6. April 2004

[ Kommunikation ]

IM, Mail, Fon

Flemming Funch schreibt über Continuous Partial Attention und Kommunikationskanäle:

I notice the disconnect with people I work with in one or another who don't themselves work that way. Some people I can't get hold of for days, to ask a quick, but critical question. And I get it the other way. Sometimes somebody will come and tell me they've been trying to get hold of me for a week, and it is a big crisis. That's invariably people who don't use IM and cellphones, and who don't really get the IM thing, and all they did was maybe to send me an e-mail a week ago, saying IMPORTANT in the subject line, which got munched up by my spam filter, and they're waiting for my answer. And they never realized that they can reach me quickly and easily with IM, and if somehow it has to be this second, my cellphone is always with me.

Mir geht es ganz ähnlich. Instant Messaging, E-Mail und das Telefon haben ganz spezielle Rollen in meiner Arbeit und es fällt mir auf, wie es schwierig wird, mit Leuten zu arbeiten, die damit nicht oder völlig anders arbeiten als ich.

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Geht mir selbst in meinem Privatleben manchmal so - alte Bekannte werfen mir vor, dass sie mich wochenlang nicht per Telefon erreichen konnten, weil ich fast nie zu Hause war. Früher bin ich manchmal extra nach Hause gegangen, in der Erwartung, dass jemand anrufen könnte. Heute mache ich das einfach nicht mehr, da ich ja jederzeit per Mobiltelefon oder E-Mail (ganz zu schweigen vom Instant Messenger) erreichbar bin. Freundschaften mit Leuten, die die neuen Kommunikationstechnologien meiden, werden dadurch immer komplizierter. Aber ich genieße die neue Freiheit zu sehr und mag mich nicht gerne einschränken lassen. Ich habe mir schon öfter die Frage gestellt, ob ich die Schuld für den Kontaktverlust mir suchen muss oder beim anderen. Lässt sich wahrscheinlich so und so beurteilen...

Stefanie am 07.04.04 12:07 #
 

Nüchtern betrachtet, orientiert sich auch Kommunikation an der Aufwand/Ergebnis-Rechnung. Wieviel ist mir der Kontakt zu meinen KommunikationspartnerInnen - in Summe - Wert? Oder anders gesagt: Wieviel bin ich bereit, in meine Kommunikationsflexibilität zu investieren, um einen optimalen two-way Informationsfluss aufrecht zu erhalten oder zu gewährleisten?
Da der Aufwand für die technisch Bewanderten und Fitten geringer ist als für die "Illiterates", gibt es meiner Meinung nach eine gewisse Bringschuld der ersteren. Wenn ich vergleiche, wie steil die Lernkurve für meine Mutter (75) ist, mit ihrem Handy zurecht zu kommen, dann ist der "Aufwand" für mich, Sie am Festnetz anzurufen, irrelevant. Und umgekehrt: Wenn ich schon ein "mobiler" Mensch bin, wie groß ist denn schon der Aufwand einer Rufumleitung (10 Sekunden?).
Oder noch anders gesagt: Kommunikation wird in erster Linie durch menschliche Beziehungen bestimmt, nicht durch technische Mittel. Argumente, die die Verschlechterung oder den Verlust von zwischenmenschlichen Beziehungen (welcher Art auch immer) auf die unterschiedliche Fokussierung auf Kommunikationsmittel zurückführen, halte ich schlichtweg für "Ausreden".
Oder überhaupt ganz anders gesagt: Den kommunikationstechnologisch Fitten zeichnet die backward-compatibility aus :-)

Markus Pirchner am 07.04.04 12:38 #
 

Sehr guter Punkt. Ich versuche auch immer, "abwärtskompatibel" zu bleiben und meine weniger geekigen Mitmenschen nicht durch meine Kommunikationstechnologiewahl einzuschränken. Deshalb gibt es zum Beispiel fast immer eine Rufumleitung vom Festnetz aufs Mobiltelefon, wenn ich unterwegs bin (wer mich anrufen will, soll keine Rücksicht darauf nehmen müssen, wo ich bin), einen Zugriff auf E-Mail mindestens alle 48 Stunden (um das "oh, ich hab ihm eine E-Mail geschrieben. Aber er ist unterwegs... Ob er die jetzt bekommen hat?" zu vermeiden - man kann mir _immer_ E-Mail schreiben und davon ausgehen, dass ich die bekomme), eine zentrale Voicemailbox und gelegentlich Hardcopies von wichtigen Dingen aus dem Weblog für gewisse Leute. ;-)

Dennoch: Wer wirklich mit mir zusammenarbeiten will hat ein Problem wenn seine Kommunikationskanäle ganz anders sind als meine. Oder ich habe es, je nachdem...

Martin Röll am 07.04.04 13:01 #
 

Bei der ZusammenARBEIT erlebe ich es (wenn überhaupt) vor allem beim Transfer von Daten, die weiter verarbeitet werden sollen, dass "inkompatible" Formate zu einem Reibungs- (Energie-, Zeit-, Effizienz-)Verlust führen können. Das beschränkt sich meist auf Faxe mit Texten/Zahlen, die ich halt nur ungern eintippe oder per OCR umwandle.
Sobald einem Partner oder Kunden aber einmal klar gemacht wurde, dass es (auch) sein Geld ist, das da unnütz verbraten wird, stellt sich sehr bald eitel Wonne und Freude und - der Austausch von Daten in prozessierbarer Form ein.
Meine Erfahrung: Je flexibler man selber (oder die eigene Infrastruktur) ist, desto leichter der Umgang mit den anderen. Und das bisschen "Nachhilfe", um andere auf einen erträglichen technologischen Standard zu bringen, nehme ich gerne in Kauf.
Wenn jemand mir partout seine Daten in Granit gemeißelt zukommen lassen will: soll er doch. Immerhin läuft das Business, das zuletzt mit 10 Paragrafen auf 2 Steintafeln begonnen hat, immer noch ganz gut - und das seit mehr als 2000 Jahren. (Soll ich jetzt noch die durchschnittliche Lebenserwartung von Dotcom-Unternehmen anführen?) :-))

Markus Pirchner am 07.04.04 14:55 #