16. November 2004

[ Datenschutz , Dumme Ideen , Smart Mobs ]

Beziehungsanalyseocialnetworktool

In der Sitztasche auf meinem Flug von Umeå nach Stockholm gestern steckten 2 Bordkarten von zwei Herren, die wenige Stunden vor mir auf demselben Sitz gesessen hatten.

orkut-boardingpasses.jpg

Mit einem Tool wie Orkut könnte man feststellen, ob sich die Herren kennen oder, wenn nicht, über wieviele Verbindungen sie miteinander verbunden sind. Heutige Social Network-Plattformen zeigen nur die Verbindung von mir zu irgendjemandem. Ich würde aber gerne beliebige Namen eintippen und die Verbindung sehen.

Wann baut einer ein Tool, in das man zwei Namen eintippt, das dann losgeht und mit Google, FOAF, Orkut, OpenBC, etc. etc. analysiert, in welcher Beziehung die Personen zueinander stehen? Gibt es sowas schon? Wofür könnte man es einsetzen?

Trackbacks sind Links von anderen Weblogs auf diesen Eintrag.  

Folgefrage: Will ich zu jeder Zeit jemandem dritten darüber in Kenntnis setzen, in welchem Verhältnis ich zu einer anderen Person stehe?
In einem kooperativen Paradigma ist das sicherlich angebracht, aber wir leben doch nunmal in einer Welt der Konkurrenz, in der Kontakte zu dritten fast schon "Commodities" darstellen. Monopole über jene Kontakte sind also gleichzusetzen mit einem Wettbewerbsvorteil. Wieso sollte diesen jemand aufgeben wollen?

Michael P. Tomaszewski am 16.11.04 10:28 #
 

Halten wir fest, es kann so oder so nur eine Annäherung geben. Obwohl ich keine Geheimniskrämerin bin und meine Kontakte überwiegend von alltäglicher Natur sind, lässt sich mein Netzwerk nicht im Netz abbilden. Auch nicht mit einem noch so guten Werkzeug und tiefer Netzrecherche.

Wer tatsächlich Powernetzwerker ist und sein Einkommen daraus bezieht, dass er wen kennt, der jemanden kennt, der jemanden kennt ... und weil er selbst den und den und den kennt, wird doppelt und dreifach darauf bedacht sein, sein eigentliches und vermutetes und sein öffentlich bekanntes Netzwerke so zu gestalten, dass man seine Assets nicht nur ahnt, nicht kennt.

Nutzen lässt sich das in eben jener Theorie, dass ich nur die 6 Kontakte ausfindig machen muss, die mich zu jedem beliebigen Kontakt führen, den ich will. Z.B. den alten Schulfreund vom Lufthansa Vorstand ... oder ist jenes "Backnanger Kind" schon im Aufsichtsrat, der ... jo ... den und ihn selbst lernte ich mal kennen, ... ;o) Aber die Bekanntschaft ist vermutlich von der Aufmerksamkeitsökonomie im Rahmen des Erinnerungsvermögen einseitig geblieben.

Das heißt es gibt im Netz einen Bericht, der meine Bekanntschaft belegt ... jetzt sogar zwei. Ich wage zu bezweifeln, dass sich aus der Tatsache allein schon Kapital schlagen ließe.

Ich brauche weitere Informationen um sinnvoll Wissen daraus zu schöpfen, das mir geeignete Entscheidungshilfen gibt:
Der Kitt sozialer Netzwerke
und/oder
Schatz, liebst Du mich noch?

So etwas in dieser Art ... ;o)

Silke Schümann am 16.11.04 11:37 #
 

Martin, warum willst Du das denn eigentlich wissen in welcher Beziehung die beiden wildfremden Herren stehen, die zuvor zufällig auf den Plätzen saßen? Das ist doch ein eigenartiger Wunsch (oder hat Dich deren Parfüm interessiert??).

Mein Social Network ist in gewisser Weise eine private Information, die ich ganz und garnicht jedem - insbesondere nicht, wenn ich ihn nicht kenne - zur Ansicht geben will. Orkut und Konsorten sorgen mich in der Hinsicht nicht, weil bis heute diese Dienste in keinster Weise das abbilden können, was ich als mein "soziales Netzwerk" bezeichnen würde. Insofern halte ich die Informationen dort in den meisten Fällen für irreführend.

Oliver Wrede am 16.11.04 12:07 #
 

Martin, mein erster Gedanke bei Deiner Frage "wozu könnte man ein solches Tool nützen" war: Sicherheitsdienste, Polizei, Homeland Security etc. hätten sicherlich ein sehr großes Interesse dran, Verbindungen zwischen zwei beliebigen Personen identifizieren zu können... Methoden der Netzwerkanalyse werden u.a. in den kriminologischen Instituten weiterentwickelt, ob es nun um terroristische Zellen oder Drogenhändlerringe geht (auf der SocNet-Mailingsliste gab es Mitte Oktober eine Diskussion um diese Themen).
Aber natürlich werden dann keine "öffentlichen" Kontaktplattformen ge-data-minet - ich bezweifle, dass Mohammad Atta seine Beziehung zu Osama Bin Laden im FOAF-Style definiert hätte...:-)

JanSchmidt am 16.11.04 15:25 #
 

> Gibt es sowas schon?

wende Dich doch mal vertrauensvoll an den Mossad oder die CIA...

> Wofür könnte man es einsetzen?

dazu könnten die (falls sie wollten und dürften) bestimmt abendfüllende Vorträge halten...

SCNR - war das erste, das mir dazu einfiel...

schilke am 16.11.04 19:15 #
 

@Michael: Wenn ich mich in einem der Netzwerke wie openBC und Co. präsentiere, dann lege ich meiner Beziehungen absichtlich offen. Es ist vermutlich sogar die Grundmotivation. Ein wenig Exhibitionismus gepaart mit dem treibenden Faktor "Neugier". Daher denke ich, daß wir nicht auf den CIA warten müssen, sondern bald genau das von Martin beschrieben Feature auf einer der Plattformen finden werden. Und die Menschen werden es aus reiner Neugier nutzen. Einige werden versuchen, daraus Kapital zu schlagen (wie die zu tausenden dort eingeloggten Executive Searcher), aber niemand darf sich eigentlich beschweren. Wer sich da zur Schau stellt, tut es ja freiwillig.

Alexander Kluge am 21.11.04 13:48 #
 

Oliver: Ich bin ein eigenartiger Mensch, mit eigenartigen Wünschen... wobei: Wo liest Du hier eigentlich einen "Wunsch" heraus?

Um das Problem, dass es die Datenbasis nicht gibt, schere ich mich (heute) nicht: Denn es gibt längst genug Daten. Und es werden immer mehr. Diese Analyse geht schon. Und ich will wissen, wozu die nützlich sein kann.

Martin Röll am 21.11.04 14:13 #
 

Oktober 2001: Rasterfahndung
Wahlkampf 2002: Abschiebung auf Verdacht (ok, dieser Nazimethodenvorschlag kam vom bayrischen Innenminister)

"Oh... Sie sind also über 3 Personen mit Saddam Hussein bekannt. Interessant. Dann kommen Sie mal mit, ich glaube, wir müssen ein längeres Gespräch führen."

René Madenmann am 22.11.04 20:52 #