8. August 2004

[ Knowledgework und PIM ]

Google-Notizen und der Blog-Block

Joi Ito schreibt darüber wie er Notizen macht: Er schreibt einzelne Namen und Stichwörter in einen Notizblock um sie später nachzugoogeln.

I realized that taking notes with the intention of googling everything later is very different than taking complete notes. I had never noticed that I had started doing this.

Das kenne ich von mir auch. Oft schreibe ich auch noch Namen von Wikiseiten aus meinem Intranet-Wiki dazu, um später auf einer neuen Wikiseite das Neue mit dem Alten zu verknüpfen oder alte Seiten mit dem Neuen zu ergänzen.

Irgendetwas ist da mit Papiernotizen und Bloggern oder überhaupt Papiernotizen und KnowledgeWorkern: Selbst die, die extrem "geekig" sind und extrem viel am Computer arbeiten und auch die, die den Computer als Haupt-Informationmanagement-Tool benutzen machen trotzdem Papiernotizen. Ich habe manchmal den Eindruck, dass sie sogar insgesamt mehr Notizen machen, als andere. "Mehr" nicht unbedingt in Seitenzahlen, aber "mehr" im Sinne von "öfter", "in mehr Gelegenheiten" und vor allem mit Blick auf das Ergebnis: Sie scheinen mir eine Technik entwickelt zu haben, sehr effektiv Inhalte aufzunehmen und festzuhalten. Mit ihren Notizen können sie anschließend umfassend an Gespräche und vorhergegangene Gedankengänge anknüpfen.

Magdalena Böttger benutzt einen "Blog-Block": Sie hat einen Papierblock in den sie Skizzen für Weblogeinträge schreibt. Wenn sie dann Zeit hat fertigt sie daraus den Eintrag und veröffentlicht ihn.

Wie ist das mit Leuten die mindmappen, vor allem mit denen, die digital mindmappen? Malen Maps auch auf Papier? Übertragen sie sie nachher ins Digitale? Oder fertigen sie auch eine andere Repräsentation, so wie ich mit meinem Wiki?

(Klar, womöglich ist die Antwort: "Jeder macht das anders." und das sind gar keine Muster.)

Eine andere Weblog-Sache steckt auch noch in Jois Eintrag: Er erwähnt, dass er ein moleskine notebook verwendet und ein Kommentator fragt nach, was dessen Besonderheiten sind. Es entwickelt sich ein interessanter Austausch und Petri Vilén kommentiert:

"The relevance of blogs as a medium is very notable especially in this Moleskine issue. Let's take a case from Finland.

A blogger who runs a featured list of Finnish blogs wrote an entry about Moleskines. After a month you can see everyone who blogs knows the Moleskine phenomenon and half of them owns one. So do I."


Ich kenne die Moleskines auch seit einigen Wochen aus den Weblogs.

Ich weiß nicht ob die Blogosphere groß genug ist, um wirklich einen Einfluss auf die Verkaufszahlen dieser Blöcke zu haben (weiß jemand, in welchen Stückzahlen die abgesetzt werden?), aber klar ist, dass unter Bloggern jede Menge Opinion Leader (Meinungsführer) sind. Womöglich kann man in 6 Monaten tatsächlich einen Knick in der Verkaufskurve ablesen. Ich werde mal nachfragen.

Related: Bilder im Kopf: Teekisten.

[Nachtrag: Ad TrackBack: Van Gogh und ich haben was gemeinsam (ich meine nicht das mit dem Ohr) | Notizblog.de]

Trackbacks sind Links von anderen Weblogs auf diesen Eintrag.

Joi Ito macht sich Notizen um in Google danach zu recherchieren. Aha. Herr Ito gibt seinem Büchlein auch einen Markennamen. Herr Ito schreibt nicht auf gewöhnl...

