25. Januar 2005

[ Weblogs und Journalismus ]

Sixtus über Blogger und Journalisten

Mario Sixtus schreibt auf heute.de über Blogger und Journalisten (via Schockwellenreiter) und bringt auf kurzem Raum wichtige Dinge auf den Punkt:

Er zitiert einige abfällige Äußerungen von Journalisten über Blogs und meint:

Würde Herbert Grönemeyer sich darüber echauffieren, dass "jeder Laie sich berufen fühlt Musik zu machen", stieße diese Äußerung wahrscheinlich auf Unverständnis. Ebenso, wenn Starkoch Alfons Schuhbeck "99 Prozent aller Hausfrauen-Gerichte für Müll" erklären würde; und hat sich Jan Ulrich jemals über "all diese Typen auf ihren Fahrrädern" aufgeregt, oder gar über deren Kleidung?

Schön gesagt. Wieso regen die sich so auf? :-)

Er meint er zu der oft gehörten Aussage, dass "99% aller Blogs Müll sind", dass dann immer noch Bei geschätzten 30 Millionen Blogs weltweit (...) das bedeuten [würde], dass zumindest 300.000 davon kein "Müll" sind.. Wer bei meinem Vortrag in Stuttgart war, hat diese Idee schon mit etwas anderer Perspektive gehört: Es kommt nicht darauf an was "die Weblogs" sind oder wieviele von ihnen "Müll" sind. Meinetwegen sind 99% "Müll" und irrelevant - dann macht das andere Prozent den Unterschied. Wer auf den "Müll" starrt macht was falsch.

(Den konstruktivistischen Exkurs spare ich mir an der Stelle, ihr wisst schon, Wahrnehmung hängt von der Ewartung ab, Objektivität ist eine Machtfrage usw.. Mindestens für den Blogger -und für seine Leser!- ist das, was er schreibt eben kein Müll!)

[Nachtrag] Vor zwei Wochen hat Robert John darüber geschrieben (via Dienstraum):

Die Aussage, dass die Mehrheit der Weblogs irrelevant ist, ist (...) völlig uninteressant. Spannend wird es (...) dann, wenn man sich die Gesamtheit der Weblogs genauer ansieht. In der Gesamtheit gibt es keine Irrelevanz.

Ein anderes Beispiel das sich in Sixtus Liste gut einreiht, gibt's bei mir im Archiv: Dieter "organgeguru" Müller über Weblogs (23. März 2003). Man beachte auch den Kommentar von Wolfgang Jokesch.

Mario bezieht sich auf John Hilers Artikel Blogosphere: the emerging Media Ecosystem - How Weblogs and Journalists work together to Report, Filter and Break the News (2002!), der die zwei wichtigsten Interaktionsformen von Blogs und Journalisten identifiziert:

  • Blogger kommentieren und überprüfen Artikel ihrer Profi-Kollegen. Durch Hyperlinks vergrößern sie die Leserschaft einzelner Beiträge.
  • Journalisten besorgen sich Inspirationen und Themen aus der Blogosphäre. Weblogs fungieren als Trend-Seismograph; sie liefern Rohinformationen, die als Grundlage für eigene Artikel dienen können.

(Wer noch mehr Punkte mag: Jeff Jarvis hat was dazu.)

Hervorragender Artikel. Empfehlung.

Trackbacks sind Links von anderen Weblogs auf diesen Eintrag.  

Wieso die sich so aufregen? Meine Antwort (und hey, natürlich habe ich den Smiley gesehen! ;-): Ein winzig kleiner Teil der Blogger spielt sich ab und an mit Triumpfgeheul als Nachfolger der Journalisten auf. Um im Bild zu bleiben -- der kochende und singende Radfahrer von nebenan sagt, die Tour de France schaffe er mit links, ein Vier-Sterne-Restaurant könne er mit seinen Kochkünsten locker betreiben und sein Gesang fülle diverse Arenen und Stadien im deutschsprachigen Raum. Dabei haben 99 Prozent der Blogs weder das Ziel noch die Mittel, Journalisten in die Arbeitslosigkeit zu verdrängen. Also einfach mal die pauschalisierenden Scharmützel einstellen und auf die eigenen Stärken besinnen. Nochmals: Ein Blog ist ein Blog ist ein Blog.

Alexander am 26.01.05 01:56 #
 

Wahr. Danke.

Martin Röll am 26.01.05 08:21 #
 

Die Altherren-Überschrift ("Brüder") passt recht gut zum ZDF, wer auch immer dafür verantwortlich sein mag.

Irene am 28.01.05 14:37 #