18. November 2004

[ Blödsinn , Wissensmanagement ]

"Kann man Wissen in Datenbanken speichern?"

Aus einem Gespräch mit Karsten Ehms gestern abend: Mögliche Antworten auf die Frage "Kann man Wissen in Datenbanken speichern?"

  1. "Ja natürlich!
  2. "Ja, wenn es gut kodifiziert ist."
  3. "Ja, wenn der Chef es selbst kodifiziert hat."
  4. "Ja, wenn die zuständige Community es mit Zweidrittelmehrheit abgenickt hat."
  5. "Nein, niemals!"
Ich sitze gerade im Seminar "Knowledge Worker Productivity" in Zürich (hier angekündigt). Anne-Rose Haarmann von Volkswagen Coaching stellt die Wissensstafette vor, einen Managementansatz zum "Transfer von Erfahrungswissen" beim Wechsel von Führungs- und Fachkräften (kurzer Artikel hier). In der Einführung erwähnte sie die "Wissensbasen" bei Volkswagen, Dokumentdatenbanken in die "Wissen eingestellt" und "mit Suchmaschinen verfügbar gemacht" wird.

[Nachtrag] Nicht missverstehen: Karsten ist nicht der Auffassung 1)! Das sind mögliche Antworten, die wir gemeinsam herausgeblödelt hatten, nachdem er eine Anekdote von einer Konferenz erzählt hatte, bei der er die Frage stellte und ein Gesprächspartner voll Überzeugung mit 1) antwortete.

Trackbacks sind Links von anderen Weblogs auf diesen Eintrag.

Das Team ww.deck - world wide development and exchange of corporate knowledge - der Volkswagen Coaching stellt in diesem Papier vor, welche Services sie anbieten, um dem Verlust von Knowhow zu verhindern, wenn Mitarbeiter ihren Job aufgeben. Eine nützl...

www.weiterbildungsblog.de: Wissensstafette. Transferring skills - sharing knowledge (20.11.04 11:10)

 

Ich habe ein ganz schlechtes Gefühl dabei, den Begriff "Wissen" so inflationär zu verbraten. Wissen ist die "Summe von Informationen, die im Gedächtnis eines Individuums gespeichert ist und auf die vom 'Wissenden' zurückgegriffen werden kann". (Quelle) Man kann Informationen speichern, nicht Wissen.

Thiemo Mättig am 18.11.04 13:40 #
 

"Summe" ist da ein gefährliches Wort: Es könnte zur Vorstellung von Wissen als einzelnen Einheiten, zu denen man zum Beispiel "addieren" kann, führen. Mann kann aber nicht einfach neues Wissen altem "hinzufügen": Sobald man lernt, transformiert sich das Gesamtsystem (das Gehirn): Neues wird mit Altem vernetzt, alte Vernetzungen werden verändert. "Summe" darf also nicht wie in "einzelne, im Filesystem abgelegte Einheiten", sondern muss wie in "alles, in seiner Gesamtheit" verstanden werden.

Martin Röll am 18.11.04 13:45 #
 

Du hast völlig Recht, vermengst die Begriffe jedoch schon wieder (denke ich). "Wissen als einzelne Einheit" gibt es: das ist die Information. Selbst, wenn ich sage "Ich weiß, dass Martin Trompete spielt", dann ist dieser Satz kein Wissen sondern nur Information, erst recht wenn ich ihn formalisiert irgendwo abspeichere.

Ich denke, dass Wissen schlichtweg nicht formalisierbar und damit auch nicht speicherbar ist. Wenn z.B. du mir "Wissen vermitteln" willst, dann redest du mit mir, malst Diagramme usw. All das sind nur Informationen. Du fütterst mich mit diesen mit dem Ziel, mein "Gesamtsystem" Gehirn anzukurbeln, so dass es am Ende "klick" macht und ich es begriffen habe. Das Wissen ist in diesem Moment aber erst in meinem Kopf entstanden (und sieht auch ganz anders aus als in deinem).

Anders: Wissen ist ein Prozess.

Es kann gut sein, dass diese Überlegungen philosophisch sind und uns nicht weiterbringen.

(Dieser Kommentar basiert nicht auf Wissen.)

Thiemo Mättig am 18.11.04 20:48 #
 

Mir ist gerade ein Vergleich eingefallen (ob er taugt, mag der Leser beurteilen): Wissen ist wie Musik. Sie lässt sich nicht in ihrer Essenz festhalten sondern nur transformieren: z.B. in Noten oder in die Bits einer CD oder MP3. Speichern und übertragen lässt sich nur diese Repräsentation, die gar keine Musik im eigentlichen Sinne mehr ist. Wenn man nicht mit dem Medium umzugehen weiß, ist es nur ein Haufen Noten.

Thiemo Mättig am 18.11.04 20:57 #
 

Über Wissen in Datenbanken und Enzyklopädien
hab ich ein schönes Zitat von J. Souttar:
"Text that is drawn from a database can't form a part of a coherent narrative or argument, only appear as encyclopedia entries." Quelle und kleiner Abstract
hier

Matthias Melcher am 18.11.04 22:12 #