A2O — Business pur: Ein Floh hustet und alle wünschen Gesundheit (08.08.04 12:53)

 

Das nächste interessante Phänomen: Dinge werden just dann in der Blogosphere interessant, wenn ich sie gerade woanders entdeckt habe. Das war schon bei Wikis so. Die Moleskines habe ich vor rund anderthalb Wochen in einer Buchhandlung entdeckt, und nachdem ich mit eines gekauft hab und ein bisschen nachgeforscht (gegoogled) hab, habe ich mich gleich eingedeckt. Die Moleskines sind nicht nur praktisch, sondern vor allem schön und recht hochwertig - was sich allerdings auch im Preis niederschlägt, der selbst für die kleineren Exemplare bei um die zehn Euro liegt. Dafür kann man sie zum selben Preis allerdings auch bei verschiedenen Online-Buchhändlern bestellen. Wenn ich es richtig nachvolzogen habe, konnte man die Original Moleskines nur bis Mitte der 1980er Jahre käuflich erwerben, dann sind sie vom Markt verschwunden, ehe sie nun vor einigen Jahren wieder eine Renaissance mit Kunstleder-Einband erlebten. Über die Vekaufszahlen kann ich nichts sagen, aber mir scheint, dass sie im Moment noch ziemlich rar gesät sind.

Ich benutze mein Moleskine im übrigen nicht, um mir Notizen fürs Bloggen zu machen, sondern ich nutze es sozusagen zum "Offline-Bloggen" (der Begriff machte neulich auch mal die Runde, aber da hatte ich schon damit angefangen ;-).

Aber ich bin jetzt in der Tat mal gespannt, wie oft ich das Wort "Moleskine" in nächster Zeit zu lesen bekomme.

Roland am 08.08.04 10:56 #
 

In meinen Notebooktaschen befinden sich immer mindestens ein Moleskine Plain Notebook und mehrere Moleskine-Hefte. Kunden bekommen ihre Moleskines auch immer von uns. Scholz & Friends hat eine eigene Moleskine-Friends-Edition, und Dee (metamorphine.de) hatte eine ganze Zeitlang das Moleskine sogar in ihren Weblog-Header eingebaut.

Marcus Völkel am 08.08.04 11:38 #
 

So. Na da wollen wir doch noch ein paar weitere ich gehöre in die Upperclass-Brands fallen lassen oder outen wir uns damit als Rückständig, wenn man noch ein Timesystems in seinem Bogner-Köfferchen hat oder wie war noch das Label, das das Futter mit dem Logo nach aussen gekehrt hat ...

Ob Ito für das Namedropping bereits einen Werbeetat vereinnahmen kann? Und mit Sicherheit wird der Rest der bloggenden Welt hier tapfer einschwingen ohne einen pekuniären Vorteil.

Ich persönlich finde ja auch die Berlitz (oder: Lerlitz) mit dem Plastikdeckel bzw. Pappdeckel ausreichend. Sehr schnuckelig finde ich auch das Mino Pad von TollitHarvey LTD aus dem Postcartenandenken- und Schreibwarenladen am Russelsquare in London.

Notizen habe ich mir auch vor dem Bloggen gemacht und zwar schon in der Schule. In der 5ten Klasse noch in ein Sarah Key (oder wie man das auch schreibt) Tagebuch mit Goldschlösschen. Also so gesehen war ich eine sehr frühe OfflineBloggerin. ;o)

Silke Schümann am 08.08.04 12:19 #
 

Ich benutze Moleskines als privates Notizbuch schon, seit es sie wieder zu kaufen gibt. Ich sehe mit Schrecken (schon vor ein paar Wochen bei einem ähnlichen Eintrag bei Thomas Burg), dass sie Hype-Objekte zu werden drohen.
Dass ich die benutze, war Hemingways Schuld ;-), nachdem ich in der Zeitung gelesen hatte, dass er die angeblich benutzt hat, musste ich das sofort haben. Geht halt nichts über unangemessenen Starkult. ;-)
Sie sind auch sehr funktional, da ich ein Schlamper bin, der Zettelchen umgehend verliert, finde ich es sehr praktisch, in der Regel unwichtige Hochglanz-Visitenkarten und in der Regel äußerst wichtige Telefonnummern auf kleinen Zettelchen ;-) hinten in die Papierlasche stecken zu können, wo sie gut aufgehoben und auffindbar sind.

