptisch. In den USA gibt es einen winzigen Teil der Bevölkerung, der an intellektueller politischer Diskussion extrem viel Spaß hat. Deshalb gibt es auch Politmagazine, die in Deutschland undenkbar wären, vom "Atlantic Monthly" bis zu "George". "Cicero" ist so ein Versuch in diese Richtung zu gehen.

Die Hoffnung aufgeben mag ich allerdings nicht. Das Wichtigste: Menschen müssen motiviert werden, Blogs zu lesen, dann werden auch mehr Leute auf den Geschmack kommen, dauerhaft Blogs zu lesen - und daraus wird auch die geforderte Qualität entstehen. Ich glaube, die Formel ist Bekanntheit = steigende Qualität.

Thomas Knüwer am 21.02.05 17:40 #
 

Danke für die andere Perspektive. Für mich klang bei der Diskussionsveranstaltung viel Hoffnung auf irgendwie ökonomische Erfolge mit blogs, notfalls auch mit Qualität.
Was ist eigentlich mit Qualität gemeint.
So weit ich die Darstellung der Erfolge eines französischen Radiosenders mit Weblogs verstanden habe, läuft da eine Kommunikation zwischen Kids, die von älteren Semestern (>20J) inhaltlich kaum nachvollzogen werden kann. Aber der ökonomische Erfolg und die damit verbundene Beachtung verdrängt jedes Interesse an Qualität.
Der Rummel um Jamba zeigte nicht nur wie naiven Kids das Geld aus der Tasche gezogen wird, sondern auch welche Geschäftsmodelle mit neuen Medien funktionieren. Qualität von Klingeltönen!!?? gibts sowas?
Vermutlich wird das erste politisch bedeutende (weil außerhalb der Bloggergemeinde beachtete) Weblog kaum durch Qualität glänzen sondern ökonomischen Erfolg.
Wenns dann soweit ist, wird es spannend ob auf der Welle auch "anspuchsvolle" Blogs reiten können.

rolf langhoff am 21.02.05 19:18 #
 

Gratulation! Ein gelungener Beitrag, lieber Martin! Auch ich kann nicht verstehen, warum jetzt so intensiv über Weblogs diskutiert wird.

Warum sollen wir bitte über die Qualität von Weblogs diskutieren, wo - nach meiner Meinung - noch nicht einmal klar ist, was eine Internetseite qualifiziert, als Weblog tituliert zu werden:
- Chronologische Veröffentlichung?
- Persönlicher Touch?
- Links zu anderen Weblogs?
- Kommentarmöglichkeiten?
- ...?

Der Hype um Weblogs erinnert mich an den New Economy-Hype vor 5 Jahren: Er machte sich an neu entstehenden technischen Möglichkeiten fest. Der Sinn von neuen Geschäftideen wurde nicht hinterfragt. Die Fragen "Was nützt es dem Benutzer? Welchen (Mehr)wert bietet es?" fristeten ein Mauerblümchendasein.

Aber auch an dieser Frage werden sich Erfolg und Zukunft von Weblogs entscheiden: "Kein Mehrwert für den Konsumenten? Keine dauerhafte Existenz von Weblogs!"

Christian Rothe am 21.02.05 23:56 #
 

Hi, Martin
als ehemaliger Medienjournalist und nach wie vor Netzpilot treibt mich das Thema "Qualität der Blogs" derzeit auch ziemlich um. Der Vergleich "E-Mail hat auch keine Qualität" ist pointiert aber verharmlosend. Immerhin entfalten Blogs (insbes. die watchblogs) in konzertierten Aktionen (da sind sie mehr als nur Infrastruktur!)zunehmend Medienmacht (USA: die Fälle Eason Jordan und Dan Rather). Neben echten Scoops begegnet man auch deutlichen Allmachtsphantasien, die eher negativ gerichtet sind und Personen und MSM zur Strecke bringen wollen. Call me oldfashioned, aber zum erfreulichen Aufstieg der Weblogs wird jetzt auch eine Diskussion fällig über Qualität und Verantwortung.

