23. Juni 2004

[ Blogging ]

Konferenzen und Weblogs - Parallelen

Alex Halavais schreibt über die Rolle akademischer Konferenzen. Auf Konferenzen

  • treffen sich Leute
  • werden Ideen getauscht
  • bilden sich Gruppen
  • bekommt man Feedback und Anerkennung
  • entdeckt man andere Städte und Kulturen
  • hat man Spaß

Alex:
I think that weblogs can play an important role here as a tool that does not replace physical conferences, but allows for both an alternative route to these ends, and an enhancement to such experiences.

Zwei Elemente also:
  1. Weblogs bieten alternative Wege zu solchen Ergebnissen, wie sie Konferenzen bringen
    • Man kann Leute treffen
    • Man kann Ideen tauschen
    • man kann Feedback sammeln

  2. Weblogs helfen, Teilnehmer auch nach der Konferenz in Kontakt zu halten. Damit verbessern sich auch zukünftige Konferenzen, weil sie besser vorbereitet sind.

Mónica André weist darauf hin, dass Weblogs so gerade Leute,n die eine wissenschaftliche Karriere beginnen wollen, große Chancen bieten: Sie können an Prozessen teilhaben, die sonst nur auf teuren Konferenzen stattgefunden haben.

no caso de quem aspira à carreira de investigação sem qualquer tipo de apoio financeiro (que permita suportar os custos implícitos para poder participar em conferências), a oportunidade de não perder o que está a ser feito (estado da arte) na sua área de investigação, evitando assim o «re-inventar da roda».

Trackbacks sind Links von anderen Weblogs auf diesen Eintrag.  

Obiges lässt sich auf so ziemlich jeden Dienst im Internet anwenden (IRC, Usenet usw.). Ich wüsste nicht warum das bei Weblogs etwas besonderes sein sollte.

Joern am 23.06.04 19:14 #
 

<unkonstruktiv>Oh ja, lass uns die "Weblogs sind doch nur wie Usenet/IRC/Mailboxen"-Diskussion zum siebenhundersten Mal führen!</>

Im Ernst: Willst Du wirklich qualitative Unterschiede zwischen Weblogs und IRC bestreiten?

Zeig mir wie ein Nachmwuchwissenschaftler

  • IRC nutzt, um Feedback zu seinem Papier zu bekommen.
  • IRC nutzt, um die Leute zu finden, die auf der nächsten Konferenz, auf die er zu gehen plant, sein werden.
  • IRC nutzt, um sich mit diesen Leuten auszutauschen.

Und, wenn Du das schaffst, zeige inwiefern Weblogs das nicht besser können.

Da bin ich gespannt.

Martin Röll am 23.06.04 19:52 #
 

Ohne die besondere Rolle von Weblogs bestreiten zu wollen:
Der Einwand von Joern weist auf einen wichtigen Punkt hin, denn möglicherweise sind die Argumente von Alex Halavais wirklich nicht ausreichend, um den tatsächlichen Unterschied zwischen Weblogs und anderen Medien/Anwendungen hinreichend fest zu nageln.
Anders gesagt: Die Punkte, auf die Martin und auch Alex berechtigterweise hinweisen, sind sicherlich berechtigt, aber vielleicht noch nicht klar und gleichzeitig komplex genug beschrieben.
Das ist vermutlich keine Aufgabe für ein Blog, vielleicht eher für ein wissenschaftliches Paper (möglicherweise auch nicht), aber es ist in meinen Augen nötig, um Weblogs als "epistemologische Einheit" zu etablieren.

Jan (der selbst überrascht ist, dass er nach einem ernüchternden Fussball-Abend sich noch in Diskussionen einklinkt.. :))

Jan am 23.06.04 23:48 #
 

Noch ein anderer Punkt, nicht mit dem vorigen Post zusammenhängend:
Ich lerne die Rolle von Weblogs für diese akademischen Zwecke, wie Alex sie beschreibt, erst kennen - aber ich bin schon jetzt beeindruckt, wie Blogs das "Konferenz-Erlebnis" und seine benefits bereichern können... insofern stimme ich Martin voll zu!

