17. April 2004

[ Blogging , Knowledgework und PIM ]

Weblogs vs. Foren

Auf dem KnowledgeBoard läuft gerade eine Diskussion darüber, wie diese zentrale Plattform für Diskussionen zum Wissensmanagement mit Weblogs zusammenhängen kann. Der Ausgangspunkt ist, dass der Umfang der Diskussionen auf dem Knowledgeboard und in anderen Foren stark zurückgegangen ist, eine Entwicklung die schon länger zu beobachten war.

Es gibt zwei Fragen:

  1. Ist das Diskussionsvolumen insgesamt zurückgegangen oder hat es eine Verschiebung von Foren zu anderen Medien, insbesondere Weblogs gegeben? Es scheint zumindest einige Anzeichen dafür zu geben, dass das der Fall ist.
  2. Warum wählen viele Weblogs und andere Medien um die Diskussionen zu führen, die sie vorher in Foren wie dem Knowledgeboard geführt haben?

Weblogs haben verschiedene Vorteile gegenüber Foren:

  • Der Autor kann die Diskussion selbst kontrollieren. In einem Forum kann er nur gleichberechtigt mit den anderen Diskussionsteilnehmern intervenieren oder im Falle eines Problems auf das Eingreifen eines Moderators hoffen. In seinem eigenen Weblog hat er die Gestaltung der Diskussion selbst in der Hand. (Im Falle des Knowledgeboard wird von einigen Autoren kritisiert, dass Diskussionen sich oft sehr stark vom ursprünglichen Artikel weg entwickeln und der Autor nur noch wenig Wert aus ihnen ziehen kann.)
  • Diskussionen sind wieder auffindbar. Zwar ist es in Foren normalerweise möglich, eine Historie aller eigenen Beiträge oder Diskussionen, an denen man teilgenommen hat, zu erhalten, aber mit einem Weblog kann ein Autor seine Diskussionen für sich zentralisieren. Er kann an einer Stelle suchen und alle Inhalte und Diskussionen, an denen er sich beteiligt hat, wiederfinden.

Welche Vorteile hat die Diskussion auf einem Forum?

  • Größere Öffentlichkeit. Ein Forum kann ein "Hub" sein und durch verschiedene Techniken Aufmerksamkeitsströme lenken.
  • ...?

Weblogs stellen das Individuum in den Mittelpunkt - das macht ziemlich viel Sinn, weil wir alle Individuen sind. Für mich entsteht mehr Wert, wenn ich meine Diskussionen von meinem Weblog ausgehend führe. Sie bleiben so in meiner persönlichen Sphäre, sind wiederfindbar und später leichter wieder verwendbar. (Ich kann ohne Probleme auf ältere Diskussionen zu bestimmten Themen bei mir im Weblog verweisen, einfach indem ich sie Suche und verlinke. Einen Beitrag im Knowledgeboard oder einem Forum wiederzufinden und in einem neuen Beitrag zu referenzieren macht viel mehr Aufwand.) Eine Plattform ist ein "Ort".

Ich glaube, dass es fast keine andere Wahl gibt, als mit persönlichen Tools zu arbeiten um seine Diskussionen zu führen. Ob das Weblogs sind oder andere Werkzeuge, die es ermöglichen, eigenen Content wiederzufinden und Gespräche zu verfolgen ist ganz egal - aber Plattformen wie KnowledgeBoard stoßen für diese Gespräche an ihre Grenzen.

Die Frage ist, welche Rolle die Plattformen dann in der Zukunft haben. Sicherlich haben sie als Hub und vielleicht als Dokumentspeicher ihre Berechtigung. Um aber weiter eine wichtige Rolle zu spielen und selbst um als Hub noch zu funktionieren müssen sie sich wahrscheinlich öffnen, damit sie sich mit anderen Tools - und heute sind das Weblogs - vernetzen können.

Zum selben Thema schreibt David Wilcox, der auch an der Diskussion auf dem KnowledgeBoard teilnimmt auf seinem Weblog in Designing for Civil Society: More about joining up online places - and people. In der Diskussion bei Denham Grey gibt es viele interessante Ansichten.

Trackbacks sind Links von anderen Weblogs auf diesen Eintrag.

"... hat es eine Verschiebung von Foren zu anderen Medien, insbesondere Weblogs gegeben?" fragt Martin Roell im E-Business Weblog. Aber klar doch. Und es waere komisch, wenn nicht! Denn manches, was die Menschen frueher in Foren getrieben haben, geht mit

notizen aus der provinz: Bloggen, diskutieren, mailen - Die Qual der Wahl (17.04.04 21:31)

Diskussionsforen wie z.B. das phpBB sind sehr effektiv, um wiederkehrende Besucher auf Websites zu ziehen. In gut besuchten Foren sammelt sich im Laufe der Zeit eine erstaunliche Menge an oft wertv...

Webmaster Blog: Weblog oder Forum (18.04.04 19:31)

 

Ich habe ein Forum aus genau gegenteiligem Grund online: Privatsphäre. Freunde und ich nutzen das zur privaten, zeitversetzen, ortsunabhängigen Kommunikation. Natürlich ist das ein relativ kleiner Nutzerkreis von maximal 50 Leuten. Aber mit denen klappt das, eben aufgrund der Beziehung außerhalb des Internets als Ergänzung hervorragend.

