18. Februar 2005

[ Dresdensia ]

Zur Waldschlösschenbrücke

Ich hatte vor einigen Tagen eine kleine Polemik zur Waldschlösschenbrücke geschrieben, sie aber nicht ins Weblog gestellt: Das Thema verdient eigentlich eine ernsthafte Auseinandersetzung, aber für eine saubere Ausarbeitung fehlte mir die Zeit. (Wobei ich angesichts der armseligen Berichterstattung der Lokalpresse auch schon daran gedacht hatte... aber ich schweife ab.) Nun habe ich einen ausführlichen Eintrag von René Pönitz gefunden, der sich mit den Argumenten der Befürworter und einigen der vorgelegten Materialien auseinandersetzt. Damit "ist der Weg frei", würde ich sagen, wenn ich auch einer von den Lokalpolitikern wäre, meinen Text doch noch ins Netz zu stellen. Mindestens haben wir genug Textgrundlage um uns zünftig zu streiten, wenn wir das wollen. :-)

"Moch'n mor looous?" (Dresdnerisch für "Beginnen wir?") Fein.


Am 27. Februar müssen die Dresdner eine große Entscheidung treffen: Die, ob sie in ihrer Stadt leben oder autofahren wollen. Es geht um den Bürgerentscheid zum Bau der Waldschlösschenbrücke. Wollen wir die Brücke bauen oder nicht?

Die Befürworter wünschen sich, dass sie von Striesen aus die Fetscherstraße heraufrasen, den Fluss queren, durch einen Tunnel flutschen und die Stauffenbergallee heraufgleiten können, um möglichst schnell am Flughafen oder im Industriegelände zu sein. Dort wollen sie sehr hart arbeiten, was wohl besser geht, wenn man vorher ein Gaspedal durchgetreten hat. Außer dem Automobil sind ihnen keine weiteren Fortbewegungsmittel im urbanen Raum bekannt. Sie argumentieren deshalb, dass es unbedingt nötig sei, die Brücke zu bauen, weil die Menschen sonst immobil wären und es zum "Verkehrskollaps" kommen würde.

Die Gegner halten die Straßenbahn, die S-Bahn und das Fahrrad für bereits erfundene Technologien. Sie mögen grüne Wiesen und können auch ein wenig rechnen. Nicht genug, um Brücken zu konstruieren, aber genug, um Zeitersparnisse beim Reisen vom Osten in den Norden der Stadt durchzurechnen und zu merken, dass die Brücke dafür kaum etwas bringt. Sie haben auch in Staatsbürgerkunde nicht gefehlt und verstehen, dass es völlig egal ist, wieviele Millionen der Freistaat Sachsen zum Bau der Brücke zuschießt, weil das _auch_ ihr Geld ist. Sie fragen sich, wie man in 30 Jahren in Dresden mobil sein sollte.

Argumente der Befürworter finden sich hier, Argumente der Gegner hier und hier, das "Abstimmungsbüchlein" mit Argumenten beider Seiten hier.

Geht abstimmen und stimmt dagegen.

Links zu anderen Weblogs: Dirk Jesse ist für den Bau, René Pönitz dagegen, Eintrag auf dresdner.blogger.

Trackbacks sind Links von anderen Weblogs auf diesen Eintrag.  

Mich würde es sehr stören, an warmen Tagen nicht mehr in dem Bereich liegen, lesen, feiern und mittagsschlafen zu können, in dem die Brücke ihre Pfeiler in den grünen Grund jagen möchte. Das ist ein Grund. Den zweiten - die Frage nach der mobilen Notwendigkeit - hat Martin ja weiter oben schon dargelegt. Daher ist der Kreis rechts auf dem Stimmzettel meiner. Obwohl ich ja sonst selten rechts wähle, naja..

Bernhard Fürst am 18.02.05 13:32 #
 

Tscha, und nu muß ich mir ja wohl einen anderen Schlafplatz suchen - oder unter der Brücke pennen: Laut SZ (Sächsische Zeitung) wollen 2/3 der Dresdner die Brücke. Im Herbst solls losgehen, also noch ein Sommer Schonfrist :-((

Bin mal gespannt, wie das Experiment in 10 Jahren bewertet wird...

Bernhard Fürst am 27.02.05 21:23 #
 

Detaillierte Abstimmungsergebnisse gibt's auf den Seiten der Stadt. In der Äußeren Neustadt (meinem Stadtteil) haben 69% dagegen gestimmt... allerdings war das der einzige Wahlbezirk, in dem es überhaupt eine Mehrheit gegen die Brücke gab. Wohlan... so lasset uns denn nun das Elbtal zubauen.

Martin Röll am 28.02.05 08:52 #
 

Siehe auch: René.

Martin Röll am 28.02.05 08:53 #
 

Vielleicht sollten sich die Dresdner Verantwortlichen einmal das Beispiel Idar-Oberstein ansehen. Nachdem dort die Nahe überbaut wurde, um die Verkehrsflut zu lenken, ist man doch nicht so richtig glücklich geworden. Die gewonnene Mobilität hat die gewonnene Hässlichkeit nicht wirklich aufwiegen können.

Matthias Kryn am 28.02.05 16:56 #