6. Oktober 2004

[ Blogging , Schreiben ]

Schreiben, explorativ und anders

Peter Lindberg hält ein paar Betrachtungen zum Schreiben fest. Er schreibt, dass für ihn Bloggen wie exploratives Schreiben ist: Er beginnt mit einer vagen Idee zu schreiben und kommt am Ende oft mit etwas ganz anderem heraus, als er am Anfang gedacht hat.

Wenn er hingegen längere Texte schreiben will, braucht er eine konkrete Idee und Struktur.

Die Idee kann aus explorativem Schreiben entstehen. Bevor man anfängt, den richtigen Text zu schreiben, muss sie klar sein, sonst wird es mühsam.

Writing longer, whole pieces, however, requires an idea. Such writing indeed benefits from exploratory writing, but it is not the same thing. Which was one of the mistakes I made. The idea I had was too fuzzy when I started writing. I should have done more exploration and not been as eager to produce a first draft.

Auch die Struktur sollte klar sein, bevor man anfängt. Sonst exploriert man wieder und verliert viel Zeit.

Also, in writing texts of a certain length and a specific topic, you’ll need to find out how to present that topic, with a beginning, an end, and something that takes the reader from here to there. This structure became apparent as I wrote drafts in part exploratory mode, part drafting mode, which was an awkward and time consuming way to do it.

Ich kann mich da sehr mit identifizieren. Explorativ Schreiben, so wie Peter und ich das (manchmal) in Blogs machen, ist einfach, bzw. habe ich das inzwischen gut gelernt. "Richtige" Texte schreiben ist etwas anderes.

Manchmal geraten meine Weblogeinträge zu "richtigen" Texten. Dann werfe ich ganz lange Weblogeinträge weg und schreibe sie neu. Vorher waren sie explorativ, fingen bei einer Idee an, wanden sich durch und kamen bei etwas ganz anderem raus. Wenn ich sie neu schreibe, haben sie eine klare Idee, einen Anfang und ein Ende und eine saubere Argumentationslinie. Im Weblog weiß ich manchmal nicht, was mir besser gefällt.

(Ich sehe da schon ein Missverständnis aufkommen: Ich werfe natürlich nicht veröffentlichte Weblogeinträge weg. Gemeint sind Weblogeinträge in dem Moment, in dem ich sie schreibe.)

Bei langen Texten wie z.B. meinen Konferenzbeiträgen habe ich inwzwischen gelernt, erst die Struktur sehr klar zu kriegen und dann anzufangen, den richtigen Text zu schreiben. Dem voraus geht fast immer ein "Free Writing", ganz simpel in Notepad oder einem Wiki, brainstormartig, um die wichtigsten Ideen auf Papier zu kriegen und dann darüber über die Ordnung und die Argumentationslinie nachdenken zu können.

Als ich meine ersten Texte geschrieben habe, habe ich noch direkt mit dem Schreiben angefangen. Und bin nach relativ kurzer Zeit verzweifelt, weil ich nicht da rauskam, wo ich eigentlich rauskommen wollte. Ich habe dann Absätze und Absätze geschrieben und mich gewunden, um irgendwie einen Weg zu finden und am Ende dann doch alles weggeworfen und von vorne angefangen. Versteht mich nicht falsch: Das war gut und wichtig! Am Ende kam ein guter Text raus. Aber es war sehr viel Zeitverschwendung dabei. Zum gleichen Resultat kann ich auch schneller kommen.

Das ist ein bisschen wie in der Softwareentwicklung: Einen Prototypen schreiben und den dann wegwerfen ist etwas großartiges. Einmal die Ideen aus dem Kopf kriegen, um dann zu sehen, was die Hauptsache und was nur ein Detail ist, dann die Architektur neu zu durchdenken, um dann das Werk zu erschaffen ist viel besser als mit vagem Plan irgendwo am Sockel der Pyramide anzufangen und loszubauen.

Schlusspunkt:

Blogging is great (for me) for exploring ideas, for expressing things and seeing what they look like, and also for improving linguistically. But it won’t take me far in making me a better writer. For that, I need to try writing articles and other texts with well-defined topics, and specific lengths.

Da hat er wahrscheinlich recht.

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Das erinnert mich an etwas, was Jörg Grannemann, Texter und Gitarrenschüler bei mir noch letztens zu mir gesagt hat: "Den größten Fehler den man beim Schreiben begehen kann, ist, zu versuchen übers Schreiben an eine Struktur zu gelangen..."
Bei Blog-Blurbs siehts wohl anders aus, aber für längere Texte stimmt das schmerzhaft. Back to Gliederung.

siggi am 07.10.04 11:33 #