Philipp Kühn am 17.04.04 17:14 #
 

Wahr. Ich glaube dass private Foren ganz anders funktionieren als öffentliche. Den Begriff "Forum" beziehe ich hier auch nicht auf das Tool an sich, sondern auf die Funktion. Danke für die Klarstellung.

Martin Röll am 17.04.04 17:27 #
 

Martin Dugages "Blogs and CoPs" knüpft hier übrigens an:

Blogger networks generate communities of practice (and communities of practice generate projects)
When a group of bloggers have generated enough relationships through entries, comments and trackbacks, they might want to take it to the next step with a more formal structure. Typically, a small group of 3-7 people decide to gather face-to-face to organize a learning event for 20 to 60 bloggers in a synchronous mode, often face-to-face. This event might attract enough energy to become the first of a series, in which case a community of practice is forming.

Weblog-Vernetzung kann also durchaus wieder zu etwas führen, das "zentraler" ist und auch "wie ein Forum" ist. Diese Diskussion ist aber anders als eine, die auf einem öffentlichen Forum entsteht oder stattfindet.

Martin Röll am 17.04.04 17:30 #
 

In seinem Community-Buch schreibt Derek Powazek über den Vorteil von Weblog-artigen, kommentierenden Diskussionen gegenüber Foren: Sie sind näher am Inhalt dran. Während Foren hauptsächlich von Diskussionen bestimmt werden, ist in Blogs ein Artikel des Autors = Moderators = Hosts der Beginn der Debatte. Und zu diesem Inhalt gelangt man als Leser eher als in irgendein Forum, sei es via Suchmaschine, via Referer von anderen Blogs oder als regelmäßiger Besucher (Stammleser).

Peter am 18.04.04 09:56 #
 

Der Umfang und die Zahl der Diskussionen ist
nicht nur in Foren zurück gegangen sondern
auch in Diskussionslisten.

Ich vermute dass es zum Teil auch damit zusammen-
hängt, dass viele Leute wieder weniger bereit sind,
Wissen zu teilen. Deshalb nicht, weil sich seit 1995
einiges geändert hat. Damals half man sich noch
gegenseitig. Heute ist's wieder ein Hauen und Stechen wie überall.

Klaus Arnhold am 18.04.04 11:03 #
 

> Der Autor kann die Diskussion selbst kontrollieren.

Kann er nicht wirklich. Vielleicht auf seinen eigenen Weblog, aber es ist auch nicht zu verhindern, das jemand anderes die Diskussion auf seinen eigenen Weblog oder Forum an sich zieht, sei es auch nur weil er einen Pointer auf die eigentliche Diskussion setzen wollte. Davon muss man als Author auch garnichts mitbekommen, denn Weblogs sind für übergreifende Diskussionen imho zu dezentral, als das sich wirklich eine umfassende Diskussion zu einen Thema bilden könnte. Nicht jeder diskutiert auf dem entsprechenden Weblog mit, sondern schreibt seine Meinung ins eigene Blog, womöglich ohne Ping oder Trackback an den Original-Eintrag.

Joern am 19.04.04 08:28 #
 

in dem Moment kommen Tools wie Technorati ins Spiel, Jörn. ;)

Philipp Kühn am 19.04.04 10:17 #
 

Ich denke schon, dass "umfassend" diskutiert werden kann. Wenn ein Autor daran interessiert ist, auch andere Beiträge als nur die auf seinem Weblog mit einzubeziehen kann er ja TrackBack nutzen, die Diskussionen in anderen Weblogs verfolgen und ggf. nachträglich auf sie linken. Es ist ja auch nicht unüblich, wenn eine Diskussion umfangreicher wird, sie über mehrere Weblog-Einträge zu ziehen, also nach einer Woche einen "Letze Woche habe ich einen Eintrag zu X geschrieben, daraufhin hat A..."-Eintrag zu schreiben, Punkte zusammenzufassen usw.

Martin Röll am 19.04.04 12:16 #
 

ich wuerde keinen unterschied zwischen foren und themengebundenen, diskussionszentrierten community-weblogs wie metafilter machen, da sie sich nur durch die verwendete software und das fehlen von smilies unterscheiden. solche sites sind immer dann gut, wenn sie ein klar unrissenes thema bearbeiten. bei persoenlichen weblogs ist das tolle, dass ein weblog ein breites spektrum an themen hat, aber aus dem blickwinkel einer person. insofern gehe ich in foren, um etwas konkretes zu suchen und in weblogs, um etwas zu finden, was ich eigentlich nicht suche.

ansonsten gibt es bestrebungen, in weblogs das feeling von foren aufleben zu lassen. man diskutiert miteinander, aber schreibt alles in sein eigenes weblog, um nachtraeglich ueber trackbacks und backlinks sowas wie threads zu bekommen. ich mag das nicht. vielleicht nuetzt es den schreibern, weil sie alles selber kontrollieren koennen, aber fuer die gelegentlichen leser ist das total unuebersichtlich.

(medienkompetenz bedeutet auch, dass man weiss, wo ein beitrag am besten hingehoert. deshalb schreibe ich hier und nicht in mein blog ;-)

kris am 19.04.04 12:53 #
 

@Jörg
Oder mit Ping und irgendwas geht dabei schief ...
Und auch Technorati ist längst nicht so zuverlässig ... ich habe so manche Verlinkung in meinen Referrers gehabt, der nie in Technorati erschien.

Stellt sich die Frage, ob man vom eigenen Blog noch mit oder nicht doch eher parallel diskutiert oder gar über das andere Blog schreibt.

Silke Schümann am 19.04.04 18:16 #