19. August 2004

[ Oekonomie ]

Ein-Euro-Jobs und De-Ökonomisierung

Der WDR erklärt: "Ein-Euro-Job" - was ist das?

Die Jobs sollen von kommunalen Beschäftigungsgesellschaften und gemeinnützigen Organisationen angeboten werden. Laut Wirtschaftsminister Clement kommen dabei alle Arbeiten in Frage, die der örtlichen Wirtschaft keine zusätzliche Konkurrenz machen. Möglichkeiten gibt es beispielsweise als Helfer in Kindergärten, im Garten- und Landschaftsbau, bei der Stadtreinigung, in der Alten- und Krankenpflege oder als Einkaufshelfer für Ältere.

Es ist zum Weinen. Anstatt dass man in Bereichen, in denen es jede Menge Arbeit aber ein Defizit an Arbeitskräften gibt, die Rahmenbedingungen so gestaltet, dass ein Markt Angebot und Nachfrage regeln kann schafft man nun ein System, das die Bereiche de-ökonomisiert. Statt freier Marktteilnehmer erledigen nun von Systemen gegängelte Menschen in wirtschaftlicher Notlage den Job.

Privates Angebot auf diesen Märkten kann es nun kaum mehr geben, wenn sie mit staatlich finanzierten Hartz IV-"Arbeitsgelegenheiten" konkurrieren müssen. (Dummerweise hat die CDU das zu spät gemerkt, weshalb Frau Merkel jetzt nur noch lächerlich harmlose Dinge sagen kann.) Der Effekt ist nicht neu: Man kennt das schon von Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen. Jetzt geht es in die nächste Runde und in weitere Wirtschaftsbereiche. Anstatt das Wirtschaften und damit Beschäftigung zu ermöglichen wird es be- und teilweise verhindert. Way to go.

[Nachtrag] Während ich das hier schreibe ein neuer Artikel auf tagesschau.de: tagesschau.de Städtebund nennt Clement-Pläne illusorisch.

Weitere Links, nachgetragen:

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Obwohl ich bei diesem Thema mit Martin selten einer Meinung bin, ;o) ist an dem, was er ü ber 1-Euro-Jobs und De- Ö konomisierung schreibt, etwas dran. Die Frage ist nur, wie die Rahmenbedingungen zu schaffen sind, um in den Bereichen...

Der Schockwellenreiter: Ein-Euro-Jobs (20.08.04 08:17)

 

Noch ein Link:
http://www.presseportal.de/story_rss.htx?nr=587479

Melody am 19.08.04 21:26 #
 

Ich denke, die üble Wurzel sitzt noch etwas tiefer.
Die Tatsache, daß überhaupt ein Arbeitskräftemangel in diesen Bereichen besteht ist maßgeblich bedingt durch die fehlende Annerkennung und Akzeptanz dieser Arbeit sowie der damit verbundene finanzielle Nachteil für die betroffenen Fachkräfte.
Der Artikel:
http://www.tagesschau.de/aktuell/meldungen/0,1185,OID3535444,00.html
hatte mich gestern auch zu einer Bemerkung hinreißen lassen:
http://www.20six.de/weblogCategory/cs3b4s8f6wt?p=1

heutenoch (Philipp) am 20.08.04 12:07 #
 

Dass Gärtner und Pflegekräfte unterbezahlt sind halte ich nicht für ein Problem mangelnder Anerkennung sondern für ein Systemdefizit. Im Gartenbau lässt sich das ganz einfach durch öffentliche Vergabeverfahren erklären (bei denen die Regel, dass der billigste immer gewinnt dazu führt, dass auf Qualität keine Rücksicht mehr genommen wird und völlig understaffed wird). Im Gesundheitsystem ist das etwas komplexer, aber auch durch Systemregeln (und nicht unbedingt durch Deine "die oben unterdrücken die unten"-Argumentation) erklärbar.

Martin Röll am 20.08.04 12:32 #
 

ich wüßte zu und zu gerne in welchen bereichen es "jede menge arbeit aber ein defizit an arbeitskräften gibt"?
ich lebe in berlin, arbeitslosenquote über 20%.
systemdefizit bei unterbezahlten pflegekräften?
ja logisch, wohl kaum als AG denkbar!wie stellt sich da eine gewinnmaximierung dar?

karin am 25.09.04 18:06 #
 

Ich meinte durchaus die im Zitat angegebenen. Auf Wunsch kann ich aber auch eine Liste von 100 anderen Feldern erstellen. Ihre zweite Bemerkung verstehe ich nicht.

Martin Röll am 25.09.04 18:14 #