8. Dezember 2004

[ Business Weblogs , Marketing ]

Marketing-Weblog: Wienlog

Das Wien:Log ist eine Seite der Air Berlin, unterstützt von Wien Tourismus, die die Vorzüge Wiens und die Wien-Flüge der Air Berlin bekannter machen soll. (Via smi.)

Offenbar konnte man sich nicht richtig entscheiden, ob man ein pseudo-persönliches Blog oder eine offizielle Marketing-Seite bauen wollte: Überall winkt die Air-Berlin Werbung, aber die Vorstellung der Protagonisten macht trotzdem auf persönliches Weblog:

Hi, wir sind Ines und Philipp aus Münster und Düsseldorf und berichten für 9 Wochen aus Wien. Um all unsere Erlebnisse und Beobachtungen festzuhalten, werden wir an dieser Stelle ein Online-Tagebuch führen – für unsere Freunde und Bekannten und für alle anderen, die sich dafür interessieren.

Klar. Glaubwürdig. Aussagen zum Verhältnis der Autoren zum Betreiber fehlen.

Fazit: Nett gemacht. Leider nur wenig interessant und kaum innovativ.

Die verantwortliche Agentur ist avency aus Telgte.

[Nachtrag] Sierra hatte schon im November einen Eintrag zum Wienlog.
[Nachtrag] Die Pressemitteilung zum Start.

Trackbacks sind Links von anderen Weblogs auf diesen Eintrag.

gutes-von-morgen: So tun als ob beim Bloggen (13.12.04 10:22)

Zitat des Tages von Robert Scoble (via einem Kommentar bei Markus Breuer): "Fake blogs (...) demonstrate that no one is passionate enough about the product inside the company so they...

Das E-Business Weblog: Falsche Blogs vs. authentische Blogs. (08.02.05 01:40)

 

Bei avency heißt es übrigens zur Erläuterung des Weblogkonzepts: "Konzeption und Kreation eines unkonventionellen Reiseführers der Stadt Wien auf der Basis eines Web:Logs. Der Wienlog ist ein Online-Tagebuch gespickt mit touristischen Insidertipps aus den Bereichen Clubs, Shops, Sightseeing und Restaurants..."

Ein authentisches Weblog ist das sicherlich nicht, aber wer sagt denn, dass so etwas überhaupt immer notwendig ist... Jedenfalls setzt die Agentur auf den "Hype" (?) um Weblogs... Wir werden sehen, welche Experimente in dieser Hinsicht noch folgen werden. Aber immerhin ein netter Versuch eines Pseudo-Weblogs.

Klaus Eck am 08.12.04 21:19 #
 

Ja. Nicht dass das falsch verstanden wird: Ein "echtes" (authentisches) Weblog muss gar nicht immer sein! Es ist keine Schande, ganz normales Marketing zu machen! :-) Aber pseudo-authentisch ist eine schlechte Idee. "Online-Tagebuch gespickt mit touristischen Insidertipps"... naja: Eher "Zweitverwertung der Einträge von wien.info in Form eines Online-Tagebuchs." Aber das klingt natürlich nicht so gut.

Martin Röll am 08.12.04 21:38 #
 

ich muss da noch kurz was loswerden, auch wenn ich damit meinen ruf als pingeliger wiener nur noch stärker ausbaue:

das weblog. bitte. nicht der weblog.

wenn wir alle herumziehen und sagen weblog komme von "logbuch des web" dann müssen wir bitte auch den richtigen artikel verwenden. und wenn ich mich erinnere heisst es weder "der web" noch "der logbuch".

und schon gar nicht "blogg". oder sagt ihr deutschen etwa "loggbuch"?

smi am 09.12.04 20:53 #
 

@klaus: "netter Versuch"?
Nee, finde ich nicht.
Im Gegenteil.
Schade, dass so schnell bereits so schlechte Ideen umgesetzt werden, während wir noch dabei sind, über den guten zu brüten, oder?
:-)

Für mich zeigt dieses Beispiel eher, wie schwer es ist, ein sinnvolles Konzept mit Blogs zu machen. Mit solchen Dingen wie diesem Versuch werden doch nur wieder die gestärkt, die Blogs für eine (weitere) Blase halten.

