3. Dezember 2004

[ Marketing ]

Zur Firefox-Anzeige

Kontext dieses Eintrags: Eine Initiative hatte Spenden i.H.v. knapp 50.000 Euro gesammelt um eine ganzseitige Werbeanzeige für den Internet-Browser Firefox zu finanzieren. Die Anzeige ist in der gestrigen FAZ erschienen.

Schade. Da hätte man mehr draus machen können. ([Nachtrag] Die Seite buggt. Alle einzelnen Einträge werfen ein "Zugriff verweigert." Die Anzeige ist hier.)

Hunderte von Programmierern entwickeln gemeinsam einen revolutionären Internet-Browser. Sie arbeiten ehrenamtlich und schenken ihn der ganzen Welt. Na und? Warum soll sich irgendjemand den herunterladen? Weil er "revolutionär" ist?

Nein. Diese Anzeige bewirkt als solche gar nichts. Trotzdem ist sie nützlich und wichtig, denn die Initiative der Community führt zu Berichterstattung über die Aktion und in der steht dann endlich mehr über den Browser. Dass er sicherer ist. Dass er schneller ist. Dass er schöner ist. Dass er mehr kann. Und so weiter und so fort. So wird er bekannter werden und sich weiter verbreiten und so macht die Anzeige dann doch noch Sinn.

Dennoch: Schade. Wenigstens ein Argument hätte wohl in die Anzeige gepasst. Und was ist eigentlich mit der Strategie passiert, Firefox in die Unternehmen zu bringen? Um die ging es vor allem, als die große "wir brauchen endlich eine 1.0"-Diskussion losging, oder nicht? Mit dieser Anzeige werden die Unternehmen bzw. die Entscheider in Unternehmen überhaupt nicht angesprochen. Ich kenne keinen IT-Beauftragten, der einen "revolutionären Browser" einführen will. "Revolutionär" hat bei Managern fast nie positive Konnotation: Wenn etwas "revolutionäres" notwendig wäre, hätten sie vorher etwas sehr falsch gemacht.

Aber sei's drum. Go Firefox! Er läuft bei mir seit knapp zwei Wochen und hat mich binnen Stunden überzeugt (vorher benutzte ich einen schon etwas betagten Mozilla). Die englische Version ist für mich besser zu benutzen als die deutsche. Ich benutze einige Extensions und eine modizifizierte Suchfunktion in der Browserzeile. Probiert's aus, erzählt's weiter, auf das mehr bessere Browser in die Welt kommen.

Weitere Diskussion zur Anzeige gibt es bei Ralf Graf im Netzbuch. Von dort kam mein Link zur Anzeige.

[Nachtrag] Weitere Kritik bei Martin Schmitt (wo steht, dass die Gestaltung der Anzeige vorher nicht in der Community diskutiert wurde! Das war mir neu. Sagt mal Leute, wofür genau habt ihr da gespendet? Für eine Anzeige, von der Ihr nichtmal wusstet, was drinstehen würde?) und im Heise-Forum (via Lazerte). Weitere Links zu Weblog-Einträgen stehen in diesem Firefox-Weblog.

Trackbacks sind Links von anderen Weblogs auf diesen Eintrag.  

nun ja, revolutionär oder nicht -- man hätte ALLES schreiben können oder NICHTS -- es wäre doch wieder für irgendwen falsch gewesen.
eine auflistung von features hatten wir, sind dann aber wieder davon abgekommen.

in der tat lag unser augenmerk weniger darauf, den firefox in "die unternehmen zu bringen", sondern auf der (externen) wirkung, die man mit einer einzigen anzeige asulösen kann -- und da haben wir unsere aufgabe, glaube ich, durchaus gelöst.

ich denke, die unternehmen überzeugen kann und muss jetzt erfolgen, bestenfalls "flankiert" von einer solchen anzeige. die argumente hier liefern einzig die statistiken. und wenn man sich die nachrichten der letzten tage anschaut (abgesehen von dem ebay-skandälchen), kann der firefox dem IE auch in konzernen duirchaus den rang ablaufen ..

ich glaube ehrlich gesagt auch, dass dem IT-leiter eines unternehmens schnurz ist, wie "revolutionär" ein browser ist, hauptsache er funktioniert. gutes setzt sich hier langsamn aber sicher durch -- sieht man doch an linux ;)

viele gruesze,

ami.)
--

ami am 03.12.04 16:15 #
 

der haken an der anzeigen-idee ist meines erachtens, dass er zwar von einer offensichtlich durchaus professionellen agentur durchgeführt wurde, dahinter aber die - vor allem die open-source-community - begeisternde idee steht, auch als haufen kleiner ehrenamtlicher mal "so ne richtig fette anzeige" zu schalten und dann noch in der FAZ, dem kampfblatt der "gegenseite", boah eyh! cool oder?

das an sich hat aber schon einen gewissen marketing-wert, wie die berichterstattung darüber zeigt. das ist schon "event-marketing" mit hoher sichtbarkeit. ob die chance durch die anzeige optimal gestützt wurde? ich - bin kein werber - habe da so meine zweifel. sachliche argumente in einer einmaligen anzeige sind sicherlich kaum von hoher wirksamkeit. welche botschaft davon ausgestrahlt wird, dass der größte teil der fläche von ameisen-namen zugpflastert wird? keine ahnung. zumindest für die klassische leserschaft der FAZ aber vermutlich keine extrem überzeugende.

ist mehr ein fanal, denk' ich.

ansonsten gibt es natürlich nicht viele gute agenturen, die einem mit einem budget von "um und bei" 50.000 euronen zu einer einmaligen anzeige in der FAZ raten würden. und das mit guten grund. wenn ich tatsächlich nicht mehr als 50.000 auf der tasche habe, fahre ich normalerweise ganz andere strategien, weil ein einmaliger impuls beim repipienten schnell verpufft. diese "anderen aktionen" hätten aber bei weitem nicht so viel spass gemacht wie diese anzeige. vermutlich wäre es deshalb bei weitem nicht so leicht gewesen, das geld zusammen zu bekommen. klassisches dilemma.

Markus Breuer am 04.12.04 06:35 #
 

Ich muss zustimmen, die Anzeige war meines Erachtens nicht so der Hammer. Wenigstens das Logo und drei Schlagworte zu den Vorteilen (Sicher, Komfortabel, Kostenlos) hätten schon dabei stehen können.

Aber hinterher zu motzen ist natürlich immer einfach und da ich mich auch nicht beteiligt hatte hab ich eh kein Recht zu mosern. Aber ich empfehle den kleinen Fuchs immer schön weiter.

Gruß aus Köln

ch am 06.12.04 12:04 #