6. Januar 2005

[ Oekonomie ]

Kommerzielle Nutzung freier Inhalte und Creative Commons Lizenzen

Markus Breuer kommentiert bei mir:

in der open source gemeinde ist aktuell eine bewegung zu beobachten, die sich mehr und mehr in rage über kommerzielle nutzer steigert, die von OSS profitieren und nichts zurück geben. auch die CC lizenzen werden von vielen usern inzwischen mehr als "möglichkeit, den bösen etwas zu verbieten" dann als "austausch vereinfachen" angewendet.

Das stimmt und das ist traurig.

Es beinhaltet einen Punkt, der mich bei den Creative Commons Lizenzen immer skeptisch gemacht hat: Es heißt: "Kommerzielle Verwertung erlauben - ja oder nein?" Und natürlich: Bei den allermeisten Sachen will ich nicht, dass z.B. meine Texte einfach so kommerziell verwendet werden können. Wenn das einer macht, will ich mindestens informiert und vielleicht auch beteiligt werden. Also: "Nein".

Das Problem ist, dass ich dann so ein Icon bekomme:

cc-noncommercial.jpg

Das ist aber im Grunde genau das, was ich nicht will. Ich will ja kommerzielle Nutzung meiner Texte oder Bilder! Ich will nur nicht, dass sie ohne, dass ich davon erfahre kommerziell genutzt werden!

Creative Commons sagt genau das: Das ist die Lizenz, unter der das Werk frei verwendet werden kann. Abweichungen sind in Absprache mit dem Urheber immer möglich. ([Nachtrag] Siehe auch Creative Commons FAQ.) Leider, so fürchte ich, kommuniziert die Lizenz aber oft schon etwas, was einen Verwender dann davon abhält, den Urheber zu kontaktieren und etwas von der Lizenz Abweichendes zu vereinbaren. Oder wie spricht so ein durchgestrichenes Dollarsymbol zu Euch? Würdet Ihr einem Autor, der einen Text mit einem durchgestrichenen Dollarsymbol veröffentlicht, ein Angebot für einen kostenpflichtigen Abdruck machen?

Ich höre schon jemanden "ja" sagen. Ja, Du: Du kennst Dich mit CC aus! Aber wie sieht das für Nicht-Experten aus? Das hier ist die Lizenz meines Weblogs an Universitäten-Texts. Sieht die so aus, als wolle ich die kommerzielle Verwertung des Textes fördern? Also für meine Mutter und für 90% meiner Kunden sähe das eher so aus, als wolle ich die kommerzielle Nutzung verhindern!

cc-noncommercial-euro.jpg

Wie lösen wir das? Im Moment müsste ich eigentlich immer noch eine Erklärung zur CC-Lizenz dazusetzen. "Das hier ist die Lizenz für freies Verbreiten. Du kannst den Text auch kommerziell nutzen. Ich will das sogar! Aber frag mich vorher." Kompliziert. Vielleicht bräuchte es noch einen weiteren Lizenzbestandteil, der ausdrückt, welche Teile der Lizenz der Rechteinhaber bereit ist aufzugeben und welche nicht. Oder, als Minimum: Eine Annotation für "kommerzielle Nutzung nach Rückfrage erwünscht", mit einem eigenen Symbol vielleicht, das Geld und Gesprächsbereitschaft andeutet. (Und bitte: Dann nicht mehr den durchgestrichenen Euro! Der kommuniziert soviel Ideologie, die bei ganz vielen gar nicht da ist!)

Richtig? Falsch? Erfinde ich gerade etwas, das schon erfunden ist? Wie handhabt Ihr das?

Trackbacks sind Links von anderen Weblogs auf diesen Eintrag.

Ein kleiner Gedanke von mir. So könnte das doch aussehen, um die Lizenz-Verwirrungen zu vermeiden, die Martin Roell hier beschreibt!

praegnanz.de: Creative Commons: Unscharfe Definition (06.01.05 13:18)

Eine Folge der izyNews-Geschichte: Martin Roell macht sich Gedanken über die kommerzielle Nutzung von Content, der unter einer der Creative Commons Lizenz veröffentlicht wurde. Zusammengefasst: er möchte durchaus auch eine kommerzielle Nutzun...

