16. Dezember 2004

[ Knowledgework und PIM , Management ]

Unterschiedliche Arbeitsweisen und Computer zum Fühlen

Dave Pollard schreibt über verschiedene Arten, seine Arbeitsprozesse zu gestalten und erklärt das mit dem Hirnhälften-Modell. Ich gebe einen Teil seiner Tabelle hier wieder:

Work Management Attribute
Left-Brainers
Right-Brainers
Preferred Worktool Type
Machine-Assisted (Toys, Gadgets)
Manual (Sensory)
Work Tasks Communication Style
Tell, Impose, Assign
Ask, Request, Collaborate
Leadership Style
Command & Control
Enable, Empower, Trust
Method of Evaluating Skills
Tested
Demonstrated
When Tasks are Done
As Scheduled
As Needed
(Wer mag kann da auch "männlich / weiblich", "ST / NF", "Bauer / Star Trek" oder "richtige Menschen / wahre Menschen" hinschreiben. Es ist nur ein Modell.)

Seine Strukturierung habe ich sofort verstanden und mich sofort mit der Rechtshirn-Seite identifiziert, klar. Aber eine Zeile hat mich verwirrt: Die mit dem "Preferred Worktool Type". Ich mag meinen Computer. Ich mag die klar strukturierten Task-Listen, meine PIM-Software, meinen E-Mail-Client und all die Gadgets und Programme, die ich zum Überleben verwende. Die einzigen "Manual (Sensory)"-Dinge, die ich verwende sind (selten) Erinnerungszettel auf dem Schreibtisch und mein Papier-Notizbuch (aus dem ich auch oft genug digitalisiere).

Als ich da etwas drüber nachdachte, merkte ich, dass es trotzdem stimmt:

Noch vor ein paar Tagen habe ich darüber in meinem Wiki nachgedacht, als ich Taskspace entdeckt hatte, unter dem Stichwort "Ambient Interfaces": Ich will mehr "Unexaktheit" in meinem Computer. Ich will Dinge räumlich anordnen können und nicht alles tabellarisch organisieren müssen. Es soll mit mehr Gefühl gehen und mit weniger Denken. Vielleicht gefällt mir deshalb Tinderbox so gut. Vielleicht war ich deshalb gestern Abend gleich von Life Balance entzückt, das Aufgaben nicht mit "Wichtig / Normal/ Unwichtig" klassifiziert, sondern einen Slider dafür hat und mit Fuzzy Logic arbeitet.

Software ist heute oft "linkshirn-optimiert". Der Markt für "Rechtshirn-Software" ist noch kleiner. Jeder Mitarbeiter kriegt heute Datenbanken, Tabellenkalkulation und ein hierarchisches Dateisystem auf den Computer. Nur wenige kriegen noch eine Mindmap-Software dazu. Die Mindmap-(Software-)Kurse schlagen auch deshalb so sehr ein, weil sie für viele Rechtshirne das erste "Ich kann mit dem Computer arbeiten"- oder gar "Ich kann im Computer denken"-Erlebnis sind.

Wenn ich Managern von Weblogs im Unternehmenseinsatz erzähle, lässt sich die Reaktion auch oft mit dem Hemisphärenmodell erklären - aber das ist eine andere Geschichte.

[Nachtrag] Aus dem Archiv: Das E-Business Weblog: Outlining und Hirnhälften (11. März 2003).

Trackbacks sind Links von anderen Weblogs auf diesen Eintrag.  

Mir scheint, Du bist prädestiniert, ein Mac-User zu werden. meines Erachtens ist die Mac-typische Softwaredesignherangehensweise genau das, was Du beschreibst: Weniger Hierarchie, weniger Tabellen, weniger Zeug zum Einstellen und klicken, alles ein bisschen mehr »User-centric«, wie das Herr Jobs beschreibt.

Gib’s zu, Du hast heimlich ein iBook unterm Sofa, das Du rausholst, wenn niemand guckt!

Gerrit am 18.12.04 19:53 #
 

Dave Pollard hat aber diese Hemisphären-Tabelle nur zitiert, und hat sie selber "too simplistic" genannt. Ich denke, vieles ist zurzeit zu vereinfachend und "binary" was über Filesystem-Hierarchien vs. Tags geschrieben wird wie hier oder hier. Ich halte mich eigentlich gar nicht für linkshirnig (insbesondere weil mir Visualisierung so wichtig ist), aber ich nutze Hierarchiebäume gerne.


Matthias Melcher am 18.12.04 20:46 #