22. November 2004

[ La vie ]

Wichtig und unwichtig

Ich glaube manchmal, dass das Erkennen des Unterschieds zwischen "wichtig" und "unwichtig" der Schlüssel zum glücklichen Leben ist.

So viele Leute tun so viele unwichtige Dinge und verschwenden so viel von ihrer Zeit.

wichtig-unwichtig.jpg
(Foto: Charlotte Nordahl)
People spend so much time / every single day
Running round all over town / giving their forever away

(Ben Harper - Forever)


Sie tun Dinge, die unwichtig sind und regen sich über Dinge auf, die unwichtig sind. Sie halten sich an Orten auf, die für sie unwichtig sind und kommunizieren mit Leuten, die ihnen unwichtig sind. Am Ende sind sie unglücklich.

Manchmal erkennen sie, dass sie selbst Schuld sind. Wer auch sonst! Manchmal geben sie sogar anderen noch die Schuld. Dann werden sie richtig unglücklich.

Was ist wichtig? Mach eine Liste. Dann tue die Dinge. Und die anderen nicht. Zieh das Kabel aus dem Router. Rede mit Deiner Frau. Geh mal ins Grüne. Erlerne das Saxophonspielen. Oder stand auf Deiner Liste wirklich "Ich will Flames schreiben." und "Ich will mit anderen über deren Charaktereigenschaften streiten (und gewinnen)."?

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Wie sagt der SWR ... "das machte meinen Tag"

Bin schon ganz gespannt, was Dein Adventkalender morgen offenbart. Bis jetzt hatte ich schon viel Gefallen an Deinen Bildern gefunden und finde es ein bisschen schade, dass morgen schon das letz...

A2O — Business pur: Adventskalender — kleine romantische Momente (23.11.04 11:12)

 

Guter Punkt: was ist wichtig, was ist unwichtig -> Schlüssel zum glücklichsein.
Wäre es jedoch nicht auch eine solche "unwichtige" Tätigkeit, eine "Liste" zu machen, von Dingen die einem wichtig erscheinen? Ist es nicht utopisch zu glauben, dass der (Ver)Lauf eines Tages, eines Vormittags, des Lebens; einem erlauben könnte, nur diese Dinge zu tun?

Man geht seinen Verpflichtungen nach, manche davon erscheinen uns unwichtig, jedoch erfüllen wir sie, weil sie unter so vielen anderen Dingen, einem entfernten, großen Ziel dienen. Ich denke, man würde aus dem Listeanfertigen nicht mehr heraus kommen.

Kommuniziert man mit jemandem der einem unwichtig ist, gibt man ihm damit eventuell die Gelegenheit, dies zu ändern. Man ärgert sich dann, wenn dies nicht erfolgt, und man das Gefühl hat, Zeit verplempert zu haben. Natürlich ist es grotesk. Man hatte wohl von vornherein nichts zu tun, könnte man annehmen.

"Mach nur das was dir wichtig ist" klingt so einfach...jedoch beeinflusst die eigene augenblickliche Situation maßgeblich das, was einem wichtig, bzw. unwichtig erscheint. Man lernt dazu und ändert seine Meinung; oft weiß man erst nach Ausführen einer bestimmten Aktivität, ob diese es wert war. Die Operationnalisierung unserer subjektiven "Wichtigkeitsskala" würde so viel Energie kosten, dass es ein paradoxales Absurdum werden würde; so eine Art Zeitloch.

Manchmal hat man jedoch die innere Ruhe, bzw. die ausgewogene Stimmung, so zu handeln, wie man es eigentlich, in seinem tiefen Ich will; nur ist es schwer nach "Verdauung" externer Ereignisse noch so objektiv handeln zu können.
Kurz gesagt: ein wahres und weises "Sprichwort", das jedoch, leider, nur teils realisierbar ist; außer man hat den Verlauf der Außenwelt vollständig im Griff.

Geoffrey Viard am 22.11.04 20:38 #
 

Grad bei del.icio.us rausgefischt: Time Management :)

Beate Paland am 22.11.04 21:29 #
 

Danke Geoff. Du hast verdammt recht. Frag mich mal: Wieviel von diesem Tagwerk ist wichtig? In einem Punkt, glaube ich, sehe ich aber einen Unterschied: Ich denke, dass ich von dem "Verlauf der Außenwelt" abstrahieren kann. Ich sehe das nicht so, dass etwas "Zeitverschwendung" war, wenn es nicht geklappt hat. Ich bin mir des Risikos bewusst: Vor einer Aktion kann ich es einschätzen und entscheiden, ob ich sie durchführen. Wenn es klappt: Gut. Wenn nicht: Pech. Wieder was gelernt. Aber die Chance, dass es hätte klappen können, war es vielleicht schon wert.

