13. November 2004

[ Blogosphere ]

Geld verdienen mit (der Angst vor) Weblogs

"Martin, wie kann man mit Weblogs Geld verdienen?"

So zum Beispiel: Man baut einen Dienst, der ängstliche Manager benachrichtigt, wenn böse Weblogs über das Unternehmen bloggen. 10 Suchworte 195 Dollar im Monat. Mehr mehr. Call toll free now, get your free trial here.. Kinderleicht. Funktioniert auch in Deutschland. Schreibt mir eine Mail, wenn Ihr es macht.

(Merci, Michael)

Trackbacks sind Links von anderen Weblogs auf diesen Eintrag.

Übrigends die Frage ist sehr real, wurde sie mir doch gleich im Rahmen eines Gespräches gestellt, indem ich über meinem neuen Blog berrichte. So nachdem ich seit einigen Wochen meinen eigenen Webblog betreibe, kann ich mir schon den Aufwand vor...

Freiraum: Kann man mit Blogs Geld verdienen? (21.11.04 17:10)

 

habe es heute schon gelesen ... gibt es Möglichkeiten, solchen Firmen zu verbieten, daß man indiziert wird?

René Pönitz am 13.11.04 20:40 #
 

Sag mal, hast Du Dir den Text auf der Seite eigentlich mal durchgelesen? Wo steht auf deren Seite denn was von den boesen Blogs vor denen man Angst haben muss?

Dieser Service ist im Prinzip ein Clipping-Service, nur halt dass er nicht Zeitungen sondern Weblogs abgrast. Was soll daran schlecht sein?

Und warst Du es nicht selber vor kurzem der bei der Kryptonite-Geschichte gross von der Wichtigkeit der Blogs erzaehlt hat? Wer weiss, vielleicht haette Kryptonite eher und besser reagiert wenn sie die Blogs ernst genommen haetten und diesen Service abonniert haetten.

Dieser Dienst soll dabei helfen genau solche Sachen fruehzeitig zu erkennen. Probleme zu sehen und damit reagieren zu koennen bevor sie explodieren. Das hat in meinen Augen nichts mit Angst vor den boesen Weblogs zu tun, sondern ist genau das was doch immer gefordert wird: Auf die Maerkte und die vielen verschiedenen Stimmen zu hoeren.

Armin am 14.11.04 01:53 #
 

Was sind denn das für Unternehmen, denen zehn Suchworte bereits 195 Dollar wert sind? Sollten die dann nicht besser einen RSS-Aggregator einsetzen und die Ergebnisse filtern? Damit kann man dann gleich alle Suchworte abdecken, die interessant sind: Vielleicht wird ja auch über die Konkurrenz geschrieben?

Stefan am 14.11.04 07:13 #
 

@Stefan -> dürfte ordentlich Traffic machen, wenn jede Firma plötzlich 100.000 WebLogs im Auge behält ...

René Pönitz am 14.11.04 10:36 #
 

Google Alerts macht das kostenlos.

Theo Huesmann am 14.11.04 11:40 #
 

Ich muss mir nur die verschiedenen Eitelkeits-Neugiertools ansehen und schon weiß ich, wer diesen Clipping-Service nutzen will, und es nicht nur Abzocke sondern der Dienst hält was er verspricht, dann ist der Preis sein Geld wert.

Ich entdecke immer wieder Begriffe, Einträge die sind in dem einen Neugiertool aber nicht in dem anderen und jener ist hier zu finden aber nicht dort ... und den Moment, wo dieser Beitrag in meinem Referrer im Blickfeld war hatte ich verpasst.

Es steckt durch einige Arbeit darin soetwas selbst und mit der Hand am Arm zu erledigen. Google-Alert gibt meines wissens auch nicht beliebig viele Begriffe kostenlos heraus.

Also sollte man hier schon ein wenig differenzieren. Welchen Aufwand hat man, welche Alternativen hat man und was passiert, wenn man den Dienst irgnoriert bzw. nutzt und dann darf jeder für sich entscheiden, ob es etwas bringt.

Ich weiß von einigen Firmen, die monatlich einige Stunden damit verbringen nach Ihrem Unternehmen zu forsten, wer schreibt was wo und warum. Veranschlagt man hier einen üblichen Stundensatz von 35-80 Euro je nach Position und Gehalt der person ist der Bertrag von 195 $ schnell erreicht.

So abstrus und überzogen ist der Preis aus betriebswirtschaftlicher Sicht also auch nicht. Es ist eine Frage wie ausgelastet die Person mit anderen ertragsnahen Aufgaben ist, ob es sich rechnet. Grundlagen Betriebswirtschaft Kosten-/Nutzenrechnung ;o)

Silke Schümann am 14.11.04 11:59 #
 

Ich weiß nicht, ob es wirklich 100.000 wichtige Blogs gibt :-) --> Wenn ich einen Service nutzen wuerde, muesste der mir Informationen ueber neue Blogs geben, die ich eventuell beobachten sollte.

Der Traffic durch das Beobachten der *interessanten* Blog-Bereiche duerfte sich noch in Grenzen halten, dafuer koennte ich die Originaldaten wesentlich besser durchsuchen und bei Bedarf archivieren.

@Silke: Was sind denn "Eitelkeits-Neugiertools"?

Stefan am 14.11.04 13:54 #
 

Es geht nicht notwendigerweise darum ob alle 100,000 Blogs wichtig sind, sondern um ein Fruehwarnsystem. Die meisten Sachen die sich durch die "Blogosphere" bewegen fangen ja irgendwo an und das ist nicht notwendigerweise die grossen Blogs. Oft fangen Sachen in kleineren Blogs an und werden dann von den grossen Blogs aufgenommen um dann zu "explodieren". Und wenn man das durch das Beobachten von 100,000 Blogs verhindern oder zumindest verringern kann hat sich Investition schon gelohnt.

