13. Juli 2004

[ Business Weblogs , Communities , Wissensmanagement ]

"The Community of Practice Ecosystem" - Miguel Cornejo über CoPs und Weblogs

cop-conversation-space-ecosystem-miguel-cornejo.jpg Miguel Cornejo hat auf dem KnowledgeBoard einen ganz hervorragenden Artikel veröffentlicht: The Community of Practice Ecosystem - On competition, cooperation, differentiation, and the role of blogs.

Eine Zusammenfassung:

Communities of Practise


Eine Community of Practise (CoP) ist eine Gruppe von Personen, die durch ein gemeinsames Interesse an einem Thema, das direkt mit Ihrer Arbeit zu tun hat, verbunden ist und die untereinander Gespräche führt, die zu einer Verbesserung der Arbeit führen. Dabei werden oft "Wissensobjekte" (knowledge objects) wie etwa Artikel oder Handbücher erstellt, die widerum diskutiert werden.

Die Gespräche können formell oder informell laufen und vielfältige Formen annehmen: Es kann Konferenzen, Tagungen, Seminare, Gesprächsrunden und Journale geben. Heute finden sie oft über Mailinglisten, Portale, Foren, Boards statt. Dazu kommen "Backchannel"-Gespräche zwischen den einzelnen Mitglieder, z.B am Telefon oder per E-Mail.

In einer CoP gibt es eine Menge Ressourcen, die miteinander um die Aufmerksamkeit der Mitglieder konkurrieren. Wegen der Kosten die Ressourcen zu organisieren und Netzwerkeffekten kommt es normalerweise dazu, dass sich ein "Zentrum" der meistgenutzten Ressourcen der Gruppe bildet, auf das immer wieder verwiesen wird und um das sich die meisten Gespräche drehen. Dazu entstehen immer wieder kleinere Initiativen, die die Gespräche beleben und normalerweise durch Abnutzung oder Assimilation wieder sterben - oder aber gelegentlich die Gruppe aus dem Gleichgewicht bringen und zu neuen Führern in bestimmten Teilen oder zu einem neuen Zentrum werden.

Weblogs


Eigentlich sind Weblogs nur wie persönliche Homepages. Aber sie haben zwei wesentliche Unterschiede:
  1. Durch die Vernetzung in der Blogosphere können leicht viele Blogs im selben Interessenbereich gefunden und navigiert werden. Das ist wichtig für Leser und noch mehr für Autoren: Sie können so Gleichgesinnte finden und offene, asynchrone Gespräche führen.
  2. ....

  • Warum überleben Blogs obwohl es so viele andere Content-Anbieter gibt?

    Weil sie von Leuten geschrieben werden, die für ihr Thema extrem engagiert sind, sehr viel wissen und gute Kontakte haben. Dazu sind sie nichtmal sekundär an Geld interessiert. So können sie zu geringeren Kosten produzieren als professionalle Anbieter, die Mitarbeiter bezahlen und Einkommen erwirtschaften müssen.


  • Warum sterben dann nicht die professionellen Anbieter wenn es Blogs gibt?

    Weil erfolgreiche Blogs sich selbst zerstören.

    • Um mit einem professionellen Portal zu konkurrieren, muss ein Autor mehr und mehr Arbeit in sein Weblog stecken und füher oder später professionalisieren - damit ist er dann der gleichen Kostensituation unterworfen wie der professionelle Anbieter.
    • Manche Weblogs werden um zu skalieren auch zu Gruppenweblogs umgewandelt und werden damit zu "Amateur-Portalen" - die haben aber ganz andere Charakteristiken als individuelle Weblogs.

    Weblogs haben eine "Aktivitäsgrenze" (activity ceiling) an der sie kaputtgehen. Die meisten Weblogs sollen aber gar nicht mit Medien konkurrieren, sondern sind nur in einem kleinen Kreis von Experten wichtig und verändern dort die Kommunikation.

Portale und Weblogs


Auf Portalen setzen Netzwerkeffekte ein: Ihr Wert steigt durch die Interaktion der Nutzer mit den Ressourcen und der Nutzer untereinander. Wie passen jetzt Weblogs hier rein? Warum entstehen auch rund um sehr gut vernetzte Portale Weblogs?

  • Weblogs stellen Dienste bereit, die das Portal nicht bereitstellt, z.B. kleine, simple schnelle Newsfeeds.
  • Weblogs sind eine Marke: Sie bringen persönliche Sichtweisen und Identität, der die Leser leichter vertrauen können.

    Gruppendiskussionen laufen Gefahr, zu schnell zu Konsens zu führen. Dadurch können unorthodoxe Denker abgeschreckt werden. Auch können Experten abwandern, wenn ständig auf Newbies Rücksicht genommen werden muss. Und manchmal gibt es einfach Meinungsverschiedenheiten mit den Communityleitern oder Differenzen zur allgemein akzeptierten "Wahrheit" - all diese Gründe können jemanden dazu bringen, ein Weblog zu starten.

    Diese Weblogs sind nicht von der Community abgeschnitten - oft sind sie mit ihr vernetzt und verbinden Gesprächsfäden. Die Weblogs, die das gut machen, gewinnen Bekanntheit und Vertrauen und werden zur Marke.


  • Für manche Leute kann die Öffentlichkeit einer Community zu groß sein. Sie trauen sich nicht, vor ihr zu sprechen. Ein Weblog ist ein "kleinerer", privaterer Ort, um seine Meinung zu äußern und Ideen zu testen. Viele "schüchterne" Blogger schreiben zuerst nur "für sich selbst" um dann zu entdecken, dass sie eine Leserschaft haben - und sich dann an Gespräche der Community anzukoppeln.

Weblogs und CoPs


Es ist also wahrscheinlich, dass Weblogs eine bleibende Erscheinung um CoPs sind. Welche Rolle können sie haben?
  • Orte des Widerspruchs und der unabhängigen Meinung

  • Plattformen für Initiativen der Mitglieder (für die die Community nicht schnell genug Ressourcen bereitstellen kann oder will)
  • Privaten Orte unabhängiger Personen (Viele Leute wollen nicht in eine Gruppe "eingezogen" werden - in Weblogs können sie unabhängig publizieren und trotzdem anderen Inhalte zur Verfügung stellen.)

Hier ist ein Modell:
cop-conversation-space-ecosystem-miguel-cornejo.jpg

Eine Community hat ein oder mehrere Zentren. Außerhalb der Zentren liegen weitere Ressourcen, z.B. spezielle Websites, Suchmaschinen oder Dokumentsammlungen, die mit den zentralen Ressourcen zusammenarbeiten oder konkurrieren. Weiter weg vom Zentrum gibt es die Blogosphere aus Weblogs, deren Autoren sich mit den Themen der Community befassen.

Die Weblogs sind mit den Ressourcen der Community verbunden. Die Mitglieder der Community entscheiden über den Wert jeder einzelnen Ressourcen und somit über ihr Leben oder Sterben.


Ein spannendes Papier. Es stecken viele interessante Ideen darin, bei denen mein Bauch direkt sagt: "Ja, genau so ist es" und für die ich eine Reihe ganz persönlicher Beispiele liefern könnte. Dennoch sind es auch eine Menge unbewiesener Behauptungen, deren "Wahrheit" wir erst noch beweisen müssen. Für künftige Arbeiten, auch und gerade für die Arbeit an der Vernetzung von knowledgeboard.com mit Weblogs gibt das Papier aber eine sehr gute Grundlage her. Ich freue mich auf die Zusammenarbeit.

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