9. Februar 2005

[ Business Weblogs ]

Google-Blogger gefeuert. Weblog-Regeln für bloggende Mitarbeiter.

Mark Jen ist ein ehemaliger Mitarbeiter von Microsoft, der im Januar einen neuen Job bei Google angetreten hat. Er schrieb über sein Leben als Google-Angestellter in einem Weblog. Jetzt, nichtmal einen Monat nach seinem Start, ist er gefeuert worden.

Erst war nicht klar, ob es etwas mit seinem Weblog zu tun hat, aber jetzt ist es bestätigt: It was directly related to his blog. schreibt Jeremy Zawodny, der sich mit ihm unterhalten hat.

Ob es nun die kritischen Einträge waren, die Mark Jen veröffentlicht hat, ob es die Einträge waren, in denen es um sein Gehalt ging, ob es die waren, die Andeutungen zu Google-Finanzzahlen hatten oder ob er schlicht zu viel gebloggt und zu wenig gearbeitet hat, darüber werden andere noch wild spekulieren. Was mich viel mehr interessiert ist, wie Unternehmen künftig mit bloggenden Mitarbeitern umgehen werden.

Nicole Simon bringt das in einem Kommentar gut auf dem Punkt:

The lesson learnt from it for Google defenetly is to make a clear statement to employees on when to blog about what in the sense you described (be smart about it) and to evaluate more the applicants understanding of the business at hand (in this case Google and it's connections to the Net).

(Sie nimmt dabei Bezug darauf, dass nach Aussage von Jeremy Zawodny Mark Jen nicht wusste, dass Blogger Google so genau beobachten und von seiner plötzlichen Berühmtheit überrascht war.)

Jeremy schreibt darüber, wie Yahoo damit umgeht:

Aside for the normal agreements that one signs as a Yahoo employee, we have no additional policies or rules about blogging. But we're working on something: a set of guidelines that are very much in line with those used by Sun Microstems. The idea is to let all employess know that it's okay to blog about life at Yahoo, as long as you're smart about it.

Die meisten Unternehmen werden sich damit auseinandersetzen müssen, wie sie mit bloggenden Mitarbeitern umgehen. Es ist nicht zwingend notwendig, explizite Regeln aufzustellen, aber wer es nicht tut, erhöht das Risiko, dass etwas passiert, was das Unternehmen in Schwierigkeiten bringt - auch ohne, dass das jemand beabsichtigt! Und andersrum: Wer klarstellt, was erlaubt ist und was nicht, kann auf solider Grundlage von den positiven Effekten von Mitarbeiter-Weblogs profitieren. Das Unternehmen und auch die Mitarbeiter bekommen Sicherheit.

Trackbacks sind Links von anderen Weblogs auf diesen Eintrag.

die diskussion über den gefeuerten google-blogger geht weiter...

Jo's Jobwelt: google blogger mark (10.02.05 17:59)

Die Zahl derer, die sich wegen zu aktivem Bloggen von ihrem Job verabschieden m

companice.twoday.net: Der gefeuerte Blogger (23.02.05 11:02)

Fredrik Wackå hat Weblog-Regeln verschiedener Unternehmen miteinander verglichen - Regeln, die Unternehmen ihren bloggenden Mitarbeitern vorgeben. Die wichtigsten Grundsätze haben alle Unternehmen in ihre Regelsätze aufgenommen: Persönliche Verantwortu...

Das E-Business Weblog: Unternehmens-Weblog-Regeln im Vergleich (06.06.05 20:32)

 

Ich frage mich, für was es da besondere Regeln geben muß? Was ich publik machen darf, geht in der Regel aus dem Arbeitsvertrag und dem BDSG hervor - insbesondere die Geheimhaltungsklausel nach §5 BDSG.

Ob ein Mitarbeiter nun in seiner Stammkneipe Betriebsgeheimnisse verrät, diese der Presse verkauft - oder es in seinem WebLog veröffentlicht, ist am Ende doch egal. Der Schadensumfang/Empfängerkreis ist ggf. in der Kneipe nur geringer. Klar, ne Regelung kann Schaden von Anfang an minimieren - aber diese dann sicher nicht `nur´ wegen eines einzigen Kommunikationsweges ...

René Pönitz am 09.02.05 18:27 #
 

Es geht nicht nur um Geheimnisverrat. Dazu, da kannst Du sicher sein, hat auch Google längst Regeln. Schau Dir die Einträge von Mark Jen halt mal an: Die berühren andere Aspekte.

