14. Oktober 2004

[ Ethik ]

Die US-Präsidentschaftswahl beeinflussen

Der Guardian startet eine interessante Aktion: Nicht-Amerikaner können Ihre E-Mail-Adresse hinterlassen und erhalten die Kontaktinformationen von einem amerikanischen Wähler aus dem Clark County, Ohio, einem der wichtigsten "Swing States" der aktuellen US-Präsidentschaftswahl. Die Daten kommen aus dem öffentlich zugänglichen Wahlregister. Es werden nur Adressen von als "unabhängig", also nicht den Demokraten oder Republikanern zugeordneten Wählern verwendet.

Die Idee ist, dass nun ein Nicht-Amerikaner einem amerikanischen Wähler einen Brief schreiben kann, um ihn von der Stimmabgabe für einen der beiden Kandidaten zu überzeugen.

Im Artikel gibt der Guardian ausführlich Hinweise, wie man das tun sollte, vor allem, dass man höflich bleiben sollte. Die Amerikaner erwarten die Briefe nicht! Es dürfte sie einigermaßen verwundern, plötzlich campaigning-Briefe aus dem Ausland zu erhalten!

In formulating your letter, you will need to introduce yourself: no individual Clark County voter will have any reason to be expecting your communication. And in choosing your arguments, keep in mind the real risk of alienating your reader by coming across as interfering or offensive. You might want to handwrite your letter, for additional impact, and we strongly recommend including your own name and address - it lends far more credibility to your views, and you might get a reply.

Anders Jacobsen fragt zu Recht So what do you American readers think? Should foreigners keep their hands off and mouths shut about the upcoming election? Do you care?
Und was meint Ihr? Ist so ein Eingriff in die Wahl in Ordnung? Richtig? Zulässig? Sinnvoll? Hilfreich?

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das erinnert mich an kurt waldheims sieg in der österreichischen präsidentschaftswahl 1986: die österreicher wählten mit ihm einen unbedeutenden, uncharismatischen diplomaten, frei nach dem motto "jetzt erst recht". das ausland hatte sich nach der diskussion über seine von ihm beschönigte kriegsvergangenheit zu allzugroßer schwarz-weißmalerei hinreißen lassen, in den USA kam der ehemalige UN-generalsekrektär gar auf die watchlist.

auch jetzt kann mir nicht vorstellen, dass ein brief aus dem ausland als was anderes angesehen wird, als als einmischung.

helge am 14.10.04 19:36 #
 

Du meinst nach dem Schema "Wenn die 'Anderen' wollen, dass ich Kerry wähle, ist wahrscheinlich Bush besser für mich." ? Hmm - möglich.
Ich denke mal, das kommt stark darauf an, welchen Eindruck und was für Argumente man in dem einzelnen Brief rüberbringt.

Heiko Haller am 17.10.04 19:01 #