Das ist natuerlich nur ein Teil des ganzen, meinungsbildend sind sicherlich nur eine Handvoll Blogs. Und da kommt es wieder auf das Produkt der Firma an.

Neugiertools?

Technorati, Blogdex und Konsorten z.B., da kann man sehen wer einen so verlinkt.

Oder bei Bloglines sein eigenes Blog abonnieren, da kann man dann sehen wieviele andere Leute den Feed abonniert haben (und zum Teil sogar wer).

Oder man geht zu Google und findet raus dass man selber zum Verkauf steht ;-)

Armin am 14.11.04 15:39 #
 

Genauso erfolgreich wie Weblog-Monitor werden übrigens Sarkasmus-Detektoren sein. Aber zur Sache: Selbstverständlich kann man so ein Monitoring mit kostenlos verfügbaren Tools bauen. Aber die meisten Unternehmen können das nicht. Die haben einen Informationsbedarf und der wird von solchen Tools gedeckt.

Und wenn das wirklich misverständlich war: Ich habe überhaupt nichts gegen solche Dienste, gegen diesen Dienst im speziellen und nichtmal was gegen das Preismodell. Ganz im Gegenteil.

Martin Röll am 14.11.04 16:53 #
 

Ich fuerchte dann habe ich Dein Posting missverstanden:

Aus Deinem Posting und der Verlinkung zu dem in meinen Augen sehr tendenzioesen (hm, schreibt man das so?) Heise Artikel (Schnueffeltool, Rechtsabteilungen umgehend in Marsch setzen zu koennen etc) hatte ich geschlossen, dass Du aehnlicher Meinung warst.

Zugegebenermassen weiss ich nicht worauf der Heise-Artikel basiert, vielleicht haben die ja tatsaechlich eine Pressemitteilung in dem Tenor herausgegeben. Aus der verlinkten Seite kann ich jedoch nichts in der Art herauslesen.

Und Sarkasmus im Internet funktioniert selten ;-)

Armin am 14.11.04 17:48 #
 
...um von missliebigen Äußerungen in beliebten Web-Tagebüchern so schnell wie möglich Kenntnis zu erhalten und beispielsweise ihre Rechtsabteilungen umgehend in Marsch setzen zu können, bevor die betreffenden Inhalte in der Netzgemeinde die Runde gemacht haben...

Der Ton dieses Artikel ist eher daraufhin ausgerichtet, uns dieses mitzuteilen: Unternehmen werden in Zukunft nach unbeliebter Kritik suchen lassen, entsprechende Dementis vorbereiten (alles erst leugnen, das Produkt funktioniere so lange einwandfrei, bis die "Qualitätssicherung" etwas dazu sagt) und zwischenzeitlich die ernsten Herren in schwarzen Mänteln bei den Blogbesitzern vorbeischicken und sie von einstweiligen Verfügungen reden lassen, von Strafen usw.

Die Blogger werden sich auf die Meinungsfreiheit berufen. Die Unternehmen werden den Verlust von Ansehen und der Marke geltend machen, von übler Nachrede sprechen und die Herren in schwarz so richtig viel juristischen Schaum schlagen lassen. Nicht umsonst ist in dem Artikel von "Beweislage" die Rede. Es sieht so aus, als ob man die Leute einschüchtern wöllte. Und das schlimme ist - es funktioniert. Wer will heute schon noch "T-irgendwie" heißen?

Es gibt eine neue Technologie. Man kann sie nutzen, oder Angst davor haben. Offensichtlich ist da ein Markt der sagt, man hat Angst.

Markus Tiersch am 14.11.04 18:54 #
 

@markus (t.): dass der von martin erwähnte (auch m.e. sehr praktische) dienst in erster linie dazu dient, "um von missliebigen Äußerungen in beliebten Web-Tagebüchern so schnell wie möglich Kenntnis zu erhalten und beispielsweise ihre Rechtsabteilungen umgehend in Marsch setzen zu können" ist eine theorie des heise-autors, die durch die texte auf den seiten der firma nicht unterstützt wird. es ist eine "interpretation", die uns dieser autor dort "mitteilen" will, die als information verkauft wird. das ist auch in anderen publikationen durchaus üblich und legitim. normalerweise trennt man aber berichterstattung und kommentierung etwas sauberer voneinander.

es gibt jede menge verständliche gründe für ein unternehmen, wissen zu wollen, was die leute über es und seine marken sagen.

die behauptung bei heise, dass hätte etwas mit dem recht auf freie meinungsäußerung zu tun, oder wäre eine bedrohung dafür (versteckt hinter der feigen floskel "... sei mal dahingestellt") ist amüsant. (nahezu) jedes weblog agiert im öffentlichen raum. wenn ein autor nicht will, dass seine meinung von denen gelesen wird, über die er schreibt, ist das eine etwas merkwürdige grundhaltung. den vorgang nennt man, glaube ich, "tratschen" oder "klatschen" (speziell, wenn man sofort den mund hält, sobald der/die betroffene in der nähe ist) und ein webloig ist dafür herzlich ungeeignet.

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Markus Breuer am 15.11.04 06:51 #
 

>wenn ein autor nicht will, dass seine meinung von denen gelesen wird, über die er schreibt, ist das eine etwas merkwürdige grundhaltung.

merkwürdig mag sie sein, doch ist sie in deutschsprachigen Weblogs nicht allzu selten anzutreffen.

Moe am 15.11.04 13:23 #