1. Februar 2005

[ Geschichten ]

Vortrag von Edgar K. Geffroy. Versuch einer zusammenhängenden Ausarbeitung.

Liebes Tagebuch,

heute habe ich gelernt, dass in 5 Jahren in der Wirtschaft "nichts mehr so sein wird, wie wir das die letzten 50 Jahre gelernt haben".

Das hat der Herr Geffroy gesagt, der einen Vortag in dem schiefen Haus vor ganz vielen Leuten gehalten hat. Seinen Namen habe ich mir gemerkt, weil der auf jeder Folie dreimal draufstand. Folien hatte der Herr Geffroy sehr viele. Es standen mal ganz viele und mal ganz wenig Wörter drauf und manchmal Statistik und die haben immer lustig gewackelt.

Das mit der großen Veränderung hat mir ein wenig Angst gemacht, aber der Herr Geffroy sagt, dass das halt nicht anders geht und man jetzt halt was machen muss. Man kann auch nichts machen, aber dann fliegt man aus dem Geschäft. Na gut.

Der Herr Geffroy sagt also, dass sich alles ganz doll wandeln wird. Das bedeutet, dass wir mehr Eigenverantwortung kriegen. Warum hat er nicht gesagt, aber er hat es halt gesagt. Deshalb hilft jetzt logisches Denken nicht weiter, sondern muss man das mit der Emotionalen Seite machen. Der vom Gehirn. Was das damit zu tun hat und warum das so sein muss mit dem Denken und der Emotion habe ich auch nicht verstanden, aber wenn er das so sagt ist es bestimmt so.

Der Herr Geffroy hat dann über einen Herrn Kondratieff geredet, der schon vor ganz langer Zeit ganz doll über Wirtschaft nachgedacht hat und rausgefuden hat, dass alle 50 Jahre etwas Großes passiert. Vorher geht es der Wirtschaft 25 Jahre gut und danach 25 Jahre schlecht. Im Moment sind wir gerade 2 Jahre nach einem Höhepunkt, dem "Internet"-Höhepunkt, nämlich, sagt der Herr Geffroy. Das ist natürlich blöd, weil man sich dann ja am besten in einen Kühlschrank stellen und warten könnte bis es wieder gut geht, sagt er (da haben die Leute gelacht). Aber das hat ihn genervt, also hat er ein paar ganz gelehrte Leute gefragt, was man denn jetzt tun könne, in so einer Abwärtsbewegung. Und da hat er rausgefunden, dass man da das nutzen soll, was vorher aufgebaut worden ist: Die "Infrastruktur". Ich glaibe, dass er damit meint, dass wir mehr E-Mail verschicken sollen.

Dann ging es weiter und er hat über "(R)evolution" geredet. Das sah ziemlich lustig aus mit der Klammer und er hat das auch erklärt, dass sich alles verändert, aber manchmal auch nur ein bisschen, aber manchmal auch total und dass man da aufpassen muss. Früher fanden alle Industrie und Maschinen und Produkte und so ganz toll, aber das geht jetzt nicht mehr, sondern man muss auf Wissen, Menschen und Netzwerke gucken. Menschen findet der Herr Geffroy ganz, ganz toll: Sie sind "der neue Klebstoff" und "der entscheidende Schlüsselfaktor für Erfolg." sagt er. Das finde ich auch.

In Deutschland lassen sich Leute alles gefallen. In den USA meckern sie rum. Der elfte September war "der erste Tag der wirtschaftlichen Neuzeit" und wir haben jetzt "Unlimited Business". Was das alles bedeutet habe ich nicht verstanden, aber ich schreibe es mal so auf.

Jetzt mit dem 11. September und "Unlimited Business" ist es das so, dass "das Zeitalter des grenzenlosen Wachstums beginnt" sagt der Herr Geffroy. Es gibt aber auch "Wachtumsfallen" und zwar 1) im Markt 2) im Land 3) im Geschäftskonzept und 4) im Kopf. Gut dass ich das jetzt weiß, dann kann ich da aufpassen. "Der Wandel wird zur Konstante" und deshalb brauchen wir einen "Business Neustart". Das hat er auch noch gesagt.