Mittlerweile habe ich auch ein großes (in fast-DIN-A-5) für Notizen bei Geschäftsmeetings und Konferenzen. Rechts stehen die mehr oder weniger wichtigen Notizen, links fange ich an zu krakeln und zu malen, wenn mir dabei langweilig wird.

So ein Zeitplaner-System-Ringbuch hatte ich auch mal, das verschwand aber umgehend in der Versenkung, ich erschrak vor mir selbst ("jetzt brauchst du nur noch Popper-Slipper und 'nen Aktenkoffer, dann bist du da angekommen, wo du nie hin wolltest"), und außerdem engt mich dieses "zu Tode strukturieren" mit einem eigenen Formular für alles und jedes zu sehr ein, ich brauche die freie Form der leeren nackten unbedruckten Seite aus schönem Papier!

Im Moment findet man aber in vielen Buchhandlungen und Schreibwarengeschäften wirklich sehr schöne Notizbücher, nicht nur Moleskines. Gestern hätte ich mir fast wieder zwei gekauft, die aus zwei dünnen Holzplatten vorne und hinten, einen Einband an der Seite und einem schönen Bändchen drum bestanden, aber dann fiel mir ein dass ich sie eigentlich nicht brauche. ;-)

Ralf am 08.08.04 13:18 #
 
> Selbst die, die extrem "geekig" sind und extrem viel am Computer arbeiten und auch die, die den Computer als Haupt-Informationmanagement-Tool benutzen machen trotzdem Papiernotizen.
Mach ich nur noch höchst selten. Die große digitale Wende brachte bei mir mein Notebook mit dem hochauflösenden Display. Seit dem drucke ich auch nichts mehr aus, nur um es auf papier zu lesen. Wenn Papiernotizen, dann aus einem der folgenden Gründe:
  • es muss schneller gehn als ich mein Laptop aus dem Standbymodus bekomme
  • ich bun mir sicher, dass ich die Notiz eh nie wieder brauche
  • ich hab mein Laptop nicht dabei (selten 8-) )
  • ich will ausnamsweise doch nicht auf den totalen "sense of direct interaction" verzichten
> Wie ist das mit Leuten die mindmappen, vor allem mit denen, die digital mindmappen? Malen Maps auch auf Papier?
Jaa, und es fühlt sich guuuuht an. Weil es doch noch direkter ist und freier.
>Übertragen sie sie nachher ins Digitale?
Nein. Ich jedenfalls nicht (bin faul). Wie gesagt: Wenn ich den Inhalt später noch brauche, mach ich's gleich digital.

@Moleskinmania:
Ja, ich habe auch so ein Ding. Seit 3 Jahren. Und es stehen lauter wertvolle sachen drin. Notizen, Gedankenblitze, Adressen, Diagramme, Mind-Maps und, wie ich soeben feststelle, auch Tagebucheinträge.
Und das ist schade, denn mein Moleskin hat so viele Nachteile:


  • Ich kann Texte nur umständlich weiterschreiben, denn die nächste Seite ist schon voll.

  • Ich kann Adressen nicht sortieren.

  • Weitergeben von Maps ist mühselig (Scannen)

  • Ich kann related items nicht verlinken

  • Und das schlimmste: Er hat keine Volltextsuche.


Aber einen tollen Vorteil hat er dann doch: Er ist kultig und ich hab auch einen.