Jan am 23.06.04 23:51 #
 

Ja, ich bestreite, das es einen qualitativen Unterschied zwischen IRC (Usenet usw.) und Weblogs gibt. Es kommt nämlich immer darauf an wo man sich gerade rumtreibt. Denn es ist vollkommen normal, das mit steigender Anzahl der Teilnehmer auch die Anzahl der Trolle und das Rauschen steigt, ich wüsste keinen Grund warum Weblogs hier eine Ausnahme sein sollte. Kleine Kreise im IRC können sehr informativ und lehrreich sein, es kommt immer auf die Teilnehmer an.

Das Usenet wird seit Jahrzehnten für die Aufgaben die Du (und der Original-Autor) beschreibst genutzt, die anderen sicher auch, es fällt eben nicht so stark auf, weil sie für viele nicht so sicht- und greifbar sind.

Durch den Einsatz von Suchmaschinen ist es für Web-basierte Dienste auch viel einfacher Inhalte und darüber dann Gleichgesinnte zu finden und damit auch eine Community zu gründen. Zudem sind viele Leute mit dem Browser gross geworden und kennen nichts anderes, daher fehlt der Einsteig und das Wissen um die Möglichkeiten
anderer Dienste.

Ich kann die Aussagen des Authors aber auch verstehen, denn um ein Tool (Weblogs) einzusetzen muss man davon überzeugt sein. Um von etwas überzeugt zu sein, muss man es nutzen. Wenn er dann erfolgreich damit arbeitet, berichtet er auch dementsprechend davon. Daher ist das Wort Weblog für mich mit einer Variablen gleichzusetzen in der im nächsten Jahr schon ein anderer Wert stehen kann.

Jörn am 24.06.04 13:12 #
 

Na gut, rollen wir es also doch nochmal auf:

  • Ad Rauschen: Im Usenet müllen die Trolle Deine Gruppe zu. Im Web liest Du sie nicht bzw. moderiest sie aus Deiner Diskussion raus.
  • Das Web ist aufgrund seiner Hypertextualität besser durchsuchbar. Der Zugang zu Informationen und Personen ist viel leichter. (Zeig mir, wie Du einen Guru für [beliebigen Themenbereich] via IRC und Usenet leichter als via Web findest.)
  • Das Weblog ist ein persönliches, durchsuchbares Archiv. Kannst Du alle Deine Usenet- und IRC-Diskussionen noch wiederfinden?
  • Mit Weblogs kann direkt ich Personen, nicht Themen verfolgen. Wenn ich jemanden auf einer Konferenz kennenlerne, kann ich danach sein Weblog verfolgen und so an seinen Themen und der Person dranbleiben. Zeig mir, wie das im Usenet geht.
Nur mal zum Anfang. Ich sehe wirklich nicht, wie man da qualitative Unterschiede negieren kann. Klar: Die Welt hat auch schon pre-Weblog und pre-Internet und sogar pre-Telefon existiert und auch da haben sich schon Leute ausgetauscht und Wissenschaft betrieben. Aber willst Du wirklich argumentieren, dass Weblogs für die oben beschriebenen Möglichkeiten keinen Qualitätssprung bringen? Mutig. Martin Röll am 24.06.04 13:23 #
 

Moment, es ging um Konferenzen, deren Teilnehmer und die Kommunikation dieses Kreises untereinander. Wenn es um eine einzelne Person ginge, ist ein Weblog oder Wiki unschlagbar, das würde ich nicht in den Zweifel ziehen.

Konferenzen bestehen aber aus vielen Parteien mit unterschiedlichen Themen und Focussen. Gerade die Kommentar-Funktionen von Weblogs lassen lange, ausführliche und übersichtliche Diskussionen nicht zu. Konferenz-Teilnehmer wären auch immer dem Gusto der/des Blogger unterworfen und könnten nur schlecht eigene Themen voranbringen. Sie könnten das sicher im eigenen Blogg, aber wird das ganze dann Übersichtlicher? Ich denke nein. Schlimmer noch, durch die Verstreutheit der Informationen und Diskussionen ist es schwieriger auf einen Nenner zu kommen. Wenn man Pech hat endet man in 2 Blogs die genau gegenteilige Argumente vertreten. Das gab es schon in jedem Medium vorher, für Weblogs wird das nicht anders sein.

Eine gewisse höhere Qualität lässt sich vielleicht daraus ableiten das die sog. Info-Elite das Thema Weblogs entdeckt und für sich nutzt. Ansonsten ist meine Erfahrung das in Weblogs genausoviel Unsinn und redundantes Zeug steht wie in anderen Medien. Sicher kann man Trollen rausmodieren, aber was macht man wenn der Moderator trollt?