Der Herr Geffroy hat dann ein bisschen mit seinen Kunden angegeben und ganz lange über ganz alte Leute geredet, weil wir von denen schon ganz bald gaaaaanz viele haben werden. Er wünscht sich einen DVD-Recorder, der aufnehmen kann und ein Handy mit großer Schrift, damit er besser mit Frauen flirten kann, weil er dann die Brille nicht aufsetzen muss, was ja unsexy wäre.

Dann als er damit fertig war mit dem Flirten und den alten Leuten hat er über das "Wachstumsystem Natur" geredet. Das fand ich gut, weil Natur find ich gut. Das Wachstumssystem Natur geht so: "Wer sich konzentriert, der wächst. Wer sich verzettelt, der schrumpft." Ich hab ganz lange darüber nachgedacht und an Bäume gedacht, habe es aber nicht verstanden. Es klang aber gut, deshalb werde ich das gleich in meinen Motivationskalender eintragen.

Herr Geffroy sagt, dass Innovation ganz wichtig ist. Und "Konkurrenzlosigkeit". Das ist, wenn es keine Konkurrenz mehr gibt, weil wir "einzigartig" sind. Er sagt dann auch noch, dass wir den Kunden zuhören müssen, weil die immer ganz viel wissen. Irgendwie aber auch nicht, denn manchmal wissen die was auch nicht. Er hat dann ein Beispiel von Sony mit dem Walkman genannt, dass ich ganz, ganz spannend fand.

Dann hat er noch mit einem Investment in eine Leasingfirma geprahlt, dass er mal vor 10 Jahren getätigt hat und das wohl gut gelaufen ist. Die Firma macht ganz viel mit Partnern und das ist wohl gut. "Nutzenmaximierung statt Gewinnmaximierung" muss man machen, aber das stand schon auf der nächsten Folie und hatte damit wohl nichts mehr zu tun.

Er hat dann auch mal ein Buch geschrieben, das hieß "Verkaufserfolge auf Abruf" und das funktionierte auch. Er hat dann immer den Unternehmern zweistellige Verkaufszuwächse in 6 Monaten verkauft und das lief bombig. Er war dann ganz doll erfolgreich und hat sich 20 Angestellte und zwei Vorzimmerdamen angestellt.

Eine von denen ist mal zu ihm gekommen und hat gesagt, dass sie ein komisches Gefühl hat. Aber ihn hat das nicht gekümmert und er ist in Urlaub gefahren. Als er dann wieder kam hatte er 500.000 Miese auf dem Konto. Irgendwas hat er falsch gemacht, glaube ich. Er hat aber nicht erklärt was, sondern gefragt, wann wir eigentlich bereit sind, Hilfe anzunehmen. Das hat den Steuerberatern, die im Publikum saßen, richtig gut gefallen und die haben alle aufgeatmet.

Er hat dann noch ein anderes Buch von sich gezeigt und auch den Titel von der chinesischen Ausgabe, wo ein Netzwerk drauf ist. Er sagt, es wäre ja klar, was da kommen würde. Überhaupt "Clienting ersetzt Marketing". (Was das ist habe ich nicht verstanden, aber ich habe ja auch das Buch nicht gelesen.) 97% aller Kunden sind aber überlastet und wir brauchen Beziehungsmanager in Unternehmen.
Das gehörte auch noch dazu.

Dann gab es etwas Geschichte: In den 70ern war Marketing wichtig. In den 80ern die Qualität - da waren die Japaner gut. In den 90ern war es die Kundenorientierung. Und dann hat der Herr Geffroy ganz lange nachgedacht, weil man ihn ja gefragt hat, was in den 2000ern kommt. Der Herr Geffroy wird immer ganz viel gefragt und von ganz tollen Unternehmen. Er hat dann 1999 gesagt: "Partner" und er hat heute gesagt, dass er das noch immer glaubt. Partner sind wichtig, weil irgendwann bald keine Mitarbeiter mehr da sind. Ich glaube, weil die alle alt sind und mit Handys spielen. Das würde heute noch keiner verstehen, das mit den Partnern, es wäre aber so, und wenn man auch in die Wissenschaft schauen würde, gebe es da fast kein Material.