Heiko Haller am 08.08.04 18:04 #
 

Möglicherweise würde ich meinen "Blog-Block" viel weniger benutzen, wenn ich ein Laptop besitzen würde (= Outing als Non-Geek?). Andererseits gehöre ich eindeutig zur Kategorie der Aus-Langeweile-Rumkritzler - und ich mische gern Skizzen, Text, Maps etc auf einem Blatt.

Ja, Mind-Maps: Ich male tatsächlich Maps auf Papier, während ich vor dem Computer sitze. FreeMind etc. sind mir zu hierarchisch; schöne Concept-Mapping-Tools konnte ich noch nicht ausprobieren.

So stapeln sich nun in einer Ecke meines Schrankes die alten Notizbücher und auch ohne Volltextsuche ist es schön, manchmal darin herumzublättern und Anregungen und Ideen (wieder) zu finden.

@Heiko: Ich lasse meist die Rückseite jedes Blattes leer, beschreibe also nur die Hälfte des Blocks, und wenn ich was zum Thema dazuschreiben will, habe ich dann noch Platz.

Und zum Thema Stichwörter zum Googeln aufschreiben... Ich habe schon seit einer Weile ein Notizbuch-"MarkUp"-Symbol für: Dieses Stichwort/Buch/Konzept/Mensch bei Gelegenheit nachschlagen. Und das bedeutet dann praktisch zumeist: Googeln.

Magdalena am 09.08.04 03:20 #
 


Mein Moleskine habe ich hier (Hamburg) in einer Buchhandlung
bekommen, der Verkäufer
hat mich auf Nachfrage zu dem Regal geführt, vor dem ich vorher
stand und mir die
schönen Notizbücher anguckte ;-). Kennen gelernt habe ich die
aber über Boing
Boing.



In dem Buch stehen hauptsächlich Notizen und Skizzen
(technisch), in der Tasche
befindet sich ein längs halbiertes DIN-A4 Blatt mit meiner
Todo-Liste. Die Liste
ändert sich zu häufig, so daß sie in dem Buch zu stark
fragmentieren würde.
Alternativ benutze ich eine todo.txt, was sich aber in einigen
Situationen als zu
aufwendig herausgestellt hat.



Adressen stehen im Mobiltelefon und im Rechner und werden
sowieso über iSync
synchron gehalten. Da ich Adressen häufig elektronisch bekomme
und die
Adressdatenbank auch in andere Anwendungen eingebunden wird
(also aktuell sein
muß), ist ein Notizbuch in dem Bereich keine Alternative.



Und eigentlich habe ich das nur aufgeschrieben, um das PGP
Plugin auszuprobieren ;-)


[PGP]

Hinnerk Haardt am 10.08.04 15:12 #
 

Eure Beispiele von Praktiken der Wissensarbeit/des Informationsmanagements haben mich inspiriert: Ich nehme mein Moleskin (das ich vor fast einem Jahr geschenkt bekam und in dem bislang nur meine Adresse drinsteht..) mit in den Urlaub... :)

Jan am 10.08.04 15:51 #
 

It's funny how you use something for so long and just discover now that it is called Moleskine (shame on me). I always called it my field notebook. Before i came to know Blogs it was the only thing i used to register some thoughts, observations, contacts, drawings and the like. Still my blog doesn´t substitute the handy Moleskine (no need to worry about hotspots or batteries ;-)), plus the versatile medium that allows me to attach a lot of flat stuff (no problems with most of the formats) adding my on comments. But like others, i wished i could do searches in them like i do in the blogs and convert whats in them to digital. Maybe i need to switch alltogether to a digital notebook :-)

Mónica am 23.08.04 16:59 #
 

Also ich notiuere nicht auf Papier. Sondern in den Palm. Aber ich auch (noch) kein verwendbares Notebook. Mein Palm hat natürlich auch n Wiki drauf ;). Und ich nehm ihn an Orte mit, an denen ein Notebook definitiv stören würde. ;)
Zu Papier hab ich ein gestörtes Verhältnis.

Oliver Gassner am 10.09.04 21:38 #