Dobschats Weblog: Creative Commons und kommerzielle Nutzung (07.01.05 01:23)

 

Steht es dir als alleinigen Urheber nicht frei den Text noch einmal unter einer anderen, kommerziellen Lizenz zu lizensieren?

Also die nichtkommerzielle CC-Lizenz gilt für alle Benutzer, die dich nicht zu fragen brauchen. Wenn jemand deinen Text doch kommerziell nutzen will, dann kann er dich nach einer Kommerziellen Lizenz fragen.

Eventuell kannst du ja noch drunterschreiben, dass du auf Anfrage auch an kommerzielle Anbieter lizensierst, aber das sollte IMHO reichen.

Gernot Poetsch am 06.01.05 13:12 #
 

Die CC-Lizenzen haben mir immer gut gefallen, weil sie so klar waren: Drei Bilder und man wusste, was man darf. Ich hätte gerne eine ähnlich einfache Annotation für die "Kommerzielle Nutzung nach Rückfrage." Das separat an den Text zu schreiben geht auch, aber das ist eben kompliziert. Außerdem ist es nicht mehr maschinenlesbar und nicht mehr standardisiert, was ja der große Vorteil von CC ist. Es ist wie Markus sagt: CC soll den Austausch *vereinfachen*. Wenn wir wieder einzeln herumannotieren und lizensieren steigen die Transaktionskosten wieder.

Martin Röll am 06.01.05 13:20 #
 

Stimmt, das Zeichen signalisiert, dass kommerzielle Nutzung überhaupt nicht erwünscht ist. Nach Ideologie sieht es m.E. allerdings nicht aus - nur eben in vielen Fällen missverständlich.

Mark Obrembalski am 06.01.05 14:00 #
 

Wie sieht es mit nen zweiten Logo aus "Kreis mit nen Telefonhörer drin" und den Text "Fragen Sie nach anderer Lizensierung"

Jörn am 06.01.05 19:48 #
 

Zunächst muss mal eine gescheite Definition für "kommerziell" her. Ist der Mehrzeckbeutel ein kommerzielles Blog, weil dort ein paar Google-Ads drauf kleben? Wohl kaum. Ist Spiegel-Ohnline eine kommerzielle Website? Klar. Andererseits: SpOn schreibt rote Zahlen. Der Mzb nicht. Genau genommen verdient der Mzb also mehr Geld, als SpOn. Ist er dadurch auch kommerzieller?

Kommerziell heißt für mich: da fließt nennenswertes Geld. Wenn ein Redakteur einer kommerziellen Online- oder Offline-Publikation Interesse an einem deiner Texte hat, wird er dich darauf ansprechen und Ihr handelt ein Honorar aus. Dann ist es auch egal, ob unter deinen Texten hier im Blog (c), (cc) oder (zzz) steht. Du verkaufst dann einfach einmalige Publikationsrechte des Textes A an die Publikation B. Ganz simpel.

Die Problemfälle spielen sich eher in der Grauzone ab, dort wo zwar kein nennenswertes Geld umgesetzt (und dir daher auch kein Honorar angeboten) wird aber trotzdem eine Art kommerzieller Dienst entsteht. Siehe die jüngste Debatte um den RSS-Hansel aus Belgien.

Und genau diese Fälle sind bei cc offenbar nicht vorgesehen. Da gibt es nur kommerziell-ja-nein.

Deshalb habe ich auch ganz altmodisch ein (c) unter menen Texten. Wer sie haben will, muss mir sagen wofür und ich entscheide dann ganz nach Laune.

Für Zitate gibt es seit Urzeiten die Fair-Use-Regel. Die gilt in Blogs wie anderswo.

Mario am 06.01.05 19:55 #
 

Darf ich fragen wie hoch das Honorar der Autoren im Mehrzweckbeutel ist? Oder schreibt nicht vielleicht auch der Mehrzweckbeutel genau genommen rote Zahlen und das wird nur nicht ersichtlich, weil alle Autoren ihre aufzuwendende Zeit sponsern? Nur weil nach dem Traffik bezahlen noch ein paar Euro über bleiben ist es noch kein Geschäftsmodell, das mehrere Autoren in Lohn und Brot hält.

Was die Icon-Problematik anbelangt, so muß hier eben wie bei den Waschzetteln in der Kleidung, mehrere Icons her, für jeden Zweck einen, Waschen, Bügeln, Chemische Reinigung und übertragen auf die Inhalte:

CC, C 1, C 2 und C 3 je nach Zweck und Ertragsprognose.

