16. Mai 2004

[ Unternehmen ]

Interview mit Ben und Mena

Doug Kaye hat für IT-Conversations Ben und Mena Trott interviewt. Es ist ein schönes und interessantes Gespräch, stimmt mich aber nicht optimistischer, was die Zukunft von Sixapart angeht.

Erschrocken war ich über die Naivität, was TypeKey angeht. Ben nennt tatsächlich Spambekämpfung als Grund für die Kommentarauthentifizierung, dabei ist nun wirklich lang und breit genug diskutiert worden, dass Authentifizierung nichts gegen Spam hilft. Die Aussagen zum "Passport"-Vergleich laufen auf ein "die User vertrauen uns, aber nicht Microsoft" hinaus - auf grundsätzliche Argumente gegen zentrale Identitäsmanagementsysteme gehen sie nicht ein. Schade.

Was das neue Lizenzmodell von MT3 angeht, wird wirklich deutlich, dass die "Fairness" im Zentrum steht:

it’s the honor system that -- we’re not restricting features, we’re just saying, “If you have x numbers of authors, you should be using this version.

(Zitiert aus dem Transkript)

Das ist natürlich völlig in Ordnung, aber eine grandiose Fehlkommunikation: Wenn die Preise eher "Soll-Bestimmungen" als wirkliche Lizenzpreise sind, hätte ich das auch genau so kommuniziert. Jetzt wurde erst Panik ausgelöst und dann mühevoll korrigiert.

Es wird im Interview immer klar, wie wichtig die User und vor allem die Entwickler für MovableType, SixApart aber auch ganz persönlich für Ben und Mena sind. Sorgenvoll stimmen mich die Pläne, wie künftig mit ihnen umgegangen werden soll:

(Mena): A good point is we’re going to be having a developer contest for the plugin architecture, and we’re going to be giving substantial prizes away, and that’s one of the things that’s nice about being a larger company is that we can finally say, “Hey the top eight plugins that work with Movable Type 3.0,” and we’re going to have judges and it’s not just going to be us looking at the them. It’s going to be official, with legal terms, because we’re a real company. And there are going to be cool prizes, and that’s one of the things, I think, that is pretty much going to kick-start the way that we want to work with our developers, is that there are going to be incentives for them to develop, not only because they like doing it, but because it can be financially beneficial for them as well as cool.

Ich hoffe sehr, dass das nur eine übermotivierte Aussage in einem Interview und eher eine "dumme Idee" als wirklich die Strategie ist, denn nach ungefähr siebenhundert Jahren Motivationsforschung und Erkenntnis über intrinsische und extrinsische Motivation sollte man das eigentlich besser wissen oder zumindest ein wenig reflektierter darüber sprechen.

"drunkenbatman" sagte das schon richtig: This is why VCs bring in the MBAs. SixApart brauchen dringend jemand, der etwas vom Geschäft versteht. (Während ich das hier schreibe, kommt ein TrackBack von boozle.de rein. Dort gibt es auch diesen Eintrag. Noch irgendwelche Fragen?)

Ben und Mena sind tolle, sympatische Leute und ihr Unternehmen hat es verdient, weiterzuleben. Aber im Moment sind sie auf dem besten Weg dahin, durch dumme Entscheidungen ihr Werk aufs Spiel zu setzen.

[Nachtrag] Da ist noch ein lustiges Detail im Interview. Ben sagt:

"TypeKey doesn’t have to be your identity everywhere. Maybe it has to be your identity in commenting on weblogs, but we are not asking you to buy products with TypeKey."
Um Movable Type Free von der MT-Website herunterzuladen, braucht man einen TypeKey- (oder TypePad-) Account.

Trackbacks sind Links von anderen Weblogs auf diesen Eintrag.  

SixApart macht Fehler, die Google nicht gemacht hat - Google hat einen vernünftigen CEO mit viel Erfahrung. Google ist nicht ohne Grund mehr als 2 Milliarden Dollar schwer - und war früher nur ein Projekt von ein paar Studenten. Also das ist einer der krassesten Fälle von Fehlinformation, der mir bekannt ist ;)

Philipp Naderer am 16.05.04 19:45 #