Wolfgang Macht am 22.02.05 10:27 #
 

Wolfgang: Bei der E-Mail Analogie geht es nicht um Verantwortungsfragen von Watchbloggern, sondern darum, dass eine Kritik an der "Qualität" der Millionen ganz normalen Blogs nicht sinnvoll ist.

Martin Röll am 22.02.05 10:35 #
 

Die Unterscheidung zwischen einer breiten Masse, die sich vernetzt, und der "Spitze des Eisbergs", finde ich verwirrend. Diese Spitze, die A-List ist doch das, was aus der Aktivität der Community wächst. Die kann ich mir angucken, die Inhalte analysieren. Daraus erfahre ich dann auch etwas darüber, was mit der Blogosphäre als Ganzes los ist.
Ein paar beliebige Blogs rauszusuchen und dann über mangelnde Qualität zu meckern, ist sinnlos, klar. Allerdings frage ich mich doch, wer denn ernsthaft das Gegenteil behaupten würde.
Sicher passieren im "Long Tail" auch noch ganz andere Sachen, zum Beispiel ganz viel Privates, das kaum jemanden interessiert. Da darf man sich schon fragen, warum man ausgerechnet das jetzt in den Mittelpunkt des Erkenntnisinteresses stellen soll.
Wolfgang Macht hat völlig recht. Die Jordan-Geschichte wirft dringende Fragen auf. Eine Debatte, wie die neu gewonnene Bloggermacht - Qualität hin oder her - den öffentlichen Diskurs verändert und wie sich das zu den utopischen Versprechen von "emergent democracy" verhält, die ist absolut fällig.

Frank Unger am 22.02.05 16:29 #
 

hey, alle!

ja, zu qualität : pirsig: zen oder die kunst ein motorrad zu warten...
bloggen kommt eben, weil wir das politisch so gut nutzen können.
http://www.schockwellenreiter.de/2005/02/22.html#zumEinsteinjahrDerSozialistAlbertEinstein
(vom schockwellenreiter)
und wer machts, bitte??
digitalist, der ich auch bin, sehe ich da wieder die (notwendigen!) hierarchien; nicht der Erlaubnisse, sondern die Macht der Auswahl.
ja, sozialismus, es hat leider auch den ismus dran: speziell sowas (Lehren von einer vermeintlichen Wahrheit) führt zu unseren krisen.
genug ist nie genug, singt konstantin wecker.
einsicht, vertrauen, liebe - umgekehrte reihenfolge!! denn schliesslich aus der liebe fliesst doch alles - oder gäbe es dann uns menschen noch, wenn nicht?
nu ja,also wer machts?
wir brauchen leser, analysierer, techniker, freaks, hacker, alle fachleute eben.

und interessant die frage nach dem bk.,m.d, spionen eben.
führt vielleicht wieder dazu, dass wir fast virtuellen uns dann auch persönlich begegnen müssen. und diskursieren.
und noch 1,5 Jahre zur Wahl.
legt mal mit los!!!

gruss barny


BarnabasWittstock am 23.02.05 02:52 #
 

Verstehe ich auch nicht. Weblog-Bedeutungsmafia sagt man auch dazu. Vor allem Internet ist ja freiwillig.

jean luc am 23.02.05 16:16 #
 

Danke, lieber Martin Röll, für diesen anregenden Artikel!

