3. Januar 2005

[ Blogging ]

Blogs und RSS - Qualität und Quantität

In Blog design in the age of RSS schreibt Chris Anderson darüber, wie sich seine Nutzung des Webs durch Weblogs und RSS verändert hat. (Via Wolfgang Sommergut.)

Die Kernidee, die für mich im Artikel steckt ist die von Quantität versus Qualität (es stecken noch mehr drin und die Diskussion geht auch in eine ganz andere Richtung, aber die hier ist für mich die interessanteste): Es geht im "RSS-Zeitalter" nicht mehr darum, Leser mit neuem Content immer wieder dazu zu verführen, seine Website zu besuchen. Wer eine Website per RSS abonniert hat, muss sich aktiv entscheiden, sie wieder abzubestellen. Das bedeutet, dass das Risiko, jemanden durch viele belanglose Artikel zu verlieren viel höher ist, als durch eine zu geringe Artikelmenge.

it's a behavioral change on the part of the readers: in a subscription age, where publishers don't have to entice you back each day with a flood of new content, quality trumps quantity. Once they've won you as a RSS subscriber, it requires an active decision on your part to unsubscribe. This puts a premium on the thoughtful post, no matter how infrequent, and discourages floods of random miniposts designed to drive return traffic.

The risk is no longer of losing readers with an an insufficient volume of posts, but of annoying readers with insufficiently interesting posts.

Wenn das stimmt - wovon ich im Folgenden ausgehen werde, obwohl ich auch, vor allem aufgrund der noch mangelnden Fähigkeiten von RSS-Aggregatoren, Möglichkeiten sehe, das anders zu sehen: Was bedeutet das für das Design unserer Weblogs oder unserer Webseiten generell?

Wie gewinne ich neue Leser? Ich muss wahrscheinlich regelmäßig neue Einträge posten. Aber wenn ich das tue sinkt die Qualität der Einträge. Wenn ich aber nur selten poste, abonnieren Leser meinen Feed nicht, weil er zu fad ist?

Ich bin mir nicht sicher, ob das stimmt.

Vielleicht ist es auch nur eine Frage von verschiedenen Angeboten für verschiedene Nutzer. Bei mir war das (seit dem Relaunch) schon immer gestaffelt: Es gibt das Weblog mit, für Leute die noch ein "richtiges Leben" [tm] haben, relativ hoher Eintragsfrequenz. Für die, für die das zu viel ist, gibt es den E-Mail Dienst, bei dem ich immer dann eine Mail verschicke, wenn es einen größeren oder wichtigeren neuen Eintrag gibt. Für die, für die das auch zu viel ist und für andere gibt es den monatlichen Rundbrief (Blogeintrag dazu). Für Infojunkies und andere gibt es den Newsfeed und (neu!) del.icio.us-Links mit Feed.
Eine Menge Auswahl, mit der ich verschiedene Zielgruppen adressieren kann.

[Nachtrag] Ales ich das alte Weblog in Weblog und Newsfeed aufteilte, hatten wir dazu auch eine Diskussion.

Ist das wirklich eine Grundsatzfrage von Weblogs, die Chris da stellt oder "kommt es darauf an"[tm] Und worauf?

Trackbacks sind Links von anderen Weblogs auf diesen Eintrag.  
Wie gewinne ich neue Leser? Ich muss wahrscheinlich regelmäßig neue Einträge posten. Aber wenn ich das tue sinkt die Qualität der Einträge. Wenn ich aber nur selten poste, abonnieren Leser meinen Feed nicht, weil er zu fad ist?

Das Internet ist geduldig. Ich selektiere die Blogs die ich abonniere nicht anhand ihrer Aktualisierung. Wenn ich einen Blog zum ersten mal besuche gibt es nur ein Kriterium das entscheidet ob ich den Feed beobachten werde: Gefällt mir was bis jetzt geschrieben wurde?

Besteht ein Weblog hauptsächlich aus schlechten Einträgen werde ich mit ihm keine weitere Zeit verschwenden.

Bestes Beispiel ist siebenviertel.com. Da gibt es nur alle 15-30 Tage einen neuen Artikel und ist dennoch eines der meist gelesenen deutschen Blogs überhaupt.

lemming am 04.01.05 09:07 #
 

Meine Erfahrung: Ich habe schon mehrmals Abonnements aus meinem Aggregator geworfen, weil sie mich mit irrelevanten Einträgen überfluteten, aber noch nie, weil sie monatelang inaktiv waren. Insofern kann ich dir voll zustimmen. Deine Trennung in Weblog und Newsfeed ist ideal. Kategorien, die wahlweise getrennte abonnierbar sind, hätten den selben Effekt.