Um das Rauschen in den Griff zu bekommen hat jedes 'Medium' seine eigenen Mittel. Im IRC gibt es geschlossene Zirkel, Moderation etc. und im Usenet nutzt man halt Killfile oder Scoring um die Spreu vom Weizen zu trennen. Für die Archivierung im Usenet gibt es die Groups bei Google, fürs IRC gibt (es zum Glück) kein Archiv. Finde ich auch nicht weiter schlimm, weil man dort eher Ideen anreissen und diskutieren kann, um sie später zu reflektieren und anderweitig niederzulegen (Ja, das könnte in einem Weblog passieren).

Ansonsten gehen wir auf eine Diskussion zu in der die Teilnehmer das Gefühl haben werden, das der jeweils andere einen nicht wirklich von seiner Position überzeugen kann :)

Jörn am 24.06.04 16:14 #
 

Wir reden gerade aneinander vorbei: Die Konferenzteilnehmer sind die Blogger. Die "Verstreutheit" wird durch Aggregation bekämpft. Und dass es unterschiedliche Meinungen/Sichtweisen/Wahrheiten gibt, ist nunmal so - it's not a bug it's a feature.

Das "der Moderator trollt"-Argument verstehe ich nicht: _Du_ bist der Moderator Deines Weblogs. Die anderen Autoren sind die Moderatoren ihrer Weblogs. Wenn sie Dir nicht gefallen, liest Du sie nicht. Qualitätsproblem gelöst. Das ist im Usenet und IRC viel schwieriger.

Die Fragen hast Du übrigens noch nicht beantwortet: Wie ist das mit dem Zugang zu Experten? Wie ist das mit dem Kontakt halter zu Personen? Inwiefern sind Hypelinks nicht der Qualität des Informationsaustauschs dienlich? Und wie kannst Du, wenn Du anerkennst, dass IRC kein Archiv hat (und Weblogs welche haben), immer noch der Auffassung sein, dass Weblogs keine andere (nichtmal: höhere!) Qualität haben? (Das ist wirklich arg verwirrend. Womöglich haben wir ein Sprachproblem und ich meine mit "Qualität" etwas ganz anderes als Du.)

Martin Röll am 24.06.04 16:31 #
 

Ich denke auch das wir einen unterschiedliche Sicht auf das Wort Qualität haben. Als Techniker habe ich eher eine Null/Eins-Denke, denn in der Technik gibt es meist nur eine Wahrheit - entweder es funktioniert oder nicht. Fatal ist da z.B. wenn jemand Fehler beschreibt, durch Zufall eine Lösung findet, zu falschen Schlüssen kommt und diese evtl. auch noch publiziert. Jemand der sich nicht so mit der Materie auskennt kann das evtl. das gesamte System zerlegen. In einem Weblog könnte der Urheber der falschen Schlüsse jedwede Kritik löschen. Klar, könnte ich in meinem Weblog widersprechen, aber findet das der Suchende? In einen IRC-Channel/Usenet-Gruppe wiederum könnte das nicht so schnell passieren, da es meist mehrere Anwesende gibt die auf offensichtlichen Unsinn antworten und reagieren können - das ist Qualität für mich.

Das das IRC kein Archiv hat stimmt so nicht, denn die Anwesenden sind das Archiv, sie tragen das Wissen und geben es (hoffentlich) weiter. Das Hyperlinks nicht immer der Qualität zuträglich sind, sollte ich oben dargelegt haben. Der Zugang zu den Experten ist im Usenet durch die sprechenden Gruppennamen, die zudem auch noch hierarchisch aufgebaut sind relativ einfach. Im Irc gibt es Channel-Listen, allein schon am Namen des Channels lässt sich meistens erkennen worum es dort geht. Man geht in den Channel und da sind die Experten.

Joern am 24.06.04 18:38 #
 

Noch fataler ;) wird's, wenn er es nicht publiziert: Dann gibt es kaum eine Chance, den Fehler zu entdecken.

Ansonsten sollten wir die Diskussion hier beenden, denn wir reden wirklich über völlig unterschiedliche Dinge.

Martin Röll am 24.06.04 18:51 #