Ich muss gestehen, dass mir ganz generell die qua Berlin offenbar aufkommende Diskussion um die "Qualität" von Weblogs obsolet vorkommt. Mindestens so sehr wie eine gleichartige Diskussion um die Qualität von herkömmlichen Publkationen, Printmedien, Zeitungen, TV-Talkshows... Machen wir uns mal nichts vor, Qualität in Medien zu fordern, in welchen auch immer, ist zwar in Publizistikvorlesungen und -seminaren willkommen (ich kann das beurteilen;-) und gewiss ein interessanter Untersuchungspunkt für medienwissenschaftliche Promotionen, geht aber an den Realitäten einer Welt, die mehr denn je Medienwelt und damit durch und durch kommerziell ist, völlig vorbei. In dieser Welt ist Qualität das, was Reichweite generiert. Und diese wiederum entsteht aus einem eigenständigen Profil. So gesehen ist dann die bewusst verkürzende Polemik einer BILDzeitung genau so Qualität wie die Analytik des E-Business Weblog. Wer eine Alleinstellung im Markt erreicht, ganz egal, ob es sich um den Markt der Weblogs oder um den Markt der Boulevardzeitungen oder den der politischen Magazine handelt, produziert Qualität. Wieviele deutschsprachige Blogs gibt es derzeit? 10.000? 20.000? 50.000? In jedem Fall noch viel zu wenige, um erwarten zu können, dass die zitierte Spitze des Eisbergs so hell zu leuchten vermag, dass sie wirklich öffentlich relevant wird. Nichts gegen die vielleicht zwei Dutzend deutscher Weblogs, die regelmäßig lesenswert erscheinen, aber darunter ist meines Erachtens nicht eines, das ein konzeptionell so einzigartiges Profil aufweist, dass wir hier ernsthaft über Qualität in einem journalistischen (= selbst recherchierenden und verifizierenden) Sinne diskutieren müssten.

Und nein, über die Qualität traditioneller journalistischer Medien lohnt es sich derzeit auch nicht, zu diskutieren. Auch da dominieren die Zwänge des Marktes zunehmend die Inhalte...

Die Qualität der Blogosphäre hingegen liegt in ihrer vernetzbaren Vielfalt, in ihrer Individualität, in ihrer Subjektivität. und eben in ihrer (noch!) Freiheit von Marktzwängen. Und (vorerst) nirgendwo sonst.

Von einer kritischen Masse, die ein deutsches Instapundit hervorbringt, sind wir, denke ich, noch mindestens fünf Jahre entfernt :-)


w/kind regs (Roland "Duesenschrieb" Mueller)

Roland Mueller am 24.02.05 11:58 #
 

Bloggers Nabelschau?
Hier geht es munter drunter und drüber durch alte Fragen der „Massenkulturkritik“.
...
Motivationen zum Bloggen sind entsprechend der Nutzer verschieden. Und auch „Aneignungslogiken sind niemals eindimensional“. Warum sollten ausgerechnet Weblogs einen Qualitäts-Standard erfüllen?
Erfreut man sich da einer Nabelschau der kleinen Gemeinde, die längst nicht mehr so klein und exklusiv ist, wie sie es gerne hätte.
(...)
Trotzdem erfreulich, dass aufgrund eines neuen Vehikels die alten (theoretischen) Fragen des Antriebs neu betrachtet werden. Denn solche Weltformel hat ja bisher noch niemand gefunden...

dede am 24.02.05 13:10 #
 

tach zusammen,

the medium is the message? wohl kaum. viele scheinen aber genau davon überzeugt zu sein. ich stimme martin und vielen anderen hier zu, dass inhaltliche qualität und technisches verfahren nicht logisch zusammenzubringen sind.


blogger werden derzeit von massenmedien zu dem gemacht, was sie eigentlich nicht sind: öffentliche thementreiber. das ist schön, aufregend und auch wichtig. aber überschätzen wir die szenerie nicht: da spielt auf journalistenseite die lust am neuen, am subversiven mit: seht mal, ich recherchiere in blogs!


werden die blogs von den ach so investigativen redakteuren bei rtl, spiegel, süddeutsche & co wieder fallengelassen, weil alles schonmal da war, jeder aufreger erzeugt und jede sau durch´s dorf getrieben ist, dann sind blogs wieder das, was jede private internetseite schon immer war: das grundrauschen des internets.