Thiemo Mättig am 04.01.05 20:40 #
 

Das mit den Kategorien würde für mich nicht funktionieren, weil sich meine ständig ändern (bzw. mindestens ständig neue dazukommen und alte verwaisen). Aber generell ist das eine gute Variante. Ich nutze sie selbst selten (weil ich zu neugierig auf Leute bin, die in einer Kategorie, die mich besondern interessiert, gut schreiben), aber ich kann mir gut vorstellen, dass das für andere funktioniert. Mindestens für meine wichtigsten Kategorien ginge das auch.

Martin Röll am 04.01.05 21:43 #
 

Welche Fähigkeiten fehlen Dir bei den derzeitigen RSS-Aggregatoren?

Bernhard Fuerst am 05.01.05 00:58 #
 

Das Verwalten von abonnierten Feeds ist noch unzureichend. Abonnierte Feeds nehmen, selbst in recht gut entwickelten Kategoriebaumsystemen, "Platz weg". Bei mir habe ich eigene Kategorie für "selten aktualisierte Feeds" eingeführt, um die "wegklappen" zu können, weil sie sonst das Interface unübersichtlich machen. Trotzdem stehen sie oft im Weg rum.

Ich kann Feeds nicht verschlagworten und sie über diese Schlagworte wiederfinden - ein Feed hängt immer an genau einer Stelle in der Hierarchie. Ich will Feeds aber nach verschiedenen Kriterien einsortieren können, um sie je nach meinem aktuellen Arbeitskontext lesen zu können.

(Ich habe die letzten zwei Monate keine neuen Aggregatoren mehr getestet - wenn ich nicht auf dem aktuellen Stand sein sollte, möge man mich auf neue Killersoftware, die sich mit dem RSS Bandit messen kann, hinweisen. :-))

(Die Konsequenz des erstgenannten Punkts ist es, dass ich Feeds, die ganz selten aktualisiert werden, eher wieder abbestelle, weil sie Platz in meinem Aggregator wegnehmen. Ich ersetze sie dann wo es geht durch E-Mail Benachrichtigungen. Aber die sind oft unzuverlässig und ich habe einen Medienbruch mehr.)

Martin Röll am 05.01.05 11:21 #
 

Irgendwie sehe ich da keinen Unterschied zum Prä-RSS-Zeitalter.
Wenn eine Website zwar viele neue, aber auch uninteressante Artikel anbietet, wird sie nicht mehr angesurft. Wenn ein Newsletter nur noch uninteressante Meldungen anbietet wird er abbestellt.
Wenn jemand nur noch Content anbietet der nicht interessant ist, wird er nicht mehr gelesen.
Irgendwie kann ich da keine wircklich relevante Verhaltensänderung beim Leser sehen.

André Wegner am 05.01.05 12:32 #
 

Es geht nicht um "uninteressantes", sondern nur um "weniger interessantes (als das beste, was ich zu schreiben in der Lage bin)". Das ist der Ausgangspunkt der Überlegungen von Chris.

Martin Röll am 05.01.05 12:35 #
 

NewsFire auf dem Mac bietet einige der den von Dir genannten Dinge:

- "Smartfeeds" sind Meta-Feeds mehrerer Feeds, die nach verschiedenen Kriterien (Artikeltitel, Artikelinhalt, Feedname, Datum, Aktualisierungsstatus) zusammengefasst werden (siehe http://fuersten.info/kram/NewsFire_SmartFeeds.png)

- Ausblenden von Feeds aus der Feed-Liste (können trotzdem in Smartfeeds verwendet werden)

Verschlagwortung hat NewsFire leider noch nicht.

Und? Ist das ein Grund, auf den Mac zu wechseln ;)

Bernhard Fuerst am 05.01.05 17:52 #
 

zu den zu vielen und irrelevanten Einträgen: mal abgesehen von dem Kategoriebaum, tendiere ich derzeit für den Ansatz, daß man beim Reinstellen eines Beitrages noch ein Kreuzel dazukommt: `der Beitrag ist sehr sehr wichtig´ und `der Beitrag ist nicht sooo wichtig, weil es vielleicht nur ein Link ist - und ggf. auch schon in jedem zweiten WebLog steht´.

Dann kann man immer noch zum anderen wechseln, wenn es zu viel wird. Ähnlich baut ja auch deine Trennung zwischen Newsfeed und WebLog auf. Jedoch wäre hier der Nachteil: der `interessiertere´ muß zwei Adressen verfolgen - oder im Bezug auf RSS: er hat zwei Einträge im RSS-Programm (zweimal nimmt es "Platz weg". Das könnte man doch "fusionieren" in einem ...

René Pönitz am 07.01.05 16:29 #