Die Kunst ist wohl, in den vielen kleinen Dingen und unter all den Eindrücken und Einflüssen den Überblick zu behalten und auch im Kleinen noch das Große, Wichtige sehen zu können. Wenn man das kann... (ja, was dann?)

Martin Röll am 22.11.04 22:42 #
 

Beate: Wenn es mal nur ein Zeitmanagement-Problem wäre... Es geht mir mehr um ein Sinn-Problem als ein Zeit-Problem!

Martin Röll am 22.11.04 22:59 #
 

Geht es um den täglichen Kampf der Selbstbestimmung, die Menschen in wichtig und unwichtig unterteilt. Husch, weg, Geschmeiß elendes! Stehlet mir nicht meine Zeit ...

Oder geht es beim glücklich sein nicht um die Suche nach der Wertschätzung in jedem Detail dieses Leben. Eine liebe Freundin lehrte mich, dass es nicht wichtig ist, Dinge wichtig zu nehmen oder unsere Pläne. Wirklich genießen kann man jeden Moment, wenn man nur dazu bereit ist.

Allein die Bereitschaft ...puh ... das ist schwer.

Und dann ist da noch so etwas wie Dankbarkeit. Wem muss ich wofür dankbar sein und ist es eine bedingende Dankbarkeit ... oder bedingungslose Dankbarkeit. Nehme ich mir die Freiheit undank zu zeigen. Was wird meine Umwelt sagen und wird es nicht auf mich zurückfallen, wenn ich einen anderen Menschen brauche und da habe ich die Welt in wichtig und unwichtig geteilt und vielleicht in der Vergangenheit gerade den Menschen verstoßen, der mir im heute den Arsch retten könnte.

Dumm gelaufen. Ein wenig sehe ich es wie an einer gepflegten Tafel. Ich nehme was kommt und dafür dass ich darauf achte, dass mein nachbar genug hat und alles erreichen kann, wird in selben maße mir gereicht und für mich gesorgt.

Meine Wichtigkeiten darf ich haben, aber ihre Erfüllung liegt nicht allein in meinen Händen. Und Zufriedenheit und Glück ist ein selbstbestimmtes Gefühl, dass man besonders dann genießen kann, wenn man weiß, was Unzufreidenheit und Unglück ist.

Silke Schümann am 22.11.04 23:20 #
 

Geht es um den täglichen Kampf der Selbstbestimmung, die Menschen in wichtig und unwichtig unterteilt.

Nein, überhaupt nicht. Ich verstehe Deinen Kommentar nicht. Nur "nehmen was kommt" geht nicht: Jeder ist dazu verdammt, Entscheidungen zu treffen. Die Erfüllung liegt nicht allein in seinen Händen, das ist richtig, aber die Macht über die Entscheidung liegt ganz allein beim Einzelnen.

Martin Röll am 22.11.04 23:28 #
 

die Frage nach wichtig/unwichtig (und Beantwortung) stellt sich automatisch in Grenzsituationen durch Krankheit, Schicksalsschlägen, Krieg u. dergl.
Hier, in Mitteleuropa, geht es uns insgesamt (noch) so gut, dass wir uns den Luxus leisten können, solche Situationen freiwillig zu suchen, um per Gummibandhüpfen, Extrembergsteigen, S-Bahnsurfen...Fußballrandale...bis hin zu Geisterfahrern auf der Autobahn in so eine Grenzsituation zu kommen.
Es soll auch Menschen geben, die es per Konzentration und Disziplin (Meditation, Beten) schaffen, sich auf wesentliches zu besinnen.
Täglich einmal kurz aufschreiben was heute wichtig war (muß nicht ins weblog sein:-) ist eine bescheidene aber verblüffend effektive Methode zur Konzentration - also doch wieder schlichtes Zeitmanagement?