Silke Schümann am 06.01.05 21:10 #
 

Weil der Beitrag wohl ein wenig verpottend rüberkommt ...

Nein Spott ist es nicht, auch wenn es wenig flapsig ausgedrückt ist. Es spricht nichts dagegen für die eigene Seite ein Auszeichnugssystem zu entwickeln, das dann zentral auf eine Seite führt, die die Icons näher erläutert. Allein schon ein festes Zeichenrepertoir an immer der selben Stelle, hilft dem User einzuordnen, was mit dem Inhalt möglich ist.

Ein wenig ist es ja doch, dass man vom Besucher erwartet, dass er sich schon wird zusammenreimen können, was der Anbieter wünscht. Zunächst einmal darf ich bei einem Text nur davon ausgehen, dass der Anbieter möchte, dass man ihn lesen kann.

Ich kann nicht wissen, ob er sich über eine Anfrage freut, oder es im peinlich ist, ob er diese oder jene Abrechnungsform vorzieht, ob bestimmte Interressengruppen erst gar nicht anfragen müssen, weil sie keine Chance haben.

So wie ich bei Elektrogeräte sofort weiß, ob es ein Stromfresser ist oder spart. So wie ich in manchen Läden sofort, weiß, welche Preisklasse das ist und wo meine Größe zu finden ist, genauso kann ich für mein Business und mein Angebot quasi ein Icon-Repertoir vorhalten, dass meinen Leser dazu auffordert über den Gebrauch meiner Inhalte nachzudenken. Es spricht nichts dagegen, neben der CCL noch ein weitere Icon mit z.B. (C) + Telefon + Regebgogengoldtopf gleich daneben zu setzen, das recht klar signalisiert, wer sich davon verspricht den Goldtopf am Ende des Regenbogens zu finden, fällt unter eine andere Lizenzbestimmung und Details erfährt er, wenn er Kontakt aufnimmt.

Ein Waschzettel im Sinne einer Gebrauchsanleitung. Jede Hausfrau weiß heute, was die kleinen Icons bedeuten, meist weil Mütter die Bedeutung
überliefern, aber ich habe auch ein kleines Büchlein aus einem teuren Klamottenladen, der mir Stoffsorten und Symbole ausführlich erklärt.

Silke Schümann am 07.01.05 11:02 #
 

Noch eine Ergänzung: Viele Blogger glauben, man bräuchte eine Lizenz, damit die Inhalte des Weblogs urheberrechtlich geschützt sind, und Weblogs ohne Lizenz seien vogelfrei für jede Art von Nutzung. Dass die hier disktutierten Lizenzen eine Einräumung von Rechten darstellen (also erweiterte Nutzungsrechte im Vergleich zur geltenden Rechtslage bieten), ist gar nicht allgemein bekannt. Jetzt wird mir klar, dass dieses Missverständnis auch an den Icons liegen könnte...

Irene am 07.01.05 18:04 #
 

Wer nutzt einen Text kommerziell? Sicherlich nicht der kleine Bäcker neben an? Das sind Leute, die Tag täglich irgendwelche Texte in ihren Händen haben, bei denen sie erst einmal die rechtlichen Fragen klären müssen (oder es sind solche, denen Lizenz, Copyright, usw. egal sind).

Lars am 07.01.05 23:01 #
 

Irgendwann fängt jeder mal an. Und der Mittelständler der gelernt hat, dass Inhalte Besucherbringt, könnte für seine Kunden und Seitenbesucher so kostengünstig ein Magazin zusammenstellen. Also kommerzielle und unerfahren, was Honorare anbelangt.

Oder jetzt das Unternehmen mit den Feeds. Nur weil ein Irrtum begangen wurde, heißt das ja nicht, dass es nicht drauf hinauslaufen mag, dass pro Abo der Empfänger so eine Art Gema-Beitrag bezahlt, der dann an Martin zugeht, weil er eben doch zulässt, dass die Daten auch per iMap angeboten werden und er sich das versilbern lässt.

Ist zwar irgendwo wiedersinnig, weil es zig andere Lösungen gibt, wie man RSS abonnieren und verwalten kann ... aber Unwissenheit kostet eben manchmal.

Silke Schümann am 09.01.05 04:22 #