Mark Pohlmann am 24.02.05 16:04 #
 

Mark, "The medium is the message" ist so pauschal natürlich ein bißchen Quatsch, vor allem weil es aus dem Kontext gerissen vielseitig interpretierbar ist. Aber die technischen Eigenheiten beeinflussen die Inhalte, klar. Im Fall von Blogs befördern sie unabhängige (Vorteil gegenüber den Massenmedien) Subjektivität bei gleichzeitiger Vernetzung.
Wenn die Community eine kritische Masse erreicht, werden die Inhalte für die öffentliche Sphäre relevant. Das Erreichen der kritischen Masse hängt von der Zahl der Mitmacher ab, aber auch davon, wer mitmacht. Weblogs werden von gebildeten, gut verdienenden Leuten, oft mit Zugriff auf Massenmedien, gemacht und gelesen.
Die Vernetzung sorgt für die Ausbildung von Knoten mit einer Menge Kontakten und Lesern, der A-List. Das ist das "Power Law".

Deshalb ist Relevanz eine Frage der Zeit, solange die Blogosphäre wächst - ob man das nun gut findet oder nicht. Und in den USA bereits erreicht. Mit "Qualität" hat das übrigens erstmal nichts zu tun.

Frank Unger am 24.02.05 16:37 #
 

...wie Herr Mueller zum größten Teil schon sagte. Hätte vielleicht alle Kommentare lesen sollen...

Frank Unger am 24.02.05 16:50 #
 

Hallo Frank,

kurze Replik auf dein Argument: "Im Fall von Blogs befördern sie unabhängige (Vorteil gegenüber den Massenmedien) Subjektivität bei gleichzeitiger Vernetzung."

Um aus der mit der vor allem mit sich selbst vernetzten Bloggerwelt rauszukommen, braucht es schon die Medien, die die Themen aufnehmen. Sonst bleibt alles privat, egal, wieviele Blogger sich gegenseitig darauf hinweisen.

Mark Pohlmann am 24.02.05 16:56 #
 

Aber Blogs sind ja schon Medien, nur anders. Unter "kritischer Masse" verstehe ich nicht unbedingt das Eindringen in die (in vielen Fällen nicht mehr adäquaten) Diskurse der Massenmedien durch Anpassung. Die Blogosphäre gewinnt eher für sich selbst eine Bedeutung in der Öffentlichkeit, wenn ein großer Teil der Leute lieber hier liest statt dort. (Das ist aber auch kein Grund, sich in Hahnenkämpfen mit professionellen Journalisten zu erschöpfen, zumal die Blogger für die richtig Großen doch nur ein lästiger Floh im Gefieder sind)
Das wiederum zwingt dann vielleicht Massenmedien, auf die Bloggerthemen einzugehen - oder auch nicht. Die Frage ist, ob man die gesellschaftliche "Bedeutung" daran messen muss. Zwanghaft auf die Massenmedien zu schauen - das bringt's nicht. Was ist so schlimm daran, ein alternatives Medium zu haben?

Frank Unger am 24.02.05 17:25 #
 

Es gibt übrigens durchaus bereits Hybriden zwischen traditionellen Medien und Weblogs. Ich denke da zum Beispiel an die koreanischen Ohmynews, deren Citizen Reporter (eigentlich also Blogger) mittlerweile sehr erfolgreich P2P-Journalismus betreiben. Ein womöglich interessanter weiterer Aspekt für diese Diskussion hier. Gewissermaßen Multi-Lokalismus (die jeweils lokale Anwesenheit von zeitnah berichtenden Bloggern in einem Netzknoten zusammengefasst) als Wettbewerbsvorteil im Markt der ansonsten überlokalen und überregionalen Medien... Das Weblog-Prinzip scheint aus meiner Sicht bei weitem noch nicht ausgereizt...


w/kind regs (Roland "Duesenschrieb" Mueller)

Roland Mueller am 24.02.05 22:11 #
 

Hallo, Herr Röll,

bin gerade erst auf diese Diskussion gestoßen. Sehr interessant. Vielleicht interessiert Sie der Hinweis auf eine andere Auseinandersetzung, die vor etwas längerer Zeit statt gefunden hat, und die meiner Ansicht nach ein bezeichnendes Licht auf die Debatte übers Bloggen unter Journalisten wirft:

http://www.immateriblog.de/archives/2004_11.html

Bestens,
Matthias Spielkamp

Matthias Spielkamp am 18.03.05 16:54 #