Rolf Langhoff am 23.11.04 10:53 #
 

Meine Entscheidungen sind von den Rahmenbedingungen maßgeblich beeinflußt ... oft wahllos im aussen ausgelöst Bestimmung (Nicht jede Option ist wirklich eine.). Nicht alle meine Entscheidungen machen mich glücklich. Ich Entscheide der Not gehorchend, weil es wichtig ist, dass Schritt A vor Schritt B oder weil die Grundbedürfnisse befriedigt werden wollen und alle Entscheidungen die in Richtung meine Wichtigkeit gingen noch keinen gewünschten Erfolg zeitigten bzw. von vorn herein durch Regeln und Gesetze unterbunden werden.

Die Verbindung von wichtig und unwichtig im Kontext von Glücksgefühlen halte ich für einen ausgemachten Trugschluß.

Glück und Glücksgefühle hängen nicht von Entscheidungen in Bezug auf wichtig und unwichtig ab. Es ist ein klassiches "Kann". Meine Entscheidung kann mich glücklich machen. Typische Kandidaten, die nach Wichtigkeit entschieden haben und damit Glück und Reichtum anstrebten sind so manche unglückliche Reiche. Sie haben subjektiv in ihren Augen richtig nach wichtig entschieden und sogar die Gesellschaft sagt, sie hätten richtig entschieden und doch sind sie nicht glücklich.

Dieses Konstrukt kann ich von weltlichen Normen auch lösen und nicht in reich und arm trennen. Es gibt genügend Personen, die in ihren "Traumberufen" todunglücklich sind.

Meine größte Krise hatte ich, als zwei meiner hohen Werte in Konkurrenz gerieten und ich mich Entscheiden musste. Ich entschied. Glücklich hat es mich nicht gemacht.

Glücklich hat mich nicht die Klarheit gemacht und noch heute steckt ein flaues Gefühl in der Entscheidung ... ich habe nach meiner Wichtigkeit entschieden, die der gesellschaftlichen Norm zuwider lief. In dem 3-Klang menschlicher Grundbedürfnisse Sicherheit — Freiheit — Geselligkeit benötige ich eine ausgewogene Balance, um zu existieren und meine Wichtigkeit kann durch aus stark in einem der drei Pole liegen. Freiheit ist ein Pol, der oft sehr schwer zu leben ist und einen sowohl im Bereich Sicherheit als auch Geselligkeit isolieren kann. Dann hat man alle Freiheit der Welt aber dies bedingt nicht das Glücksgefühl.

Silek Schümann am 23.11.04 11:05 #
 

Eine scheidende Kollegin sagte einmal sinnierend "Wir nehmen die Dinge so wichtig, weil wir sie mit zu wenig Abstand betrachten."

Der Spruch hängt mir immer noch im Gedächtnis und sie hat recht. Wir sind so oft in dieser Tretmühle drin und nehmen uns nicht die Zeit, den Schritt zurückzutreten und die Entscheidung zu treffen ...

Nicole Simon am 23.11.04 13:40 #
 

Momentan bin ich in einer Institution beschaeftigt, die sich die konfliktfreie Zusammenarbeit verschiedener Nationalstaaten/-kulturen zum Ziele gemacht hat.

Eines der grössten Probleme dieser Institution ist die unglaubliche Starre und der schier endlose Ernst, mit dem alles angegangen wird. Das ist äusserst gefährlich, weil wir leider alle einmal ins Gras beissen werden - und wenn man dieses vergisst, sehr oft Konflikte entstehen, die es nicht wert sind auch nur ansatzweise mit Ernst betrachtet zu werden.

Andererseit, ist es eines der grössten Probleme unserer Zeit, dass wir eben keinen gemeinsamen Kodex mehr haben, was wichtig ist und der Ernsthaftigkeit wert ist, und was nicht. Schade eigentlich, denn so ist es einfach uns einzureden, was wir als wichtig erachten sollten...

Michael P. Tomaszewski am 23.11.04 15:44 #
 

Richtig so ! Darum hör ich jetzt auch auf Weblogs zu lesen und schliesse die Bürotür hinter mir mit dem guten Gefühl das ich in Kürze Freizeit habe. Obgleich ich mich morgen vormittag wieder auf meine Arbeit freuen werde. Aber eben erst dann.

Ich glaube daran das auch unwichtige Dinge wichtig werden können, es kommt nur auf die Zeit an.

Ronny Voigt am 25.11.04 22:17 #