Wolfgang Lünenbürger-Reidenbach am 10.12.04 13:53 #
 

Hi Martin,

ich habe heute in Deinem Blog gelesen und bin auf diese Meldung zum "Wienlog" hier gestoßen. Dazu einige Anmerkungen meinerseits. Während des Schreibens dieser Replik sind mir allerdings noch einige weitere Gedanken zum Thema gekommen, die zu einem eigenen Artikel wurden. Siehe deshalb meine Anmerkung dazu zum Schluss dieser Passage.
-----
Meine Ausgangsüberlegungen zu Deinem Posting hier waren folgende: In Offener Online Autorenschaft, egal ob im eigenen Blog oder in dem von anderen, ist man in den besten Fällen immer zugleich bei sich im Selbst daheim, im Weblog zuhause und bei der Welt zu Gast. Grundsätzlich stimme ich Dir deshalb darin bei, dass man auch an Blogs und Blogpostings bestimmte Qualitäts-Maßstäbe legen sollte, vor allem solche, die die Achtung
- vor sich selbst in der eigenen Äußerung und Echtheit,
- vor dem geposteten Content und seinem Informationswert als Sinn und Bezug auf etwas Nachvollziehbarem und
- vor der knappen Zeit des Lesers als wertvollem Gut und Kontingent
in Betracht ziehen.

Man darf aber keinesfalls dabei vergessen, dass es jedenfalls z. Zt. noch immer die eigenen Maßstäbe sind, die man da anlegt. Es gibt noch keine „neuen“, „allgemeingültigen“ und damit verbindlich anzulegenden Maßstäbe zwischen Weblog-Kultur, -Krampf oder -Kommerz.Für alle „Weblog“ wie z. B. auch für „Wiki“ gilt dasselbe: sie sind immer dreierlei zugleich – ein Dokument als Inhalt des Aufgeschriebenen; eine Dokumentationsform als Ergebnis der weblogspezifischen Darstellungsweise; eine Dokumentationsstruktur, verkörpert in der jeweiligen Engine, die das Ganze antreibt. Alles das ist zunächst wertneutral. Erst derjenige oder auch diejenige Community, der/die das Ganze mit Ethos, Richtlinien oder Vorschriften zur „richtigen“ Benutzung anheizt, schafft dazu die Werte und Normen.

Blogs haben Eingang gefunden in die „world-wide conversation“(PDF-Paper) von Politik, Wirtschaft, Kultur, Wissenschaft, Gesellschaft, Gemeinschaften und haben neben ihrer weithin wahrnehmbaren Wirkung in diesen Sphären dennoch ihre Berechtigung behalten als das, was sie einst waren und in den meisten Fällen immer noch sind: private Netztagebücher zur meist persönlichen Übermittlung eigener Ereignisse, Einsichten und Erkenntnisse – „Weblogs zwischen Tagebuch und Tageblatt“.

Und die Wissenschaften haben für die Blogs bewiesen, dass sie da angekommen sind, wo sie – vielleicht auch immer schon – hinwollten: ins Bewusstsein einer allgemeinen Öffentlichkeit.

Weblogs haben einen öffentlich akzeptierten Status erreicht. Sie haben ihre Netz-Nutzfähigkeit bewiesen und können ihre Netz-Nutzlast tragen. Sie sind eine neuer Typ, eine eigenständige Gattung und der State-of-the-Art Offener Autorenschaft innerhalb der Neuen Medien für eine weltweite Kommunikation auf gute Nachbarschaft. Die zu gestalten ist allerdings Angelegenheit der jeweiligen Netz-Nutzer.
------------
[Anmerkung: Als dieser Beitrag entstand, war er zunächst gedacht als kurze Replik auf Martins Blog-Posting hier, um drauf hinzuweisen, dass Blogs und Postings als solches erst einen Wert durch die Maßstäbe desjenigen bekommen, der sie anlegt, auch das hier herangezogene „Wienlog“. Daraus ist dann eine längerer Artikel geworden, der den Charakter eines Kommentars gesprengt hätte. Deshalb habe ich den Kurztext hier hinein und den Fulltext in mein Blog gestellt. Mit den besten Grüßen Helmer Pardun]

Helmer Pardun am 12.12.04 18:39 #