Er hat dann noch gesagt, dass man jetzt die Kunden begeistern muss, weil Kundenzufriedenheit nicht mehr hilft und ganz langweilig wäre. Früher hieß es "ein zufriedener Kunden empfiehlt dich drei anderen Kunden weiter", aber heute müssen die "begeistert" oder "verblüfft" sein. Und eigenlich muss man auch gar nicht die Kunden verblüffen, sondern die Partner. Aber das ist schon wieder en anderes Thema und dazu stand nichts auf der Folie, also ging es weiter:

Es geht um Kernkompetenzen. Das ist ganz klar. Und zwar eigentlich um die "Kernkompetenz der Zukunft". Alle mussten sich umdrehen und dem hinter ihnen ihre "Kernkompetenz der Zukunft" erzählen. Das haben auch ganz viele gemacht, aber der alte Mann vor mir nicht. Ich habe mich auch nicht umgedreht, weil ich ja noch tippen musste.

Der Herr Geffroy hat dann ein bisschen gelacht und ins Mikrofon gepustet und dann nochmal über Beziehungen und so geredet. Ich bin dann gegangen, weil es schon spät war und ich mir überlegt hatte, dass meine Kernkompetenz eigentlich nicht ist, solchen Vorträgen zuzuhören. Ich schicke jetzt meinen Partner hin und lasse meinen Beziehungsmanager den Rest machen.

So liebes Tagebuch, jetzt weißt Du wie die Zukunft ist und wie man seine eigene Konjunktur macht. Das war nämlich der Titel des Vortrags. Und wenn Du jetzt ganz erfolgreich wirst, dann erkläre mit bitte, wie Du das gemacht hast.

Dein Martin.

Vortrag "Machen Sie Ihre eigene Konjunktur" von Edgar K. Geffroy am 1. Februar 2005 im Internationalen Congress Center Dresden auf Einladung des ST-Verbund.

Trackbacks sind Links von anderen Weblogs auf diesen Eintrag.

Der Martin (einzigartig, also konkurrenzlos) war bei Edgar Geffroy (konzentriert, also groß). Dem hat er lange zugehört. Und anschließend alles seinem Tagebuch erzählt. Damit es nicht vergisst, wie man seine

Usability Inside | web-blog.net: Kernkompetenz der Zukunft (02.02.05 00:37)

 

Hast Du irgendwas geraucht/getrunken/geschluckt? Das Zeug scheint ziemlich gut zu sein, kannst Du mir davon was abgeben?

;-)

Armin am 02.02.05 00:15 #
 

Hallo.

[14 Spamlinks für Krankenversicherungsangebote gelöscht. MR]

This wonderful site, is worth dropping a line in your guestbook to say thanks!

stani am 02.02.05 09:49 #
   

Auf jeden Fall sofort integrieren! Und dann daraus eine Kernkompetenz machen! Verblueffe Ihn! Begeistere Ihn! Und den Wandel nicht vergessen!!!!!1

Armin am 02.02.05 11:57 #
 

Ich glaube die Spammer sind immer sehr verblüfft, wenn sie eine Rechnung von mir bekommen.

Martin Röll am 02.02.05 12:16 #
 

Ich frage mich, wie Du das Gewäsch so lange ausgehalten hast.
Vermutlich hast du die Zeit genutzt, um -analog einem Klavierspieler- die Fingerfertigkeit zum Tippen zu üben.

Guntram am 02.02.05 14:54 #
 

Nein, kein Kunde. Ein Partner!

René Pönitz am 03.02.05 10:16 #
 

War das Ganze vielleicht eine Art Faschingsveranstaltung?

Ob es weniger solcher Vorträge gäbe, wenn mehr Antireklame stattfände?

Cora Burger am 04.02.05 11:51 #
 

Möglich. Aber solche Vorträge sind toll. Warum weniger davon?

Martin Röll am 04.02.05 12:23 #
 

Dieser Kunde war in der Tat verblüfft. Er hat mich gerade angerufen. Er "wusste nicht", dass das etwas kostet, er hätte "viel Werbung gemacht" in letzter Zeit und "dachte, das wäre so wie Wiki". Im übrigen ist er arbeitslos und bettelarm. Ich werfe die Spam-Links raus und erlasse ihm, wie auch allen anderen Spammern bisher, die Zahlung. Möge er schnell lernen und hier besser kein zweites Mal auftauchen.

Martin Röll am 04.02.05 17:52 #
 

Um Deinen Artikel zu lesen, musste ich mein Handy
niederlegen. Aber es ging hinterher noch immer nicht. Das nächste mal musst Du mich mitnehmen zu so'nem Kongress.


Oliver Baer am 08.02.05 12:32 #