Martin Röll am 09.02.05 18:33 #
 

Schau Dir die Einträge von Mark Jen halt mal an: Die berühren andere Aspekte

kannst du das weiter ausführen ich habe seine letzten einträge gelesen und konnte eigentlich nur fesstellen, dass er recht freimütig über seine beweggründe für den wechsel zu google berichtet und das auch bei seinen ersten arbeitseindrücken macht

da habe ich mich schon gefragt, ob es sinnvoll und aus arbeitgebersicht gewollt ist, darüber zu schreiben, ob nun tatsächlich geheimnisverrat oder nicht vermag ich nicht zu beurteilen, aber das scheint mir eben genau zu dieser frage zu passen

generell sehe ich auch keine notwendigkeit explizit für bloggen regeln aufzustellen, hinweise wie sie sun macht können allerdings hilfreich sein

André am 10.02.05 01:20 #
 

Ich glaube, dass Organisationen in dieser Hinsicht einen schmalen Grat entlang spazieren müssen: Zu wenige Regeln können möglicherweise ihre Außendarstellung gefährden (zumindest mag das in der Wahrnehmung der Unternehmensleitung so sein), zu viele Regeln töten das, was das Bloggen ja gerade ausmacht: Das unverfälschte und authentische Schreiben über bestimmte Sachverhalte.

JanSchmidt am 10.02.05 01:25 #
 

ich denke, man sollte hier nicht zu vorschnell urteilen. bisher hat ja noch niemand google gehört (sofern die sich dazu offen äussern), oder?! es könnte ja auch sein (ich betone "es könnte sein"), dass mark einfach nicht die leistung gezeigt hat, die man von ihm erwartet hat. und der blog-grund war ein weiterer stein im mosaik. da wäre es aus marks sicht natürlich wesentlich besser, die kündigung auf seinen blog zu schieben und nicht auf mangelnde leistung...

jochen mai am 10.02.05 17:50 #
 

Weil es redundant auch in Jochens Blog steht und es mir in diesem Eintrag um das allgemeine Thema und nicht nur diesen Fall geht: Antwort hier.

Martin Röll am 11.02.05 11:06 #
 

Was ich so las ist das Blog von Mark längst redigiert und betreffende Passagen, die zur Kündigung führten nicht mehr im Blog zu finden, ebenso wurde wohl auch der Google-Index bereinigt.

Ich glaube nicht, dass Google die Human Voice braucht und verallgemeinert ausgedrückt. Nicht jedes Unternehmen braucht für den Unternehmenserfolg einen unverfälschten Autor, der nach außen das tolle Betriebsklima, die super Marktrecherche und haste nicht gesehen beschreibt.

Google testet Feature und wenn sie erfolgversprechend sind werden sie i.R. zunächst im amerikanischen heimischen Markt eingeführt und dann Weltweit. Google lässt seine Produkte sprechen. Inwieweit sie mit ihrer Personalpolitik soweit dies im Blog erkennbar ist immer die Mitarbeiter finden, die sie brauchen ...

Blogs sind nur ein Kanal unter vielen und man kommt ohne diesen aus. Ergo kann ein Unternehmen seine Blogpolitik auch sehr restriktiv handhaben.

Übrigens habe ich ein Problem mir vorzustellen, dass google sämtliche Blogs überwacht, ob nicht ein Google-Mitarbeiter darunter ist, der irgendetwas blogged, das zur Kündigung führt. Da dürfte Word-of-Mouth von Blogger zu Blogger und von Kollege zu Kollege vermutlich eher dazu geführt haben, dass Vorgesetzte von Mark Jen aufmerksam wurden.

Selbst wenn man eine große Monitoring-Abteilung voraussetzt, die mit nichts anderem beschäftigt ist, als auszuwerten, was im Internet über Google geschrieben wird, dürfte so ein einzelnes Blog eines Mitarbeiters kaum auffallen. Das Problem des bloggenden Mitarbeiters ist, dass man ihn nicht immer sofort erkennt und i.R. er überhaupt nur bemerkt wird, wenn der Schaden längst passiert ist.

Silke Schuemann am 11.02.05 15:15 #
 

Robert Scoble hat einen weiteren Artikel mit ein paar guten Empfehlungen für Unternehmensblogger:

2) Make sure you really understand the culture of the company you are joining before writing openly about that company. (...)

3) Make sure your boss is on your side


(Via Jochen Mai) Martin Röll am 11.02.05 15:56 #